Herausforderungen für psychisch kranke Mütter bei der Suche nach Hilfe

Für psychisch kranke Mütter kann es aus verschiedenen Gründen schwierig sein, Hilfe zu suchen. Die Quellen, insbesondere die Ausführungen von Dr.med. Ursula Davatz, beleuchten einige dieser Herausforderungen:

Stigmatisierung und Scham:

  • Gesellschaftliche Stigmatisierung: Psychische Erkrankungen sind in der Gesellschaft oft noch stark stigmatisiert. Mütter, die an einer psychischen Erkrankung leiden, können sich schämen und Angst vor Verurteilung haben. Sie fürchten, als schlechte Mutter abgestempelt zu werden oder dass ihnen ihre Kinder weggenommen werden könnten.
  • Verheimlichung der Krankheit: Aus Scham und Angst vor negativen Konsequenzen versuchen betroffene Mütter oft, ihre Krankheit zu verheimlichen. Dies kann dazu führen, dass sie sich isolieren und keine Unterstützung suchen.
  • Beispiel Sucht: Die Quellen zeigen, dass Sucht in der Gesellschaft oft nicht als Krankheit anerkannt wird, sondern als persönliches Versagen gesehen wird. Süchtige Mütter erleben deshalb häufig zusätzliche Stigmatisierung und haben noch größere Schwierigkeiten, sich Hilfe zu holen.

Verleugnung und Angst:

  • Angst vor Kontrollverlust: Psychisch kranke Mütter können Angst davor haben, die Kontrolle über ihr Leben und ihre Kinder zu verlieren, wenn sie sich Hilfe suchen. Sie befürchten, dass die Behörden eingreifen und ihnen die Kinder wegnehmen könnten.
  • Verleugnung der Krankheit: Manche Mütter verleugnen ihre Erkrankung oder die Schwere ihrer Situation. Sie spielen die Probleme herunter und versuchen, nach außen hin den Anschein zu wahren, dass alles in Ordnung ist. Dies kann dazu führen, dass sie erst sehr spät oder gar nicht professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
  • Beispiel Psychose: Psychotische Mütter können aufgrund ihrer Krankheit die Realität verzerrt wahrnehmen. Sie erkennen möglicherweise nicht, dass sie Hilfe benötigen oder misstrauen anderen Menschen, einschließlich Fachleuten.

Überforderung und Isolation:

  • Erschöpfung und Überforderung: Psychische Erkrankungen sind oft mit Symptomen wie Erschöpfung, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten verbunden. Dies kann es den Müttern zusätzlich erschweren, den Alltag zu bewältigen und sich aktiv um Hilfe zu bemühen.
  • Soziale Isolation: Psychisch kranke Mütter sind häufig sozial isoliert. Sie haben möglicherweise wenige soziale Kontakte und kein unterstützendes Netzwerk, an das sie sich wenden können. Dies kann die Suche nach Hilfe zusätzlich erschweren, da sie sich alleine und überfordert fühlen.
  • Beispiel Borderline-Persönlichkeitsstörung: Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden oft unter emotionaler Instabilität, Impulsivität und Schwierigkeiten in Beziehungen. Dies kann dazu führen, dass sie Misstrauen gegenüber anderen Menschen entwickeln und es ihnen schwerfällt, stabile Beziehungen aufzubauen, auch zu Therapeuten.

Schwierige Erfahrungen mit dem Hilfesystem:

  • Negative Erfahrungen in der Vergangenheit: Mütter, die in der Vergangenheit negative Erfahrungen mit dem Hilfesystem gemacht haben, sind möglicherweise zurückhaltend, erneut Hilfe zu suchen. Sie haben vielleicht das Gefühl, nicht ernst genommen oder nicht adäquat unterstützt worden zu sein.
  • Beispiel: Unzureichende Unterstützung: Die Quellen beschreiben Fälle, in denen Mütter mit psychischen Erkrankungen unzureichende Unterstützung vom Hilfesystem erhalten haben.
  • Fehlende Sensibilität: Einige Fachleute reagieren möglicherweise unsensibel auf die Bedürfnisse psychisch kranker Mütter oder zeigen wenig Verständnis für ihre Situation. Dies kann dazu führen, dass die Mütter sich abgelehnt und missverstanden fühlen und die Therapie abbrechen.

Fazit:

Die Suche nach Hilfe ist für psychisch kranke Mütter eine große Herausforderung. Sie sehen sich mit Stigmatisierung, Scham, Angst, Überforderung, Isolation und möglicherweise negativen Erfahrungen mit dem Hilfesystem konfrontiert. Es ist wichtig, dass Fachleute sensibel auf die Bedürfnisse dieser Mütter eingehen, ihnen Verständnis und Unterstützung anbieten und ihnen helfen, die vorhandenen Ressourcen zu nutzen.

https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf