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Dr.med. Ursula Davatz

29.3.2025
Immer mehr psychisch kranke Jugendliche. Was läuft schief?
Audio

[00:00:01.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich begrüsse sie ganz herzlich zu dem heutigen Workshop.

[00:00:05.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein regnerischer Tag, aber wir machen uns seelische Wärme, dass uns das gar
nicht stört.

[00:00:13.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema lautet: immer mehr psychisch kranke Jugendliche. Was läuft schief?

[00:00:21.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema ist in der Sonntagspresse allgegenwärtig.

[00:00:22.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendpsychiatrie ist völlig überfordert.

[00:00:37.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Abklärungen, mit Aufnahmen etc.

[00:00:41.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nimmt wahr, dass es der Jugend nicht so gut geht.

[00:00:45.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute anwesend sind alles Frauen und ein Token Mann.

[00:00:50.420] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie müssen sich gut repräsentieren und sich auch wehren, wenn wir etwas falsch sagen

[00:00:56.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist offensichtlich ein Anliegen der Frauen.

[00:01:05.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Frauen gehört die Zukunft.

[00:01:09.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Kandidatur von Kamala Harris dachte ich: jetzt kommt es.

[00:01:12.750] – Dr.med. Ursula Davatz
It has to get worse before it gets better.

[00:01:20.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss zuerst noch mal zurück gehen.

[00:01:22.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ein Buch von Frans de Waal. Das Buch heisst: der Unterschied.

[00:01:24.090] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.klett-cotta.de/produkt/frans-de-waal-der-unterschied-9783608986396-t-5410

[00:01:33.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Er zeigt auf, wie die Frauen ein anderes Gehirn haben als die Männer.

[00:01:40.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne Untersuchungen aus der Literatur.

[00:01:46.020] – Dr.med. Ursula Davatz

Elena Brivio hat bei den Ratten Männer und Frauenhirne untersucht.

[00:01:48.660] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.cell.com/cell-reports/fulltext/S2211-1247(23)00885-9

[00:01:48.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat gezeigt, dass Ratten mehr Nervenendungen machen, mehr Oligodendrozyten,
die Frauen vernetzen im Gehirn.

[00:02:07.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer vereinfachen eher.

[00:02:13.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer fahren gegen die Wand.

[00:02:32.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die heutige Politik anschaut, kann man das sehr gut beobachten.

[00:02:36.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir geben nicht auf.

[00:02:39.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Zukunft gehört den Frauen.

[00:02:42.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Buch von Frans de Waal zeigt, wie das weibliche Verhalten anders ist.

[00:02:49.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Affen neue Materialien zum Essen gibt, Getreide im Sand, dann lernen
die Kinder das ins Wasser zu werfen, der Sand sinkt ab, das Getreide schwimmt oben
auf. Dann kann man es essen.

[00:03:03.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das lernen alle Kinder und alle Mütter.

[00:03:19.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Dominante Affe lernt es nie.

[00:03:24.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Er lernt es nicht, weil er so beschäftigt ist mit verteidigen.

[00:03:29.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Er muss seine Brut verteidigen.

[00:03:31.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein paar weitere Bemerkungen oder Überlegungen zum Thema Erziehung.

[00:03:43.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wollte nie eine Lehrerin werden.

[00:03:45.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme aber immer mehr ins Lehren.

[00:03:45.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erziehung in der Familie dient dazu, die Tradition der Familie aufrechtzuerhalten.

[00:03:59.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Wertvorstellungen und wie man dann die Wertvorstellungen weitergibt, das ist auch
wieder unterschiedlich.

[00:04:05.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Entweder mit Belohnung oder Bestrafung oder mit Vorbild.

[00:04:11.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Vorbild ist etwas ganz Wichtiges.

[00:04:15.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann demokratisch erziehen oder man kann autoritär erziehen. Das sind einfach
zwei Extreme. Natürlich gibt es Mischformen.

[00:04:23.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Gleichzeitig wollen wir, dass unser Nachwuchs, unsere Zukunft, dass der erfolgreich
erzogen wird, die einzelnen Individuen, die wenigen Kinder. Heute hat man weniger
Kinder.

[00:04:50.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen lernen sich durchsetzen und sie müssen auch lernen, sich anzupassen und
vor allen Dingen zu kooperieren.

[00:05:04.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich in die Gesellschaft integrieren können.

[00:05:09.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben eine multikulturelle Gesellschaft.

[00:05:10.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben 30% Ausländer in der Schweiz

[00:05:15.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele multikulturelle Heiraten.

[00:05:18.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommen verschiedene Erziehungsmodi zusammen.

[00:05:22.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können sich gegenseitig bekämpfen oder ergänzen.

[00:05:27.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei mir landen natürlich alle, die miteinander kämpfen.

[00:05:31.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Erziehungsverantwortlichen miteinander kämpfen, dann ist das kein gutes
Klima für Kinder.

[00:05:40.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder Vermittler sein müssen, dann nimmt ihnen das sehr viel Energie weg
für ihre eigene persönliche Entwicklung.

[00:05:55.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich schade.

[00:06:01.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Schizophrenie Familien hat man auch Untersuchungen gemacht.

[00:06:14.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort waren Eltern in einem stummen, unterdrückten Machtkampf.

[00:06:19.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass wir als Frauen mit den Männern umgehen können, dass wir uns
durchsetzen können.

[00:06:33.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir brauchen weder ein Matriarchat noch ein Patriarchat.

[00:06:35.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir brauchen etwas Kombiniertes, wo zusammen geareitet wird.

[00:06:42.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Sprache her gibt es auch Unterschiede.

[00:06:44.350] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Schulen setzt sich das albanische Schweizerdeutsch mehr durch, als das
Schweizer Schwyzerdütsch.

[00:06:54.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht das auch bei der Sprache.

[00:06:57.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand der sich dominant verhält, setzt sich auch in der Sprache durch.

[00:07:01.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist interessant.

[00:07:02.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht alles schlecht, aber es ist wichtig, dass wir Schweizer wach sind und dass
wir für unsere Werte einstehen und diese auch weitergeben.

[00:07:37.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule beinhaltet einerseits das Lernen von Kompetenzen.

[00:07:43.440] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule muss rechnen, schreiben und sich ausdrücken lernen.

[00:07:52.150] – Dr.med. Ursula Davatz

Früher war der Lehrer die Person, welche alles gewusst hat, und die anderen waren
zweitrangig.

[00:07:55.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kann man sich das gesamte Wissen im Internet holen.

[00:08:02.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wissen ist heute nicht mehr so wichtig, denn man kann ja alles googlen.

[00:08:07.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man mit dem Wissen macht und wie einem das Wissen gegeben wird, das ist nach
wie vor wichtig.

[00:08:14.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht das gleiche, ob man von einer Person etwas lernt oder vom Internet etwas
lernt.

[00:08:20.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von einer Person etwas lernt, dann ist es immer auch ein Austausch, ein
emotionaler Austausch.

[00:08:28.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nur vom Internet oder von irgendwelcher künstlicher Intelligenz etwas lernt,
ist das immer so etwas steif.

[00:08:40.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die künstlich gespielten Figuren sind steif.

[00:08:45.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen Film gesehen mit nur künstlichen Figuren. Der Film hiess Anomalia.

[00:08:49.946] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.amazon.com/Anomalisa-Spain-see-details-languages/dp/B01C8D5QZA

[00:08:50.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich dachte immer: wann kommt endlich ein Mensch?

[00:08:50.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat mich richtig angestrengt, dass ich da immer diese künstlichen Figuren
anschauen musste.

[00:09:08.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Welt ist sehr begeistert von der künstlichen Intelligenz.

[00:09:13.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zum Beispiel das Gehirn von einem Menschen funktionell anschaut, wenn
das Gehirn mit einem Mobile beschäftigt ist, verglichen mit wenn zwei Menschen
miteinander reden, sich austauschen, dann sind nur wenige Netzwerke im Gehirn
aktiviert.

[00:09:58.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mensch mit einem anderen Menschen kommuniziert, dann gibt es eine
riesige Vernetzung im Gehirn.

[00:10:06.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Vernetzung geht verloren, wenn wir nur noch mit dem Mobiltelefon durch die Welt
laufen.

[00:10:09.520] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Erziehung müssen wir sehr stark für die Vernetzung plädieren.

[00:10:19.390] – Dr.med. Ursula Davatz

Nichts kann die persönliche Beziehung ersetzen.

[00:10:25.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Väter sagen oft: für die Beziehung ist die Mutter zuständig. Ich verdiene das Geld.

[00:10:36.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gehen viele Mütter auch arbeiten und verdienen auch Geld.

[00:10:45.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind die Mütter für beides zuständig, für die Beziehung zu Hause und für die
Beziehung am Arbeitsplatz.

[00:10:58.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen merken, wenn etwas nicht gut läuft. Sie können nicht einfach so
vorbeilaufen.

[00:11:05.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer können in die Wand fahren oder einfach alles vereinfachen.

[00:11:09.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer können ausschalten, wenn sie irgendwelche Probleme am Arbeitsplatz
haben.

[00:11:15.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles emotionale Sachen, wo die Frauen gut sind.

[00:11:23.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen dürfen diese Fähigkeit nicht verlieren und müssen sie auch weiter geben.

[00:11:30.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist sehr wichtig, dass in der Schule nicht nur Wissen und Leistung weiter gegeben
wird.

[00:11:30.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir leben in einer starken Leistungsgesellschaft, eine individuelle Leistungsgesellschaft.

[00:11:47.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Kompetition ist in der heutigen Gesellschaft wichtig.

[00:11:50.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Schnellste wird am meisten bewundert.

[00:11:54.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Vernetzung ist viel wichtiger.

[00:11:54.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Tierverhalten interessiert mich. Bei den Tieren kann ich objektiver sein.

[00:11:54.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich eine Zeit lang mit Kannibalismus beschäftigt.

[00:12:18.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Tiere töten nur zum Fressen.

[00:12:26.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen, wir töten zum Recht haben.

[00:12:30.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wahnsinnig.

[00:12:32.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Unser Grosshirn ist das Tollste von unserer Evolution.

[00:12:39.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann am meisten lernen.

[00:12:40.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es weiss am meisten.

[00:12:41.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann sich am meisten entwickeln.

[00:12:43.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch eine riesige Gefahr, dass man Recht haben möchte.

[00:12:48.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Kämpfe darüber wer Recht hat, sind sehr schwierig.

[00:12:55.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind zerstörerisch.

[00:12:58.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ein Debattieren ist, dass man sich mit anderen Sachen auseinandersetzt,
dann ist das alles in Ordnung.

[00:13:07.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man voneinander lernen, dann ist es ein Argument gegen ein Argument,
These, Antithese und Synthese.

[00:13:17.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute läuft vieles auf These, Antithese hinaus.

[00:13:22.550] – Dr.med. Ursula Davatz
These und Antithese werden schlussendlich mit Kämpfen, Panzern und Atomwaffen
ausgetragen.

[00:13:32.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht gewinnen bei der These Antithese.

[00:13:33.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute kann man nicht mehr gewinnen.

[00:13:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Globalwirtschaft hat uns hoch gebracht.

[00:13:45.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Globalwirtschaft hat die Chinesen hoch gebracht.

[00:14:00.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Globalwirtschaft hat viel Geld eingebracht, Reichtum, Verbesserung, etc.

[00:14:05.850] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Welt von einer Globalwirtschaft kann man eigentlich nicht mehr gewinnen.

[00:14:13.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer zusammen arbeiten.

[00:14:21.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen zusammenarbeiten auch im Umgang mit CO2.

[00:14:23.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man sieht ist, dass oft schlecht zusammengearbeitet wird.

[00:14:33.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein soziales Wesen.

[00:14:40.220] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät entwickelt sich unser Gehirn.

[00:14:42.650] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät wird das Gehirn neu vernetzt.

[00:14:48.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nennt man Synaptic Pruning.

[00:14:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben viele angelegte Netzwerke, die dann auch gekappt werden.

[00:14:58.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die werden abgebrochen und es werden so wie Autobahnen angelegt, funktionale
Netzwerke.

[00:15:08.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum spielt in der Pubertät die Interaktion mit dem Umfeld eine riesige Rolle.

[00:15:17.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine sehr wichtige Entwicklungszeit vom menschlichen Gehirn.

[00:15:22.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Jean Piaget hat das Konzept vom Dezentrieren.

[00:15:30.072] – Dr.med. Ursula Davatz
https://fr.wikipedia.org/wiki/Jean_Piaget

[00:15:30.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, in der Pubertät kann man lernen: du siehst das so, ja, ich kann das
nachvollziehen. Ich sehe es so. Es muss niemand Recht haben.

[00:15:41.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Beide Blickwinkel sind absolut in Ordnung.

[00:15:46.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kennt man auch in der Physik, dass man das Licht als Welle und als Korpuskel
sehen kann.

[00:15:53.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Selbst in den harten Wissenschaften kann man die Sachen verschieden anschauen.

[00:15:58.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand Recht haben möchte, kann man etwas nicht unterschiedlich anschauen.

[00:16:02.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Jean Piaget sagt, dass 60% in der Pubertät dezentrieren lernen. Die anderen 40%
lernen es nie.

[00:16:16.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand der nie richtig Dezentrieren gelernt hat, der kann auch nicht richtig
zusammenarbeiten.

[00:16:24.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich von seinem intellektuellen Konstrukt auch lösen können.

[00:16:33.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geschieht in allen Ehestreits.

[00:16:41.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder will Recht haben und sagen wie es ist.

[00:16:46.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss ich dem Ehepaar auch immer helfen. Du siehst es so oder sie sehen es so
und ihre Frau sieht es so.

[00:16:54.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo ist der Schnittpunkt und wie kann man da etwas Neues daraus machen?

[00:16:58.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst wird das Kind innerhalb der intellektuellen erzieherischen Machtkämpfen zerstört.

[00:17:09.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben verschiedene Kulturen.

[00:17:18.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Die verschiedenen Kulturen bringen auch wieder verschiedene Wertesysteme mit sich.

[00:17:22.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind sehr stark geprägt von der christlichen Kultur.

[00:17:27.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Kommt eine andere Kultur, dann kommt man auch schnell in einen Streit hinein.

[00:17:40.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist kein Streit so schlimm wie der Religionskrieg.

[00:17:45.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sehen wir jetzt auch immer. Da müssen wir lernen, wie damit umgegangen werden
soll.

[00:17:52.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kann man mit Andersdenkenden kollektiv umgehen?

[00:17:56.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kann man sich einander nähern?

[00:17:58.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Als allgemeine Regel ist es wichtig, dass man sich annähert, versucht zu dezentrieren
und heraus zu finden: aha, wie sieht er das? Ah so kann man es auch sehen.

[00:18:10.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst nicht, dass man ein Wendehals sein muss und sich nach dem richten muss.

[00:18:18.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht darum, die Unterschiede zu sehen.

[00:18:23.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Gregory Bateson hat gesagt: a difference is a difference, which makes a difference.

[00:18:30.697] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Gregory_Bateson

[00:18:30.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Unterschied ist dann ein Unterschied, wenn es einen Unterschied macht.

[00:18:36.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Ehepaar streitet, dann sage ich immer: sie müssen nicht kämpfen und Recht
haben wollen.

[00:18:45.250] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie müssen den Unterschied sehen.

[00:18:47.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern antworten dann häufig: ich muss doch am gleichen Strick ziehen, sonst hat
das Kind keine klare Referenz.

[00:18:57.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich höre: am gleichen Strick ziehen, dann sage ich: das erwürgt das Kind.

[00:19:02.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele erwachsene Kinder sagen: es ist so unangenehm gewesen, wenn beide Eltern auf
mich losgegangen sind.

[00:19:13.930] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Erziehung wird das oft als toll angeschaut, dass man absolut gleicher Meinung
ist.

[00:19:20.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: nein, man muss nicht unbedingt gleicher Meinung sein.

[00:19:24.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Unterschiede müssen klar zum Ausdruck kommen.

[00:19:28.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Unterschiede klar zum Ausdruck kommen, dann kann das Kind gut lernen: ah
die Mutter sieht es so und der Vater sieht es so.

[00:19:38.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nach dem ist eine gewisse Haltung besser oder erfolgreicher oder weniger
erfolgreich.

[00:19:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird gesagt: das Kind geht nach dem geringsten Widerstand.

[00:19:52.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann moralisch verurteilen.

[00:19:55.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nein: das ist ein Optimieren.

[00:20:00.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind optimiert seinen Lebensentwurf.

[00:20:03.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind wäre ja blöd, wenn das Kind für das Thema, wo es weiss, dass der Vater da
ganz dagegen ist, zum Vater gehen würde.

[00:20:11.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann immer noch mit dem Vater diskutieren.

[00:20:11.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Kind nicht moralisch erziehen, sondern nach seinen eigenen
Wertvorstellungen und die sind individuell.

[00:20:28.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind nie gleich.

[00:20:29.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon Mann und Frau sind nicht gleich.

[00:20:32.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen unterschiedlich sein.

[00:20:32.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der ganzen Geschlechterdiskussion von Binär und Nonbinär versucht man den
Unterschied zu differenzieren.

[00:20:42.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein wenig extrem, wie man versucht ein Thema daraus zu machen.

[00:20:53.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde es individueller angehen.

[00:20:58.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr man lernt, je mehr man sich mit Unterschieden auseinandersetzt, umso mehr
lernt man voneinander.

[00:21:17.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Mann und Frau können von einander lernen. Wir können von unseren Kindern lernen.

[00:21:18.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr wir die Unterschiede anschauen, umso grösser wird die Differenzierung in
unserem Gehirn.

[00:21:29.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Je differenzierter unser Gehirn wird, umso anpassungsfähiger wird es.

[00:21:34.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist der anpassungsfähigste.

[00:21:36.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Über unser Gehirn sind wir sehr anpassungsfähig.

[00:21:40.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir uns auf Machtkämpfe einlassen, dann sind wir nicht mehr anpassungsfähig.

[00:21:45.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann machen wir einfach kaputt.

[00:21:52.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Jugendliche müssen lernen sich zu dezentrieren.

[00:21:59.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Während die Frauen arbeiten, gehen die Kinder an den Mittagstisch oder in der Hort.

[00:22:06.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort werden die Kinder einfach sich selber überlassen.

[00:22:13.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Stärkere gewinnt. Der setzt sich durch. Es gibt Streit, es gibt Schlägereien.

[00:22:46.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird immer nur das zuletzt Geschehene angeschaut.

[00:22:46.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Man schaut nur denjenigen an, der dreingeschlagen hat.

[00:22:46.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Da läuft auch ein Geschlechterkampf unter Mädchen und Buben.

[00:22:57.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Buben sagen: die Mädchen sind so blöd.

[00:23:02.800] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Mädchen können gut die Jungs ärgern.

[00:23:03.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Knabe schlägt zu und wird bestraft.

[00:23:11.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Lösung wird in der Schule dann oft das Entschuldigungsverfahren angewendet.

[00:23:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zusammen kommen, sich entschuldigen und wieder Frieden machen.

[00:23:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird so Frieden gemacht.

[00:23:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt gar nichts.

[00:23:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Mädchen hat mal gesagt: ich bin noch nicht bereit. Ich habe es noch nicht
verarbeitet und das ist absolut stark.

[00:23:43.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens wird nicht gewartet, bis der seelische Prozess abgelaufen ist.

[00:23:51.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Sondern es wird sofort Frieden gemacht.

[00:23:53.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind Methoden, welche nicht funktionieren.

[00:23:53.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss viel sorgfältigere Konfliktbewältigung machen.

[00:24:03.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Konfliktbewältigung geht es nicht um Wissen.

[00:24:06.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht auch nicht um gewaltfreie Kommunikation nach Haim Omer.

[00:24:11.560] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Haim_Omer

[00:24:12.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht darum, dass man denjenigen, welcher verletzt worden ist und sich dann
aggressiv verteidigt hat, dass man die Verletzung zuerst sieht.

[00:24:20.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Verletzung sieht man nicht mit dem Computer. Die kann man nur erfragen,
erspüren.

[00:24:28.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die emotionale Intelligenz.

[00:24:31.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen haben viel emotionale Intelligenz und wir müssen sie auch einsetzen.

[00:24:39.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Aggression passiert, muss man immer zurückgehen und schauen: wo ist die
Verletzung geschehen?

[00:25:08.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Verletzung geht der Aggression immer voraus.

[00:25:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, alle Konflikte immer sorgfältig anzuschauen.

[00:25:21.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Interaktion muss dann auf bilateraler Ebene angeschaut und bearbeitet werden.

[00:25:22.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach nur: Entschuldigung.

[00:25:30.620] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle sind die Lehrer leider oft überfordert.

[00:25:34.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen befassen sich gar nicht mit der Gruppendynamik auf dem
Pausenplatz und schieben es auf die Eltern.

[00:25:44.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern sagen: das ist doch Schule.

[00:25:55.430] – Dr.med. Ursula Davatz
An den Elternabenden haben dann die Eltern und Lehrer Angst voreinander.

[00:25:55.850] – Dr.med. Ursula Davatz
In meinem neuen Kurs möchte ich den Lehrpersonen mehr Know-How vermitteln.

[00:26:15.230] – Dr.med. Ursula Davatz
https://ganglion.ch/html/popup_kurse.php?kurs_id=45

[00:26:17.190] – Dr.med. Ursula Davatz

In allen meinen Ausbildungen habe ich immer gemerkt: die Eltern und Lehrer habe
Angst voreinander.

[00:26:17.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die gehen aufeinander los. Dort muss man mehr Vermittlung machen, so wie auch
zwischen Mann und Frau.

[00:27:01.290] – Bemerkung 1
Bei uns sprechen die Schulsozialarbeiter vom Peacemaker. Sie lernen wie man die
Friedensbrücke macht im Kindergarten. Am Schluss geht es darum, dass beide sagen
können, warum das geschehen ist.

[00:27:50.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gut, wenn jedes Kind das selber machen darf.

[00:27:58.790] – Bemerkung 1
Jede Klasse hat zwei Peacemaker. Die Peacemaker wechseln jedes Jahr.

[00:28:10.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können dann Erfahrung sammeln.

[00:28:11.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wieviele Knaben und wieviele Mädchen machen Peacemaking?

[00:28:15.180] – Bemerkung 1
Immer ein Knabe und ein Mädchen.

[00:28:31.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer hat das eingeführt?

[00:28:33.570] – Bemerkung 1

Die Schulsozialarbeiterin.

[00:28:37.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist gut, dass es ein Kind macht.

[00:28:46.230] – Bemerkung 1
Im freien lernen, können die dann zur Schulsozialarbeiterin gehen und lernen dort dann
Konfliktbewältigung.

[00:28:59.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Super! Die Peacemaker können dann eine Ausbildung machen. Welche Schule ist das?

[00:28:59.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Rüfenacht.

[00:29:18.910] – Bemerkung 2
Bei uns wählt die Klasse den Klassensprecher und den Peacemaker.

[00:29:31.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Der bleibt auch ein Jahr?

[00:29:58.570] – Bemerkung 2
Die Peacemaker werden meistens von der Pausenaufsicht betreut.

[00:30:01.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft wird gesagt, dass die Pausenaufsicht gar nicht hinschaut.

[00:30:06.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder schauen besser hin.

[00:30:15.360] – Bemerkung 3

Von welcher Altersstufe sprechen wir hier?

[00:30:27.090] – Bemerkung 4
Ab der dritten Primarschule.

[00:30:32.130] – Bemerkung 5
Das System vom Peacemaker und der Friedensbrücke, das lernen sie schon im
Kindergarten.

[00:30:32.480] – Bemerkung 5
https://www.schule-wauwil.ch/%C3%BCber-uns/friedensbr%C3%BCcke/

[00:30:54.270] – Bemerkung 6
Wir hatten ein auffälliges Kind in der Schule, welches die Klasse gestört hat. Drei bis
vier Kinder waren dann die Vermittlungsstelle zwischen der Klasse und dem Kind. Das
hat der Schulsozialarbeiter ausgehandelt.

[00:31:40.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein ADHS/ADS Kind ist immer ausgeschert. Es gab eine Zusammenkunft. Der Junge
musste eine Woche lang von einem Klassenkameraden begleitet werden. Der durfte ihn
beschützen und ihm auch sagen: das warst du ein bisschen extrem.

[00:31:40.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben die ganz Klasse durchgemacht. Das Kind ist dann in der Schule geblieben
und hat abgeschlossen. Es ging bestens.

[00:32:27.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Einmal lief er davon, als ein Mädchen ihn hätte begleiten sollen und im Turnen nicht
teilnehmen durfte.

[00:32:52.860] – Bemerkung 7

Mein Sohn geht an eine Sonderschule. Dort ist immer ein Sozialpädagoge dabei, in der
Pause, beim Essen, die werden immer begleitet. Es geht ihm sehr gut.

[00:33:29.230] – Bemerkung 7
Es sind acht Jungs, ganz wenig Mädchen. Er hätte an eine Regelschule gehen können
aber das war die beste Entscheidung. Ich war lange hin und her gerissen.

[00:33:47.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen entscheiden und es ist jedes Mal wieder ein individueller Entscheid.
Alle haben Sonderbehandlung, das ist ein gewisser Luxus. Das ist auch schön. Er muss
nicht mit den Normotypen konkurrenzieren.

[00:34:26.600] – Bemerkung 8
Das Vernetzen vom Hirn, wie sich das verändert in der Pubertät. Wie ist das bei Kinder
mit Autismus Störungen?

[00:34:38.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus ist etwas ganz Spezielles.

[00:34:50.770] – Dr.med. Ursula Davatz
ADS kann in Richtung Autismus gehen. Die sind nicht nach aussen hyperaktiv, sondern
die sind nach innen hyperaktiv.

[00:35:08.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Die denken sehr viel. Sie denken sehr vernetzt.

[00:35:11.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die zu fest gestört werden von aussen her, dann ziehen sie sich noch mehr
zurück.

[00:35:23.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die denken immer sehr vernetzt.

[00:35:25.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld muss bei ADHS/ADS Kindern geduldig genug sein. Es muss warten
können.

[00:35:30.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Umfeld nicht warten kann, dann stört man die ADHS/ADS Kinder ständig in
ihrem Denkprozess.

[00:35:35.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht es an den Augen, ob sie da sind oder nicht.

[00:35:58.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie schauen einem oft nicht an, weil sie nicht in ihrem Denken gestört werden wollen.

[00:35:58.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht einen sorgfältigeren Umgang mit den ADHS/ADS Kindern, damit sich diese
gesund entwickeln können.

[00:36:12.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Normotyp leuchtet das Gehirn vorne auf. Die Normalen hören auf die Sprache.
Die Autisten schauen mehr das Bild, das Ganze an. Das Gehirn der Autisten prozessiert
sehr viel ganzheitlicher.

[00:36:12.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus dem ADHS/ADS kann auch eine bipolare Störung entstehen, eine manisch
depressive Krankheit.

[00:37:17.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben geschaut, wie das emotionale Gehirn verläuft.

[00:37:24.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADSler bleibt das emotionale Gehirn stärker vernetzt mit dem ganzen
Gehirn.

[00:37:35.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche hier von der breiten Aufmerksamkeit.

[00:37:45.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Die breite Aufmerksamkeit zeigt: es wird viel komplizierter prozessiert.

[00:37:48.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht es so langsam.

[00:37:51.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Normotyp, der schwenkt ein, zieht seine Scheuklappen an und schaut nur noch das
an.

[00:38:08.300] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind viel breiter vernetzt.

[00:38:08.580] – Bemerkung 9
Darum sind sie auch viel mehr irritiert, wenn viele Leute anwesend sind?

[00:38:12.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der breiten Aufmerksamkeit gibt es schnell einen System Overload. Dann bricht
alles zusammen.

[00:38:26.810] – Bemerkung 10
Ein übermässiges Mitleid mit dem Tier, welches sie essen, gehört das auch dazu?

[00:38:27.290] – Dr.med. Ursula Davatz

Ja, sie haben sehr viel Empathie.

[00:38:34.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Inder laufen so, dass sie auf keine Ameise stehen, weil das ein Vorfahre sein
könnte. So kommt man nicht gut voran.

[00:38:55.120] – Bemerkung 11
Was geschieht, wenn man mit dem Kind zu wenig Geduld hat? Eltern haben oft zu
wenig Geduld. Was für einen Schaden kann das anrichten?

[00:39:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe das oft. Das Kind ist autistisch veranlagt und die Mutter ist hyperaktiv.

[00:39:15.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Mütter muss ich zurück holen, beruhigen oder andere Personen reinbringen.

[00:39:44.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die Marte Meo Methode.

[00:39:52.845] – Dr.med. Ursula Davatz
https://martemeo.ch/was-ist-marte-meo/

[00:39:53.048] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wird alles verlangsamt.

[00:39:52.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hast du das erlebt? Hast du es so erlebt? Es wird alles nach kontrolliert. Es ist ein
verlangsamen.

[00:39:53.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher wurde gemorst. Dann konnte nur jemand sprechen. Der andere musste zuhören.

[00:40:08.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute können alle gleichzeitig aufeinander einreden und man versteht nichts.

[00:40:17.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Mütter muss man verlangsamen. Man kann es lernen.

[00:40:18.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss andere Personen reinholen.

[00:40:36.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Was auch helfen kann, wenn die Mütter der anderen Person zuschauen können, wie
man es anders machen kann.

[00:40:40.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Mutter mit einem hyperaktiven Kind. Die Mutter greift immer sofort ein. Ich
gehe ganz langsam vor und sie kann zuschauen.

[00:40:56.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man merkt, dass es besser geht, dann lernt man es eher.

[00:40:57.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst machen die Mütter mehr vom gleichen und es geht immer noch nicht.

[00:41:00.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Totschlagmethode funktioniert bei den ADHS/ADS Kindern nicht.

[00:41:09.960] – Bemerkung 12
Mein Kind reagiert nicht, wenn ich auf ihn los gehe. Er wird dann noch langsamer. Er
hat mich erzogen. Wir haben es zusammen aus gesessen.

[00:41:36.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben von ihrem Kind gelernt. Sie haben gemerkt, es funktioniert nicht und mussten
sich anpassen.

[00:41:50.410] – Bemerkung 12
Heute funktioniert es sehr gut zusammen. Er hat gesagt: ich habe es zwei Mal versucht
und ich fand es zu anstrengend.

[00:42:17.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein super Beispiel.

[00:42:20.920] – Bemerkung 12
Ich bin auch sehr hyperaktiv.

[00:42:37.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe oft, wenn Autismus auftritt, ist irgendjemand in der Familie hyperaktiv.

[00:42:44.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann die Mutter sein, der Vater ist oft nicht zu Hause.

[00:42:50.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann ein Geschwister sein. Die schaukeln sich auf. Der eine wird aktiver, der Autist
zieht sich immer mehr zurück.

[00:43:02.400] – Bemerkung 13
Ich habe ein Grosskind, welches mit Autisten in die Sonderschule geht. Es hat eine
Sprachstörung. Er muss sich immer mitteilen. Es kommt immer wieder dasselbe. Er
kann es nicht weglegen. Wenn er etwas drei Mal gesagt hat in der Schule, muss er
aufschreiben, was ihn beschäftigt. Das finde ich schwierig für ihn.

[00:43:03.120] – Bemerkung 13

Er hat eine Freundin an der Schule, die nur mit ihm spricht und ihren Eltern, ihren
Grosseltern. Sonst spricht sie mit niemandem.

[00:43:44.050] – Bemerkung 13
Sie muss jetzt an eine andere Schule gehen.

[00:44:33.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wahnsinnig.

[00:44:49.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, die haben den Trotz.

[00:45:36.190] – Bemerkung 13
Alles was ihn beschäftigt schaut er immer wieder nach.

[00:45:43.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten fragen immer wieder das gleiche.

[00:45:43.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie sagt man ja zu dem? Einfach nur Ja, Ja sagen, das geht nicht.

[00:46:30.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem sage ich validieren.

[00:46:40.230] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Alterspflege validiert man. Erst danach kann man zum nächsten Schritt weiter
gehen.

[00:46:45.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben die Tendenz nicht sorgfältig zu validieren.

[00:46:56.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Autistischen Kindern muss man sehr sorgfältig validieren.

[00:47:01.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die merken, ob man dabei ist oder nicht.

[00:47:04.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand ist in einen psychotischen Schub verfallen. Zu der Person musste man X Mal
"ja" sagen, sonst hat die Person nicht mehr kommuniziert.

[00:47:20.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste üben wie man zu ihr "ja" sagt.

[00:47:26.314] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich mich reingebracht und gesagt: ich höre gar nichts.

[00:47:26.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt muss ich nicht mehr "ja" sagen.

[00:47:41.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Ja sagen oder das Wiederholen ist eine menschliche Begegnung. Das ist eine
emotionale Angelegenheit.

[00:48:01.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man ganz fein den anderen wahrnehmen, damit er sich validiert fühlt.

[00:48:08.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann dabei verzweifeln. Wie sage ich es jetzt?

[00:48:16.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist schwierig. Es geht darum: wie spüre ich den anderen? Fühlt er sich gespürt bei
dieser Wiederholung?

[00:48:19.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist nicht immer gleich locker.

[00:48:48.590] – Bemerkung 13
Seine Cousine kann es sehr direkt zu ihm sagen: hör auf, jetzt hast du es fünf mal
gesagt, jetzt weiss ich es.

[00:49:04.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine gute Beziehung hat, kann man sich alles leisten. Wenn man keine gute
Beziehung hat, geht das nicht.

[00:49:15.500] – Bemerkung 14
Das geht Richtung Echolalie.

[00:49:25.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nur ein Name dafür.

[00:49:25.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer um die Beziehung.

[00:49:41.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen unsere Wahrnehmung sehr differenzieren.

[00:49:41.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Er will validiert werden und er validiert sich selbst, in dem er es wiederholt.

[00:49:50.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Lerneffekt und es ist eine emotionale Angelegenheit.

[00:50:00.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist schwierig zum darüber sprechen.

[00:50:11.670] – Bemerkung 15
Erklären sie bitte den Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und Bipolar.

[00:50:16.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht, ob ADHS und ADS genetisch unterschiedlich ist.

[00:50:33.260] – Dr.med. Ursula Davatz
ADSler sind nach innen hyperaktiv und ADHSler nach aussen aggressiv.

[00:50:44.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt die Erziehung hinzu.

[00:50:45.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADHSler zu restriktiv erzogen wird, sehr eng, du musst folgen, wenn es dann
in die Pubertät kommt, dann sprengt es seine Fesseln.

[00:51:06.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kann es dann wechseln von manisch, man folgt überhaupt nicht mehr, man macht
alles verkehrt. Dann zerstört man viel.

[00:51:13.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist dann nicht so sozial angepasst.

[00:51:20.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Schluss fällt man zusammen in eine Depression und bereut alles.

[00:51:26.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Manische ist ein übertriebenes ADHS.

[00:51:34.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue immer drei Generationen einer Familie an.

[00:51:38.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst war jemand bipolar, das Enkelkind hat jetzt eine ADHS/ADS Diagnose.

[00:51:47.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind ADHS/ADS Gene.

[00:51:48.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt genetische, statistische Untersuchungen, GWAS.

[00:51:53.589] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.genome.gov/genetics-glossary/Genome-Wide-Association-Studies-GWAS

[00:51:53.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die bipolare Störung, Schizophrenie, ADHS, schwere Depression und Autismus haben
alle den gleichen veränderten Genlocus.

[00:52:04.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS wird vererbt und geht je nach Erziehung da oder dorthin.

[00:52:12.810] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder darf man nicht so einengen, die brauchen mehr Freiraum.

[00:52:20.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hatten die Kinder mehr Freiraum.

[00:52:28.130] – Dr.med. Ursula Davatz

Heute machen die Kinder sehr viel, aber es gibt nicht so viel Freiheit.

[00:52:28.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher ging man einfach in den Wald und hat dort gespielt. Es hat niemand
beaufsichtigt.

[00:52:39.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist alles reguliert.

[00:52:45.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist für die ADHS/ADS Kinder nicht so gut.

[00:52:45.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die brechen dann aus in der Pubertät.

[00:52:47.300] – Dr.med. Ursula Davatz
50% der psychiatrischen Krankheiten entstehen in der Pubertät.

[00:52:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
75% entstehen bis zum 25. Lebensjahr.

[00:52:54.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es beginnt alles sehr früh.

[00:53:05.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind die extremen ADHS/ADS Verhaltensweisen.

[00:53:11.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss früh bei der Erziehung beginnen.

[00:53:11.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn sie wollen, dass es in der Pubertät nicht schief läuft, muss man früh beginnen.

[00:53:18.510] – Bemerkung 16
Gilt das auch für ADSler.

[00:53:22.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja.

[00:53:22.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADSlern läuft es schon früher schief, wenn sie ein sehr hyperaktives Umfeld
haben.

[00:53:36.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADSlern muss man sorgfältiger zuhören.

[00:53:36.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich verlangsamen.

[00:53:36.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die machen viel mehr Kurven in ihrem Gehirn. Das müssen sie tun, das ist wichtig für
die.

[00:53:57.780] – Bemerkung 17
Ich habe meine Tochter alleine aufgezogen. Meine Tochter hat sehr früh mit dem
Messer in der Küche gearbeitet. Das ging immer sehr gut. Ich habe ihr diese Freiheit
gegeben. Sie konnte damit gut umgehen. Als die Nachbarin zu Besuch kam, ist sie sehr
erschrocken.

[00:55:28.230] – Bemerkung 17
Wie kann eine ausländische, alleinerziehende Frau in einem kleinen Dorf für ihre
eigenwillige Erziehungsart Anerkennung gewinnen?

[00:55:28.560] – Dr.med. Ursula Davatz
A Difference is a difference which makes a difference.

[00:55:32.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss klar sagen: aus diesem Grund mache ich es gerne so, denn ich will gerne
das und das ermöglichen.

[00:55:41.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die anderen können ihre Erziehungsmethode sagen.

[00:55:45.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus dem und dem Grund mache ich es nicht so.

[00:55:48.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe immer die Haltung: es ist wichtig, dass wir Erwachsenen dem Kind und später
dann den Jugendlichen zeigen, dass man sie begleitet beim Erlernen.

[00:56:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder klettern gerne.

[00:56:09.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt man: nein, es ist gefährlich.

[00:56:12.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin hingestanden, habe geholfen aufzufangen.

[00:56:17.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sorgfältig das Kind begleiten beim Lernen das Instrument zu handhaben.

[00:56:24.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach "nein" sagen.

[00:56:25.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man so berühren und das so.

[00:56:29.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man nein sagt, dann fördert man den Widerstand und dann wird sicher genau
dann auf die Herdplatte gegriffen oder Pflanzen ausgerissen, wenn man es nicht will.

[00:56:41.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Kind begleiten, man kann es nicht einfach nur alles machen lassen,
dann bei schwierigen Sachen muss man zeigen: ich möchte es gerne so.

[00:56:48.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit geht man so um.

[00:56:48.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat ein Kind, das ist drei Jahre alt. Jetzt kommt ein Baby auf die Welt. Dann heisst
es sofort: nein, das darfst du nicht anfassen. Dann greift es dem Baby sicher ins
Gesicht.

[00:56:49.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss dem Kind zeigen, wie das Baby angefasst werden muss. Kinder gehen auch
direkt zu den Hunden und streicheln die. Kinder sind sehr interessiert.

[00:57:03.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Neugier, das ist nicht Eifersucht. Die Neugier muss man füttern.

[00:57:11.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es einführen. Ja nicht "nein" sagen.

[00:57:51.830] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss für seine Methoden hinstehen.

[00:57:52.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht mit seinem Kind in das Tram. Dort schauen ganz viele Leute sehr streng. Das
Kind macht etwas. Dann geniert man sich vor den fremden Leuten, dass das Kind nicht
gut erzogen ist.

[00:57:52.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen stark sein. Es geht um ihr Kind und nicht um die Person im Tram.

[00:58:07.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die andere Person das blöd findet, dann findet die das blöd.

[00:58:12.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht eine gewisse Stärke.

[00:58:16.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man unsicher wird, merkt es das Kind, dann wird es absichtlich gemacht. Das ist
ja spannend.

[00:58:21.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ein Kind das sagt: ich sage es jetzt so, damit die Mutter zufrieden ist. Die
Mutter ist sehr streng. Das ist nicht gesund. Das ist nett, aber nicht gesund.

[00:58:56.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen keine Bonsais aus unseren Kindern machen.

[00:59:02.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen, dass die Kinder möglichst ihr Naturell leben dürfen.

[00:59:08.430] – Dr.med. Ursula Davatz

Kein Wildwuchs, die Interaktion leben.

[00:59:15.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht viel Mut, damit man sein Kind anders erziehen kann. Ich muss mich dafür
nicht schämen.

[00:59:31.770] – Bemerkung 18
Was geschieht mit den Kindern, welche sich stark zurück nehmen in der Familie, damit
sie die Eltern nicht verärgern? Verlagert sich dann das Ganze auf den Sportplatz, auf
den Pausenplatz?

[00:59:46.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen nehmen sich zurück, passen sich an, schauen für die anderen. Sie
nehmen sich so stark zurück, dass sie keine Persönlichkeit entwickeln. Mit 40 sagen sie
dann: ich weiss gar nicht wer ich bin.

[00:59:52.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie dann gleich zur Mutter werden, müssen sie sich wieder an die Kinder
anpassen.

[01:00:13.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Denen müssen wir dann helfen, dass sie ihr Ego oder ihre Persönlichkeit ausgraben.

[01:00:32.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann meine therapeutische Arbeit, dass ich ihnen helfe, zu finden, wer sie
eigentlich sind.

[01:00:38.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich diese Personen dann frage: was wollen sie, wenn sie alles haben könnten?
Dann kommt immer die Antwort: ich weiss es nicht.

[01:00:38.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich antworte dann immer: halt nicht so schnell.

[01:00:52.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Il faut consulter votre coeur.

[01:00:57.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Machen sie die Augen zu. Warten sie ein wenig. Probieren sie zu spüren was sie
wollen.

[01:01:00.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Frauen sage ich immer: tun sie etwas, das nur für sie etwas bringt und sonst für
gar niemanden. Tun sie etwas egoistisches nur für sich. Diesen Frauen muss man
helfen egoistisch zu werden.

[01:01:00.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst beklagen sich die Frauen nur: ich mache immer alles für alle anderen und
niemand gibt mir etwas zurück.

[01:01:21.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist selber schuld. Niemand schaut für einem. Man muss für sich selber schauen.

[01:01:24.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Frauen haben immer noch die Erwartungshaltung, es gäbe irgendjemanden da
draussen, der für sie schaut, so wie eben die Eltern nicht geschaut haben für sie.

[01:01:38.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Männern ist es anders.

[01:01:49.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer passen sich nur ein wenig an und die explodieren dann irgendwann.

[01:01:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Entweder schliessen sie sich irgendeiner extremen Gruppen an, haben extreme
Haltungen oder gehen demonstrieren.

[01:02:08.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Attentäter vom israelischen Premierminister Jitzchak Rabin war sehr brav.

[01:02:11.520] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Jitzchak_Rabin

[01:02:26.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die allzu brave Erziehung, ist ein Bumerang, die kann explodieren.

[01:02:35.950] – Bemerkung 19
Die schlagen dann in der Pause zu.

[01:02:44.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: lieber zu Hause mehr Freiraum zum ausagieren und interagieren zulassen,
als zu Hause ganz brav sein und auf dem Pausenplatz dann aggressiv sein.

[01:03:03.440] – Bemerkung 20
Was ist wenn die Erziehungsmethoden kulturell bedingt sind? Was ist wenn die Eltern
keine Einsicht zeigen?

[01:03:18.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erfrage immer die beiden Extreme. Wovor haben sie am meisten Angst, was schief
gehen könnte in der Erziehung?

[01:03:18.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft kommt die Antwort: ich will, dass mein Kind erfolgreich ist. Ich will nicht, dass mein
Kind ein Aussenseiter ist.

[01:03:32.882] – Dr.med. Ursula Davatz
Wovor haben sie Angst?

[01:03:32.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Was wollen sie mit dem Kind erreichen?

[01:03:58.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann versuche ich aufzuzeigen, dass es bei diesem Temperament, bei diesem Kind so
nicht funktioniert.

[01:04:00.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte viele Eltern, Mütter von schizophrenen Kindern, Erwachsene.

[01:04:02.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage immer: wovor haben sie am meisten Angst?

[01:04:07.950] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem die Angst ausgesprochen wird, kann ich diese Angst auch validieren.

[01:04:11.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf den Eltern nicht zu schnell sagen: nein, so nicht.

[01:04:17.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Eltern sehr validieren, damit man sie im Boot hat, damit sie auch
mitmachen.

[01:04:28.650] – Bemerkung 21
Sonst kommen sofort die Schuldgefühle. Sie sind "Schuld". Das wäre kontraproduktiv.

[01:04:35.910] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Eltern haben ohnehin Schuldgefühle. Besser man spricht darüber.

[01:04:36.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war für mich erleichternd und ist für die Eltern erleichternd.

[01:05:11.660] – Bemerkung 22
Kann das in die Suchtthematik übergehen?

[01:05:24.800] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler werden mehr süchtig.

[01:05:25.130] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät sollte man eigentlich lernen, mit seinen Emotionen umzugehen.

[01:05:38.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotionskontrolle, Emotionsmodulation.

[01:05:42.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man so ein heftiges Temperament hat, dann sind Suchtmittel eine gute Methode,
um sich zu dämpfen.

[01:05:51.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann in die Aggression gehen, es kann in die Sucht gehen.

[01:06:00.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Psychiater arbeiten auch nur mit Medikamenten.

[01:06:05.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Medikamente in der Pubertät gibt, dann stört man chemisch die ganze
Emotionsregulation.

[01:06:12.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist einfacher, das Kind einfach runterzudämpfen, das Handy in die Hand zu geben,
dann ist das Kind ruhig, dann ist das Kind beschäftigt.

[01:06:13.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen uns mehr mit den Kindern oder Jugendlichen auseinandersetzen.

[01:06:28.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele erwachsene Süchtige behandelt, Drogensüchtige, Alkoholsüchtige.

[01:06:35.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer um das Gleiche.

[01:06:37.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen lernen, ihre Emotionen wahrzunehmen, sie müssen sich gegenüber
sensibler sein und die Emotionen nicht einfach runterdrücken mit einem Medikament.

[01:06:54.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit die jungen Menschen lernen sich mit ihren Emotionen auseinanderzusetzen,
brauchen sie ein Gegenüber mit dem sie sich auseinandersetzen können.

[01:07:04.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das Gegenüber nicht vorhanden, ist das nicht gut.

[01:07:05.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinderstube ist dazu da, um sich auseinanderzusetzen, nicht zum brav sein.

[01:07:08.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr man ihnen anbietet, sich auseinanderzusetzen, umso weniger brauchen sie
Suchtmittel.

[01:07:21.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine junge Frau hatte keine gute Auseinandersetzung zu Hause. Sie hatte eine
alleinerziehende Mutter, der Vater war schon weg. Sie ging in die Klinik und kam mit
fünf Medikamenten raus.

[01:07:28.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich darf diese fünf Medikamente wieder langsam absetzen.

[01:07:28.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hat panische Angst, ihre Medikamente abzusetzen, weil sie denkt, dass sie es dann
nicht mehr im Griff hat.

[01:07:39.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer darum, mit den Emotionen umzugehen.

[01:07:48.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu muss man sich Zeit nehmen.

[01:08:02.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss auch ein bisschen etwas aushalten können.

[01:08:09.210] – Bemerkung 23
Was sagen sie zum Ritalin?

[01:08:09.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin spricht von der Aufmerksamkeitsstörung.

[01:08:14.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von der breiten Aufmerksamkeit.

[01:08:16.500] – Dr.med. Ursula Davatz

ADHS/ADSler nehmen mehr war. Darum werden sie auch mehr gestört.

[01:08:23.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler haben eine schnelle Auffassungsgabe, somit wird ihnen schnell
langweilig und es wird weiter geschaut, was es sonst noch so gibt.

[01:08:23.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin ist eine Droge, ein Amphetamin.

[01:08:40.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wirkt auf das Gehirn, wie wenn man ein wenig gestresst ist.

[01:08:41.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man gestresst ist, fokussiert man besser. Wenn das Gehirn unter Stress kommt,
fokussiert es besser.

[01:08:59.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind dann besser in der Schule, haben bessere Noten, weil sie so fokussiert sind.

[01:08:59.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lernen nicht sehr gut mit ihren Emotionen umzugehen.

[01:09:10.600] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind emotionaler, impulsiver, leichter erregbar.

[01:09:17.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihr emotionales Gehirn ist viel leichter erregbar und ist auch mehr mit dem Grosshirn
vernetzt.

[01:09:32.800] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben es schwieriger mit ihren Emotionen. Es geht wilder zu und her.

[01:09:42.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich das auszuhalten und sie langsam runter zu zähmen.

[01:09:47.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach nur chemisch runterzähmen.

[01:09:47.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir leben in der westlichen Gesellschaft. Intellektuelle Leistung ist wichtig.

[01:09:52.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen selber entscheiden.

[01:10:11.030] – Bemerkung 24
Eine Knabe hat wahnsinnig reagiert auf eine sehr kleine Dosis von Ritalin. Dann hat
man ihm ein Placebo gegeben. Das hat am Schluss gereicht. Er hat dann immer ein
Placebo genommen vor der Schule. Er konnte auswählen.

[01:11:16.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich noch nie gehört.

[01:11:26.080] – Dr.med. Ursula Davatz
50% von allen Medikamenten Wirkungen ist die Placebo Wirkung.

[01:11:27.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Hausarzt hat immer gesagt: es ist ganz wichtig wie man die Tablette übergibt und
was man dazu sagt. Da wird eine Botschaft übergeben.

[01:11:30.340] – Dr.med. Ursula Davatz

Man hat Studenten etwas gespritzt, das geschmerzt hat. Wenn sie in einer guten
Beziehung waren, haben sie den Schmerz unterdrückt, bis man dem Gewebe
geschadet hätte.

[01:11:52.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Placebo ist sehr stark. Das ist das emotionale Gehirn.

[01:12:18.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist mit allem verschaltet.

[01:12:24.677] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Limbisches_System

[01:12:24.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Über das emotionale Gehirn kann man die körperlichen Wahrnehmungen und die
Hyperaktivität steuern.

[01:12:32.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist unser Zentrum. Mit dem müssen wir gut arbeiten.

[01:12:40.540] – Bemerkung 25
Er hat auch gelernt, andere Methoden anzuwenden.

[01:12:49.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich Methoden erarbeiten.

[01:12:56.650] – Bemerkung 26
Kann Ritalin später auch zu einem Suchtverhalten führen?

[01:13:13.840] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich muss eine Tablette nehmen, damit ich ruhig bin. Das ist ein Bahnungseffekt. Das hat
etwas.

[01:13:14.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Eltern sagen dann: ich gebe meinem Kind nur ein homöopathisches Mittel, das
ist gesund, das ist nicht chemisch.

[01:13:30.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch das homöopathische Mittel hat die Rolle: ich muss eine Tablette nehmen und
dann bin ich ruhig.

[01:13:36.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine gute Überlegung.

[01:13:42.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann eine Entwicklung machen und sagen: ich kann es jetzt, ich brauche keine
Tablette mehr.

[01:13:43.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein ADHS/ADSler hat mit 14 Jahren gesagt: jetzt höre ich auf. Ich kann es jetzt, ich
weiss wie der Zustand ist.

[01:13:59.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man aktivieren. Ich weiss wie ich mein Gehirn trainieren kann. Dann brauche
ich die Tablette nicht mehr.

[01:14:16.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich bei mir selber gemacht. Ich hatte einen Ausschlag am Bein. Ich habe
selber beschlossen, dass ich das wegbringen würde und dann ging es weg.

[01:14:56.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich kenne den Zustand, ich brauche die Tablette nicht mehr. Ich kann das jetzt selber
erreichen.

[01:15:01.440] – Bemerkung 27
Meine Enkeltochter leidet unter einer Migräne. Wie kann man dort helfen mit
Begleitung?

[01:15:01.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mehrere Migräne Patienten.

[01:15:04.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat Migräne, wenn man zu viele Gedanken gleichzeitig im Kopf bewältigen will.

[01:15:15.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man so viele wichtige, emotional geladene Gedanken bewältigen möchte, dann
muss unser vegetatives Gehirn alle seine Arterien aufschalten, damit genügend
Sauerstoff reingeht.

[01:15:27.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann passiert bei den Arterien eine Entzündung, eine aseptische Schwellung.

[01:15:44.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Überforderung.

[01:15:47.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man das ganze System wieder runterfahren.

[01:15:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss lernen, sauberer zu denken. Jetzt bearbeite ich nur diese Baustelle, nicht
fünf Baustellen zur gleichen Zeit.

[01:15:51.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zurückfahren.

[01:16:02.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Art Disziplin.

[01:16:04.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine Arzttochter. Ihr habe ich das beigebracht. Sie ist die Migräne dann wieder
los geworden.

[01:16:08.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich disziplinieren, nicht alle Baustellen gleichzeitig zu bearbeiten.

[01:16:18.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn mir ADHS/ADSler Geschichten erzählen, sage ich immer: ich will eine Baustelle
nach der anderen behandeln.

[01:16:40.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss helfen zu strukturieren.

[01:16:40.870] – Bemerkung 28
Was ist wenn die Gesellschaft keine Zeit gibt um das zu lernen.

[01:16:50.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss lernen "Nein" zu sagen.

[01:16:50.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht so einfach.

[01:16:57.640] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man "nein" sagt, dann hat man Angst, von der Gruppe ausgeschlossen zu
werden.

[01:16:59.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will dazu gehören. Wir Menschen sind soziale Wesen.

[01:16:59.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder die Balance zwischen Individuum und Gruppenmitglied.

[01:17:17.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gesellschaft kann ich nicht ändern.

[01:17:23.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es jemand an seinem Arbeitsplatz nicht mehr aushält, sage ich ganz klar:
kündigen. Dazu schreibe ich auch das Zeugnis, dass sie aus gesundheitlichen Gründen
kündigen mussten, damit sie beim RAV keine Kürzung kriegen.

[01:17:28.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich muss der Mensch immer selber entscheiden.

[01:17:44.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Bleibe ich und passe ich mich an oder suche ich mir eine andere Herde.

[01:17:48.460] – Bemerkung 29
Was ist wenn sie das eigene Kind anpassen wollen und die Mutter findet, das geht zu
weit?

[01:17:55.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist noch schwierig.

[01:17:58.870] – Dr.med. Ursula Davatz

Man darf dem Kind nicht das Eigenen aufdrücken.

[01:18:03.070] – Bemerkung 29
Was ist wenn das Kind nicht entscheiden kann?

[01:18:05.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder können immer entscheiden, wenn man ihnen genügend Platz lässt.

[01:18:07.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine leicht geistig behinderte Frau hatte eine Beiständin. Es ging um eine Kur. Die
Beiständin hat gesagt: die ist behindert, die kann doch nicht entscheiden.

[01:18:15.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes Huhn kann entscheiden ob es links oder rechts gehen möchte.

[01:18:15.841] – Dr.med. Ursula Davatz
Entscheide sind immer emotional.

[01:18:16.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit ein Entscheid hält, muss er emotional verknüpft sein.

[01:18:48.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes Kind kann entscheiden.

[01:18:51.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir denken nur unser Grosshirn weiss, wie der Weg verläuft.

[01:18:53.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Grosshirn macht die grössten, schrecklichsten Kriege.

[01:18:53.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Alles tolle Entscheidungen, und zerstörerisch.

[01:19:10.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Situationen wo man findet, dass das Kind nicht entscheiden darf, weil es
gefährlich ist.

[01:19:29.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Kinder begleiten.

[01:19:31.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder werden unvernünftig, wenn wir sie zu fest steuern.

[01:19:46.780] – Bemerkung 30
Eine Frau mit einem ADHS/ADS Kind hat schweren Herzens entschieden dem Sohn
doch Ritalin zu geben. Der Jugendliche hat jetzt gemerkt, dass wenn er Ritalin nimmt,
er beim Skifahren Angst bekommt.

[01:19:46.900] – Bemerkung 30
Jetzt nimmt er es nur wenn er sich in der Schule konzentrieren muss. Die Mutter lässt
ihm dabei freie Hand.

[01:20:30.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verschreibe auch Ritalin.

[01:20:36.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage immer am Wochenende und in den Ferien nicht nehmen, damit sie sich auch
normal spüren.

[01:20:37.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Amphetamine können schlussendlich so Stress erzeugen, dass man Angst bekommt.

[01:20:56.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht gut.

[01:21:06.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich auch normal spüren können.

[01:21:06.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Erwachsene mit der ADHS/ADS Diagnose nehmen Ritalin und haben ihr Aha
Erlebnis, weil sie sich plötzlich konzentrieren können. Gleichzeitig finden sie: ich bin
nicht mehr ganz so mich selber.

[01:21:12.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann nehmen sie es noch für die Steuererklärung, eine Weiterbildung.

[01:21:36.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer ein individueller Entscheid.

[01:21:53.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Es blockiert das emotionale Lernen für jede/n ein bisschen anders.

[01:22:01.240] – Bemerkung 31
Was bedeutet das langsame Zähmen bei starken Emotionen. Was heisst das konkret?

[01:22:06.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Emotionen sagen einem immer, dass man irgendwo im Ungleichgewicht ist oder am
anstehen ist. Sie sagen, es läuft etwas nicht gut.

[01:22:28.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer zurückgehen: was hat einem so verletzt? Was hat einem so sauer
gemacht? Man muss immer zum Ursprung zurück gehen.

[01:22:33.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Je besser man weiss, was einem verletzten kann, wenn es dann wieder kommt, dann
erkennt man das schneller und kann es schneller einordnen.

[01:22:37.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie einfach nur Emotionen unterdrücken, sondern herausfinden, woher kommen sie?

[01:22:57.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein wildes Tier zähmt, muss man zuerst das Wesen des Tieres erkennen.

[01:22:57.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sein eigenes Wesen zuerst erkennen, was verletzt einem, was macht einem
traurig? Was kränkt mich? Was macht mich verrückt?

[01:23:16.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man herausfindet, was einem in Unruhe bringt, dann kann man langsam zum
Zähmen gehen.

[01:23:31.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mit seinem Symptom immer zuerst Freundschaft schliessen und erst dann
kann man es ändern.

[01:23:40.240] – Bemerkung 32
In der Erziehung kann nicht alles tolerieren. Wenn mein Sohn ausrastet, einen Wutanfall
hat. Es sind andere im Raum, die tangiert sind. Muss ich dann endlos weinen?

[01:24:06.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ihr Sohn in der Stube einen Wutanfall hat, müssen sie zurück gehen und
schauen: was hat ihn so sauer gemacht? Vor einem Wutanfall fand immer eine
Verletzung statt.

[01:24:18.110] – Dr.med. Ursula Davatz

Ein Wutanfall ist nicht primär böse. Es ist immer eine Verletzung.

[01:24:21.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Knaben (Männer) verletzt werden, werden sie aggressiv. Das ist männlich, das ist
Testosteron.

[01:24:24.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann nur das schlechte Verhalten anzugehen macht keinen Sinn.

[01:24:52.940] – Bemerkung 33
Er ist 22 Jahre alt.

[01:24:58.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist immer noch Pubertät. Bis 25 Jahren wächst das Gehirn noch.

[01:25:12.580] – Bemerkung 33
Er hatte einen Ausraster und wurde extrem laut.

[01:25:27.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat sie das gestört?

[01:25:37.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich kann man da nur validieren.

[01:25:43.510] – Bemerkung 33
Ich bin ruhig geblieben und habe ihn gefragt, was ihn gestört hat. Es gibt im Leben
immer Dinge, welche nicht gehen.

[01:26:04.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommt das Validieren. Man sagt: das ist so ekelhaft wenn es nicht geht. Man hat
die Vorstellung es müsse gehen und es geht einfach nicht.

[01:26:41.660] – Bemerkung 34
Mein Nachbar ist 70 Jahre alt. Der ist immer noch so.

[01:26:53.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sagen: ich wäre froh, wenn irgendetwas nicht geht, dass ich nicht so viel
von dem mitbekommen muss.

[01:27:01.010] – Bemerkung 33
Mein Mann ist ähnlich wie mein Sohn. Beiden fanden: es ist doch gar nichts passiert.

[01:27:14.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können sie mit ihrer Wahrnehmung arbeiten und sagen: ja für euch ist nichts
gewesen, ihr seit ähnlich.

[01:27:23.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist es recht anstrengend. Ich ertrage das nicht so gut.

[01:27:33.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sagen, wie sie darauf reagieren.

[01:27:33.930] – Bemerkung 33
Sie erwarten, dass man das einfach akzeptiert. Sie sind sich dann einig.

[01:27:44.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, klar.

[01:27:46.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier kommt wieder: a difference is a difference, which makes a difference.

[01:27:49.200] – Dr.med. Ursula Davatz

Für sie als Frau ist es nicht normal. Ich habe es nicht so gern. Ich wäre froh, ich könnte
dann weggehen.

[01:28:00.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen ihre andere Wahrnehmung durchaus in den Raum stellen.

[01:28:05.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können nicht verlangen, dass die sich ihnen anpassen und ihr Mann/Sohn kann
nicht verlangen, dass sie sich anpassen müssen.

[01:28:10.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sagen sie, wie es für sie ist. Dann schauen wir was passiert.

[01:28:25.400] – Bemerkung 33
Bei meinem Mann ist es mir egal. Bei meinem Sohn nicht.

[01:28:35.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Da wollen sie ihn noch erziehen.

[01:28:36.020] – Bemerkung 33
Wenn er das macht bei seiner zukünftigen Frau. Die tut mir leid.

[01:28:59.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu können sie etwas sagen aber erziehen sie nicht mehr.

[01:28:59.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei diesem Verhalten musst du eine robuste Frau wählen, sonst läuft sie dir davon. Das
ist eine Haltung, keine Erziehung. Sagen sie ihre Meinung spielerisch. Merkt man den
Unterschied?

[01:29:45.420] – Dr.med. Ursula Davatz

Beim Spielen wird mehr gelernt.

[01:29:45.720] – Bemerkung 35
Ich berate Eltern von Kindern mit ADHS/ADS. Das ist die Hauptfrage. Was mache ich
wann?

[01:30:06.700] – Bemerkung 35
Sie sprechen immer vom Low Arousal State. Ich sage immer: aushalten als Eltern.
Ruhig bleiben. Ein Schreikissen machen. Wenn sie die Techniken früh lernen, dann ist
es auch besser wenn sie 22 Jahre alt sind.

[01:30:39.520] – Bemerkung 35
Bei Kindern mit Autismus habe ich ein Piktogramm: wie möchtest du dich jetzt
beruhigen? Dich hinlegen? Musik hören? Etwas malen? Sie müssen früh lernen was
ihnen gut tut. Das Zimmer wechseln. Ins Gespräch kommen.

[01:30:56.810] – Bemerkung 35
Wenn mein autistischer Sohn ein Meltdown hat, muss ich mich nicht hinsetzen und
sagen: was ist jetzt gewesen? Dann lasse ich ihn einfach in Ruhe.

[01:31:18.510] – Bemerkung 35
Es gibt viele Kinder, die werden dann gerne in den Arm genommen. Aushalten.

[01:31:38.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Bevor man korrigiert, muss man aushalten, sich beruhigen und dann vielleicht etwas
rausfinden.

[01:31:47.820] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Alter darf die Mutter gar nichts wählen, sie darf nur eine eigene Meinung haben.

[01:31:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr schwierig für Mütter nicht korrigieren zu wollen.

[01:31:53.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Teenageralter wird ganz viel erlernt, auf eine lustige Art und Weise.

[01:32:09.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die vier Reaktionsmuster sind: Kampf, Flucht, Totstellreflex und Necken.

[01:32:18.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Teenager necken gerne.

[01:32:29.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie auch necken können, wird es lockerer.

[01:32:30.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihr Ziel muss es sein, nichts erreichen zu wollen.

[01:32:42.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur ihre Haltung. Ich als Frau erlebe das so.

[01:32:51.550] – Bemerkung 36
Was haben sie über Jean Piaget gesagt? Die Dezentrierten suchen sich einen Partner
welcher zentriert ist?

[01:33:08.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre ideal.

[01:33:19.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man emotional ist, kann man sowieso nicht mehr dezentrieren. Dann läuft man
nur noch auf einer Schiene.

[01:33:36.800] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss sich zuerst beruhigen, damit man wieder das Grosshirn einschalten kann.
Das Grosshirn kann man einschalten, wenn man die Emotionen beruhigt hat.

[01:33:51.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Dezentrieren wäre: sich von der intellektuellen, emotionalen Bindung lösen und die
Sache mental anschauen.

[01:33:58.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ah, du siehst das so. Ah du hast blonde Haare, ah, du hast gekraustes Haar.

[01:34:06.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Den anderen anschauen können.

[01:34:07.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick wo man unter Emotionen ist, dezentriert man nicht mehr. Dann geht das
nicht mehr.

[01:34:19.960] – Bemerkung 37
Können Zentrierte sich dezentrieren?

[01:34:25.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle lernen es. Diejenigen, welche es nicht lernen, können sich nicht loslösen von
ihrer emotionalen Bindung. Sei das eine Theorie, ein Verhalten oder eine Religion.

[01:34:37.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Personen sind sehr verhängt mit ihrer Tradition.

[01:34:48.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mensch dezentrieren muss von der familiären Tradition, dann wird er seiner
Familie disloyal. Das löst Angst aus.

[01:35:12.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss eine gewisse Ablösung von seinem Familiensystem haben, damit man von
deren Traditionen dezentrieren kann.

[01:35:26.690] – Bemerkung 38
Oder von einer Religion.

[01:35:26.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Religion ist natürlich das Stärkste.

[01:35:26.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Religio heisst Bindung.

[01:35:27.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Bindungsverhalten läuft über unser emotionales System.

[01:35:41.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Über das emotionale System, sind wir an eine Religion, eine Kultur, an eine
Verhaltensweise, an eine Politik sind wir gebunden.

[01:35:51.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir mit Andersartigen umgehen wollen, müssen wir uns auch mental davon lösen
und so betrachten können.

[01:36:10.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst machen wir einen Religionskrieg. Das ist sehr zerstörerisch.

[01:36:15.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Im emotionalen Zustand geht es nicht mehr.

[01:36:24.090] – Bemerkung 39

Das geht Richtung Narzissmus.

[01:36:27.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Narzisst kann nicht dezentrieren.

[01:36:31.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Narzisst ist so stark zu kurz gekommen emotional oder zu stark verwöhnt worden.
Wenn er verwöhnt worden ist, dann meint er die ganze Welt verwöhnt ihn in der
Zukunft. Wenn er zu kurz gekommen ist, hat er eher die Anspruchshaltung, das zu
bekommen, was er als Kind nicht bekommen hat.

[01:36:32.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Der kann dann nicht dezentrieren. Es ist alles persönlich ausgerichtet.

[01:37:24.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Im emotionalen Zustand kann man nicht dezentrieren.

[01:37:43.860] – Bemerkung 40
Nach der Einnahme von Ritalin hatte mein Sohn eine Tickstörung. Er hat mit dem
Gesicht gezuckt. Er konnte es nicht beeinflussen. Spielt sich das im Körper ab?

[01:38:31.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Zwangsverhalten.

[01:38:38.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Zwangsverhalten ist ein automatisches Verhalten vom Kleinhirn, vom motorischen
Hirn, das man nicht kontrollieren kann.

[01:38:43.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Zwangsverhalten dient der Emotionsregulation, um die Emotionen runterzufahren.

[01:38:48.320] – Dr.med. Ursula Davatz
In allen Kulturen hat man Zwangsverhalten als Ritual.

[01:38:59.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Hüpfspiele sind Zwangsverhalten.

[01:39:00.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Zwangsverhalten ist Angstbindungsverhalten.

[01:39:22.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Zwangsverahlten sieht man bei der Präpsychose, bevor jemand schizophren wird,
hat er oft sehr viel Zwangsverhalten.

[01:39:33.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wird ein Kind mit Ritalin fokussiert, ausbremst, dann schränkt man seine Emotionen
ein.

[01:39:33.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt die Angst wieder hervor, wie das Beispiel vom Skifahren mit Ritalin. Das
Emotionale kommt wieder hervor. Man kann es nicht unterdrücken.

[01:39:57.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann das Emotionale mit dem Grosshirn, mit dem Fokussieren nicht immer
unterdrücken.

[01:40:16.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zeigt: man geht schlecht mit der Emotionalität um.

[01:40:17.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Emotionalität macht sich wieder breit über das Zwangsverhalten.

[01:40:35.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird gedämpft über die Fokussierung vom Grosshirn.

[01:40:35.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Rest des Gehirns sagt: das geht nicht, das möchte ich nicht.

[01:40:44.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir gehen schlecht mit unseren Emotionen um.

[01:40:54.830] – Bemerkung 41
Was heisst das?

[01:40:58.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Ritalin absetzen und andere Methoden finden um sich zu konzentrieren.

[01:41:01.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Kinder sind die ganze Zeit am friemeln mit den Fingern.

[01:41:02.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Aktivitäten bewirken, dass das Gehirn besser fokussiert. Gewisse brauchen das.

[01:41:20.660] – Bemerkung 42
Ich lese mit einem ADHS/ADSler. Er kann sich nicht konzentrieren und dann spielt er
mit einem Würfel. Wenn er läuft, kann er besser lesen.

[01:41:48.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat festgestellt, dass Kinder und Erwachsene nach dem Turnunterricht eine
bessere Aufmerksamkeit haben.

[01:42:09.160] – Dr.med. Ursula Davatz

Über den Sport wird auch Dopamin ausgeschüttet. Danach ist die Aufmerksamkeit
besser.

[01:42:18.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ADHS/ADSler immer abbremst, muss man chemisch also von aussen her
eingreifen.

[01:42:29.020] – Bemerkung 43
Ich habe drei Knaben. Alle mit ADHS/ADS. Für die Schule gebe ich ihnen Medikamente,
damit sie sich dem System anpassen können. In der Freizeit haben sie keine
Medikamente. Ein Sohn hat auch ein Tick entwickelt. Wir mussten das Medikament
umstellen. Er hat in den Ferien jetzt einen Tick, wegen dem Stress in der Schule. Er
macht während dem Fussball spielen im Garten die Hausaufgaben. Sonst geht es nicht.
Die Schule kann ihm dieses spielerische Umfeld nicht bieten.

[01:44:06.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lerntheorie sagt klar: wenn man das Einmaleins lernt, soll man sich auch bewegen.
So wird das Gehirn von mehreren Kanälen her aktiviert. Dann wird es besser
einprogrammiert.

[01:44:10.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Reimspielen ist auch oft eine Bewegung drinnen.

[01:44:39.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand hatte einen Tick. Der hat Ritalin bekommen und dann war der Tick weg.

[01:44:39.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist komplex und stark vernetzt. Man kann es von verschiedenen, Seiten her
angehen. Das Gehirn kann durch unterschiedliche Dinge das gleiche Symptom
machen.

[01:45:03.940] – Bemerkung 44

In der Therapie, ist heraus gekommen, warum er den Tick entwickelt hat. Es hat sich
heraus gestellt, dass die Schule für ihn ein grosser Druck ist und er dem nicht
standhalten kann. Dadurch hat er die Ticks entwickelt. Zur Zeit nimmt er das Focalin.
Damit hat er jetzt keinen Tick.

[01:45:36.660] – Bemerkung 45
Ich habe zwei Söhne mit ADHS/ADS. Diese Kinder haben meistens auch irgendwelche
Ticks. Als er zwei Monate alt war, hat er geschielt, geschüttelt, ich wusste nicht was los
war. Dann hat er nur die Decke angeschaut. Das auszuhalten ist ganz schwierig als
Mutter. Man braucht viel Kraft, damit man dies aushalten kann. Ich habe die
Lernschwäche lang nicht erkannt, bis ich gemerkt habe, dass er über das Gehör lernt.
Er lernt nur über das Gehör. Das habe ich in der 6. Oberstufen Klasse begonnen zu
merken. Ich musste ihm viele Geschichten vorlesen. Dann hat er alles gespeichert.
Wenn er schreiben muss in der Schule, hört er sich das Buch an. Jetzt hat er nur gut
Noten. Er hat seine eigene Lernmethode herausgefunden.

[01:46:44.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht jeder Mensch lernt gleich.

[01:47:48.200] – Bemerkung 45
Wenn er lernt, dann legt er das Handy weg. Er hat das selber im Griff.

[01:48:08.750] – Bemerkung 46
Ich mache Lerncoachings bei ADHS/ADS Kindern. Wie lerne ich. Wo lerne ich am
besten? Durch welchen Sinneskanal geht es am besten. Ich lerne auf dem Balance
Board oder auf dem Trampolin. Sobald das Dopamin da ist, können sie viel einfacher
lernen. Ein Kind darf vor dem Lernen ein bisschen Gamen. Das fährt sein Dopamin
hoch. Dann kann er viel besser lernen. Danach darf er für eine Stunde nicht mehr an
die Medien. Lerncoaching ist wichtig. Jeder lernt anders.

[01:49:00.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Gamen zur Fokussierung ist besser als Gamen als Belohnung. Wenn Gamen eine
Belohnung ist, dann werden die Aufgaben unsorgfältig gemacht.

[01:49:26.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Pause.

[01:49:27.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben alle lesen und schreiben gelernt. Wir sind es gewohnt, linear zu denken,
monokausal. Zigeunerkinder, die nicht lesen und schreiben lernen, die behalten eine
breite Aufmerksamkeit und erfassen die Situation auch schneller.

[01:50:34.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe auch das normale Schulsystem durchlaufen und habe dann in den USA eine
systemische Ausbildung gemacht.

[01:50:35.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin und Psychiatrie sind sehr stark nur Symptom bezogen.

[01:50:51.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht ein Symptom, macht die Diagnose, macht eine Therapie.

[01:50:55.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist monokausal und linear.

[01:50:59.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Die systemische Therapie lehrt, die Zusammenhänge zu sehen.

[01:51:05.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Anfangs sieht man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Man hat soviele Daten und
weiss nicht, was man damit tun soll. Das ging mir auch so.

[01:51:19.100] – Dr.med. Ursula Davatz

Murray Bowen hat immer gesagt: du verlierst das wieder, wenn du weggehst von dieser
Schule.

[01:51:19.211] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Murray_Bowen

[01:51:19.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat mit Schizophrenie Familien gearbeitet.

[01:51:47.390] – Dr.med. Ursula Davatz
1980 bin ich aus den USA zurückgekommen und wende seit dann diese Methode
immer an.

[01:51:53.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man versucht Interakionen, Beziehungen anzuschauen.

[01:52:00.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum frage ich nach dem Wertesystem und Eigenschaften. Ich versuche das zu
verknüpfen.

[01:52:02.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Was läuft falsch?

[01:52:08.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule beurteilt in der Regel nur die individuelle Leistung des Kindes.

[01:52:23.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder rivalisieren miteinander.

[01:52:29.410] – Dr.med. Ursula Davatz

Die individuelle Leistung wird natürlich besser oder höher, wenn man miteinander
rivalisiert.

[01:52:36.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen auch lernen zu kooperieren, zusammenarbeiten.

[01:52:41.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein System funktioniert nur so gut wie das schwächste Mitglied im System.

[01:52:48.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wird jemand in der Familie krank, dann alarmiert das kranke Familienmitglied, dass im
System etwas falsch läuft.

[01:52:48.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht nur das einzelne Individuum. Wir sind soziale Wesen, wir interagieren.

[01:52:55.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das schwächste Glied im System zeigt Symptome.

[01:53:17.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stärkste Kind, welches die meisten Funktionen hat im System, welches die
wichtigsten Aufgaben hat, das wird so überladen, dass es dann nicht mehr selber
funktionieren kann.

[01:53:33.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann durchaus starke Kinder haben, aber wenn die alles für das System leisten
müssen und das System funktioniert nicht gut, dann brechen sie irgendwann
zusammen.

[01:53:45.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das krank werden innerhalb von einem Familiensystem, ist immer das Alarmzeichen für
die ganze Familie.

[01:53:56.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Familientherapeut schaut man woher das kommt. Man muss genau hinschauen und
dann versucht man das System zu verändern.

[01:54:09.300] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin kommt das nicht durch.

[01:54:13.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat ein Hausarzt noch alles gemacht. Ich habe auch als Hausärztin jahrelang
gearbeitet. Dann ist man für alles zuständig.

[01:54:20.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sind das alles Fachgebiete.

[01:54:25.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht zum Kardiologen, man geht zum Neurologen, man geht zum Leberspezialist
usw.

[01:54:31.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die verschiedenen Disziplinen sind oft nicht so gut koordiniert.

[01:54:37.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Körper, unser Gehirn arbeitet immer ganzheitlich.

[01:54:43.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann von einem zum anderen gereicht wird, am Schluss, hat man X
Spezialisten und weiss immer noch nicht, was mit einem ist.

[01:54:52.740] – Dr.med. Ursula Davatz

Als Familientherapeutin versuche ich natürlich dann immer wieder alle die
Zusammenhänge anzuschauen und mir so zu erklären.

[01:55:03.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo ein Mensch innerhalb einer Familie beginnt die Muster zu erkennen,
kann er sich je nachdem auch besser selber helfen.

[01:55:16.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Symptombetrachtung ist natürlich ganz stark in unserer Gesellschaft verwurzelt.

[01:55:23.920] – Dr.med. Ursula Davatz
So laufen die Fachleute und es ist schwierig, immer wieder den breiten Fokus zu
haben.

[01:55:31.360] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind gute Systemiker, denn die haben ein breite Aufmerksamkeit.

[01:55:38.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Breite wird eben oft nicht zugelassen.

[01:55:43.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen alles Spezialisten. Wir denken immer, der Spezialist ist noch besser.

[01:55:50.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen mir ein paar Fragen stellen zum Thema: was ist überhaupt ein System und
wie geht man damit um?

[01:56:00.850] – Bemerkung 47
Es gibt starke Tendenzen, dass man versucht die jungen Menschen sich selber zu
überlassen, indem sie selber Problem-Themen-Felder bearbeiten. Ich funktioniere nicht
mehr als Lehrer sondern als Coach und auch das nur noch über irgendwelche
Internetportale. Der persönliche Kontakt geht verloren. Das Führen, das aktive begleiten

geht verloren. Es liegt mehr in der Interaktion. Diese Interaktion fällt immer mehr weg.
Ich sehe die jungen Menschen häufig in einer Hilflosigkeit. Es ist alles da, also mach.

[01:57:35.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe es genau gleich.

[01:57:39.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon in der Primarschule gibt es einen Lernplan und sie müssen selber einteilen,
wann und wie und was. Es gibt Schüler, die das gut können.

[01:57:50.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele, die das nicht können. Man lässt sie dann einfach liegen. Man begleitet sie
nicht.

[01:57:56.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich ist es aus meiner Sicht eine Verantwortungslosigkeit, wenn man sagt, du
kannst alles im Internet holen, du kannst alles machen und ich gebe dir nur noch
Befehle über den Computer.

[01:58:08.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Da fällt die persönliche Beziehung weg.

[01:58:11.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Da fällt so viel weg und da fehlt die menschliche Beziehung, die persönliche Beziehung,
die Interaktion und das gemeinsame Lernen.

[01:58:22.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eigentlich ein Vernachlässigen von unserer Jugend, wenn wir die einfach an
Computer setzen.

[01:58:29.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Zusätzlich sitzen sie dann noch am Natel und den Spielen, dann ist noch mal nichts da.

[01:58:36.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, wir müssten als Lehrpersonen diese Funktion vom Schule geben, vom
Interagieren mit dem jungen Mensch, viel, viel ernster nehmen und wirklich wieder in
das investieren.

[01:58:52.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die künstliche Intelligenz, die kann alles machen, aber die Beziehung kann sie einem
nicht anbieten.

[01:58:58.340] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Beziehung läuft das emotionale Lernen.

[01:59:02.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird grob vernachlässigt.

[01:59:05.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird nur der IQ angeschaut. Den EQ sollte man auch anschauen.

[01:59:05.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Man redet von dem, aber in der Tat hat man keine Zeit dafür und findet es nicht nötig.

[01:59:17.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Lehrer sind ausgebrannt, mögen nicht mehr.

[01:59:23.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man müsste das ganze Schulsystem revidieren und unterstützen.

[01:59:28.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Dagmar Rösler sagt, dass man immer zwei Leute haben sollte, so wie man Eltern hat.
Das finde ich gut.

[01:59:33.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann heisst es: das kostet viel Geld, man kann es nicht zahlen.

[01:59:40.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die danach in die Psychiatrie kommen, wenn sie ins Gefängnis kommen, kostet
es 1000 Mal mehr Geld.

[01:59:48.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Könnte man das Geld früher nehmen, könnte man viel sparen.

[01:59:54.250] – Bemerkung 48
Ich sehe immer mehr Lehrer und Eltern, die resignieren. Einjährige Kinder haben schon
das Handy in der Hand. Sie wollen nicht in die Konfrontation mit ihren Kindern gehen.

[02:00:29.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin natürlich ein hoffnungsloser Optimist und ich probiere immer wieder etwas
Neues zu bringen. Man darf nicht resignieren, wir müssen die kleinsten Möglichkeiten
wieder einen Anstoss zu geben, packen.

[02:00:45.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Kleine Pflänzchen pflanzen, damit da wieder etwas wächst.

[02:00:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich werde demnächst mal einen Lehrer interviewen, welcher eine lange Psychiatrie
Karriere hinter sich hat und jetzt die Ausbildung zum Lehrer macht.

[02:01:01.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe grosse Freude. Er ist sehr begabt für das.

[02:01:10.550] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Lehrpersonen müssen mehr Unterstützung bekommen.

[02:01:10.640] – Bemerkung 49
Wir haben hier einen Saal voller Leute, die das wollen. Viele Leute wollen das gar nicht
lernen.

[02:01:31.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche es immer wieder. Ich werden mit unserem Gesundheitsdirektor und der
Schule zusammen sitzen und meine Ansätze zu vermitteln versuchen.

[02:01:41.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer wieder Samen streuen.

[02:01:41.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Lehrerseminar im Aargau war nie an meinem Wissen interessiert.

[02:02:04.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt werde ich in Zürich eine Weiterbildung für Lehrpersonen geben.

[02:02:14.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hoffe, es kommen ein paar Leute, die ich impfen kann.

[02:02:19.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen müssen viel mehr Unterstützung haben, viel mehr Begleitung haben,
damit sie diesen schwierigen Job aushalten.

[02:02:28.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist anstrengend. Man hat viel Konkurrenz von den sozialen Medien.

[02:02:34.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist überhaupt nicht unmöglich.

[02:02:38.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die persönliche Beziehung ist immer noch interessanter als das mobile Gerät.

[02:02:49.520] – Bemerkung 50
Ich habe auch ein ADHS/ADS Kind, welches Medikamente nehmen muss, damit es
schulkompatibel bleibt. Ich muss oft mit meinen Kindern Dinge anschauen, wo ich nicht
weiss, ob das jemals erklärt wurde. Ich habe das Gefühl, dass ich zu Hause noch sehr
viel mit meinen Kindern lernen muss, obwohl das nicht ein Job ist.

[02:04:11.180] – Bemerkung 50
Der jüngere Sohn ist sehr lebendig. Es wird nicht mehr darauf geachtet ob er schön
schreiben lernt. Die Struktur fehlt.

[02:04:51.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht zu stark von der Wissensaquise aus. Man versucht nicht, sich das Wissen
zusammen zu erarbeiten. Man kann alles Wissen auf dem Internet holen.

[02:04:51.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wissen miteinander erarbeiten, austauschen, vergleichen etc. das ist der Mensch.

[02:05:15.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Darin müssen wir die Menschen viel mehr unterstützen.

[02:05:18.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Salär der Lehrperson geht nicht hoch. Ein Manager ist monetär orientiert.

[02:05:18.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind sehr auf die quantitative Verbesserung und nicht die qualitative Verbesserung
ausgerichtet.

[02:05:41.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen viel mehr wieder zurück zum Qualitativen.

[02:05:45.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht das Menschsein aus und die Qualität vom Leben.

[02:05:54.590] – Bemerkung 51
Mich interessiert der Begriff Beziehung, die Interaktion.

[02:06:12.110] – Bemerkung 51
Wenn ich ihm eins zu eins mit meiner Tochter bin, dann kann ich ganz ganz aktiv
wahrnehmen und die Beziehung pflegen.

[02:06:25.250] – Bemerkung 51
Mit einer Klasse von 24 Schüler und Schülerinnen ist das anders. Früher hatten wir 40
Kinder in einem Klassenzimmer. Heute Abend habe ich ein Konzert mit 110 Personen
im Chor.

[02:06:46.890] – Bemerkung 51
Was ist das Zentrale in der Beziehung?

[02:06:55.110] – Bemerkung 51
Was braucht es an Beziehung?

[02:06:58.890] – Bemerkung 51
Was kann ich tun, wenn ich eine Klasse ein Semester lang nicht habe, weil sie im
selbständigen Lernen drinnen sind.

[02:06:59.130] – Bemerkung 51
Gibt es Formen von Beziehung, von Kontakt, ausserhalb des Elektronischen?

[02:07:40.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Beziehung entsteht über Kontakt schaffen. Über Musik schafft man Kontakte. Die
Musik arbeitet nicht mit der Sprache sondern mit dem Ton, dem Rhythmus etc.

[02:07:41.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Lehrer eine Klasse von 40 Schülern hat, muss er Kontakt mit der Klasse
schaffen und er schafft Kontakt, indem er etwas Interessantes bringt, etwas
Faszinierendes bringt, in dem er wahrscheinlich auch etwas von sich selber gibt.

[02:08:12.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte im Gymnasium einen Lehrer, der war sehr aktiv. Der hat auch mal einen einen
Schüler getreten. Der Lehrer wurde ausgewertet und er wurde positiv ausgewertet. Der
Lehrer muss zur Gruppe den Kontakt schaffen.

[02:08:12.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Musiker, die gross auftreten vor einer riesigen Masse, die schaffen Kontakt und es
geht immer über emotionale Sachen.

[02:08:43.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nie nur intellektuell.

[02:08:45.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Beziehungshirn, das limbische System, das ist das was die Beziehung schafft
und es läuft immer über das Gefühl.

[02:08:55.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Muss beim anderen etwas auslösen können.

[02:08:58.350] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man selber begeistert ist und von etwas fasziniert ist und das bringen kann,
dann klingt das nach bei den anderen.

[02:09:09.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man alles nur über Computer macht, schafft das keinen Kontakt. Das ist einfach
nur Wissen reinschaufeln.

[02:09:11.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Nerds arbeiten gerne so, weil sie dann nicht gestört werden, emotional.

[02:09:23.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Andere, die verdursten und verhungern, wenn keine Beziehung da ist.

[02:09:28.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt immer: man lernt nicht für den Lehrer. Das stimmt nicht.

[02:09:33.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lernt mit dem Lehrer und auch für den Lehrer.

[02:09:38.320] – Bemerkung 52
Das Verrückte ist ja, wenn man das Kind oder den Menschen packt, gehen Welten auf.
Dann hat man den Menschen und das ist sehr befriedigend. Das ist für beide schön. Ich
sehe das als Musiklehrerin. Man muss ihnen die Plattform geben. Die Kinder sind nicht
zu. Man muss viel geben. Das ist eine wichtige Nebenwirkung.

[02:10:04.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt nicht kostenlos.

[02:10:15.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die grossen Orchester, bei all den Bands, die machen das auf ihre Weise. Für mich
passt das nicht ganz.

[02:10:33.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen Kontakt schaffen und das ist die Beziehung.

[02:10:33.340] – Bemerkung 53
Wie kann man mehr faszinierend sein?

[02:10:46.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sicher Menschen, die talentiert sind, die das Spezielle haben.

[02:10:51.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es auch üben.

[02:10:52.250] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler intonieren besser, sie machen stärkerer Schwankungen, sie sprechen
nicht so monoton. Das kann man üben. So kann man die Diagnose nur an Hand der
Stimmführung machen.

[02:11:10.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Theatermenschen, die müssen das lernen. Dort gibt es auch viele ADHS/ADSler.

[02:11:20.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss auch Liebe zu diesem Thema haben.

[02:11:33.850] – Dr.med. Ursula Davatz
An einer Tagung von Kinderpsychiater, wurden der Familie irgendwelche Instrumente
zur Verfügung gestellt. Der Vater hat alles dominiert am Anfang. Mit der Zeit kam ein
Kind rein. Dann konnte man spielen. Dann gab es ausgeglicheneren Kontakt.

[02:11:56.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Musik ist das so und beim Improvisieren, dass jeder mal drankommt, sich zu
zeigen.

[02:12:07.840] – Dr.med. Ursula Davatz

Kontakt schaffen.

[02:12:24.010] – Bemerkung 54
Mit Leidenschaft Kontakt schaffen.

[02:12:37.590] – Bemerkung 55
Man spricht auch von der Bühnenpresänz, Seminarpräsenz. Man muss sich den Raum
schaffen und man muss den halten können.

[02:12:38.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Kontakt schaffen von einem Individuum zu einer Gruppe.

[02:12:51.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das andere ist Kontakt schaffen unter der Gruppe und natürlich im Einzelsetting.

[02:12:58.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Google Untersuchungen gemacht, wo sie herausfinden, wer das bessere Team macht.

[02:13:06.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte meinen nur die intelligenten von Harvard und MIT ergeben ein gutes Team.

[02:13:07.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Schluss war es: Equal Speaking time.

[02:13:21.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jeder genügend Platz hat zum Reden, sich wohlfühlt, akzeptiert fühlt, dann gibt
es das beste Team.

[02:13:27.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier braucht es an der Schule auch eine Steuerung, damit nicht nur der Frechste alles
unter den Nagel reisst und die Stummen irgendwo verloren gehen.

[02:13:42.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Beziehung in der Gruppe wäre es eine gewisse Ausgeglichenheit, eine gewisse
Balance.

[02:13:56.590] – Bemerkung 56
Eine Lernatmosphäre schaffen, wo sich alle wohl fühlen können. Dynamiken steuern,
damit alle ihren Platz haben. Wenn sich das Kind nicht wohlfühlt in der Gruppe, dann
wird es auch nicht erblühen.

[02:14:15.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Garten auf dem Rücken, wie die Pflanzen wachsen, dass jeder seinen Teil dazu
beitragen kann.

[02:14:29.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit unserer Leistungsgesellschaft entgeht uns das oft.

[02:14:36.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den drei Generationen.

[02:14:57.680] – Bemerkung 57
Ich schaue mich an, meine Mutter, meine Töchter, meine Kinder. Wo soll man
hinschauen?

[02:15:19.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das anschauen, wo der Schuh am meisten drückt. Das ist das Symptom. Man darf
nicht beim Symptom stehen bleiben. Über das Symptom schaut man über welche Wege
führt es, wie ist es entstanden? So entsteht ein Baum.

[02:16:06.750] – Bemerkung 58
Man schaut die Beziehungen zwischen Mutter und Grossmutter an.

[02:16:07.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue die Beziehungsmuster, die Wertvorstellungen an.

[02:16:14.730] – Dr.med. Ursula Davatz
War es eine enge Beziehung oder nicht?

[02:16:18.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man schaut, was weitergehen wird: weibliche Rollen, männliche Rollen. Wo wechselt
es?

[02:17:09.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind, welches am fragilsten ist oder welches am meisten für die Familie tut, wird
zum Mobbingopfer. Auf das wird alles projiziert.

[02:17:20.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Kinder in einer spezielle Situation geboren werden oder ganz spezielle
Eigenschaften haben, dann werden die auch leicht zum Focus-Kind.

[02:17:31.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Mobbing ist eine Dysfunktion auf eine Person zu fokussieren.

[02:17:44.100] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie Sprache sagt man dann das ist Externalisieren.

[02:17:49.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Man schaut es nicht bei sich an. Die Problematik, welche man hat, wird auf die anderen
projiziert.

[02:17:56.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Der psychotische Wahn, die Wahnideen, Halluzinationen sind immer eine
Externalisierung der eigenen inneren Konflikte.

[02:18:13.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Man haltet die inneren Konflikte nicht aus.

[02:18:16.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat eigentlich ein Schuldgefühl. Man sagt dann nicht: ich fühle mich schuldig. Das
ist sehr unangenehm. Schuldgefühle sind sehr unangenehm.

[02:18:25.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagen wir, der andere will mir Böses tun, darum geht es mir schlecht.

[02:18:30.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Projektion nach aussen.

[02:18:32.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man auch positiv verwenden.

[02:18:36.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Gruppen, welche sagen: Voice Dialogue.

[02:19:02.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir einen Menschen gegenüber haben, welcher sich nicht nach unseren
Erwartungen verhält, dann wollen wir den immer korrigieren. Genau das dürfen wir
nicht. Sondern wir müssen uns mit dem Unterhalten, auseinandersetzen und einfach
die eigene Position einnehmen.

[02:19:20.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist bereits in der Pubertät wichtig ist.

[02:19:25.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das beginnt zwischen 14 und 16 Jahren.

[02:19:35.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Jugendlichen darf man eigentlich nichts mehr befehlen, da darf man nur sagen,
was man findet, wie man es sieht, und seine eigene Meinung klar sagen.

[02:19:45.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Mobbing passiert in einer Gruppe.

[02:19:47.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss der Chef, der Lehrer, der Rektor, der Schulleiter auftreten.

[02:19:55.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht irgendeinem Individuum sagen: das macht man nicht und schrecklich, etc.

[02:20:00.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Er muss den Gruppenprozess anschauen und mit dem Gruppenprozess etwas machen.

[02:20:10.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir die Mobbing Geschichte in einen Gruppenprozess nehmen, muss man mit
allen umgehen.

[02:20:17.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt kein Täter und kein Opfer.

[02:20:20.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind alles Gruppenmitglieder.

[02:20:24.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie geht man mit Ungleichheiten um, die einem stören, die einem ärgern, etc? Das ist
wieder ein soziales Lernen.

[02:20:27.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das soziale Lernen wird heute nicht genügend gefördert.

[02:20:40.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kostet Energie.

[02:20:40.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Führung des Gruppenprozesses hat ganz klare Ethik und sagt, wenn jemand sich
schlecht benimmt: das tolerieren wird in der Gruppe nicht, das sind die Regeln. Wenn
du sagen möchtest, was dich gestört hat, kannst du das gerne tun.

[02:21:07.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geschieht Mobbing unter Mädchen und Knaben.

[02:21:10.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Knaben sagen immer: die Lehrerin bevorzugt nur die Mädchen und wir werden
bestraft, rausgesperrt.

[02:21:16.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das läuft es schon schief.

[02:21:16.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Chef darf niemals Partei ergreifen, sondern er muss die Regeln sagen.

[02:21:34.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt ganz allgemein auch in der Erziehung und bei den Teenager, dass man die
Regeln erklärt.

[02:21:39.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll nicht sagen: du musst, du sollst, du darfst nicht.

[02:21:43.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Regeln, so wie wir Menschenrechts Regeln haben, juristische Regeln etc.

[02:21:49.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Regeln muss man mit Herz vertreten, damit die Kinder das auch hören und
spüren.

[02:22:00.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht einfach die Regeln an die Wandtafel schreiben: so wird das gemacht.

[02:22:04.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Regeln selber vertreten.

[02:22:05.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie zu Hause als Mutter an Regeln erinnern wollen, müssen sie ihre Emotionen
zurück nehmen und sagen: das ist die Regel Nummer eins.

[02:22:28.540] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Familie muss die Emotionen eher zurück nehmen.

[02:22:28.660] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule muss man eher Emotionen eingeben.

[02:22:31.090] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule braucht es Herz.

[02:22:35.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu Hause ist es zu viel Herz.

[02:22:35.860] – Dr.med. Ursula Davatz

Zu Hause kennen die Kinder alle Regeln und sie regen sich darüber auf, wenn die
Mutter schon wieder etwas sagt.

[02:22:42.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter nur sagt: Regel Nummer eins, kann das Kind die Regeln
internalisieren.

[02:22:54.190] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule, müssen die Regeln mit Herz präsentiert werden.

[02:22:57.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Kein Täter und Opfer, sondern immer Austausch und Lösung. Win-Win Situation, damit
beide etwas daraus lernen.

[02:23:10.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen wir drei Generationen an.

[02:23:17.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Erfahrung aus der Nordostschweizerischen Strafvollzugskommission ist: zuerst ist
der Täter ein Opfer, dann wird er zum Täter, dann gibt es wieder ein Opfer und das wird
wieder zum Täter.

[02:23:30.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wechselt häufig von Täter zu Opfer, zu Täter, zu Opfer.

[02:23:35.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Täter einfach mit Tat bestraft, dann werden die nur noch mehr zu Tätern.

[02:23:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss aufpassen, dass man nicht mit seinem emotionalen Gerechtigkeitssinn rein
kommt und die Täter bestraft.

[02:23:49.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe an die Weiterbildungen von der Schweizerischen Kriminologischen
Gesellschaft.

[02:23:59.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird zuviel Geld ausgegeben um Regeln im Gefängnis durchzusetzen. Diese Regeln
haben nichts mit einer Sozialisierung zu tun. Es wird viel über Dinge geredet.

[02:24:06.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist besser man beginnt im Kindergarten, in der Schule, in der Familie und bringt so
den Kindern Sozialkompetenz bei.

[02:24:31.870] – Bemerkung 59
Mich interessiert das Phänomen vom Gruppendruck, die sozialen Medien, der
Leistungsdruck unter den Peer Groups. Der Leistungsdruck, Leistungswahn, der
Schönheitswahn, nicht auffallen.

[02:24:51.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Mobbing Opfer wird immer jemand gewählt, der heraussticht. Die Schweizer sind
egalitär, die wollen nie auffallen. Die Zugewanderten haben kein grosses Problem
herauszustechen.

[02:24:52.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Entweder wird man zum Alphatier oder man wird gemobbt.

[02:25:08.960] – Dr.med. Ursula Davatz
ADS, ASS Kinder, welche sich nicht wehren können werde häufig gemobbt.

[02:25:14.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die überlegen lange, bevor sie etwas tun. Die anderen sind aktiv und fahren direkt rein.
Dort braucht es einen Schutz, dass die Impulsiven zurück gehalten werden und man

sagt: wart, ich höre gerne was du sagen möchtest, aber jetzt will ich hören war er sagen
möchte.

[02:25:26.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Den ADS Kinder muss man Raum geben, damit sie sagen können was sie wollen, sie
beschützt.

[02:25:43.940] – Dr.med. Ursula Davatz
ADS, ASS Teenager werden oft als arrogant angeschaut, weil sie nichts sagen, denkt
die Gruppe: die ist zu vornehm, wir sind es nicht wert.

[02:26:15.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr sie ins Schweigen komme, desto weniger sagen sie.

[02:26:21.090] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Gruppentherapie ist immer die Frage: wer spricht jetzt.

[02:26:31.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Gruppe analytisch geführt wird, sagt der Führer möglichst nichts. Der
Unsicherste spricht dann oft zuerst. So kann man sich mit Schweigen einen
Machtkampf bieten.

[02:26:55.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Schüler war intelligent, hatte nur gute Noten, er wollte nicht auffallen. Er wollte kein
Streber sein. Dann hat er angefangen nichts zu leisten, damit er kein Streber ist. Der ist
nicht mehr aus dem raus gekommen. Am Schluss hatter er eine IV Rente. Er war
hochintelligent. Dahinter war noch ein Ehekonflikt.

[02:27:36.110] – Bemerkung 60
1989 war ich sehr gut in der Schule, habe zwei Instrumente gespielt im Berner
Oberland. Ich nahm die Querflöte mit ins Skilager. Ich war eine Exotin. Ich habe mich
innerlich gewehrt konnte aber nichts sagen. Ich musste mich zurück ziehen. Ich wusste

nicht was mit mir los war. Die Noten war immer noch besser als die von den anderen.
Das war ein Fluch. Man passt sich an und das hat Folgen bis heute.

[02:28:54.240] – Dr.med. Ursula Davatz
So etwas muss die Lehrperson merken und hinstehen.

[02:29:01.100] – Bemerkung 60
Das ist nicht passiert. Niemand ist hingestanden.

[02:29:01.340] – Dr.med. Ursula Davatz
A difference is a difference, which makes a difference.

[02:29:11.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Unterschied. Wir sind alle unterschiedlich.

[02:29:14.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die spielt gut Flöte, das ist ihre Leidenschaft, das macht sie gerne, das lassen wir ihr.

[02:29:15.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Bist du eifersüchtig, dass sie so gescheit ist?

[02:29:28.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man fragen: was kannst du gut?

[02:29:30.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind alle unterschiedlich.

[02:29:39.170] – Bemerkung 60
Es war dem nicht so. Man will aber man kann nicht.

[02:29:45.470] – Dr.med. Ursula Davatz

An dieser Stelle sind die Lehrpersonen unaufmerksam.

[02:29:51.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man reinfahren und sagen: ja, da ist ein Unterschied, ja, das ist anders, ja wir
sind unterschiedlich.

[02:29:58.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Heterogene Gemeinschaften überleben besser als homogene.

[02:30:12.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Homogen heisst alle haben die gleichen Gene, dann kommt ein Virus, dann sterben alle
aus.

[02:30:24.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Heterogen, eine grosse Diversität, dann überleben wir besser. Jeder hat einen Platz.

[02:30:32.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute will jeder einen akademischen Titel. Wir brauchen auch noch Handwerker, die
etwas tun.

[02:30:32.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur das Streben nach dem einen, was das Grosshirn möchte, das ist nicht immer gut.

[02:30:59.440] – Bemerkung 61
Die Lehrpersonen sind auch heute noch überfordert, diese Dynamiken zu erkennen. Die
sind noch nicht so weit.

[02:31:41.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Polizei in die Schule zu holen, das bringt gar nichts. Das muss der Lehrer selber
handhaben. Wenn er es nicht kann, sollte man einen Systemtherapeuten oder
Sozialarbeiter holen, damit sie es zu zweit tun. Dann kann man zusammen sprechen
und den Prozess auflösen.

[02:32:12.480] – Bemerkung 62
Kann man Mobbingopfer stärken, dass sie nicht zum Mobbingopfer werden?

[02:32:21.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Junge wurde immer verprügelt. Dann hat er einmal zurück geprügelt. Dann wurde
er in Ruhe gelassen. Ein Mädchen kann das nicht.

[02:32:21.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Kennen sie den Film von Eminem? Beim Rappen wird der andere beleidigt. Wer nicht
zusammenbricht gewinnt.

[02:32:42.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nach Naturell kann man sie in ihrer Selbstbehauptung stärken. Es tut ihnen auch gut.
Man kann auch sagen geh weg, lass dich nicht anzetteln.

[02:33:24.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Chefsache.

[02:33:43.510] – Bemerkung 63
Vor 40 Jahren haben die Lehrer Wissen vermittelt. Heute muss man das auch noch im
Griff haben. Irgendwann ist genug.

[02:33:58.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir leiben in der heutigen Zeit.

[02:34:30.870] – Bemerkung 64
Früher ist der Lehrer mit dem Stock gekommen und hat zugeschlagen.

[02:34:31.080] – Dr.med. Ursula Davatz

Es geht um eine Konfliktlösung. Bei der Konfliktlösung muss man immer schauen, was
ist der Ursprung? Es ist immer irgendwo eine Verletzung und dann eine extreme
Verteidigung gegen die.

[02:34:38.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde gefischt an einem Fischerteich. Für jeden Fisch hat man einen Franken
gekriegt. Beim Raubfischen war der Teich in 10 Minuten ausgefischt. Selber hatte man
dann viel und die anderen nichts. So ist schneller Schluss.

[02:35:02.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frage lautet: Aug um Aug oder kann der Mensch auch sozial sein?

[02:35:21.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde ein Student eingeschleust, welcher moderat gefischt hat.

[02:35:33.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Er war ein gutes Vorbild. Mit der Zeit haben die anderen auch moderat gefischt.

[02:35:33.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind soziale Wesen, ohne in die Sonntagsschule zu gehen.

[02:35:51.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Delfine sind auch soziale Wesen. Die retten sogar einen Menschen.

[02:35:53.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Sozialverhalten müssen wir wieder mehr fördern.

[02:36:04.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gibt es nur soziale Kompetition, wer ist der Grösste, der Stärkste?

[02:36:09.080] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir müssen zurückbuchstabieren und gutes Sozialverhalten vorleben.

[02:36:31.160] – Bemerkung 65
Es genügt nicht, wenn man erst in der Oberstufe beginnt. Man muss heute hinschauen.
Wenn jemand mit Anzeichen kommt, muss man sofort handeln. Man muss sie für einen
Moment aus dem Geschehen rausnehmen. Die Ängste sind danach viel zu gross. Es
braucht spezielle Schulungen in der Schule dafür.

[02:36:59.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind rausnehmen und den Gruppenprozess anschauen. Es ist immer einzeln.
Gewisse Sozialarbeiter können es gut, andere nicht.

[02:37:20.890] – Bemerkung 66
Meine Tochter hat auch eine Mobbing Geschichte erlebt. Hätte sie mir nicht davon
erzählt, hätte ich es gar nicht gemerkt. Es ging um einen Chat, wo es hiess: bringt dich
doch einfach um. Ich habe dann dem Schulsozialarbeiter angerufen. Sie hat auch
einzelne Unterstützung bekommen. Die Geschichte ist nie weg.

[02:38:07.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist traumatisiert.

[02:38:09.560] – Bemerkung 66
Wir als Menschen haben auch eine Verantwortung, dies in der Gesellschaft
anzuschauen. Ich leite ein Team und sage dort auch: das ist nicht fair, was ihr dort
macht. Man muss die Grenzen setzen.

[02:38:35.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder hat eine Verantwortung, auch in der Nachbarschaft. Jedes soziale Wesen hat das
Recht etwas zu sagen.

[02:39:09.690] – Bemerkung 67

Die Thematik Mobbing ist bei uns auf dem Schulweg aktuell. Die Grossen versperren
den Kleinen den Weg. Sind die Kleinen mal gross, machen sie es auch wieder zu den
Kleinen. Das ist schon fast systematisch. Der Schulweg ist Sache der Eltern.

[02:39:56.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben auf dem Schulweg auch den Knaben einen Stamm in den Weg gelegt.

[02:40:17.780] – Bemerkung 67
Ein Knabe hatte so Angst, dass er einen grossen Umweg gemacht hat.

[02:40:37.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das melden in der Schule und dann ein Rollenspiel machen.

[02:40:49.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder lernen über Spiele.

[02:41:11.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben in der Ausbildung als Systemtherapeuten eine Familie gespielt. Jemand war
der Patient und jemand war der Therapeut.

[02:41:20.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Patient hat man versucht, dass der Therapeut nichts erreicht. Das hat man geübt.

[02:41:24.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Mehr Rollenspiele, nicht Shooter Games wo jemand gewinnt, sondern Interaktion wo
man schlussendlich zu einer Lösung kommt.

[02:41:52.670] – Bemerkung 68
Häufig sind Mobbing Täterinnen Opfer. Das hätte mir nichts gebracht, wenn man mir
das gesagt hätte mit 12 Jahren.

[02:42:02.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Opfer hilft das nicht. Derjenige welcher mit den Tätern umgeht muss das wissen.

[02:42:08.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Aggressive Täter kommen häufig aus unterdrückten Familien. Es wird der nächsten
Generation weiter gegeben.

[02:42:25.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder müssen früh lernen wie man mit Unterschieden umgeht. Beides ist gut. Nicht
immer nur diese Siegerspiele spielen.

[02:42:51.480] – Bemerkung 69
Warum sind alle Kliniken voll? Was machen wir alle falsch?

[02:43:10.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hielten die Familiensysteme zusammen, es war nicht alles gut, aber es hat sich
nicht alles so ausgebreitet. Heute hat man nicht mehr so viele gut funktionierende
Systeme. Der Schulweg geht uns nichts an. Diese Aussage geht nicht. Es geht uns
immer etwas an. Wenn das Kind zu mir kommt und auf dem Schulweg gemobbt wird,
das ist mein Kind, mein Schüler, das geht auch mich etwas an. Wenn es ihm zu Hause
nicht gut geht, geht es mich auch etwas an.

[02:43:54.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen wachsamer sein und dann nicht Richter spielen, sondern dann unser
Problem lösen.

[02:44:12.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen sensibler sein auf soziale Probleme und frühzeitig Problemlöser holen.

[02:44:36.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon die Mediziner arbeiten nicht so gut untereinander zusammen.

[02:44:40.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen sensibler miteinander zusammen arbeiten und dann wieder unsere
unterschiedlichen Rollen sehen.

[02:44:43.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu brauchen wir Zeit. Es braucht ein Anhalten. Man kann nicht einfach darauf los
sein Ziel verfolgen.

[02:44:58.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Zwischen Individuum und dem Kollektiv muss immer weider ausgeglichen werden.

[02:45:13.470] – Bemerkung 70
Es ist ein Zeit Problem.

[02:45:13.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben keine Zeit, werden krank, gehen ins Spital. Dann wird man von der
Krankenschwester liebevoll für viel Geld gepflegt.

[02:45:40.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Hätten wir die Zeit davor schon verlangsamt, müssten wir nicht im Spital landen.

[02:45:46.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Sorgfalt der Beziehung gegenüber und Zeit für die Beziehung.

[02:45:59.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Tagesgeschäft haben wir keine Zeit für die Beziehung und wir lassen unsere
Beziehung pflegen im Spital.

[02:46:02.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Werden Patienten gefragt, was ausschlaggebend war im Spital, kommt an erster Stelle
die Krankenschwester und nicht der tolle Chirurg.

[02:46:02.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Krankenschwester arbeitet mit der Beziehung.

[02:46:12.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Beziehung macht gesund. Die Beziehung beruhigt.

[02:46:17.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen mehr Sorgfalt verwenden für die Beziehungspflege.

[02:46:44.210] – Bemerkung 71
Das heisst, dass die Frauen mehr zu Hause bleiben müssen, wenn die Kinder
aufwachsen.

[02:46:52.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mann kann auch zu Hause bleiben.

[02:46:52.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen mehr von unserer Arbeitszeit auch in die Kinder investieren.

[02:46:59.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ob Mann oder Frau, zusammen.

[02:46:59.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Investition Erziehung.

[02:47:13.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst spricht man von der Investition was mehr Geld bringt.

[02:47:18.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: Human Capital.

[02:47:26.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem wir in unsere Beziehung investieren, in unseren Nachwuchs, investieren wir in
das kostbarste Gut.

[02:47:35.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird oft nicht gesehen.

[02:47:41.770] – Bemerkung 72
Damit machen sie sich unbeliebt.

[02:47:44.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Als BEZ Schülerin habe ich mich eingesetzt zusammen mit einer Freundin für einen
Kollegen uns.

[02:47:49.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben gesagt: der Lehrer geht schlecht mit dem Kollegen um.

[02:47:54.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Antwort darauf war: ihr habt nicht einen Fingerhut voll Verstand und nicht einen
Fingernagel voll Anstand. Wir mussten nachsitzen und waren stolz auf unseren Einsatz.
Man muss den Mut haben.

[02:48:05.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mit Dr.jur. Marcel Bertschi ein Video gemacht.

[02:48:16.795] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.youtube.com/watch?v=8BEgYimnR2c

[02:48:16.930] – Dr.med. Ursula Davatz

Er hat sich in der SP für die soziale Gerechtigkeit eingesetzt und das war dann gar nicht
so toll. Er hat seinen guten Mut nicht verloren.

[02:49:00.800] – Bemerkung 73
Viele Eltern denken, dass sie heute viel in ihr Kind investieren. Klavierunterricht, Karate,
Mandala malen, Frühchinesisch. Das ist grosse Investition.

[02:49:01.180] – Bemerkung 73
Wenn es Probleme gibt, stehen die Eltern der Kinder sofort auf der Matte. Dann hat der
Lehrer keine Chance.

[02:49:21.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich träume immer noch von einer Gruppe von Eltern und Lehrern und ich versuche
zwischen ihnen zu vermitteln. Ich sehe die sonst immer nur einzeln.

[02:49:21.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer hat beim Schüler eine andere Funktion als die Eltern bei ihrem Kind.

[02:49:39.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Beide sind notwendig.

[02:49:42.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich nicht bekämpfen, sondern ergänzen.

[02:49:45.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Unterschied sehen und den Unterschied akzeptieren. Nicht: ich weiss es
am besten.

[02:49:49.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in die Kinder investiert, was sie da alles machen, das ist immer individuell
und vorwärts und Leistung.

[02:50:00.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht zusammen spielen, zusammen Lösungen finden. Es gibt gemeinsame
Arbeiten in der Schule und dort muss man den Austausch im ganzen Kollektiv fördern.

[02:50:20.960] – Bemerkung 74
Lernt man Autofahren muss man einen Verkehrskunde Film schauen.

[02:50:21.230] – Bemerkung 74
Ich kann einfach Vater werden.

[02:50:29.480] – Bemerkung 74
Wenn die Eltern schon nicht hinschauen, wenn die Eltern das Kind in den Kindergarten
begleiten und dabei telefonieren. Das macht mich sehr traurig. Ich würde gerne etwa
sagen dann.

[02:51:11.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Mich auch.

[02:51:51.220] – Bemerkung 75
Ich finde die Mütter mit Handys werden so zum Feindbild. Das stört mich. Es gibt auch
Väter. Vielleicht hat die Mutter den ganzen Morgen mit dem Kind gespielt. Wir sehen
Interpretationen. Wir müssen in Ausbildungen investieren. Diese Frauen tun mir leid.

[02:52:35.220] – Bemerkung 76
Ich war 8 Jahre lang alleinerziehend. Der Vater war im Ausland. Nebenbei habe ich
noch 80% gearbeitet. Das Kind habe ich ab und zu vor den iPad gesetzt, um eine
ruhige Minute zu haben.

[02:53:14.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir tut es trotzdem weh.

[02:53:27.150] – Bemerkung 77

Ich sehe das auch, wie junge Frauen Rauchen und das Kind abgeben und sagen: so!

[02:53:55.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man geraucht und getanzt.

[02:54:14.000] – Bemerkung 78
Im neuen Scheidungsgesetzt steht, dass die Frau 60% arbeiten kann.

[02:54:14.380] – Bemerkung 78
https://anwalt-malerberg.ch/checklisten/bundesgericht-urteil-arbeit-scheidung

[02:54:29.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Doppelrolle der Frau, welche arbeitet und für das Kind schaut, das ist viel verlangt.

[02:54:40.160] – Bemerkung 78
Wenn die Frau Glück hat, arbeitet sie noch in Zürich.

[02:55:09.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer gehen in den Militärdienst, der Arbeitsplatz zahlt dafür und sie kriegen noch
einen Lohn.

[02:55:19.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frau kriegt Stillgeld für sechs Wochen.

[02:55:26.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Produktionsgesellschaft investiert viel zu wenig in die Kinder.

[02:55:34.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Firmen müssen Geld auf die Seite tun, welches man für die Aufzucht der Kinder
verwendet.

[02:55:43.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird lieber in die nächste Expansion investiert.

[02:55:49.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Es zahlt sich negativ aus, dass die höher entwickelten Länder keine Kinder mehr
haben. Die verweigern sich dann. Das merkt man zu spät.

[02:55:56.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Konzerne müssen verpflichtet werden, Geld in Kinder zu investieren.

[02:56:17.510] – Bemerkung 79
Die Richterin am Bundesgericht konnte das nicht durchsetzen.

[02:56:23.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich begleite schwierige Scheidungen. Die sind nur so weit beim Gericht gekommen,
dass der Mann gleichberechtigt ist mit der Frau.

[02:56:32.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind sogar Angst, gezwungen wird, zum Vater zu gehen, obwohl es gar nicht
funktioniert.

[02:56:42.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder so eine Papierentscheid.

[02:56:47.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde es gut, wenn die Männer dabei sind.

[02:56:47.810] – Bemerkung 80
Ich bin Vater und kämpfe für meine Kinder. Auf der anderen Seite ist eine Frau, die nicht
arbeiten und die Kinder nicht hergeben möchte. Sie will mir die Kinder wegnehmen. Ich

bin als Vater immer nur in der Verteidigungsrolle. Wieso wollen sie die Kinder? Wir
haben das Modell schon früher so gelebt, dass ich ein aktiver Vater bin.

[02:58:00.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Ungare hatte mit einer Frau fünf Kinder. Er musste alles bezahlen und durfte die
Kinder nicht sehen. Er wurde verrückt und hat einen Postraub gemacht. Er kam ins
Gefängnis. Der Gefängnispfarrer hat ihm geraten in die Therapie zu gehen. Der
Therapeutin hat er gesagt, dass er sie tot schlagen könnte, er sie so stark.
Schlussendlich ging er trotzdem in die Therapie und hat an sich gearbeitet. Am Schluss
stand er der Frau gegenüber, welche er beim Postraub auf den Boden gedrückt hat.
Schlussendlich hat er noch eine Ausbildung gemacht. Heute gliedert er Jugendliche ein.

[02:59:52.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt vor, dass Frauen wie Hyänen, den Vater draussen behalten.

[02:59:54.380] – Bemerkung 81
Wie kann man die Person stellen, welche das ausübt?

[03:00:15.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Jurist alleine kann es nicht.

[03:00:17.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss von der Person, welche die unfaire Macht ausübt, ein Gutachten verlangen
und gewisse Fragen stellen.

[03:00:24.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Psychiater muss das merken.

[03:00:39.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand, der so seine Kinder für sich und seine Macht verwendet, der instrumentalisiert
seine Kinder, das ist ein narzisstischer Missbrauch der Kinder.

[03:00:49.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau gleich wie Elon Musk seinen Sohn für öffentliche Auftritte missbraucht.

[03:00:56.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man wahrnehmen und das kann man klar sagen: das schadet dem Kind, das
schadet dem Kind.

[03:01:05.150] – Bemerkung 81
Da sind wir dran seit Jahren.

[03:01:08.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Einen Gutachter verlangen, ein psychiatrisches Gutachten verlangen. Der Anwalt kann
es verlangen.

[03:01:11.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier muss man die Psychiatrie mit rein nehmen. Die Juristerei kann das nicht.

[03:01:35.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Gutachter holt, dann muss man direkt fragen: wie funktioniert die als
Mutter?

[03:01:46.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Muss auch die entsprechenden Fragen stellen.

[03:01:49.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Pubertät und ADHS ist noch gefragt worden.

[03:02:16.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Mütter haben gesagt: vor der Pubertät ist er unmöglich gewesen. Als er in die Pubertät
kam, ist alles besser geworden.

[03:02:26.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man erleben, dass sie vernünftig werden und sagen: interessiert mich nicht
mehr, ich muss nicht bei allem kämpfen, das ist nur verschwendete Zeit etc.

[03:02:41.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht immer so, dass es in der Pubertät nur schlechter wird.

[03:02:41.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei anderen ist es so, dass in der Pubertät alles durcheinander geht. Himmelhoch
jauchzend, zu Tode betrübt und alles noch heftiger wird.

[03:02:55.280] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler haben ein starkes Temperament und eine hohe Sensibilität.

[03:03:00.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die hohe Sensibilität wird den Knaben oft nicht zugestanden, aber sie haben sie.

[03:03:05.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden, wenn sie verletzt werden, aggressiv, unflätig, schlagen zu usw.

[03:03:12.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit ihnen umgeht, muss man sie auffangen. Ich sage dem Welpenschutz.

[03:03:21.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Säugetiere geben ihren Jungen Welpenschutz, wenn sie in Herden leben, wenn sie
soziale Wesen sind.

[03:03:34.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Welpenschutz heisst: das Jungtier darf die erwachsenen Gruppenmitglieder ärgern,
beissen, zwicken, das erwachsene Tier reagiert nicht gleich zurück.

[03:03:51.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre oft, dass Eltern von unanständigen, aggressiven Pubertierenden sagen: der
geht so schlecht mit mir um, dann muss ich halt auch zurückschlagen.

[03:04:05.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu sage ich Nein.

[03:04:06.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind erwachsen. Der Jugendliche ist immer noch im Entwicklungsstadium.

[03:04:11.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sagen: das ertrage ich nicht, das verletzt mich.

[03:04:13.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf das nicht sagen im Moment, wo drein geschlagen wird. Man muss schauen,
dass man nicht noch mehr aufheizt, dass man nicht noch mehr verlangt. Low arousal.
Man muss sich zuerst selber runterfahren und dann sagen, was man möchte.

[03:04:40.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Erwachsene Mensch muss zuerst fragen: was hat dich verletzt? Was hat dich
verrückt gemacht?

[03:04:48.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Erwachsene muss zuerst den Jugendlichen validieren. Erst wenn er genügend
validiert hat, darf er sagen: jetzt sage ich dir noch meine Seite. Er darf sagen, was er
nicht gerne hat.

[03:05:07.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist theoretisch wichtig, dass man hinten dran zusammen schaut: wie kannst du mir
etwas sagen, ohne dass es so destruktiv ist. Wie kann ich dir etwas sagen, damit du
nicht gleich ausrastest. Oft müssen beide Seiten etwas lernen.

[03:05:17.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache das auch zwischen den Paaren, welche streiten.

[03:05:18.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage beide: wie muss es ihr/e Frau/Mann zu ihnen sagen, damit sie es entgegen
nehmen können.

[03:05:18.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Konflikt aushandeln. Ein Konflikt muss immer bei den eigenen
Emotionen ausgehandelt werden.

[03:05:18.202] – Dr.med. Ursula Davatz
Was verletzt mich? Was geht mir tief? Warum? Dann kann man immer die eigene
Familiengeschichte anschauen. Dann sieht man weshalb einem etwas Bestimmtes so
stark verletzt.

[03:05:44.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer darum, sorgfältig mit den eigene Emotionen umzugehen.

[03:06:13.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit den eigenen Emotionen sorgfältig umgeht, kann man seine Bedürfnisse
besser sagen, was man braucht. Dann kann man auch die Bedürfnisse des Anderen
besser verstehen.

[03:06:28.980] – Bemerkung 82
Viele Menschen mit ADHS/ADS haben das Rejection Sensitivity Disorder. Sie haben
Mühe mit Kritik umzugehen. Wenn mein Sohn kritisiert wird, beginnt er gleich zu
weinen. Er kann damit nicht umgehen.

[03:06:32.295] – Bemerkung 82
https://my.clevelandclinic.org/health/diseases/24099-rejection-sensitive-dysphoria-rsd

[03:06:32.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau. Das ist bei ADHS/ADSler stärker. Das ist weil die so sensitiv sind. Die merken
schon an ihrem Gesichtsausdruck, ihren Runzeln: jetzt ist sie nicht gut drauf.

[03:06:53.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe bei meiner Mutter immer gemerkt wie sie durch den Gang lief, ob sie sauer ist
oder nicht, an ihrem Schritt.

[03:07:41.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind nicht böse mit einem. Das ist wie jemand mit einem absoluten Musikgehör. Das
tut dem in den Ohren weh und wir hören es gar nicht, wenn jemand falsch singt.

[03:07:42.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist ADHS/ADS, was ist normal?

[03:07:46.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben nur ein Gehirn und das Gehirn reagiert immer als Ganzes.

[03:07:49.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es spielt keine Rolle, wie wir die Diagnose nennen.

[03:07:50.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist auch kein Unterschied.

[03:07:50.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADSlern ist die Reaktion einfach heftiger.

[03:07:54.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Sensitivität ist Sensitivität. Aggression ist Aggression. Es ist das gleiche Gehirn,
welches es macht.

[03:08:14.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das limbische System ist verbunden mit dem motorischen Gehirn.

[03:08:20.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir im ruhigen Zustand sind, kann man es vom Grosshirn her kontrollieren.

[03:08:25.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wen wir aufgeregt sind, ist das Dezentrieren unmöglich. Dann gehen die Emotionen
direkt in die Aktion über. Das ist keine Bösartigkeit. Das ist einfach ein Reflex.

[03:08:46.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit der Reflex nicht passiert, muss man auch aufpassen, dass man sie nicht zu stark
in die Ecke drängt.

[03:08:56.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Arzt war zu bemüht und kam dem Patienten zu nahe. Der Patient hat den Arzt
zusammengeschlagen. Daneben war ein Pfleger, welcher sich zu schnell gebückt hat.
Der wurde nochmals zusammengeschlagen.

[03:08:56.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei diesen Menschen muss die Fluchtdistanz gewahrt werden.

[03:09:25.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer sorgfältig an sie heran treten.

[03:09:40.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu nahe kommt, knallt es.

[03:09:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann ihnen auch zu nahe kommen mit logisch argumentieren. Man kann sie nicht
logisch in eine Ecke argumentieren.

[03:09:40.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist unser Verstand, der meint, er könne alles handhaben und er macht es falsch.
Man muss auf das Sensorium zurück gehen, was ist hier möglich und was nicht.

[03:09:40.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Antoine de Saint-Exupéry sagt: il faut apprivoiser.

[03:09:44.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es sanft angehen.

[03:09:44.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch Erwachsenen so. Das kann durch das ganze Leben gehen. Bei den
Teenagern ist es am stärksten.

[03:10:13.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Erwachsene, welche dort nie sorgfältig behandelt wurden, reagieren schnell emotional,
sie werden schnell getriggert.

[03:10:14.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aufgabe in der Therapie ist, dass sie etwas aufarbeiten, dass sie nicht mehr so
schnell getriggert werden.

[03:10:44.320] – Bemerkung 83
Ich habe einen Nachbar, der erkennt nicht, dass er immer wieder ausrastet. Der kann
ab dem Kleinsten ausrasten.

[03:10:55.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine lange therapeutische Arbeit.

[03:10:58.420] – Dr.med. Ursula Davatz

Rastet er in der Therapie aus, muss ich das langsam aushalten und dann schaut man
das zusammen an. Wenn man es zusammen aushält und dann zusammen darüber
lachen kann, dann ist man ein grosses Stück weiter.

[03:11:29.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit ersetze ich die früheren Eltern, welche es nicht ausgehalten haben.

[03:11:31.010] – Bemerkung 84
Meine Tochter ist sehr explosiv. Mir hat es geholfen, mich zu distanzieren und sie in
dem Moment nicht so ernst zu nehmen. Sie kam mit starken Worten auf mich zu.
Darüber lachen und sie ihren Weg gehen lassen, war immer gut. Danach konnte sie mit
mir darüber sprechen. Ich musste mich extrem zurück halten. Wenn Blicke töten
könnten …

[03:12:31.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Welpenschutz. Aushalten, nicht die Worte so ernst nehmen. Nur die
Aufregung ernst nehmen.

[03:12:33.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ihre Teenagertochter verrückt ist und ihnen alle Schimpfworte an den Kopf wirft:
das ist kein Quali-Gespräch. Nehmen sie den Ausbruch der Tochter nicht als Quali-
Gespräch.

[03:13:09.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es relativieren und gut bei sich bleiben.

[03:13:09.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Teenager einem beschimpfen, wollen sie einem aus der Bahn werfen und sich
durchsetzen.

[03:13:15.430] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe mir dann immer gesagt: ist mir egal, ich bleibe auf meinem Weg, weil ich
davon überzeugt bin.

[03:13:39.390] – Bemerkung 85
Das ist schwieriger in der Öffentlichkeit.

[03:13:39.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es in der Öffentlichkeit geschieht, muss man fest die Scheuklappen anziehen,
ich sehe nichts. Ich mache es nach meinem Stil, so wie es für mich stimmt.

[03:14:06.930] – Bemerkung 86
In der Gesellschaft kann man die Menschen auch schützen. Ich sage ab und zu zu
einer jungen Mutter: sie machen das gut. So etwas darf man auch sagen.

[03:14:23.010] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Familientherapie hat man das auch so gemacht, wenn die Eltern mit ihrem Kind
völlig verzweifelt waren. Als erstes wurden dann die Eltern gelobt, wie viel sie auf sich
genommen haben, wie gut sie es gemacht haben. Erst danach mit der Arbeit beginnen.
Das ist wieder das Validieren.

[03:14:26.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern werden in ihrer Anstrengung validiert, nicht am Endresultat. Alleine die
Anstrengung ist toll.

[03:14:27.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht kann man an dieser Anstrengung ein klein wenig etwas ändern.

[03:15:46.370] – Bemerkung 87
Wenn unsere Kinder in der Gesellschaft ein Kompliment kriegen ist das immer
wunderbar. Ein Mann hat zur Mutter eines schreienden Kindes gesagt: das gibt einen
Politiker oder einen Sänger. Das hat in dem Moment sehr gut getan.

[03:16:00.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gut.

[03:16:05.090] – Bemerkung 88
Wie kann man mit dem Rebound Effekt umgehen bei den Kindern, welche
Medikamente nehmen? Soll man die einfach in Ruhe lassen?

[03:16:15.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Raus an die frische Luft. Fordern. Das Rennpferd muss man fordern, damit es zufrieden
ist.

[03:16:28.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mutter mit einem ADHS/ADS Kind sage ich: zwei Mal pro Tag rausgehen und das
Kind machen lassen. Auf den Spielplatz, damit er am Abend müde ist. Sonst schläft das
Kind am Abend nicht.

[03:17:06.570] – Bemerkung 89
Ich habe bei meinen Kindern alle Medikamente versucht. Wenn das Medikament gut
funktioniert, gibt es keinen grossen Rebound Effekt.

[03:17:32.940] – Bemerkung 90
In der Pubertät werden die Hormone oft vergessen.

[03:17:41.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft gibt man zu viele Medikamente. Die Ärzte haben oft die Haltung: es wirkt nicht, also
geben wir mehr. Es braucht nur wenig.

[03:18:01.560] – Bemerkung 90
Ich habe eine Tochter, welche Medikamente nehmen sollte. Ich habe keine Ahnung
worauf ich achten muss. Ich weiss gar nicht was geschieht.

[03:18:07.560] – Bemerkung 91

Da muss man ganz stark mit den Lehrpersonen zusammen arbeiten.

[03:18:15.240] – Bemerkung 90
Was heisst Rebound?

[03:18:17.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn arbeitet mit Reaktion, Gegenreaktion.

[03:18:17.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle ADHS/ADS Medikamente aktivieren, es sind Amphetamine, damit man fokussieren
kann.

[03:18:36.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Gehen die Medikamente weg, dann hat sich das Kind sehr lange fokussiert. Dann platzt
die Blase. Dann rastet das Kind aus, es ist fürchterlich sensibel.

[03:18:37.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wie eine Gegenreaktion auf das Runterdämpfen.

[03:18:46.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gegenreaktion kann man auffangen, indem man an die frische Luft geht.

[03:19:07.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Es haben es nicht alle. Die Erwachsenen haben zum Teil auch einen Rebound Effekt.

[03:19:22.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss in der Situation machen, was zu dem Rebound passt.

[03:19:22.960] – Bemerkung 92
Es wäre gut zu wissen, was eigentlich los ist. Ich weiss nicht, was ich tun muss bei
einem Rebound Effekt.

[03:19:28.420] – Bemerkung 92
Es wird nicht immer vom Rebound gesprochen. Es haben auch nicht alle einen
Rebound.

[03:19:35.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Antidepressiva nimmt, die SSRI, wenn man die absetzt ist man
hypersensibel. Dann fühlt man sich wieder depressiv. Man muss die langsam absetzen.

[03:20:07.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADS Medikamenten ist dem nicht so. Die haben nicht diese lange
Wirkung.

[03:20:09.520] – Bemerkung 93
Wir haben Strattera genommen. Dort wird auch ein Spiegel aufgebaut.

[03:20:28.500] – Bemerkung 94
Sie erwähnen den sorgfältigen Umgang. Die Schule oder das berufliche Umfeld gehen
nicht sorgfältig um mit den ADHS/ADSlern.

[03:20:56.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Ort wo man steht genau anschauen. Was könnte ich sagen?

[03:21:14.020] – Bemerkung 95
Den Lehrer sensibilisieren, dass die Gesellschaft versteht, dass es solche Menschen
gibt und wie man mit ihnen umgehen kann.

[03:21:29.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schon lange mein Ziel.

[03:21:31.600] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich will die Lehrer sensibilisieren, dass sie lernen, mit den ADHS/ADS Kindern
umzugehen, dass man nicht alle Probleme auf die Psychiatrie schieben muss, sondern
dass man es selber lernen kann.

[03:21:42.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Kinder in der Privatschule. Ich versuche immer mit den Lehrern zu arbeiten.

[03:22:00.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse sind sehr positiv, andere wollen nichts hören. Es ist ganz unterschiedlich.

[03:22:00.610] – Bemerkung 96
Ich finde es ein gesellschaftliches Problem. Mein Sohn sucht eine Stelle. Man sucht nur
extrovertierte Leute.

[03:22:23.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier können sie auf eine Gegenstrategie gehen.

[03:22:46.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht immer auch andere dazwischen.

[03:22:49.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alle nur extrovertiert und vorwärtsgerichtet sind, dann fällt es auseinander.

[03:23:09.100] – Bemerkung 97
Ich verstehe das. Er hat 100 Bewerbungen geschrieben. Im Gespräch war es fertig. Die
Bewerbungen sind alle sehr gut angekommen.

[03:23:30.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Er soll die Firma suchen, wo er denkt, dass er gut hinein passt. Dort soll er eine
Spontanbewerbung schreiben.

[03:23:30.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Madonna hat Evita gesungen. Die hat gesagt: please understand I would be good for
you.

[03:24:03.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen ich weiss, in der Businesswelt wollen alle das, aber ich bin genau das
Gegenteil. Ich bin in dem gut. Geben sie mir doch eine Chance oder geben sie sich eine
Chance, es mit mir zu versuchen. Man muss irgendwie herausstechen aus den
Bewerbungen. Flucht nach vorne.

[03:24:07.730] – Bemerkung 98
Das braucht viel Selbstvertrauen. Das haben diese Menschen zum Teil nicht.

[03:24:52.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann versuchen wir es ihm zu geben. Das können wir ihm das sagen. Die
Bezugsperson kann ihm Unterstützung geben. Er fällt wieder auf, wenn er seine
Introvertiertheit verkauft.

[03:25:08.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Elon Musk ist auch ein Autist. Er hat viel Geld verdient.

[03:25:24.910] – Bemerkung 99
Roland Brack ist auch ein Asperger. Er ist ein Tüftler.

[03:25:46.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Er muss eine Gegenstrategie machen und sich anders verkaufen. Sie können ihm als
Mutter Rückenstärkung geben.

[03:26:00.850] – Bemerkung 100
Ich versuche es.

[03:26:50.450] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss es anders machen. Wenn er mit den Extrovertierten konkurrenzieren
möchte, hat er keine Chance. Wenn er es anders macht, hat er eher eine Chance. Er
muss seine Introvertiertheit verkaufen.

[03:26:50.870] – Bemerkung 101
Was läuft falsch? Beziehungen pflegen.

[03:26:52.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Vom Kindergarten, in der Schule, zum Teil im Ausbildungssystem, das ist gar nicht so
schlecht, wenn Symptome auftreten, geht man immer nur auf das Individuum los.

[03:27:11.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer das Individuum in seinem Kontext anschauen. Das ist noch schwierig
so was zu tun. Als Therapeutin mache ich das immer.

[03:27:31.620] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin ist es immer noch schwierig.

[03:27:33.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sozialarbeiter haben immer schon alles angeschaut.

[03:27:33.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Privatleute und Therapeutinnen können immer wieder den systemischen Ansatz
verwenden und entsprechende Fragen stellen.

[03:27:50.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Zugang hat zu einer politischen Person, kann man es dort einbringen.

[03:27:51.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die systemische Betrachtungsweise ist wichtig.

[03:28:05.630] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule nicht gleich das Kind ins Spital tun, und der psychiatrischen Klinik
überlassen, sondern das Umfeld unterstützen.

[03:28:20.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin gegen Kinderkliniken für psychiatrische, kranke Teenager.

[03:28:28.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss alles nur in die Unterstützung vom System investieren.

[03:28:37.790] – Bemerkung 102
Ich habe drei junge Erwachsene. Die haben alle die Diagnose ADHS/ADS vom
Hausarzt bekommen. Einen Platz in der Psychiatrie, beim Psychologen hat keiner. Eine
ADHS/ADS Abklärung dauert 2 Jahre bis sie einen Platz bekommen. Dort kriegen alle
Psychopharmaka.

[03:29:08.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sollen besser zu einem ADHS/ADS Coach gehen, ob sie die Diagnose ADHS/ADS
haben oder nicht. Sie spüren sich am besten selber, sie haben sich selber
diagnostiziert. Nicht alle haben den Umgang mit ADHS/ADS gelernt.

[03:29:25.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Man findet auch viel auf dem Internet.

[03:29:38.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Martin Winkler, ein Arzt aus Deutschland.

[03:29:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhsspektrum.com/author/web4health/

[03:29:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe eine Gruppe für Angehörigen von ADHS/ADSlern.

[03:29:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz
https://ganglion.ch/html/popup_kurse.php?kurs_id=44

[03:29:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss auf die Suche gehen. Man findet viel auf dem Internet.

[03:29:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.sfg-adhs.ch/

[03:29:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort sind alle Therapeuten aufgelistet. Nicht alle ADHS/ADS Therapeuten haben auch
eine Familientherapie Ausbildung. Es braucht beides.

[03:30:34.580] – Bemerkung 103
Ab 14 Jahren darf man sagen, dass die Eltern nicht mehr informiert werden wenn sie in
eine Jugendpsychiatrische Klinik eintreten. Die Eltern sind dann abgeschnitten. Dann
den systemischen Ansatz zu verwenden ist eine grosse Herausforderung.

[03:30:56.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Personenschutzgesetz geht gegen den systemischen Ansatz. Juristisch ist man
wahnsinnig konsequent. Menschlich hilft das gar nicht.

[03:31:04.740] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Drogenarbeit hiess es auch immer: man darf die Eltern nicht informieren.

[03:31:12.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte Drogensüchtige, wo die Lehrerin es gewusst hat, die Eltern durften es nicht
wissen.

[03:31:33.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das übergehe ich. Als Familientherapeutin übergehe ich das.

[03:31:38.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Psychiaterin weiss ich mehr und ich will zusammen arbeiten.

[03:31:39.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich mit dem Sozialdienst spreche, dann heisst es: ich darf ihnen nichts sagen. Ich
antworte immer: ich will von ihnen nichts hören, ich will ihnen etwas sagen. Ich will mein
Wissen weitergeben an die.

[03:32:07.340] – Bemerkung 104
Als Spitex machen wir das auch wenn wir keine Schweigepflichtsentbindung für den
Hausarzt oder den Psychiater haben. Es ist unsere Pflicht, es doch zu tun.

[03:32:36.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut. Das sagen sogar die Juristen: wenn es dem Patienten dient, dann darf man
das. Fertig mit der Schweigepflicht. Das strikte: ich darf nichts sagen hiflt niemanden.
Es geht absolut gegen das Systemische. Machen. Ich hätte nicht Angst vor einem
Prozess. Man macht es für den Patienten.

[03:32:37.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind keine Juristen, wir sind keine Strafverfolger, wir wollen nur zusammen arbeiten.

[03:33:42.840] – Bemerkung 105
Was ist mit der Mutter, welche verantwortlich ist für den 14 Jährigen, wenn sie nicht
mehr informiert werden darf?

[03:33:55.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Systemikerin sage ich dem Teenager: ich werde ihre Mutter kontaktieren. Ich sage
es ihnen, ich mache nichts hinter ihrem Rücken. Ich mache, was ich gut finde, nicht was
der Teenager gut findet. Ich bin nicht sein Sklave.

[03:34:24.940] – Bemerkung 106
Meiner Tochter habe ich gesagt: du kannst das machen. Ich bin rechtlich immer noch
verantwortlich. Willst Du mir das antun?

[03:34:39.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Auseinandersetzung mit dem Teenager. Wir müssen nicht zum Sklaven
vom Teenager werden.

[03:35:27.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde es gar nicht gut wenn eine Sitzung gemacht wird mit sämtlichen Lehrern und
den beiden Eltern und das Kind muss dabei sein. Dann wird verhandelt über das Kind.
Das ist nicht zum Ertragen.

[03:35:38.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das soll sogenannt gerecht sein? Ich würde das nie machen.

[03:35:42.850] – Dr.med. Ursula Davatz
In Königsfelden war das ganze Personal anwesend und irgendwo der kleine Patient.
Der war wie vor einem Gerichtshof. Das habe ich sofort abgeschafft, das wird nicht
mehr gemacht, das ist nicht gesund.

[03:35:43.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat alles gemacht aus juristischer Sicht, damit es korrekt ist vor dem Patienten.

[03:36:08.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist genau so unsinnig wie das Kind sagen darf, dass die Mutter nicht informiert
werden darf.

[03:36:30.370] – Bemerkung 107
Ich frage meine Tochter: was meinst du?

[03:36:31.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich immer neben den Patienten gesetzt um ihn zu schützen. In der Schule
bin ich neben das schwierige Kind gesessen. Wenn ich gesehen habe, dass es schlecht
läuft, habe ich gebremst um das Kind zu schützen.

[03:36:56.990] – Bemerkung 108
Bezahlen muss dann die Mutter.

[03:36:59.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viel mit Juristen gearbeitet und auch mit ihnen gestritten. Es gibt die juristische
Sicht und es gibt die psychiatrische Sicht. Die ist nicht immer gleich.

[03:37:00.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es um das Wohl des Kindes geht, verwende ich die psychiatrische Sicht, nicht die
juristische. Wir sehen uns dann beim Gericht.

[03:37:43.480] – Bemerkung 109
Im Gymnasium können die Kinder auch sagen: ich möchte nicht, dass meine Eltern
informiert werden. Das führt immer zu sehr schwierigen Situationen. Wenn sich die
Schulleitung auf die Seite des Gesetzes stellt, dann diskutieren die Lehrer auch
untereinander.

[03:38:02.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es dem Kind sagen, dass man mit den Eltern Kontakt hat. Als Lehrer fühlt
man sich verpflichtet, mit den Eltern Kontakt zu haben. Sonst macht an einen
schlechten Job.

[03:38:03.025] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss machen, was für mich stimmt, Gesetz hin oder her.

[03:38:28.930] – Bemerkung 109
Das finde ich gut.

[03:38:30.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem Gesetz wird das Kind nicht gesund. Das ist alles nur: to cover your ass. Man
deckt sich ab, damit man nicht belangt werden kann.

[03:38:48.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Verantwortungslosigkeit wird nicht belangt. Die ist im Gesetz nicht notiert.

[03:38:56.120] – Dr.med. Ursula Davatz
An der Kantonsschule in Baden wurden suizidale Absichten bemerkt. Man durfte nichts
machen. Dann ist er von der Brücke gesprungen. Das bringt nichts. Dem Gesetz wurde
man gerecht.

[03:39:19.760] – Bemerkung 110
Im Kindergarten musste ich einen Zettel unterschreiben, dass die Fachpersonen über
mein Kind sprechen dürfen, ohne meine Erlaubnis. Ich habe meine Unterschrift nie
gegeben. Wenn die ein Problem mit meinem Kind haben, sollen sie mit mir sprechen.
Heute gibt es wie einen Freipass, dass man im Büro über die schwierigen Kinder
sprechen darf.

[03:40:29.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter muss einbezogen werden.

[03:40:37.670] – Bemerkung 110
Es wird auch die Unterschrift verlangt, dass man Fotos von der Schule politisch
verwenden darf. Eine Mutter hat die Unterschrift nicht gegeben. Das Kind ist jetzt
ausgeschlossen. Es darf nicht auf das Foto.

[03:41:13.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist unglaublich.

[03:41:56.730] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist ein legalistischer Umgang mit natürlichen Situationen.

[03:41:57.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es herrscht der Irrglaube, dass man mit mehr Gesetzten die Menschheit besser führen
kann. In diesen Gesetzen ist nichts emotionales drinnen.

[03:41:57.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann so den Menschen gar nicht führen.

[03:42:05.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man sich zur Wehr setzen.

[03:42:23.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen Unterschiede wahrnehmen können. Die Unterschiede müssen ohne Kampf
wahrgenommen werden. Wichtig ist, dass die Unterschiede möglichst klar
ausgearbeitet werden und dass die Unterschiede nicht gegeneinander ausgespielt
werden.

[03:42:54.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Unterschiede sind wir divers und haben ein gesünderes Kollektiv.

[03:42:54.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die neurodiversen Kinder sind immer Störfaktoren. So können sie zum Mobbingopfer
werden.

[03:43:01.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Störfaktoren können sie auch so wie ein Ferment oder ein Katalysator sein.

[03:43:21.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus Fehlern entsteht neues Lernen.

[03:43:21.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ein Chinesisches Zeichen: Gefahr oder Chance für Entwicklung.

[03:43:21.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes störende Kind ist eine Chance für eine Entwicklung, für das ganze Kollektiv.

[03:43:28.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen flexibel genug sein um aus der Störung etwas zu machen.

[03:43:39.090] – Dr.med. Ursula Davatz
In unserer westlichen Kampfkultur kämpft man, der andere geht dagegen und man
schlägt einander tot.

[03:43:51.360] – Dr.med. Ursula Davatz
In der asiatischen Kampfkunst nimmt man die Energie und macht etwas damit.

[03:44:08.850] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann man mit allen Störfaktoren etwas kreatives machen.

[03:44:09.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Was haben ADHS/ADSler positives an sich? Sie sind kreativ. Sie gehen über die
Grenzen hinaus, sie bringen neue Lösungen.

[03:44:13.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den Wissenschaftlern gibt es viele ADHS/ADSler, wie z.B. Albert Einstein.

[03:44:21.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Störfaktor verwenden, um etwas neues zu machen.

[03:44:21.837] – Dr.med. Ursula Davatz
Alexander Fleming hat das Penicilin erfunden.

[03:44:21.894] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Fleming

[03:44:31.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Er war schlampig, er hat seine Agarplatte draussen stehen gelassen. Dann ist Penicillin
darauf gewachsen. Wäre er nicht so schlampig gewesen, wäre kein Penicillin darauf
gewachsen.

[03:44:32.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen sind missratene Affen. Wir wurden von den Gorillas in die Savanne
gedrängt. Dort sind wir geblieben und haben viel gelernt, wie z.B. den aufrechten
Gang. Aus Fehlern kann man immer lernen.

[03:44:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweiz ist nicht sehr gut im Umgang mit der Fehlerkultur. Wir müssen eine
bessere Fehlerkultur haben. ADHS/ADSler helfen uns aus den Fehlern etwas zu
machen.

[03:45:14.410] – Dr.med. Ursula Davatz
In der heutigen Erziehung herrscht ein grosser Konkurrenzkampf.

[03:45:28.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Konkurrenz kann einem weiter bringen. Ist die Konkurrenz zu gross, zerstört man sich
nur. Das endet in einem Krieg.

[03:45:29.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Was heute alles zerstört wird, wenn wir eigentlich so reich wären. Da fasst man sich an
den Kopf.

[03:45:44.370] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Erzieher, die Lehrer haben viel mehr Konkurrenz als früher. Sie müssen mehr
aufwenden, um die Aufmerksamkeit des Kindes zu holen. Sie haben aber immer noch
Vorteile gegenüber den sozialen Medien, weil sie lebendig sind.

[03:46:14.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Lehrer muss immer ein wenig ein Schauspieler sein. Man muss die Kinder abholen
können. Das kann nicht jeder. Dazu muss man ein Mensch, eine Persönlichkeit sein.

[03:46:14.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die direkte Auseinandersetzung ist wichtig. Es geht nicht um das Folgen. In der
Pubertät ist das speziell wichtig.

[03:46:30.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Mutter nicht mehr sagen, wie man es machen muss, sondern nur noch seine
Prinzipien, seine Glaubensbekenntnisse, seine Regeln sagen.

[03:46:52.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind folgt dann zeitverzögert.

[03:46:58.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine jüdische Mutter, der Sohn hat alles verkehrt gemacht. Er ging ins
Ausland. Er hat nicht studiert.

[03:47:15.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mutter sagte ich: sagen sie ihre Prinzipien, auch wenn er nicht folgt, sie sagen es
trotzdem. Sie werden sehen, nach fünf Jahren macht er mehr von dem, als sie sagen,
als sie denken.

[03:47:15.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat sie nicht geglaubt.

[03:47:44.471] – Dr.med. Ursula Davatz

Fünf Jahre später kam die Mutter zurück und hat gesagt: sie hatten recht. Er war
folgsamer und hat die Regeln besser eingehalten als die Mädchen, welche davor
einfach brav mitgemacht haben.

[03:47:50.060] – Bemerkung 111
Was halten sie von Belohnungssystemen?

[03:48:02.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind will kooperativ sein, es will von selber lernen. Ich muss es dafür nicht
belohnen. Ich darf Freude haben, wenn das Kind kooperiert. Wenn das Kind etwas
kann, hat es Freude daran.

[03:48:08.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde Belohnung und Bestrafung nicht gut.

[03:48:15.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Belohnung ist, dass ich Freude habe, das Kind hat Freude.

[03:48:20.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat Kindern Spielzeug gegeben. Dann hat man alles erklärt. Beim zweiten
Versuch hat man gar nichts erklärt. Ohne Vorschriften, hat das Kind am längsten
gespielt.

[03:48:23.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Anwesend sein, wenn das Kind etwas braucht. Das ist die sorgfältige Begleitung.

[03:49:04.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Belohnung ist, dass das Kind Freude hat an dem was es tut.

[03:49:04.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Eudaimonic happiness und Hedonic happiness.

[03:49:06.733] – Dr.med. Ursula Davatz
Eudaimonic happiness heisst, dass man glücklich ist mit dem was man macht. Kinder
lernen gerne. Das ist die Neugier, welche sie haben. Das geht auch in die
Berufsfindung.

[03:49:25.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Geld oder ein Token ist keine gute Belohnung.

[03:49:25.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit den Eltern arbeite ich ohne Belohnung und Bestrafung.

[03:49:34.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eudaimonic happiness hat eine positive Wirkung auf das Immunsystem.

[03:50:03.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das läuft über das mittlere Hirn, über das emotionale Hirn. Das ist verbunden mit
unserem Drüsensystem, mit der Hypophyse, dem Hypothalamus, mit der
Nebennierenrinde Stressachse.

[03:50:20.380] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.resilienz-akademie.com/abc-der-resilienz/die-stressachse

[03:50:20.380] – Dr.med. Ursula Davatz
So können sie ihren Kindern die Möglichkeit geben, das zu machen, was sie gerne tun
und Freude daran haben.

[03:50:20.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gehört auch, dass man gewisse bittere Sachen aushalten muss.

[03:50:42.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das lernt das Kind schon.

[03:51:14.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei schwierigen Kindern kann man sagen: ich will, dass du das lernst. Als Mutter
möchte ich das.

[03:51:15.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul sagt: ich will.

[03:51:35.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Für ADHS/ADS Kinder ist die Aussage: "du sollst" bereits ein Befehl.

[03:51:36.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Energie bei sich behalten und sagen was einem wichtig ist.

[03:51:59.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll nicht für das Kind vorausdenken.

[03:52:05.760] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind intrinsisch motiviert. Das läuft automatisch.

[03:52:13.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich ADHS/ADS Kinder anpassen müssen, funktioniert es nicht so gut.

[03:52:13.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Mädchen haben eher die Tendenz, sich den Bedürfnisse der Eltern anzupassen und
wissen dann nicht was sie wollen.

[03:52:30.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Für die intrinsische Motivation braucht es Geduld aber nicht das Kind einfach alleine
lassen.

[03:52:39.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wachsam begleiten ohne etwas zu tun.

[03:52:47.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr schwierig für eine Mutter.

[03:52:48.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erlebe ich auch in der Therapie.

[03:52:53.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Menschen zu begleiten, der nicht so schnell vorwärts macht, dann sind wir
frustrierte Helfer.

[03:52:54.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Murray Bowen hat gesagt: wenn man mit dem Menschen nicht mehr vorwärts kommt,
nicht mehr helfen wollen, sondern nur noch lernen wollen.

[03:53:13.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann von meinem Kind lernen.

[03:53:13.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann von jeder schwierigen Situation lernen.

[03:53:13.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann Fragen stellen.

[03:53:17.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich darf nicht mehr so ehrgeizig sein.

[03:53:21.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt immer eine Möglichkeit, etwas zu lernen.

[03:53:26.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir das Kind einfach in eine Richtung vorwärts bringen wollen, haben wir die
Tendenz, den Menschen zu stark zu stören.

[03:53:41.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Sich öffnen etwas zu lernen. Dann merkt der Patient auch, er ist in einer Beziehung,
aber er muss es nicht mir recht machen.

[03:53:51.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Spitexschwester beraten.

[03:53:57.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man abends um 18.00 Uhr noch einen depressiven Patienten hat, den man
vorwärts bringen möchte. Er zieht einem höchstens runter.

[03:54:08.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Spitexschwestern habe ich gesagt: was hat die Person an sich, das sie toll finden?
Was können sie von der Person lernen?

[03:54:34.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich nicht mehr als Helfer verkauft sondern als Lernender, gibt man dem
Patienten, dem Kind eine Wertschätzung.

[03:54:41.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald die andere Person die Wertschätzung bekommt, dann wacht sie eher auf und
macht wieder etwas.

[03:54:47.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Patientin war sehr hübsch. Der Krankenschwester habe ich gesagt, dass sie der
Frau sagen soll, sie sei noch sehr hübsch mit 70 Jahren. Wie hat sie das gemacht, wie
kann sie das selber auch erreichen?

[03:55:15.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Patientin kam aus der Depression raus und ging auf Reisen.

[03:55:15.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wurde die Hauspflegerin depressiv und hat später eine neue Stelle im Altersheim
gefunden, wo sie ihre Position nie verloren hat.

[03:55:50.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war eine Rollenumkehr. Es geht immer um ein Reraming. Man muss die Situation
anders darstellen.

[03:56:07.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alles schief läuft geht man zur Psychiatrie. Man denkt, dass die am meisten
wissen, dass die am besten helfen können.

[03:56:23.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Systemikerin sage ich: zu den Gesunden gehen, ihnen helfen, dass sie besser mit
der kranken Person umgehen können, damit alles wächst.

[03:56:23.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Der medizinische Ansatz macht immer am Symptom herum, verschreibt viele
Medikamente und es wird nicht besser. Das ist tragisch.

[03:56:29.610] – Dr.med. Ursula Davatz
In meinem Buch schreibe ich darüber: Psychiatrie im Offside.

[03:56:53.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie ist am entgleisen.

[03:56:57.990] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Psychiatrie ist zu sehr innerhalb vom medizinischen Modell.

[03:57:04.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das medizinische Modell ist nicht systemisch. Es bezieht die Ressourcen nicht mit ein.
Das ist ein Fehler, das ist schade.

[03:57:20.090] – Dr.med. Ursula Davatz
1980 waren alle begeistert von der Familientherapie.

[03:57:24.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage hält sich die Begeisterung in Grenzen.

[03:57:30.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Damals haben das die Ärzte noch gelernt. Heute sind es nur noch die Psychologinnen
und allenfalls die Sozialarbeiter.

[03:57:35.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie wird nicht mehr von den Psychiatern beherrscht, gefüttert, sondern eher
von den Psychologen/Innen.

[03:57:44.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich gut.

[03:57:44.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können das medizinische Modell gar nicht so gut anwenden. Die müssen mehr
wieder mit dem Menschen arbeiten.

[03:58:08.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie wird von den Psychopharmaka bezahlt. Eine gewisse Zeit lang hat die
Pharmaindustrie auch die systemische Therapie unterstützt. Zur Zeit ist das nicht mehr
Mode. Es wird immer nach einem neuen Medikament gesucht.

[03:58:09.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe etwas Positives bei den Psychologen/innen weil die eine andere Haltung
haben.

[03:58:34.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychopharmaka greifen alle im limbischen System ein. Dämpfen es runter oder fahren
es hoch.

[03:58:38.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Kredo lautet: umgehen mit dem emotionalen Gehirn in der Pubertät.

[03:58:50.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Lernen das selber zu regulieren, auch wenn man Ausrutscher hat und es eine zeitlang
schief läuft. Schlussendlich ist das immer das Beste.

[03:59:02.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man lernt damit umzugehen, dann regelt das Gehirn alles selber. Dann muss
man keine Antidepressiva geben und wieder etwas dagegen. Es braucht dann nicht X
Medikamente.

[03:59:08.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich glaube an den Menschen selber und an seine Fähigkeiten selber zu lernen.

[03:59:29.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Zur Pubertät gehören die pubertären Verwerfungen, himmelhoch jauchzend, zu Tode
betrübt.

[03:59:32.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern müssen viel aushalten aber es lohnt sich! Man soll es nicht einfach
unterdrücken. Dann hat man etwas für das Leben gelernt. Das kann man immer wieder
brauchen.

[03:59:48.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychopharmaka wirken nur so lange, wie man das Medikament gibt.

[03:59:52.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Systemtherapie, wenn das System sich ändert und etwas gelernt wird, dann
bleibt das fürs Leben.

[04:00:08.270] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Therapie wird viel Verhaltenstherapie oder Dialektisch-Behaviorale Therapie
(DBT) verwendet. Das sind alles Erziehungsmethoden. Es kann gut sein für gewisse
Ticks. Es ist zu allgemein und zu oberflächlich auf die Symptome und die Symptom
Unterdrückung bezogen.

[04:00:35.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte den ganzen Menschen weiterbringen.

[04:00:35.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat zu tun mit der Geschichte, wie sie aufgewachsen ist, wie sie keine Geborgenheit
hatte.

[04:00:46.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite mit den Leuten ihre Geschichte auf. Ich schicke die Leute zurück in ihre
Geschichte, dass sie ihre Narrative aufarbeiten. Das gibt eine innere Zufriedenheit und
eine Entwicklung.

[04:00:46.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Verhaltenstherapie ist wieder nur Symptombezogen.

[04:01:11.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite Entwicklungsbezogen.

[04:01:19.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich helfe dem Menschen seine Entwicklungsblockaden zu überwinden und sich weiter
zu entwickeln. Es ist immer lebendig.

[04:01:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweizer Bevölkerung hat die Haltung: ich muss alles selber können. Es muss
niemand etwas davon wissen, ich darf keine Hilfe holen. Bei den Männern ist das noch
mehr der Fall. Ich kann doch alles. Was du gehst in die Therapie, das braucht es doch
nicht. Das ist immer ein Zeichen, dass man inadäquat ist.

[04:01:48.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich fordere alle Menschen dazu auf, sich früh genug Hilfe zu holen, nicht unbedingt nur
beim Psychiater sondern auch bei den Sozialarbeitern.

[04:02:10.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Umgang mit dem System lernen. Man muss sich dafür nicht schämen, wenn man sich
Hilfe holt.

[04:02:27.950] – Bemerkung 112
Ich habe 10 Jahre in den USA gelebt. Dort hat jedermann einen Psychiater. In der
Schweiz ist es: oh, ich gehe zum Psychologen, niemand darf das sehen.

[04:02:36.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Schwelle darf runter gesetzt werden. Wenn es nicht funktioniert, kann man
wieder aufhören. Nicht so lange zu warten. Oder jemand anders suchen.

[04:02:50.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss nicht immer ein Arzt sein. Es kann irgendeine Bezugsperson sein, in die man
Vertrauen hat und die vom Leben Kenntnis hat.

[04:02:51.350] – Dr.med. Ursula Davatz
In Afrika geht man zum Medizinmann oder zum Dorfältesten. Man muss seine
Medizinmänner und Frauen in der Gesellschaft finden.

[04:03:20.380] – Bemerkung 113
Man kann sagen: ich gehe zum Coach.

[04:03:21.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Fussballverein hat auch einen Coach.

[04:03:25.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Murray Bowen hat immer gesagt: der Therapeut ist ein Coach.

[04:03:25.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat die Familie nur einmal pro Monat gesehen. Man unterstützt die natürlichen
Fähigkeiten. Man sagt nicht: wie, was und wo.

[04:03:42.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrpersonen sollen sich auch nicht scheuen möglichst früh eine Hilfe zu holen und
das mit jemanden zu diskutieren. Man kann auch das Vier Augen Prinzip anwenden,
dann sieht man noch mehr von der Situation.

[04:04:22.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es können auch Eltern in die Schulstunde sitzen und sagen, was sie beobachtet haben.
Man muss die Situation zusammen anschauen.

[04:04:30.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe neun Monate in Schottland in einer therapeutischen Gemeinschaft gearbeitet,
am Dingleton Hospital in Melrose. Wir sind immer zu zweit ausgerückt. Man ist nie
alleine zu einer Familie gegangen.

[04:04:45.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn in der Schule die Lehrperson immer noch eine Zusatzperson hat, wäre das
hilfreich, weil man sich austauschen kann. Dafür soll man sich nicht schämen, sondern
sich dafür einsetzen.

[04:05:13.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Frühzeitig fachkompetente Hilfe holen. Das kann schon im Kindergarten sein.

[04:05:28.680] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät gibt es viele Verwerfungen. Nicht meinen, dass man stark genug sein
muss und dass man keine Hilfe braucht.

[04:05:33.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Spricht man über den Stress, geht er runter.

[04:05:42.440] – Dr.med. Ursula Davatz
50% der psychiatrischen Krankheiten treten in der Pubertät auf. Diese Periode ist am
anfälligsten, dass man eine Fehlbahn einschlägt. Gönnen sie sich die Hilfe. Die Hilfe
steht ihnen zu.

[04:06:25.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Man leistet sich ein tolles Auto. Wieso soll man sich nicht eine Beratung leisten?

[04:06:31.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man früher die Hilfe holt, könnten viele Krankheiten bei den ADHS/ADSler
verhindert werden.

[04:06:54.900] – Dr.med. Ursula Davatz
80% der ADHS/ADSler haben zusätzlich eine oder mehrere zusätzliche psychiatrische
Diagnosen.

[04:07:04.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht von der Komorbidität.

[04:07:07.590] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich sage nein: das ist nicht Komorbidität, das ist eine Folgekrankheit.

[04:07:12.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Folgekrankheiten können nicht verhindert werden.

[04:07:15.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommen immer Studien raus, dass ADHS/ADSler mehr somatische Krankheiten
haben.

[04:07:16.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen haben eher ein Schmerzsyndrom, Gelenkbeschwerden, Polyarthritis.

[04:07:30.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer werden eher aggressiv und landen im Gefängnis oder haben einen Herzinfarkt
und Hirnschlag.

[04:07:39.000] – Dr.med. Ursula Davatz
https://ads-muenster.de/2024/09/20/chronische-schmerzen-und-adhs-eine-oft-uebersehene-verbindung/

[04:07:45.130] – Bemerkung 114
Wenn man in der Kinder- und Jugendphase gut behandelt, erfährt das Kind weniger
eine negative Prägung. Es ist besser, dass man das Kind frühzeitig begleitet.

[04:08:23.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man sie frühzeitig begleitet und unterstützt, läuft es besser.

[04:08:29.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt eine neue Studie aus England die sagt: Frauen sterben zehn Jahre früher als
der Durchschnitt und Männer sieben Jahre früher. Hier sind die Frauen im Nachteil.

[04:08:43.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist aus dem Grund, dass sich die Frauen zu stark anpassen und sich nicht genügend
verwirklichen.

[04:08:52.380] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler kriegen mehr Alzheimer im Alter.

[04:09:04.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erkläre mir das damit, dass sie ihren Fokus, ihre Berufung nicht gefunden haben.
Dann sind sie ständig am suchen. Mit dem ständigen suchen, kann das Gehirn nicht
ruhig werden.

[04:09:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, früh Hilfe zu holen und früh Unterstützung zu geben.

[04:09:31.050] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann man viel Geld sparen.

[04:09:37.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird zu viel in der Psychiatrie, Medizin und im juristischen System ausgegeben und
zu wenig in der systemischen Beratung auf Kindergarteneben und in der Unterstützung
der Eltern.

[04:10:03.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Dies werde ich dem Erziehungsdirektor vom Kanton Aargau sagen.

[04:11:20.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke fürs Zuhören und Mitmachen.

[04:11:21.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Seien sie mutig in der Anwendung!