Dr.med. Ursula Davatz erläutert in ihrem Vortrag die Forschung von Elena Brivio, die untersucht hat, wie weibliche und männliche Gehirne auf Stress reagieren. Die Studie wurde an Ratten durchgeführt, da Untersuchungen am menschlichen Gehirn in diesem Kontext ethisch und praktisch nicht möglich sind. Dr. Davatz ist jedoch der Meinung, dass die Ergebnisse durchaus auf den Menschen übertragen werden können, da Ratten als Säugetiere viele Gemeinsamkeiten mit dem Menschen haben und häufig in der medizinischen Forschung eingesetzt werden.
Vernetzung und Lösungsorientierung:
Brivios Forschungsergebnisse zeigen, dass weibliche Gehirne unter Stress vermehrt Vernetzungen bilden. Sie produzieren mehr Oligodendrozyten, was zu einem Wachstum der Nervenauswüchse und einer komplexeren Vernetzung führt. Dr. Davatz interpretiert dies als Hinweis darauf, dass weibliche Wesen aktiv nach neuen Lösungen suchen, wenn sie Stress ausgesetzt sind. Sie vergleicht diese Reaktion mit dem Verhalten von weiblichen Affen, die durch kreative Problemlösung neue Nahrungsquellen erschliessen.
Beispiel der Affen:
In einem Experiment wurden Affen mit ungewohnten Nahrungsmitteln konfrontiert, beispielsweise Getreide, das in Sand geworfen wurde. Ein junges weibliches Äffchen fand eine Lösung für dieses Problem, indem es die Mischung aus Sand und Getreide ins Wasser warf. Die Getreidekörner schwammen obenauf, der Sand sank zu Boden, und die Nahrung konnte verzehrt werden. Dieses Verhalten wurde von den anderen Affen, einschliesslich der Mütter, übernommen, während der dominante Affe, der zu sehr mit Machterhaltung beschäftigt war, diese neue Lösung nicht lernte.
Zusammenfassend lässt sich sagen:
Weibliche Gehirne reagieren auf Stress mit einer Verstärkung der neuronalen Vernetzung, was auf eine stärkere Lösungsorientierung hinweist. Diese Reaktion könnte evolutionär bedingt sein, da Frauen traditionell für die Versorgung der Nachkommen und die Aufrechterhaltung sozialer Strukturen verantwortlich waren.
https://ganglion.ch/pdf/Gesellschaft%20unter%20Hochdruck.m4a.pdf