Der Einfluss der Geschwisterposition auf die Persönlichkeitsentwicklung

Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, heben hervor, wie die Position in der Geschwisterreihe die Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen prägt.

Die Geschwisterposition als prägender Faktor:

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass die Geschwisterposition, neben den Genen und der sozialen Vererbung, einen wichtigen Einfluss auf die Persönlichkeit hat. Sie erklärt, dass die Ältesten oft die Rolle des Vorbilds einnehmen und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Dies kann zu einem starken Pflichtbewusstsein führen, birgt aber auch die Gefahr der Überforderung und des Burnouts, da sie dazu neigen, auch Verantwortung für andere zu übernehmen, die ihnen nicht zusteht.

Jüngere Geschwister hingegen lernen, emotionale Verantwortung zu übernehmen und auf das Wohlbefinden der Familie zu achten. Dies kann dazu führen, dass sie sich für das Glück anderer verantwortlich fühlen und Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Bedürfnisse zu artikulieren. Dr. Davatz nennt das Beispiel eines jüngsten Kindes, das versucht, eine unglückliche Mutter glücklich zu machen, und dabei möglicherweise in einen unlösbaren Auftrag gerät.

Mittlere Kinder sind oft flexibel und anpassungsfähig, da sie zwischen den Bedürfnissen der Älteren und Jüngeren vermitteln müssen. Dies fördert ihre sozialen Kompetenzen, kann aber auch zu einem Gefühl des „Eingeschlossenseins“ führen, wenn sie zwischen den anderen Geschwistern um Aufmerksamkeit und Anerkennung kämpfen müssen.

Beziehungen und Geschwisterdynamik:

Dr.med. Ursula Davatz erwähnt einen Forscher, der acht verschiedene Geschwisterpositionen untersucht hat, und veranschaulicht, wie sich diese Prägungen in Beziehungen widerspiegeln können. So könnten beispielsweise zwei Älteste in einer Partnerschaft vermehrt um die Führung streiten, während zwei Jüngste Schwierigkeiten haben könnten, Entscheidungen zu treffen.

Weitere Einflussfaktoren innerhalb der Familie:

Neben der Geschwisterposition spielen natürlich auch andere Faktoren innerhalb der Familie eine Rolle bei der Persönlichkeitsentwicklung. Dr.med. Ursula Davatz nennt hier die Beispiele von „Schattenkindern“, die neben einem behinderten Geschwister aufwachsen und lernen, zurückzustecken, sowie den Einfluss von kranken Elternteilen auf die Entwicklung der Kinder.

Fazit:

Die Geschwisterposition ist ein wichtiger Faktor in der Persönlichkeitsentwicklung, der unsere Verhaltensweisen, unseren Umgang mit Verantwortung und unsere Art, Beziehungen zu gestalten, prägt. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass dies nur einer von vielen Faktoren ist und die individuelle Entwicklung von Mensch zu Mensch unterschiedlich verläuft.

https://ganglion.ch/pdf/Herkunftsfamilie_Praegung.pdf

Die Rolle der Geschwisterposition in der Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung

Dr.med. Ursula Davatz erwähnt das Thema kurz im Zusammenhang mit einem Fallbeispiel, in dem eine Mutter mit einem Kind überfordert ist und eine Schwester hat, die mit der Situation scheinbar unbeschwert umgeht.

  • Älteste Geschwister und Verantwortung: Dr.med. Ursula Davatz stellt die These auf, dass ältere Geschwister oft mehr Verantwortung übernehmen müssen und daher möglicherweise weniger Freiraum haben, ihre Persönlichkeit und ihren Umgang mit Emotionen in der Pubertät zu entwickeln.
  • Jüngere Geschwister und Unbeschwertheit: Jüngere Geschwister hingegen können laut Dr.med. Ursula Davatz „im Windschatten“ der älteren Geschwister leben und müssen nicht so viel Verantwortung tragen. Dies könnte ihnen mehr Freiraum für Experimente und das Ausleben ihrer Emotionen bieten.

Zusammenhang mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung:

  • Eingeschränkter Experimentierraum: Dr.med. Ursula Davatz betont, dass die Borderline-Persönlichkeitsstörung häufig bei Menschen auftritt, die in ihrer Pubertät nicht genügend Raum hatten, mit ihren Emotionen zu experimentieren und einen gesunden Umgang damit zu lernen. Dies könnte bedeuten, dass die stärkere Verantwortungslast älterer Geschwister ein Risikofaktor für die Entwicklung der Störung sein könnte.
  • Bedeutung des familiären Umfelds: Die Quellen heben hervor, dass das familiäre Umfeld und die Interaktion mit den Eltern einen entscheidenden Einfluss auf die Entstehung der Borderline-Persönlichkeitsstörung haben. Die Geschwisterposition könnte die Dynamik innerhalb der Familie und die Art und Weise, wie Eltern mit ihren Kindern umgehen, beeinflussen.

https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf