Welche Rolle spielt das limbische System bei der Angst und der Bindung?

Dr.med. Ursula Davatz beschreibt das limbische System, auch bekannt als emotionales Hirn oder Mittelhirn, als Schlüsselstruktur für die Verarbeitung von Emotionen, einschliesslich Angst, und für die Ausbildung von Bindungen.

Angst

  • Angst als Auslöser für reflexartige Anpassung: Wenn das limbische System eine Situation als bedrohlich wahrnimmt, werden die primitiven, reflexartigen Anpassungsmechanismen aktiviert: Kampf, Flucht oder Todstellreflex.
  • Angst als Folge von Überforderung: Das limbische System kann durch zu viele Reize oder durch Situationen, die die erlernten Anpassungsmechanismen überfordern, überflutet werden. Dies führt zu einem „Energiestau“ im emotionalen Hirn, der sich als Angst manifestieren kann.
  • Angst in der Gruppe: Angst kann auch im sozialen Kontext entstehen, wenn die Zugehörigkeit zu einer Gruppe gefährdet ist. Dr. Davatz erklärt, dass Angst dazu führt, dass Gruppen zusammenrücken und Mitglieder, die die Gruppenkohäsion stören, sanktionieren.

Bindung

  • Limbisches System als „Beziehungshirn“: Das limbische System ist laut Dr. Davatz das „Beziehungshirn“ und damit essentiell für die Ausbildung von Bindungen.
  • Mutter-Kind-Bindung: Die erste und wichtigste Bindung entsteht zwischen Mutter und Kind. Das limbische System des Kindes ist von Anfang an auf die emotionale Verbindung zur Mutter ausgerichtet.
  • Bindung in der Gruppe: Das limbische System spielt auch eine Rolle bei der Bindung an Gruppen. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe bietet Schutz und Sicherheit, kann aber auch zu Konflikten und Angst führen, wenn die Gruppenregeln verletzt werden.
  • Bindungsverhalten bei Überforderung: Wenn das limbische System überfordert ist, kann es zu Regression kommen, d.h. der Mensch fällt in kindliche Verhaltensmuster zurück, um Bindung und Sicherheit zu suchen.

Zusammenfassend:

Das limbische System spielt eine entscheidende Rolle sowohl bei der Entstehung von Angst als auch bei der Ausbildung von Bindungen. Es ist das emotionale Zentrum des Gehirns und steuert unser Verhalten in bedrohlichen Situationen sowie unser Bedürfnis nach Zugehörigkeit und sozialer Verbindung.

https://ganglion.ch/pdf/Wann_laesst_die_Seele_den_Koerper_sprechen.m4a.pdf

“Bindung – was die Welt zusammenhält“

Kurztext für 25. August 2017, Universität Zürich, Standort Irchel

Wie können sich Bindungsstörungen über Generationen hinweg vererben?Erfahrungsbericht aus 40 Jahren klinischer Praxis

Kurztext UniZH 25.08.17 Bindung – was die Welt zusammenhält

Flyer_Fachtagung_2017

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Transkription

Transkript

Wie können sich Bindungsstörungen über Generationen
hinweg vererben‘?
Erfahrungsbericht aus 40 Jahren klinischer Praxis

Dr. med. Ursula Davatz
http://www.ganglion.ch; http://schizo.li/

“Bindung – was die Welt zusammenhält“
Kurztext für 25. August 2017, Universität Zürich, Standort Irchel

Bindungsverhalten kommt bei allen Säugetieren vor, insbe-
sondere bei sozialen Säugetieren und dient dem Überleben
des Jungtieres wie auch dem Überleben des Individuums in-
nerhalb eines Kollektivs. Dieses Bindungsverhalten ist in un-
seren Genen und somit auch in unserem Gehirn, dem limbi-
schen System, verankert.

Verschiedene Individuen können aber auch verschiedene
Bindungsverhaltensmuster an den Tag legen, wie sehr ängst-
liches Klammern als auch lockeres oder gar distanziertes
Bindungsverhalten.

Diese Bindungsmuster können von Generation zu Generation
weitergegeben werden, in der Partnerschaft gut zueinander
passen oder auch nicht, sowie durch äussere soziale oder
politische Situationen auch gestört werden, sodass daraus
ein verändertes Bindungsverhalten entsteht, welches dann zu
psychischen Störungen führen kann.