Dr.med. Ursula Davatz äußert sich äußerst kritisch gegenüber der gängigen Praxis in der Jugendpsychiatrie. Sie sieht darin eine Institution, die oft mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt, insbesondere für Jugendliche mit ADHS/ADS.
- Defizitorientierung der Medizin: Dr. Davatz kritisiert, dass die Psychiatrie als medizinische Fakultät in erster Linie defizitorientiert arbeitet. Das bedeutet, dass der Fokus auf den Krankheiten und Störungen liegt, anstatt auf den Stärken und Ressourcen der Jugendlichen. Dies führt dazu, dass Jugendliche in der Psychiatrie oft noch kränker werden, da sie ständig mit ihren Schwächen und Problemen konfrontiert werden.
- Mangelnde Individualisierung: Dr. Davatz bemängelt, dass Jugendliche in der Jugendpsychiatrie oft in großen Gruppen behandelt werden. Die individuellen Bedürfnisse und Besonderheiten der Jugendlichen werden dabei nicht ausreichend berücksichtigt. Die Behandlungsmethoden sind oft normierend und passen nicht zu den einzelnen Jugendlichen.
- Unerfahrene Therapeuten: Dr. Davatz kritisiert den Einsatz von jungen und unerfahrenen Psychologen in der Jugendpsychiatrie. Diese hätten oft noch keine eigene Lebenserfahrung und könnten die Probleme der Jugendlichen nicht wirklich verstehen.
- Fehlende Beziehungsgestaltung: Dr. Davatz betont, dass die Beziehung zwischen Therapeut und Jugendlichem in der Psychiatrie oft zu kurz kommt. Der Fokus liegt auf der Symptombekämpfung, anstatt auf der Entwicklung einer vertrauensvollen und tragfähigen Beziehung.
Alternativen zur Jugendpsychiatrie:
Dr.med. Ursula Davatz plädiert für eine entwicklungsorientierte und bedürfnisorientierte Herangehensweise an Jugendliche mit Problemen.
- Begegnung auf Augenhöhe: Erwachsene sollten Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen, ihre Bedürfnisse ernst nehmen und ihnen zuhören.
- Wahrnehmung der Persönlichkeit: Es ist wichtig, den Jugendlichen in seiner ganzen Persönlichkeit wahrzunehmen und zu verstehen, wie er geprägt wurde.
- Authentizität und Empathie: Erwachsene sollten Jugendlichen gegenüber authentisch und empathisch sein.
- Kooperation statt Gehorsam: Jugendliche sollten in Kooperationsprozesse einbezogen werden und nicht zum Gehorsam gezwungen werden.
- Stärkung der Selbstmotivation: Jugendliche sollten dabei unterstützt werden, ihre eigene Motivation zu finden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr.med. Ursula Davatz die Jugendpsychiatrie als ein System betrachtet, das oft nicht den Bedürfnissen von Jugendlichen gerecht wird. Sie plädiert für eine grundlegende Veränderung der Herangehensweise an Jugendliche mit Problemen.