Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, beleuchten die komplexen Herausforderungen und Chancen, die sich im Zusammenhang mit ADHS und Schule ergeben. Dr. Davatz, eine erfahrene Psychiaterin und Familientherapeutin, betrachtet ADHS als „Neurotyp“, also eine andersartige Funktionsweise des Gehirns, die sowohl Stärken als auch Schwächen mit sich bringt.

Besondere Herausforderungen für Schüler mit ADHS im schulischen Umfeld:

  • Konzentrationsschwierigkeiten: ADHS-Schüler haben oft Schwierigkeiten, sich über längere Zeit zu konzentrieren, was sich im Unterricht negativ auf ihre Aufmerksamkeit und ihr Lernverhalten auswirken kann.
  • Hyperaktivität: Der Bewegungsdrang von ADHS-Schülern kann im strukturierten Schulalltag zu Problemen führen. Sie haben oft Schwierigkeiten, ruhig zu sitzen und stören den Unterricht durch ihre Unruhe.
  • Impulsivität: Impulsive Reaktionen können zu Konflikten mit Mitschülern und Lehrern führen.
  • „Breite Aufmerksamkeit“: ADHS-Schüler weisen oft eine „breite Aufmerksamkeit“ auf, die sich im Unterricht als „Störung“ manifestiert, aber in anderen Lebensbereichen, wie z.B. im Handel, von Vorteil sein kann.
  • Strukturierungsprobleme: ADHS-Schüler haben oft Schwierigkeiten, sich selbst zu strukturieren und ihre Zeit einzuteilen, was sich im Unterricht, insbesondere im Rahmen des Lehrplans 21 mit seinen Freiheiten und Eigenverantwortung, negativ auswirken kann.
  • Leistungsdruck: Der Leistungsdruck im Schulsystem kann für ADHS-Schüler eine zusätzliche Belastung darstellen und ihre Schwierigkeiten verstärken.

Folgen für ADHS-Schüler:

  • Schulische Misserfolge: Die genannten Herausforderungen können zu schlechten Noten, Schulfrust und im schlimmsten Fall zum Schulabbruch führen.
  • Negatives Selbstbild: Die ständige Konfrontation mit ihren Schwächen kann zu einem negativen Selbstbild und Selbstzweifeln führen.
  • Stigmatisierung: ADHS-Schüler werden oft als Störenfriede oder „schwierige Kinder“ abgestempelt, was zu sozialer Ausgrenzung und Isolation führen kann.

Chancen für ADHS-Schüler in der Schule:

  • Kreativität und Spontaneität: ADHS-Schüler bringen oft eine hohe Kreativität und Spontaneität mit, die im Unterricht gewinnbringend eingesetzt werden können.
  • Praktische Begabungen: Viele ADHS-Schüler sind technisch versiert und haben ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen.
  • „Out-of-the-box“-Denken: ADHS-Schüler denken oft unkonventionell und finden kreative Lösungen für Probleme.

Empfehlungen für einen „neurotypgerechten“ Umgang mit ADHS in der Schule:

  • Individuelle Förderung: ADHS-Schüler brauchen individuelle Förderung, die ihre Stärken berücksichtigt und ihnen hilft, ihre Schwächen zu kompensieren.
  • Verständnisvolle Lehrkräfte: Lehrkräfte, die Verständnis für die Schwierigkeiten von ADHS-Schülern haben und ihnen mit Geduld und Empathie begegnen, können einen wichtigen Beitrag zu ihrem Lernerfolg leisten.
  • Flexible Unterrichtsgestaltung: Ein flexibler Unterricht mit abwechslungsreichen Methoden und Bewegungselementen kann die Konzentration und Motivation von ADHS-Schülern fördern.
  • Klassenassistenten und Tutoren: Klassenassistenten und Tutoren können ADHS-Schülern im Unterricht individuelle Unterstützung bieten und ihnen helfen, sich zu strukturieren.
  • Klare Regeln und Strukturen: ADHS-Schüler brauchen klare Regeln und Strukturen, die ihnen Orientierung und Sicherheit geben.
  • Positive Verstärkung: Lob und Anerkennung für ihre Erfolge können das Selbstvertrauen von ADHS-Schülern stärken und ihre Motivation steigern.
  • Alternative Bestrafungsmethoden: Strafen sollten vermieden werden, da sie oft kontraproduktiv sind. Stattdessen sollten alternative Methoden der Konfliktlösung und des Umgangs mit impulsivem Verhalten erlernt werden.

Nachteilsausgleich:

Ein Nachteilsausgleich kann ADHS-Schülern helfen, ihre schulischen Leistungen zu verbessern und ihre Chancengleichheit zu erhöhen. Die Beantragung eines Nachteilsausgleichs ist auch ohne formelle Diagnose möglich.

Alternative Schulformen:

Alternative Schulformen wie die Rudolf Steiner Schule oder die Montessori Schule können für manche ADHS-Schüler eine gute Alternative sein, da sie oft mehr Freiräume und Individualisierungsmöglichkeiten bieten. Es gibt jedoch keine Garantie, dass diese Schulformen für alle ADHS-Schüler die optimale Lösung sind.

Zusammenarbeit mit Eltern:

Eine enge Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Eltern ist für den Lernerfolg von ADHS-Schülern unerlässlich. Eltern können die Lehrkräfte über die Bedürfnisse ihres Kindes informieren und gemeinsam mit ihnen Strategien für den Umgang mit den Schwierigkeiten entwickeln.

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass die Schule eine grosse Verantwortung im Umgang mit ADHS-Schülern trägt. Ein verständnisvolles Umfeld und die richtige Unterstützung können dazu beitragen, dass ADHS-Schüler ihre Potenziale entfalten und ihre Schulzeit erfolgreich meistern.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS%20pathologische%20Folgen.m4a.pdf