Dr. med. Ursula Davatz, eine erfahrene Psychiaterin, die sich seit über 40 Jahren mit ADHS beschäftigt, bietet in ihrem Vortrag wertvolle Einblicke in das Wesen von ADHS und gibt praktische Ratschläge für den Umgang mit betroffenen Kindern. Sie betont, dass ADHS keine Krankheit ist, sondern ein Neurotyp, eine genetisch bedingte Variante der Hirnfunktion.

Grundprinzipien im Umgang mit ADHS-Kindern

  • Wertschätzung und Akzeptanz: Anstatt zu versuchen, das Kind anzupassen, sollten seine Eigenheiten akzeptiert und wertgeschätzt werden. Jedes Kind ist einzigartig und hat seine eigenen Stärken und Schwächen.
  • Verständnis für die neurologischen Hintergründe: ADHS-Kinder verarbeiten Informationen anders und reagieren deshalb oft impulsiv und unvorhersehbar. Es ist wichtig, sich mit den neurologischen Hintergründen vertraut zu machen, um das Verhalten des Kindes besser verstehen zu können.
  • Geduld und Flexibilität: ADHS-Kinder brauchen Zeit, um Informationen zu verarbeiten und zu reagieren. Ungeduld und Druck führen oft zu Stress und Überforderung. Stattdessen sollten wir Geduld und Flexibilität im Umgang mit ihnen zeigen.
  • Kooperation statt Gehorsam: Anstatt das Kind zu Gehorsam zu zwingen, sollten wir es zur Kooperation auffordern. Das bedeutet, das Kind in die Problemlösung einzubeziehen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
  • Stärkung der intrinsischen Motivation: Anstatt mit Belohnung und Bestrafung zu arbeiten, sollten wir versuchen, die intrinsische Motivation des Kindes zu wecken. Das bedeutet, seine Interessen aufzugreifen, Erfolgserlebnisse zu ermöglichen und ihm das Gefühl zu geben, selbstwirksam zu sein.
  • Verzicht auf „Nein“: Das Wort „Nein“ löst bei ADHS-Kindern oft Widerstand und Trotz aus. Stattdessen sollten wir dem Kind klar und deutlich sagen, was wir von ihm erwarten, und ihm Alternativen anbieten.

Konkrete Tipps für den Alltag

  • Schaffen Sie eine strukturierte Umgebung: ADHS-Kinder profitieren von klaren Regeln und Strukturen. Das gibt ihnen Sicherheit und Orientierung.
  • Geben Sie dem Kind Bewegungsmöglichkeiten: ADHS-Kinder haben einen hohen Bewegungsdrang. Geben Sie ihnen genügend Möglichkeiten, sich auszutoben, zum Beispiel in Form von Sport oder regelmässigen Pausen.
  • Seien Sie einfühlsam und verständnisvoll: ADHS-Kinder sind oft sehr sensibel und verletzlich. Reagieren Sie mit Einfühlungsvermögen und Verständnis auf ihre Bedürfnisse.
  • Arbeiten Sie mit den Stärken des Kindes: Jedes Kind hat seine eigenen Talente und Stärken. Konzentrieren Sie sich auf die positiven Seiten des Kindes und fördern Sie seine Begabungen.
  • Suchen Sie professionelle Unterstützung: Wenn Sie sich im Umgang mit dem ADHS-Kind überfordert fühlen, scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein ADHS-Coach oder ein Kinder- und Jugendpsychiater kann Ihnen wertvolle Tipps und Unterstützung geben.

Kommunikation mit ADHS-Kindern

  • Stellen Sie Blickkontakt her und sprechen Sie das Kind direkt an: So stellen Sie sicher, dass das Kind Ihnen zuhört.
  • Formulieren Sie Ihre Aussagen klar und deutlich: Vermeiden Sie lange Erklärungen und komplizierte Sätze.
  • Geben Sie dem Kind Zeit zum Antworten: ADHS-Kinder brauchen oft etwas länger, um zu reagieren. Unterbrechen Sie das Kind nicht und drängen Sie es nicht zu einer schnellen Antwort.
  • Validieren Sie die Gefühle des Kindes: Nehmen Sie die Gefühle des Kindes ernst und zeigen Sie ihm, dass Sie es verstehen.
  • Vermeiden Sie Kritik und Vorwürfe: Kritik und Vorwürfe führen oft zu Trotzreaktionen und verschlechtern die Beziehung zum Kind. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf die positiven Seiten des Kindes.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Umgang mit ADHS-Kindern eine Herausforderung sein kann, aber auch eine Chance ist, von ihnen zu lernen und neue Perspektiven zu gewinnen. Mit Geduld, Verständnis und Kreativität können wir ADHS-Kindern helfen, ihre Stärken zu entfalten und ein glückliches und erfolgreiches Leben zu führen.

https://ganglion.ch/pdf/Umgang%20mit%20ADHS%20ADS%20Kindern.m4a.pdf