Die Quellen, insbesondere Dr.med. Ursula Davatz‘ Ausführungen, heben die Bedeutung des „Vorbild seins“ als effektive Erziehungsmethode hervor. Sie argumentiert, dass Kinder viel mehr durch Beobachtung und Nachahmung lernen als durch verbale Anweisungen.

„Model Learning“: Lernen durch Beobachten

Dr.med. Ursula Davatz bezeichnet diesen Lernprozess als „Model Learning“, bei dem Kinder durch das Beobachten des Verhaltens von Erwachsenen lernen. Sie vergleicht dies mit dem Lernen im Sport, wo das Imitieren von Bewegungen und Techniken entscheidend ist. Dieses Konzept wird durch Beispiele aus anderen Kulturen untermauert, wie z.B. die Reisanbaumethode in Afrika, bei der Kinder durch Nachahmung des erfahrenen Bauern lernen.

Worte vs. Taten: Die Macht des Vorlebens

Dr.med. Ursula Davatz kritisiert den übermässigen Fokus auf verbale Erziehung in der heutigen Gesellschaft. Sie betont, dass Worte weniger effektiv sind als Taten, wenn es darum geht, Kindern Werte und Verhaltensweisen zu vermitteln. Sie verwendet das Sprichwort „Do what I say, don’t do what I do“ und das lateinische Sprichwort „Quod licet Iovi, non licet bovi“, um zu verdeutlichen, dass diese Doppelmoral in der Erziehung nicht funktioniert.

Die Bedeutung von Kongruenz: Authentizität als Vorbild

Stattdessen plädiert Dr. Davatz dafür, authentisch zu sein und das vorzuleben, was man von Kindern erwartet. Sie nennt ein Beispiel aus dem Strassenverkehr: Ein Erwachsener kann nicht erwarten, dass ein Kind am Zebrastreifen wartet, wenn er selbst die Strasse überquert, ohne auf den Verkehr zu achten. Diese Kongruenz zwischen Worten und Taten ist entscheidend, um Kindern ein positives und glaubwürdiges Vorbild zu sein.

Vorbild sein in der Beziehung: Empathie und Bedürfnisorientierung

Dr.med. Ursula Davatz‘ Betonung des „Vorbild seins“ geht über das reine Vorleben von Verhaltensweisen hinaus. Es umfasst auch die Art und Weise, wie wir mit Kindern in Beziehung treten und auf ihre Bedürfnisse eingehen.

  • Empathie: Ein gutes Vorbild zeichnet sich durch Empathie und die Fähigkeit aus, die Perspektive des Kindes zu verstehen.
  • Bedürfnisorientierung: Anstatt Kinder zu bestrafen oder zu beschämen, sollten wir versuchen, ihre Bedürfnisse zu erkennen und ihnen zu helfen, diese auf eine konstruktive Weise zu kommunizieren.
  • Authentizität: Kinder spüren, wenn Erwachsene nicht authentisch sind. Ein gutes Vorbild ist ehrlich zu sich selbst und zu anderen.

Fazit: Vorbild sein als ganzheitlicher Ansatz

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Vorbild sein“ nach Dr. Davatz einen ganzheitlichen Ansatz in der Erziehung darstellt, der über verbale Anweisungen hinausgeht. Es geht darum, Werte und Verhaltensweisen durch das eigene Handeln vorzuleben, authentisch und kongruent zu sein sowie Kindern in einer liebevollen und bedürfnisorientierten Weise zu begegnen.

https://ganglion.ch/pdf/Temperamentgerechte_innovative_Kinderbegleitung.m4a.pdf