Dr.med. Ursula Davatz erläutert in ihrem Referat die Systemische Therapie, auch bekannt als Familientherapie, als einen Ansatz, der den Fokus vom Individuum auf das gesamte Umfeld des Patienten verschiebt. Sie betont, dass der Systemtherapeut seinen Wirkungshebel nicht am schwächsten Glied des Systems, also dem Patienten, ansetzt, sondern am stärksten. Das bedeutet, dass nicht die Symptome des Patienten bekämpft werden, sondern die Ressourcen und Stärken der Personen im Umfeld des Patienten gestärkt werden.
Das soziale Umfeld als Schlüsselfaktor:
Die Systemische Therapie basiert auf der Erkenntnis, dass der Mensch ein soziales Wesen ist und sein Verhalten und seine psychische Gesundheit massgeblich von seinem sozialen Umfeld beeinflusst werden. Dr. Davatz verwendet Genogramme, um die familiären Beziehungen und die Krankheitsgeschichte eines Patienten zu visualisieren und so wiederkehrende Muster und ungelöste Konflikte im Familiensystem zu erkennen.
Die Rolle des Therapeuten:
Der Systemtherapeut nimmt in der Systemischen Therapie eine aktive Rolle ein. Er analysiert die Interaktionen innerhalb des Systems, identifiziert die Person mit dem grössten Einfluss und versucht, Veränderungen im gesamten System zu bewirken. Dr. Davatz beschreibt ihre eigene Rolle in der Therapie: „Bis zu einem gewissen Grad habe ich auch diese Rolle. Dass ich mal gütige Mutter bin oder strenger Vater oder Geschwister und mich mit den Patienten auseinandersetze.“
Ziel der Systemischen Therapie:
Das Ziel der Systemischen Therapie ist nicht die Beseitigung von Symptomen, sondern die Stärkung des gesamten Systems und die Entfaltung der Ressourcen aller Beteiligten. Dr. Davatz betont, dass es ihr nicht um Normierung, sondern um die Entfaltung der vielen Unterschiede geht. Die Beziehungsgestaltung spielt in der Systemischen Therapie eine zentrale Rolle. Der Therapeut begegnet dem Patienten und seinem Umfeld mit Empathie und versucht, ein Klima des Vertrauens und der Offenheit zu schaffen.
Systemische Therapie und Soziobiologie:
Dr.med. Ursula Davatz sieht die Systemische Therapie als einen Ansatz, der eng mit der Soziobiologie verbunden ist. Beide Disziplinen betonen die Bedeutung des sozialen Kontexts für das Verhalten und die psychische Gesundheit. Die Systemische Therapie nutzt die Erkenntnisse der Soziobiologie, um die Interaktionen innerhalb des Systems besser zu verstehen und gezielte Interventionen zu entwickeln.