Dr.med. Davatz betont, dass die Erziehung in der Familie dazu dient, die Tradition der Familie aufrechtzuerhalten. Dies beinhaltet auch die Weitergabe von Wertvorstellungen, welche unterschiedlich erfolgen kann, nämlich entweder mit Belohnung oder Bestrafung oder mit Vorbild. Sie hebt hervor, dass das Vorbild etwas ganz Wichtiges in der Erziehung ist.

Bezüglich der Erziehungsstile erwähnt Dr. Davatz die Extreme der demokratischen und autoritären Erziehung, wobei es natürlich auch Mischformen gibt. Unabhängig vom Stil ist es wichtig, dass der Nachwuchs, die Zukunft, erfolgreich erzogen wird. Dies beinhaltet, dass Kinder lernen, sich durchzusetzen, sich anzupassen und vor allen Dingen zu kooperieren. Zudem müssen sie sich in die Gesellschaft integrieren können, insbesondere in der heutigen multikulturellen Gesellschaft der Schweiz, in der verschiedene Erziehungsmodi aufeinandertreffen können. Diese können sich entweder gegenseitig bekämpfen oder ergänzen. Dr. Davatz beobachtet, dass sie in ihrer Praxis oft Familien erlebt, in denen die Erziehungsverantwortlichen miteinander kämpfen, was kein gutes Klima für Kinder darstellt. Wenn Kinder gar zu Vermittlern zwischen den Eltern werden müssen, nimmt ihnen das viel Energie für ihre persönliche Entwicklung weg.

Dr. Davatz betont, dass es in der Erziehung nicht darum geht, immer gleicher Meinung zu sein. Vielmehr müssen die Unterschiede klar zum Ausdruck kommen, damit das Kind lernen kann, dass Mutter und Vater Dinge unterschiedlich sehen und je nach Situation die eine oder andere Haltung besser sein kann. Das Kind optimiert so seinen Lebensentwurf. Sie spricht sich dagegen aus, das Kind moralisch zu erziehen, sondern es nach seinen eigenen Wertvorstellungen zu fördern, die individuell sind. Dr. Davatz unterstreicht, dass Mann und Frau schon nicht gleich sind und wir unterschiedlich sein dürfen. Sie sieht die aktuelle Geschlechterdiskussion um binär und nonbinär als etwas extrem, plädiert für einen individuelleren Ansatz und betont, dass man umso mehr voneinander lernt, je mehr man sich mit Unterschieden auseinandersetzt.

Im Kontext der Schule beinhaltet diese einerseits das Lernen von Kompetenzen wie Rechnen, Schreiben und sich Ausdrücken. Andererseits ist es wichtig, dass in der Schule nicht nur Wissen und Leistung weitergegeben wird. In der heutigen Leistungsgesellschaft und im Wettbewerb ist es entscheidend, dass die emotionalen Fähigkeiten der Frauen nicht verloren gehen und weitergegeben werden. Dr. Davatz betont, dass es sehr wichtig ist, dass wir Schweizer wach sind und für unsere Werte einstehen und diese auch weitergeben.

Sie beobachtet, dass in Auseinandersetzungen oft ein Kampf um das Recht entsteht, anstatt ein konstruktiver Austausch mit These, Antithese und Synthese. Sie betont die Wichtigkeit, sich anzunähern, zu dezentrieren und herauszufinden, wie andere etwas sehen. Eltern müssen nicht immer am gleichen Strick ziehen, da dies Kinder „erwürgen“ kann. Stattdessen sollen die Unterschiede klar zum Ausdruck kommen.

Dr. Davatz unterstreicht die Bedeutung der Beziehungsarbeit in der Erziehung. Man soll das Kind begleiten und ihm zeigen, wie man mit Dingen umgeht. Dabei ist es wichtig, für seine eigenen Methoden einzustehen und dem Kind zu zeigen, dass man es beim Erlernen begleitet. Sie spricht sich gegen reine Belohnungs- und Bestrafungssysteme aus und betont, dass die Freude des Kindes am Tun die beste Belohnung ist. Eltern sollen ihre Prinzipien und Regeln kommunizieren, aber nicht mehr vorschreiben, wie etwas gemacht werden muss, besonders in der Pubertät. Es geht darum, dem Kind zu helfen, seine eigenen Wertvorstellungen zu entwickeln und Unterschiede ohne Kampf wahrzunehmen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr. Davatz eine Erziehung befürwortet, die auf Vorbild basiert, die individuellen Unterschiede respektiert, die Kooperation fördert und Werte durch authentisches Vorleben und Begleitung vermittelt, anstatt durch reine Wissensvermittlung oder starre Regeln. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Perspektiven und das Lernen aus Unterschieden spielen dabei eine zentrale Rolle für die Entwicklung des Kindes in einer vielfältigen Gesellschaft.

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