Die Vernetzung ist in der Erziehung aus mehreren zentralen Gründen von grosser Bedeutung, wie Dr. med. Ursula Davatz in den Quellen betont.
- Entwicklung des Gehirns: In der Pubertät spielt die Interaktion mit dem Umfeld eine riesige Rolle für die Neuvernetzung des Gehirns, das sogenannte Synaptic Pruning, bei dem funktionale Netzwerke entstehen. Dr. Davatz plädiert generell in der Erziehung sehr stark für die Vernetzung. Sie hebt hervor, dass beim Austausch zwischen Menschen eine riesige Vernetzung im Gehirn stattfindet, im Gegensatz zur Beschäftigung mit einem Mobiltelefon, wo nur wenige Netzwerke aktiv sind. Diese Vernetzung geht verloren, wenn Kinder nur noch mit Mobiltelefonen unterwegs sind.
- Soziales Lernen und Kooperation: Kinder müssen lernen, sich durchzusetzen, anzupassen und vor allem zu kooperieren. Dr. Davatz betont, dass der Mensch ein soziales Wesen ist und Zusammenarbeit unerlässlich ist. Schlechte Zusammenarbeit wird oft beobachtet. In der Schule und im Umgang miteinander muss zusammengearbeitet werden.
- Emotionale und soziale Entwicklung durch Beziehungen: Nichts kann die persönliche Beziehung ersetzen. Dr. Davatz betont die Wichtigkeit der menschlichen Beziehung, der persönlichen Beziehung, der Interaktion und des gemeinsamen Lernens, die verloren gehen, wenn Kinder nur an Computer gesetzt werden. In der Beziehung läuft das emotionale Lernen ab, welches grob vernachlässigt wird, obwohl neben dem IQ auch der EQ (emotionale Intelligenz) beachtet werden sollte. Eine Beziehung entsteht über Kontakt schaffen, und dies geschieht auch über Musik, die emotional wirkt. Das limbische System, unser Beziehungshirn, schafft Beziehungen immer über das Gefühl.
- Lernen und Wissenserwerb im Austausch: Dr. Davatz stellt fest, dass Wissen heute nicht mehr so wichtig ist, da man alles googeln kann. Entscheidend ist, was man mit dem Wissen macht und wie einem das Wissen gegeben wird. Lernen von einer Person beinhaltet immer auch einen Austausch, einen emotionalen Austausch, was beim Lernen von künstlicher Intelligenz fehlt. Man lernt mit dem Lehrer und auch für den Lehrer. Das Wissen miteinander erarbeiten, austauschen und vergleichen macht den Menschen aus.
- Bedeutung von Beziehungen in der Schule: Lehrer müssen Kontakt zur Gruppe schaffen, idealerweise über emotionale und interessante Inhalte. Die persönliche Beziehung zwischen Lehrer und Schüler kann durch nichts ersetzt werden. Es braucht eine Lernatmosphäre, in der sich alle wohlfühlen können, und die Dynamiken müssen so gesteuert werden, dass alle ihren Platz haben.
- Vernetzung im Umgang mit Konflikten: Konflikte müssen auf bilateraler Ebene angeschaut und bearbeitet werden, nicht nur mit einer einfachen Entschuldigung. Dr. Davatz betont die Wichtigkeit der Vermittlung in Konflikten, auch zwischen Eltern und Lehrern.
Zusammenfassend ist Vernetzung in der Erziehung essenziell für die ganzheitliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Sie fördert die Gehirnentwicklung, das soziale und emotionale Lernen, den Wissenserwerb im Austausch und die Fähigkeit zur Kooperation und Konfliktbewältigung. Die persönliche Beziehung und Interaktion sind durch digitale Medien nicht zu ersetzen und bilden die Grundlage für eine gesunde Entwicklung. Dr. Davatz warnt vor einer Vernachlässigung dieser menschlichen Beziehungen im Zeitalter der Digitalisierung.
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/immer-mehr-Psychiatrie-29.3.2025.m4a.pdf