Die Begleitung von Menschen mit ADHS/ADS erfordert ein tiefes Verständnis des Konzepts der Neurodiversität und einen respektvollen, individualisierten Ansatz. Anstatt zu versuchen, Menschen mit ADHS/ADS an vorgegebene Normen anzupassen, sollte die Begleitung darauf abzielen, ihre individuellen Stärken zu fördern und ihnen zu helfen, ihre Herausforderungen zu meistern.
Zentrale Aspekte der ADHS/ADS Begleitung:
- Beziehungsaufbau: Eine vertrauensvolle Beziehung ist die Grundlage für eine erfolgreiche Begleitung. Eltern, Lehrer, Therapeuten und andere Bezugspersonen sollten eine Verbindung zu der Person mit ADHS/ADS aufbauen, um ihre Bedürfnisse und Herausforderungen verstehen zu können.
- Verständnis für Neurodiversität: Es ist wichtig, ADHS/ADS als eine Variante des menschlichen Gehirns zu betrachten und nicht als Krankheit. Die Begleitung sollte darauf abzielen, die individuellen Stärken und Herausforderungen der Person zu erkennen und zu unterstützen.
- Individuelle Lösungen finden: Standardisierte Lösungen funktionieren bei ADHS/ADS oft nicht. Stattdessen sollten gemeinsam mit der betroffenen Person individuelle Ansätze entwickelt werden, die auf ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten sind.
- Intrinsische Motivation fördern: Anstatt Befehle zu erteilen oder Druck auszuüben, sollte die Begleitung darauf abzielen, die intrinsische Motivation der Person mit ADHS/ADS zu wecken. Sie sollten in die Lösungsfindung einbezogen und ermutigt werden, selbstbestimmt zu handeln.
- Kreativität nutzen: ADHS/ADS ist oft mit einer hohen Kreativität verbunden. Diese Stärke sollte genutzt werden, um gemeinsam innovative Lösungen zu finden und die Person zu ermutigen, eigene Ideen einzubringen.
- Geschickter Umgang mit Impulsivität: Impulsives Verhalten ist bei Menschen mit ADHS/ADS reflexgesteuert und kann nicht einfach unterdrückt werden. Stattdessen sollte die Begleitung lernen, ruhig zu bleiben, sich selbst zu regulieren und die Situation zu deeskalieren.
- Vermeidung von Beschämung: Beschämung ist kontraproduktiv und führt zu Aversionsverhalten. Stattdessen sollten Sensibilität und Verletzungen validiert werden, bevor man nach Lösungen sucht.
- Eltern als Mediatoren: Eltern von ADHS/ADS Kindern sollten lernen, in Konfliktsituationen als Mediatoren zu agieren, anstatt einzugreifen und Partei zu ergreifen. Sie sollten die Kinder in die Lösungsfindung einbeziehen und ihnen helfen, ihre eigenen Lösungen zu finden.
- Systemischer Ansatz: Die Familie und das Umfeld spielen eine wichtige Rolle bei der Begleitung von ADHS/ADS. Ein systemischer Ansatz, wie die Familientherapie, kann helfen, die Interaktionen und Dynamiken innerhalb des Familiensystems zu verstehen und zu verändern.
Dr.med. Ursula Davatz betont die Wichtigkeit der Geduld und des Verzichts auf Druck in der Begleitung von Menschen mit ADHS/ADS. Sie plädiert dafür, ihnen den Raum und die Zeit zu geben, sich in ihrem eigenen Tempo zu entwickeln und ihren eigenen Fokus zu finden.
Die Begleitung von ADHS/ADS ist ein individueller Prozess, der auf die spezifischen Bedürfnisse der betroffenen Person abgestimmt sein muss. Ziel ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem sie ihre Potenziale voll entfalten und ein selbstbestimmtes Leben führen kann.
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