Behandlungsmethoden bei ADHS und ADS

Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, geben Einblicke in verschiedene Behandlungsansätze für ADHS und ADS. Es wird deutlich, dass ein ganzheitlicher Ansatz, der sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Methoden umfasst, am effektivsten ist.

Medikamentöse Therapie

  • Stimulanzien: Ritalin und andere Stimulanzien sind die am häufigsten verschriebenen Medikamente für ADHS. Sie erhöhen die Konzentration von Dopamin und Noradrenalin im Gehirn, was zu einer Verbesserung der Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Hyperaktivität führen kann.
    • Dr.med. Ursula Davatz weist darauf hin, dass Stimulanzien das Gehirn „stressen“ und dadurch die Fokussierung verbessern.
    • Sie erwähnt auch, dass ADHS-Betroffene in Stresssituationen selbst Dopamin ausschütten und dadurch ihre Aufgaben erledigen können.
  • Neuroleptika: In einigen Fällen werden Neuroleptika zusätzlich zu Stimulanzien verschrieben, um die Übererregbarkeit und emotionale Sensitivität zu reduzieren.

Kritik an medikamentöser Therapie:

  • Dr.med. Ursula Davatz betont, dass Stimulanzien die breite Aufmerksamkeit, die eine positive Eigenschaft von ADHS/ADS sein kann, unterdrücken.
  • Sie gibt zu bedenken, dass Medikamente nicht die Ursachen von ADHS/ADS behandeln, sondern nur die Symptome lindern.
  • Sie plädiert dafür, medikamentöse Therapie nur in Kombination mit anderen Behandlungsansätzen einzusetzen.

Nicht-medikamentöse Therapie

Dr.med. Ursula Davatz legt grossen Wert auf nicht-medikamentöse Behandlungsansätze, die darauf abzielen, die Betroffenen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen und ihnen Strategien zur Bewältigung der Herausforderungen von ADHS/ADS zu vermitteln.

Beispiele für nicht-medikamentöse Therapie:

  • Coaching: Ein ADHS/ADS-Coach kann den Betroffenen helfen, ihre Stärken zu erkennen, ihre Schwächen zu kompensieren und ihren Alltag besser zu strukturieren.
  • Psychotherapie: Verschiedene psychotherapeutische Verfahren können bei der Verarbeitung emotionaler Verletzungen, der Verbesserung der Selbstregulation und der Entwicklung sozialer Kompetenzen hilfreich sein.
  • Elternberatung und -training: Eltern von Kindern mit ADHS/ADS können lernen, wie sie ein unterstützendes Umfeld schaffen und ihren Kindern bei der Emotionsregulation und dem Umgang mit Impulsivität helfen können.
  • Strukturierung des Alltags: Ein strukturierter Tagesablauf mit festen Zeiten für Arbeit, Freizeit und Erholung kann Betroffenen helfen, ihre Zeit besser zu organisieren und Aufgaben effektiver zu erledigen.
  • Entspannungstechniken: Yoga, Achtsamkeitstraining und andere Entspannungstechniken können helfen, Stress abzubauen und die emotionale Balance zu fördern.
  • Neurofeedback: Neurofeedback ist eine computergestützte Methode, bei der die Betroffenen lernen, ihre Hirnaktivität bewusst zu beeinflussen und so ihre Aufmerksamkeit und Konzentration zu verbessern.

Bedeutung des Umfelds

Die Quellen betonen immer wieder die wichtige Rolle des Umfelds für den Behandlungserfolg. Ein verständnisvolles, unterstützendes und flexibles Umfeld kann die Wirksamkeit jeder Behandlungsmethode verstärken.

Konkrete Beispiele:

  • Arbeitsplatz: Flexible Arbeitszeiten, klare Aufgabendefinitionen und ein verständnisvolles Arbeitsklima können die Integration und Leistungsfähigkeit von ADHS/ADS-Betroffenen am Arbeitsplatz fördern.
  • Schule: Lehrpersonen können durch individuelle Lernstrategien, flexible Unterrichtsformen und Nachteilsausgleich ein lernförderliches Klima schaffen.
  • Familie: Eltern können durch klare Regeln, liebevolle Unterstützung und Geduld ein stabiles und sicheres Zuhause für ihre Kinder schaffen.

Fazit

Die Behandlung von ADHS und ADS ist komplex und erfordert einen individuellen Ansatz, der die spezifischen Bedürfnisse des Einzelnen berücksichtigt. Eine Kombination aus medikamentöser Therapie, psychotherapeutischen Verfahren und einer positiven Umfeldgestaltung bietet die besten Chancen auf ein erfolgreiches und erfülltes Leben mit ADHS/ADS.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_ADS_Jugendliche_Erwachsene.pdf

Bevorzugte Behandlungsmethode

Dr.med. Ursula Davatz favorisiert eine ganzheitliche Behandlung von ADHS/ADS, die über die reine medikamentöse Therapie hinausgeht. Sie betont die Bedeutung des erzieherischen Umfelds und die Notwendigkeit, dass Eltern und Lehrer lernen, mit ADHS/ADS-Kindern umzugehen.

Im Zentrum ihrer Behandlungsphilosophie steht die personalisierte Beratung, die auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes und seiner Familie zugeschnitten ist.

Hier sind die wichtigsten Aspekte ihrer bevorzugten Behandlungsmethode:

  • Beratung der Eltern: Dr. Davatz berät die Eltern von ADHS/ADS-Kindern ausführlich und gibt ihnen konkrete Handlungsempfehlungen, wie sie mit den Herausforderungen umgehen können. Sie betont die Bedeutung von Verständnis, Geduld und einer liebevollen Beziehung zum Kind.
  • Zusammenarbeit mit Lehrern: Idealerweise würde Dr. Davatz auch die Lehrer der ADHS/ADS-Kinder beraten. Sie sieht jedoch oft Widerstand von Seiten der Lehrer, die sich ungern etwas sagen lassen. Sie plädiert für eine bessere Ausbildung von Lehrern im Umgang mit ADHS/ADS und eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrern und Therapeuten.
  • Individuelle Förderung: Dr. Davatz ist gegen die „Gleichmacherei“ im Schulsystem und fordert eine individuelle Förderung, die den Stärken und Bedürfnissen jedes Kindes gerecht wird. Sie unterstützt die Diskussion über die Abschaffung von Noten und plädiert für eine Bewertung, die den individuellen Fortschritt des Kindes in den Vordergrund stellt.
  • „Artgerechte Haltung“: Dr.med. Ursula Davatz vergleicht ADHS/ADS-Kinder mit Tieren, die eine artgerechte Haltung benötigen. Sie betont, dass diese Kinder „persönlichkeitsgerecht“ erzogen werden müssen, um ihre Potenziale zu entfalten. Dazu gehört, dass man ihre Kreativität fördert und sie nicht durch Medikamente „langweilig“ macht.
  • Medikamente als Ergänzung: Dr.med. Ursula Davatz verschreibt zwar auch Medikamente, sieht sie aber nur als Ergänzung zur Beratung und Veränderung des erzieherischen Umfelds. Sie betont, dass Medikamente nicht die Lösung aller Probleme sind und dass sie immer in Absprache mit den Eltern und dem Kind verschrieben werden sollten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr.med. Ursula Davatz eine Behandlung favorisiert, die das Kind in seiner Gesamtheit betrachtet und sowohl auf die Veränderung des erzieherischen Umfelds als auch auf die Stärkung der individuellen Fähigkeiten des Kindes setzt. Medikamente spielen in ihrem Behandlungskonzept eine untergeordnete Rolle.