Die Bedeutung der emotionalen Beziehung zur Lehrkraft für ADHS/ADS-Kinder

Dr.med. Ursula Davatz betont in ihrem Vortrag die entscheidende Rolle der emotionalen Beziehung zwischen Lehrkraft und ADHS/ADS-Kindern für einen erfolgreichen Lernprozess. Sie erklärt, dass Lernen nicht primär über den Intellekt erfolgt, sondern über das emotionale Gehirn.

Um effektiv lernen zu können, brauchen ADHS/ADS-Kinder eine positive Beziehung zur lehrenden Person. Diese Beziehung muss aktiv hergestellt und gepflegt werden.

Warum ist die emotionale Beziehung so wichtig?

  • Reizverarbeitung im emotionalen Gehirn: ADHS/ADS-Kinder verarbeiten Reize primär über das emotionale Gehirn. Das bedeutet, dass Emotionen einen starken Einfluss auf ihre Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit haben.
  • Konkurrenz durch digitale Medien: Lehrkräfte stehen heute in starker Konkurrenz zu digitalen Medien, die permanent starke Reize bieten. Um die Aufmerksamkeit von ADHS/ADS-Kindern zu gewinnen, müssen Lehrkräfte daher ebenso emotional ansprechend sein.
  • „Breite Aufmerksamkeit“ und Ablenkbarkeit: ADHS/ADS-Kinder haben einen „weiten Radar“ und nehmen viele Reize gleichzeitig wahr. Wenn der Unterricht nicht genügend interessant und herausfordernd ist, schweifen sie schnell ab.
  • Bedürfnis nach Beziehung und Validierung: ADHS/ADS-Kinder sind oft sehr sensibel und leicht verletzbar. Sie brauchen Anerkennung und Wertschätzung, um sich sicher und geborgen zu fühlen.

Wie können Lehrkräfte eine positive emotionale Beziehung aufbauen?

  • Das Kind in seinem Wesen validieren: Lehrkräfte sollten die individuellen Eigenschaften und Bedürfnisse des Kindes erkennen und akzeptieren.
  • Beziehung vor Anforderung: Bevor sie Anforderungen stellen, sollten Lehrkräfte eine positive Beziehung zum Kind aufbauen.
  • Authentizität und emotionale Präsenz: Lehrkräfte sollten authentisch und emotional präsent sein.
  • Gemeinsames Problemlösen: Probleme sollten gemeinsam mit dem Kind gelöst werden. Das Kind sollte die Möglichkeit haben, eigene Lösungsvorschläge zu entwickeln.
  • Klare Regeln und Strukturen: ADHS/ADS-Kinder brauchen klare Regeln und Strukturen, um sich orientieren zu können.
  • Vermeidung von Beschämung: Öffentliches Bloßstellen und Beschämung sind absolut kontraproduktiv und verhindern einen erfolgreichen Lernprozess.
  • Geduld und Humor: Lehrkräfte brauchen viel Geduld und Humor im Umgang mit ADHS/ADS-Kindern.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

Eine positive emotionale Beziehung zur Lehrkraft ist essenziell für das Wohlbefinden und die Lernfähigkeit von ADHS/ADS-Kindern. Lehrkräfte, die die Bedürfnisse dieser Kinder verstehen und **ihnen mit **Empathie und Respekt begegnen, schaffen eine optimale Lernumgebung, in der diese Kinder ihr Potenzial entfalten können.

https://ganglion.ch/pdf/Umgang_mit_ADHS-ADS_19.9.2024.m4a.pdf