Emotionales Lernen

Die Zunahme psychisch kranker Jugendlicher und die Frage, was hier schiefläuft, sind zentrale Themen im heutigen Workshop von Dr. med. Ursula Davatz. Die Jugendpsychiatrie sei völlig überfordert. Dr. Davatz deutet an, dass es der Jugend nicht so gut gehe.

Ein wichtiger Aspekt, den Dr. Davatz anspricht, ist die Bedeutung von Beziehungen und Interaktion für die gesunde Entwicklung junger Menschen. Sie betont, dass nichts die persönliche Beziehung ersetzen könne. Wenn Kinder und Jugendliche zu viel Zeit mit Mobiltelefonen verbringen, gehe die wichtige Vernetzung im Gehirn verloren, die im Austausch mit anderen Menschen stattfindet. Dies könne dazu führen, dass emotionale und soziale Kompetenzen vernachlässigt werden.

Dr. Davatz sieht eine Gefahr in der Tendenz, Kinder und Jugendliche sich selbst zu überlassen, indem man ihnen Lernpläne gibt und erwartet, dass sie alles selbstständig erarbeiten, oft über Internetportale. Dadurch gehe der persönliche Kontakt und die aktive Begleitung verloren, was zu einer gewissen Hilflosigkeit bei jungen Menschen führen könne. Es sei eine Verantwortungslosigkeit, wenn man sage, dass sich Jugendliche alles im Internet holen könnten und man nur noch Befehle über den Computer gebe. Dies führe zu einer Vernachlässigung der Jugend, wenn man sie einfach an Computer setze, da die menschliche Beziehung, die Interaktion und das gemeinsame Lernen fehlten.

Ein weiterer Punkt ist die Vernachlässigung des emotionalen Lernens. Oft werde nur auf den IQ geschaut, während der EQ (emotionale Intelligenz) ebenfalls beachtet werden sollte. Im Umgang mit Konflikten beobachtet Dr. Davatz, dass oft keine sorgfältige Konfliktbewältigung stattfindet, sondern Konflikte einfach mit einer Entschuldigung abgetan werden. Sie plädiert für eine sorgfältigere Betrachtung und Bearbeitung von Konflikten auf bilateraler Ebene.

Dr. Davatz betont die Wichtigkeit, frühzeitig mit der Erziehung zu beginnen. Wenn man wolle, dass es in der Pubertät nicht schieflaufe, müsse man früh intervenieren. Bei Kindern mit ADHS/ADS sei ein sorgfältigeres Zuhören und ein Verlangsamen im Umgang notwendig. Generell sei es wichtig, Kinder beim Lernen sorgfältig zu begleiten, anstatt einfach nur „nein“ zu sagen.

Zudem kritisiert Dr. Davatz die gesellschaftliche Tendenz zur Spezialisierung und die Vernachlässigung des „Breiten“. Sie sieht in der fehlenden Förderung von Sozialkompetenz im Kindergarten, in der Schule und in der Familie ein Problem. Es gebe heute zu viel soziale Kompetition und zu wenig Förderung von gutem Sozialverhalten.

Abschliessend betont Dr. Davatz die Notwendigkeit, Beziehungen zu pflegen. Die Sorgfalt gegenüber der Beziehung und die Zeit für die Beziehung seien entscheidend. Im Tagesgeschäft fehle oft die Zeit dafür, was sich negativ auswirken könne. Sie plädiert dafür, die persönliche Beziehung als immer noch interessanter als mobile Geräte zu sehen.

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