Die Quellen, insbesondere die Ausführungen von Dr.med. Ursula Davatz, beleuchten die Bedeutung des Familiensystems für die psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Sie betonen, dass die Familie ein komplexes Gefüge ist, in dem jedes Mitglied die anderen beeinflusst und von ihnen beeinflusst wird.
Das Kind als Teil des Systems:
Dr.med. Ursula Davatz betont, dass Kinder keine isolierten Individuen sind, sondern Teile eines Systems, in diesem Fall der Familie. Sie reagieren auf die Dynamiken und Muster innerhalb des Familiensystems und passen sich diesen an. Dies kann sich sowohl positiv als auch negativ auf ihre Entwicklung auswirken.
Anpassung an dysfunktionale Muster:
In dysfunktionalen Familiensystemen, beispielsweise wenn ein Elternteil psychisch erkrankt ist, übernehmen Kinder oft Rollen und Funktionen, die nicht ihrem Entwicklungsstand entsprechen. Sie versuchen, die Defizite der Eltern auszugleichen und tragen so zur Stabilisierung des Systems bei, vernachlässigen dabei aber ihre eigenen Bedürfnisse.
Defizite in der Entwicklung:
Diese Anpassungsleistung kann dazu führen, dass Kinder in ihrer eigenen Entwicklung Defizite entwickeln. Ihnen fehlt es an Raum und Unterstützung, um ihre Persönlichkeit zu entfalten und altersgemäße Erfahrungen zu machen. Dies kann sich in verschiedenen Symptomen und Verhaltensauffälligkeiten äußern.
Symptom als Kommunikation:
Aus systemischer Sicht sind Symptome, wie z.B. Schulverweigerung, Delinquenz oder aggressives Verhalten, nicht einfach nur Ausdruck einer Störung des Kindes, sondern Kommunikationsversuche innerhalb des Familiensystems. Das Kind versucht durch sein Verhalten auf ein Ungleichgewicht im System aufmerksam zu machen und Veränderung zu bewirken.
Bedeutung der Herkunftsfamilie:
Dr.med. Ursula Davatz hebt die Bedeutung der Herkunftsfamilie für das Verständnis von Symptomen und Verhaltensauffälligkeiten hervor. Sie empfiehlt, die Geschichte der Eltern zu beleuchten und zu verstehen, wie die Eltern selbst zu dem geworden sind, was sie sind. So kann man die Entstehung von Mustern und Verhaltensweisen besser nachvollziehen und dem Kind adäquater helfen.
Veränderung des Systems:
Das Ziel einer systemischen Therapie ist es, das gesamte Familiensystem zu verändern, anstatt nur an den Symptomen des Kindes zu arbeiten. Dr. Davatz betont, dass man den Eltern helfen muss, neue Strategien im Umgang mit dem Kind zu entwickeln, um ein förderliches und unterstützendes Umfeld zu schaffen.
Herausnahme des Kindes:
In manchen Fällen ist die Belastung für das Kind im Familiensystem so groß, dass eine Herausnahme notwendig ist. Dies sollte jedoch immer die letzte Option sein. Dr.med. Ursula Davatz plädiert dafür, zunächst alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um das System zu verändern und dem Kind zu helfen, in seiner Familie zu bleiben.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Familiensystem einen prägenden Einfluss auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hat. Symptome und Verhaltensauffälligkeiten sollten nicht isoliert betrachtet werden, sondern im Kontext des Familiensystems verstanden werden. Ziel ist es, das System so zu verändern, dass es dem Kind ermöglicht, seine Bedürfnisse zu befriedigen und sich gesund zu entwickeln.
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