Überwindung von Fehlwahrnehmungen zwischen Eltern und Lehrern

Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, betonen, dass Fehlwahrnehmungen im Umgang mit hochsensiblen Kindern häufig zu Konflikten zwischen Eltern und Lehrern führen. Um diese zu überwinden, ist es entscheidend, die unterschiedlichen Perspektiven und Wahrnehmungen aller Beteiligten zu verstehen und wertzuschätzen.

Die Rolle der Fehlwahrnehmungen:

  • Unterschiedliche Wahrnehmungsfilter: Eltern und Lehrer betrachten das Kind durch unterschiedliche Wahrnehmungsfilter. Eltern, die ihr Kind in verschiedenen Situationen erleben, haben oft ein anderes Bild als Lehrer, die das Kind hauptsächlich im schulischen Kontext sehen.
  • Emotionale Beteiligung: Eltern sind emotional stark in das Leben ihres Kindes involviert, was ihre Wahrnehmung beeinflussen kann. Sie neigen dazu, das Verhalten ihres Kindes zu verteidigen und suchen nach Erklärungen, die das Kind entlasten.
  • Fokus auf die Norm: Lehrer hingegen sind oft auf die Einhaltung von Normen und Regeln fokussiert, da sie für eine ganze Klasse verantwortlich sind. Sie haben möglicherweise weniger Zeit und Ressourcen, um auf die individuellen Bedürfnisse jedes Kindes einzugehen.
  • Angst und Unsicherheit: Sowohl Eltern als auch Lehrer können Angst und Unsicherheit im Umgang mit der Situation haben. Eltern befürchten, dass ihr Kind nicht richtig verstanden wird, während Lehrer sich von den Eltern kritisiert fühlen.

Strategien zur Überwindung von Fehlwahrnehmungen:

  • Validierung aller Perspektiven: Der erste Schritt zur Überwindung von Fehlwahrnehmungen ist die Anerkennung und Validierung der unterschiedlichen Perspektiven. Sowohl die Sichtweise der Eltern als auch die der Lehrer müssen ernst genommen und respektiert werden.
  • Perspektivenwechsel: Eltern und Lehrer sollten versuchen, die Situation aus der Perspektive des jeweils anderen zu betrachten. Eltern können versuchen, die Herausforderungen des Lehrers im Umgang mit einer ganzen Klasse zu verstehen, während Lehrer die emotionale Bindung der Eltern zu ihrem Kind berücksichtigen sollten.
  • Offene Kommunikation: Eine offene und respektvolle Kommunikation ist essenziell. Eltern und Lehrer sollten miteinander sprechen, ihre Wahrnehmungen austauschen und gemeinsam nach Lösungen suchen.
  • Gemeinsame Ziele definieren: Eltern und Lehrer sollten sich auf gemeinsame Ziele einigen, die im besten Interesse des Kindes liegen. Dies kann dazu beitragen, dass sie an einem Strang ziehen und Konflikte konstruktiv lösen können.
  • Vermittlungsrolle von Fachpersonen: In schwierigen Situationen kann es hilfreich sein, eine neutrale Fachperson als Vermittler hinzuzuziehen. Diese kann helfen, die Kommunikation zu strukturieren, Missverständnisse zu klären und Kompromisse zu finden.
  • Schulbesuche und Hospitationen: Eltern können durch Schulbesuche und Hospitationen einen Einblick in den Schulalltag ihres Kindes gewinnen. Dies kann ihnen helfen, die Perspektive des Lehrers besser zu verstehen und eventuelle Vorurteile abzubauen.
  • Eltern-Lehrer-Stammtische: Regelmäßige Eltern-Lehrer-Stammtische bieten eine Plattform für den informellen Austausch und können dazu beitragen, ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Eltern und Lehrern aufzubauen.

Zusammenfassend: Die Überwindung von Fehlwahrnehmungen erfordert Empathie, Respekt und die Bereitschaft zum Dialog. Indem Eltern und Lehrer die Perspektive des jeweils anderen verstehen lernen und offen miteinander kommunizieren, können sie Konflikte vermeiden und gemeinsam im besten Interesse des Kindes handeln.

https://ganglion.ch/pdf/Autismus.pdf

Fehlwahrnehmungen erkennen: Ein systemischer Ansatz

Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, beleuchten die Bedeutung der Erkennung von Fehlwahrnehmungen in verschiedenen Kontexten, insbesondere im Umgang mit hochsensiblen Menschen und im Bildungswesen.

Fehlwahrnehmung als subjektive Interpretation:

Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass Wahrnehmung nicht gleich Wahrheit ist.

  • Jeder Mensch interpretiert die Realität durch den Filter seiner eigenen Erfahrungen, Prägungen und Bedürfnisse.
  • Dies führt dazu, dass verschiedene Menschen die gleiche Situation unterschiedlich wahrnehmen können.
  • Diese unterschiedlichen Wahrnehmungen sind alle „richtig“ aus der Perspektive des jeweiligen Individuums.
  • Es geht also nicht darum, eine „richtige“ Wahrnehmung zu finden, sondern die verschiedenen Perspektiven zu verstehen und anzuerkennen.

Fehlwahrnehmung bei Hochsensibilität:

Im Kontext der Hochsensibilität können Fehlwahrnehmungen sowohl seitens der hochsensiblen Person als auch seitens ihres Umfelds auftreten.

  • Hochsensible Person:
    • Durch die intensive Reizverarbeitung können hochsensible Menschen Situationen schnell als überwältigend erleben und sich zurückziehen oder aggressiv reagieren, obwohl dies aus der Sicht des Umfelds nicht gerechtfertigt erscheint.
    • Beispiel: Ein Kind, das in einer lauten Umgebung einen Wutanfall bekommt, wird vom Umfeld möglicherweise als „verzogen“ wahrgenommen, während es in Wirklichkeit mit einem „Systemischen Overload“ zu kämpfen hat.
  • Umfeld:
    • Das Umfeld interpretiert das Verhalten der hochsensiblen Person oft falsch und reagiert mit Unverständnis, Verstärkung der Reize oder Beziehungsabbruch.
    • Beispiel: Ein Lehrer, der ein hochsensibles Kind immer wieder ermahnt, weil es ihm unaufmerksam erscheint, verstärkt die Überlastung des Kindes und verhindert, dass es sich konzentrieren kann.

Fehlwahrnehmung im Bildungswesen:

Dr. Davatz betont die Bedeutung der Erkennung von Fehlwahrnehmungen im Bildungswesen, insbesondere im Verhältnis zwischen Lehrern, Eltern und Kindern.

  • Lehrer:
    • Lehrer sind oft überfordert mit den individuellen Bedürfnissen aller Kinder in einer Klasse und neigen dazu, Kinder an die Norm anzupassen.
    • Beispiel: Ein Lehrer, der ein Kind, das sich im Unterricht oft meldet, als „störend“ wahrnimmt, anstatt seine Wissbegierde zu fördern.
  • Eltern:
    • Eltern sehen oft nur die Perspektive ihres eigenen Kindes und verkennen die Herausforderungen, vor denen Lehrer stehen.
    • Beispiel: Eltern, die sich über einen Lehrer beschweren, weil er ihr Kind ungerecht behandelt, ohne die Situation aus der Perspektive des Lehrers zu betrachten.
  • Kinder:
    • Kinder leiden unter den Spannungen zwischen Lehrern und Eltern und geraten in Loyalitätskonflikte.
    • Beispiel: Ein Kind, das sich zwischen dem Wunsch, den Erwartungen des Lehrers gerecht zu werden, und dem Wunsch, die Loyalität zu seinen Eltern zu bewahren, hin- und hergerissen fühlt.

Strategien zur Erkennung von Fehlwahrnehmungen:

  • Perspektivenwechsel:
    • Es ist wichtig, die Situation aus den verschiedenen Perspektiven aller Beteiligten zu betrachten und zu versuchen, deren Beweggründe zu verstehen.
  • Kommunikation:
    • Offene und respektvolle Kommunikation ist unerlässlich, um Missverständnisse zu vermeiden und unterschiedliche Wahrnehmungen zu klären.
  • Validierung:
    • Alle Beteiligten sollten in ihren Gefühlen und Bedürfnissen ernst genommen und validiert werden, auch wenn ihre Wahrnehmung der Situation von der eigenen abweicht.
  • Systemisches Denken:
    • Es ist wichtig, das gesamte System zu betrachten, in dem die Fehlwahrnehmung auftritt, und die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Akteuren zu verstehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Erkennung von Fehlwahrnehmungen ein wichtiger Schritt ist, um Konflikte zu lösen und ein besseres Verständnis zwischen den verschiedenen Akteuren in einem System zu schaffen.

https://ganglion.ch/pdf/Autismus.pdf