Intrinsische Motivation spielt eine zentrale Rolle im Umgang mit Kindern mit ADHS und ADS, wie Dr. med. Ursula Davatz in ihren Ausführungen betont. Kinder mit ADHS und ADS reagieren nicht gut auf Belohnung und Bestrafung, die gängigen Methoden der „Erziehung“ in der Schweizer Schule, wie Dr. Davatz kritisiert. Vielmehr müssen sie intrinsisch motiviert werden, um ihr volles Potenzial zu entfalten und erfolgreich zu lernen.
Was bedeutet intrinsische Motivation?
Intrinsische Motivation bedeutet, dass eine Handlung aus eigenem Antrieb und Interesse ausgeführt wird, ohne äussere Anreize wie Belohnungen oder Bestrafungen. Die Freude an der Tätigkeit selbst und das Interesse am Lernerfolg stehen im Vordergrund.
Wie kann man intrinsische Motivation fördern?
- Das Kind in die Problemlösung einbeziehen: Anstatt dem Kind fertige Lösungen vorzusetzen, sollte es aktiv in den Prozess der Problemlösung einbezogen werden. So wird das Kind zum Mitgestalter und entwickelt Eigenverantwortung.
- Gemeinsam einen Vertrag aushandeln: Anstatt dem Kind Regeln aufzuzwingen, kann man gemeinsam einen Vertrag aushandeln, der die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigt.
- Die Interessen des Kindes aufgreifen: Lernaktivitäten sollten so gestaltet werden, dass sie die Interessen des Kindes aufgreifen und seine Neugier wecken. Spannende Themen und abwechslungsreiche Methoden fördern die Lernfreude.
- Erfolgserlebnisse ermöglichen: Kinder mit ADHS und ADS brauchen Erfolgserlebnisse, um ihr Selbstvertrauen zu stärken. Kleine, erreichbare Ziele und positive Rückmeldungen motivieren zum Weiterlernen.
- Die Stärken des Kindes hervorheben: Anstatt sich auf die Schwächen zu konzentrieren, sollten die Stärken des Kindes hervorgehoben und wertgeschätzt werden. Positive Bestärkung und Lob fördern die Motivation.
- Dem Kind Zeit und Raum geben: Kinder mit ADHS und ADS brauchen Zeit und Raum, um ihren eigenen Lernweg zu finden. Ungeduld und Druck sind kontraproduktiv.
- Vertrauen in die Fähigkeiten des Kindes haben: Ein wichtiger Faktor für die intrinsische Motivation ist das Vertrauen in die Fähigkeiten des Kindes. Wenn das Kind spürt, dass an es geglaubt wird, ist es eher bereit, sich anzustrengen.
Warum ist intrinsische Motivation so wichtig?
Intrinsisch motivierte Kinder lernen mit mehr Freude und Engagement. Sie sind kreativer, ausdauernder und erfolgreicher. Intrinsische Motivation ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten und erfüllten Leben.
Beispiele aus dem Vortrag:
- Dr.med. Ursula Davatz erzählt von einem Kind, das einen Fragebogen ausfüllen sollte, aber an einer falsch formulierten Frage scheiterte. Anstatt das Kind zu zwingen, weiterzumachen, hätte man seine Kritik würdigen und gemeinsam eine Lösung finden können.
- Sie berichtet von einem Jungen, der die Zeit stoppt, während er eine Aufgabe löst, um sich besser konzentrieren zu können. Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, die individuellen Bedürfnisse des Kindes zu berücksichtigen und kreative Lösungen zu finden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass intrinsische Motivation ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Kindern mit ADHS und ADS ist. Durch die Förderung der intrinsischen Motivation können Kinder lernen, ihre Stärken zu nutzen und ihre Herausforderungen zu meistern. Ein respektvoller und einfühlsamer Umgang, der die individuellen Bedürfnisse des Kindes in den Mittelpunkt stellt, ist die wichtigste Voraussetzung für die Entwicklung von intrinsischer Motivation.
https://ganglion.ch/pdf/Umgang%20mit%20ADHS%20ADS%20Kindern.m4a.pdf
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