Quelle: „Jugendpolitik83_20.6.1983.pdf“ (Podiumsgespräch der Freisinnigen Ortspartei Beinwil am See, 20.6.1983, Referentin: Dr. med. Ursula Davatz)
1. Hauptthema: Jugend als Träger von Kreativität und Innovation
- Grundannahme: Die Jugend ist von Natur aus kreativ und innovativ. Diese Eigenschaften sind essenziell für die Zukunft.
- Tierisches Beispiel: Bei Affen haben junge Tiere neue Verhaltensweisen im Umgang mit Futter (z.B. Waschen von Süsskartoffeln, Trennen von Getreide und Sand) entwickelt und die älteren Tiere haben dies übernommen. „Im Zusammenhang mit Wildbeobachtungen von Affen konnte festgestellt werden, dass die Einführung von neuen kreativen Verhaltensmustern immer von Jungtieren aus ging.“
- Menschliches Beispiel: Viele wichtige Erfindungen und künstlerische Werke stammen von jungen Menschen (z.B. Einsteins Relativitätstheorie mit 23 Jahren). „So hat zum Beispiel Einstein seine Relativitätstheorie schon im Alter von 23 Jahren aufgeschrieben“.
- Fazit: Der kreative Impuls der Jugend sollte nicht unterschätzt werden. „Damit möchten wir zeigen, dass dem jugendlichen Alter ein kreativer Impuls eigen ist, der nicht unterschätzt werden sollte.“
2. Herausforderungen der heutigen Zeit für die Jugend
- Wissensüberlastung: Die Menge an Wissen steigt ständig, was dazu führt, dass Jugendliche immer länger ausgebildet werden müssen. „Die moderne Zeit der fortgeschrittenen Technik und Wissenschaften ist dadurch ausgezeichnet, dass täglich neues Wissen auf den „Wissensmarkt“ kommt.“
- Verlängerte Abhängigkeit: Durch die längere Ausbildung sind Jugendliche länger finanziell von ihren Eltern abhängig.
- Verlängerte Adoleszenz: Die Pubertät setzt heute früher ein, was die Phase der Adoleszenz verlängert und zu Krisen führen kann.
- Verlust des kreativen Impulses: Das System kann den kreativen Impuls der Jugendlichen nicht nutzen:
- Aussteiger: Sie haben zwar Ideen, sind aber vom System ausgeschlossen.
- Angepasste: Sie sind im System integriert, haben aber ihre Kreativität verloren. „Somit geht unserem heutigen Gesellschaftssystem der jugendliche Impuls zur Kreativität und Innovation oft leider verloren.“
3. Ansätze und Möglichkeiten zur Veränderung
- Prioritätensetzung: Mehr Geld und Gedanken in die Umstrukturierung des Umfelds der Jugend investieren (insbesondere die Schule) und weniger in die Symptombekämpfung (z.B. Drogen).
- Fokus auf Methodenkompetenz: Weniger Wert auf die Vermittlung von Fachwissen legen, sondern die natürlichen Erkundungsbedürfnisse der Jugendlichen fördern. „Generell wäre dabei der Grundsatz zu verfolgen, dass man weniger Gewicht auf die Übermittlung von Fachwissen legt, jedoch mehr auf die Methoden des Vorgehens.“
- Aktive Mitarbeit: Jugendliche sollen an realen Problemlösungsprozessen in gemischten Teams mit Fachleuten teilnehmen. „Ein weiterer Vorschlag wäre derjenige, dass man versuchen sollte, noch nicht fertig ausgebildete Jugendliche an konkreten Problemlösungssituationen teilnehmen zu lassen im Sinne einer aktiven Mitarbeit zusammen mit ausgebildeten Fachkräften.“
- Wechselseitiger Lernprozess: Nicht nur Schüler lernen von Erwachsenen, sondern auch umgekehrt (sokratischer Ansatz).
- Sinnhaftigkeit: Jugendliche bekommen wieder einen Sinn, weil sie gebraucht werden.
- Reduktion der Polarisierung: Die gemeinsame Arbeit würde die Gegensätze zwischen Jung und Alt verringern und Rebellionen vorbeugen. „Ausserdem würde mit diesem Vorgehen der jetzt oft stattfindenden Polarisierung zwischen jung und alt etwas weniger Vorschub geleistet.“
4. Kernbotschaften
- Die Jugend ist eine wichtige Quelle für Kreativität und Innovation.
- Das aktuelle Bildungssystem und die Gesellschaft verhindern oft, dass diese Potenziale genutzt werden.
- Es braucht eine grundlegende Umstrukturierung des Umfelds der Jugend, vor allem des Bildungssystems, um diese Probleme anzugehen.
- Die Einbindung von Jugendlichen in aktive Problemlösungsprozesse kann zu einer besseren Zukunft führen.
Zusätzliche Überlegungen:
- Das Referat ist aus dem Jahr 1983, aber die angesprochenen Themen sind immer noch relevant.
- Die Vorschläge (z.B. die Betonung der Methodenkompetenz und der praktischen Mitarbeit) sind auch heute noch relevant.
- Die Aussage, dass das Bildungssystem den Jugendlichen die Kreativität „verdirbt“, ist provokativ aber regt zum Nachdenken an.
Nächste Schritte:
- Diskussion der Vorschläge im Gremium
- Prüfung der Umsetzbarkeit der Vorschläge in der aktuellen Bildungspolitik.
- Entwicklung einer konkreten Strategie zur Förderung der Kreativität und Innovation der Jugend.
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