Eigenschaften des Neurotyps ADHS/ADS

Dr. med. Ursula Davatz beschreibt in ihrem Vortrag ADHS und ADS nicht als Krankheiten, sondern als Neurotypen, also als Persönlichkeitsvarianten mit besonderen Eigenschaften. Diese Eigenschaften machen die Betroffenen anfälliger für psychische und physische Probleme, besonders in Stresssituationen und bei ungünstigen Interaktionen mit ihrem Umfeld.

Zu den wichtigsten Eigenschaften des Neurotyps ADHS/ADS gehören:

  • Hypersensibilität: ADHS/ADS-Betroffene sind besonders empfindsam und nehmen ihr Umfeld sehr intensiv wahr. Sie reagieren stark auf Stress und negative Emotionen, was sowohl positive (schnelle Auffassungsgabe, Empathie) als auch negative (erhöhte Verletzlichkeit, schnelle Überforderung) Seiten haben kann.
  • Breite Aufmerksamkeit: Im Gegensatz zu neurotypischen Menschen, die sich in der Regel auf einen Reiz konzentrieren können, haben ADHS/ADS-Betroffene eine breite Aufmerksamkeit. Sie nehmen viele Reize gleichzeitig wahr, was im Frontalunterricht oder bei monotonen Aufgaben zu Konzentrationsschwierigkeiten führt. Andererseits ermöglicht diese breite Aufmerksamkeit auch eine schnelle Reaktion auf Veränderungen im Umfeld und ist in bestimmten Situationen, z.B. im Handel, von Vorteil.
  • Unterschiedliche Aktivitätsmuster: ADHS-Betroffene zeigen ihre Aktivität eher nach aussen, sie sind zappelig, unruhig und können im Unterricht stören. ADS-Betroffene hingegen sind eher nach innen aktiv, sie denken viel nach, träumen und können in ihrer Gedankenwelt versinken.
  • Impulsivität: ADHS/ADS-Betroffene reagieren impulsiv auf emotionale Verletzungen und empfinden Ungerechtigkeiten besonders stark. ADHS-Betroffene reagieren in solchen Situationen oft mit Wutausbrüchen und verbaler Aggression, während ADS-Betroffene sich eher zurückziehen und in ihre eigene Welt flüchten.
  • Schwierigkeiten mit Impulskontrolle: ADHS-Betroffene haben Schwierigkeiten, ihre Impulse zu kontrollieren. Dies zeigt sich in ihrer Impulsivität, aber auch in anderen Bereichen, z.B. beim Essen oder beim Konsum von Drogen.
  • Kombination mit anderen Störungen: ADHS/ADS tritt oft in Kombination mit anderen Störungen auf, wie z.B. Wahrnehmungsstörungen, Verarbeitungsstörungen und Lernstörungen. Häufig sind Lese-Rechtschreibschwäche (Legasthenie) und Rechenschwäche (Dyskalkulie).

Dr. Davatz betont, dass diese Eigenschaften nicht per se negativ sind, sondern dass sie in einem förderlichen Umfeld auch zu Stärken werden können.

Zum Beispiel kann die breite Aufmerksamkeit in Berufen, die schnelles Reagieren und Multitasking erfordern, von Vorteil sein. Die Hypersensibilität kann zu einer erhöhten Empathie und einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn führen. Auch die Impulsivität kann in bestimmten Situationen hilfreich sein, wenn schnelles Handeln gefragt ist.

Es ist wichtig, den Neurotyp ADHS/ADS als eine Variante der menschlichen Neurodiversität zu verstehen und die Betroffenen in ihrer Individualität zu unterstützen. Anstatt zu versuchen, sie an ein neurotypisches Normmuster anzupassen, sollten ihre Stärken gefördert und ihre Herausforderungen durch geeignete Strategien und Unterstützungsmassnahmen bewältigt werden.

https://ganglion.ch/pdf/adhs-bei-jugendlichen-wendepunkt-1.3.2022-1.pdf

ADHS als Neurotyp: Ein Umdenken im Verständnis

Die Quellen, insbesondere das Gespräch zwischen Dr. med. Ursula Davatz und Sammy Frey, plädieren für ein Umdenken im Verständnis von ADHS/ADS. Statt es als Störung zu betrachten, wird es als Neurotyp präsentiert – eine natürliche Variation des Gehirns mit besonderen Stärken und Herausforderungen.

Dr. Davatz betont, dass ADHS/ADS genetisch vererbt und nicht erworben ist. Es handelt sich also nicht um eine Krankheit, die durch äussere Einflüsse entsteht, sondern um eine von Geburt an vorhandene Veranlagung. Sie vergleicht es mit anderen genetisch bedingten Merkmalen wie der Augenfarbe: „Es ist vererbt. Von irgendwo kommt es.“

Diese Sichtweise hat weitreichende Folgen für den Umgang mit ADHS/ADS in der Gesellschaft, insbesondere in der Schule.

Weg von der Pathologisierung:

  • Stigmatisierung vermeiden: Die Diagnose ADHS/ADS wird oft mit negativen Vorurteilen verbunden. Kinder werden als „faul“, „unaufmerksam“ oder „verhaltensauffällig“ abgestempelt.
  • Stärken erkennen: Die Fokussierung auf die Herausforderungen von ADHS/ADS verdeckt oft die Stärken und Talente, die mit diesem Neurotyp einhergehen.
  • Individuelle Förderung statt Anpassung: Anstatt zu versuchen, ADHS/ADS-Kinder an ein neurotypisches System anzupassen, sollte die Umgebung ihren Bedürfnissen angepasst werden.

Hochsensibilität als Kernmerkmal:

Die Quellen heben die Hochsensibilität als zentrales Merkmal von ADHS/ADS hervor. ADHS/ADS-Kinder nehmen mehr Reize wahr und reagieren intensiver als neurotypische Menschen. Dies kann zu Überforderung (System Overload) führen, die sich in verschiedenen Verhaltensweisen äussert:

  • Aggression: Wutausbrüche, Impulsivität
  • Rückzug: Verträumtheit, Desinteresse
  • Hyperaktivität: Unruhe, Zappeligkeit
  • „Kaktus, umarme mich“: Ambivalentes Verhalten zwischen Abwehr und dem Wunsch nach Nähe

ADHS/ADS als Chance für Weiterentwicklung:

Dr. Davatz vergleicht ADHS/ADS-Menschen mit einem „Ferment für Entwicklungen“. Sie bringen neue Ideen, Perspektiven und Denkweisen in die Gesellschaft ein und können so zu Innovation und Fortschritt beitragen.

Konsequenzen für die Schule:

  • Lehrer als Begleiter: Lehrpersonen sollten nicht als „Dompteure“ agieren, die versuchen, die Kinder zu kontrollieren, sondern als Begleiter, die sie in ihrer Entwicklung unterstützen.
  • Individuelle Lernumgebungen: Die Schule sollte verschiedene Lernumgebungen anbieten, die den Bedürfnissen von ADHS/ADS-Kindern gerecht werden.
  • Positive Verstärkung statt Bestrafung: Bestrafung ist kontraproduktiv und kann das Selbstvertrauen der Kinder schädigen. Lob und Anerkennung sind viel effektivere Mittel, um positives Verhalten zu fördern.
  • Flexibilität und Toleranz: Lehrpersonen müssen lernen, mit den individuellen Besonderheiten der ADHS/ADS-Kinder umzugehen und ihnen mit Flexibilität und Toleranz zu begegnen.

Zusammenfassung:

Die Betrachtung von ADHS/ADS als Neurotyp eröffnet neue Perspektiven für den Umgang mit den betroffenen Kindern. Anstatt sie als „gestört“ zu betrachten, sollten ihre Stärken und Talente gefördert werden. Die Schule spielt dabei eine wichtige Rolle. Indem sie eine individuelle und unterstützende Lernumgebung schafft, kann sie dazu beitragen, dass ADHS/ADS-Kinder ihr volles Potenzial entfalten können.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_und_Schule_6.12.2024.mp3.pdf

ADHS: Ein Neurotyp mit weitreichenden Folgen

Dr.med. Ursula Davatz präsentiert in ihren Ausführungen eine differenzierte Sichtweise auf ADHS, die von der klassischen Definition als Krankheit abweicht und die weitreichenden Folgen dieses Neurotyps für die betroffenen Personen beleuchtet.

ADHS als Neurotyp – nicht Krankheit:

  • Andersartiges Funktionieren des Gehirns: Dr. Davatz bezeichnet ADHS als einen Neurotyp, was bedeutet, dass das Gehirn von Menschen mit ADHS anders funktioniert als das von neurotypischen Menschen.
  • Gaussche Glockenkurve: Sie veranschaulicht dies anhand der Gausschen Glockenkurve und positioniert ADHS am Rande der Norm.
  • Vulnerabilität statt Pathologie: ADHS wird nicht als Krankheit, sondern als eine besondere Art des Wahrnehmens und Denkens betrachtet, die mit einer erhöhten Vulnerabilität einhergeht.

Zwei zentrale Eigenschaften von ADHS:

  • Hohe Sensibilität:
    • Verstärkte Wahrnehmung: Menschen mit ADHS nehmen mehr Reize aus ihrer Umgebung wahr als neurotypische Menschen.
    • Mangelnde Filterfunktion: Sie haben Schwierigkeiten, irrelevante Reize auszublenden und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
    • Schnelle Verletzbarkeit: Die hohe Sensibilität führt dazu, dass Menschen mit ADHS schnell verletzt oder gekränkt sind.
    • Gabe und Herausforderung: Dr. Davatz betont, dass die hohe Sensibilität sowohl eine Gabe als auch eine Herausforderung darstellt.
  • Reaktive Impulsivität:
    • Schwierigkeiten mit der Impulskontrolle: Menschen mit ADHS, insbesondere Jungen, reagieren impulsiv und oft aggressiv auf wahrgenommene Verletzungen.
    • Aggression als Verteidigung: Die Aggression dient als Schutzmechanismus, um sich vor weiteren Verletzungen zu schützen.
    • Stressabbau: Aggression und Tränen werden als Formen des Stressabbaus genannt.

Folgen von ADHS:

  • Psychiatrische Folgekrankheiten:
    • Komorbidität vs. Folgeerkrankung: Dr. Davatz widerspricht der gängigen Sichtweise von Komorbidität bei ADHS und betrachtet zusätzliche psychische Erkrankungen als Folgeerkrankungen.
    • Beispiele für Folgeerkrankungen: Zu den Folgeerkrankungen zählen manisch-depressive Störungen, Schizophrenie und Suchterkrankungen.
    • Genetische Studien: Genetische Studien zeigen eine Verbindung zwischen ADHS und anderen psychischen Erkrankungen, was die These der Folgeerkrankung unterstützt.
  • Somatische Folgekrankheiten:
    • Erhöhte Anfälligkeit für körperliche Krankheiten: Menschen mit ADHS haben ein erhöhtes Risiko, an körperlichen Krankheiten zu erkranken.
    • Beispiele: Dr. Davatz nennt Unfälle und andere somatische Erkrankungen, die aus ADHS resultieren können.
  • Lernstörungen:
    • Häufigkeit von Lernstörungen: ADHS geht oft mit Lernstörungen wie Lese-Rechtschreibschwäche (Legasthenie) und Rechenschwäche (Dyskalkulie) einher.
    • Unterschiedliche Ausprägungen: Die Ausprägung der Lernstörungen kann stark variieren, manche Kinder mit ADHS sind in bestimmten Bereichen sogar sehr talentiert.
  • Soziale Schwierigkeiten:
    • Missverständnisse und Konflikte: Die hohe Sensibilität und Impulsivität können zu Missverständnissen und Konflikten im sozialen Umfeld führen.
    • Schwierigkeiten in der Schule: Kinder mit ADHS haben oft Schwierigkeiten in der Schule, da sie sich schlecht konzentrieren können und durch ihr Verhalten auffallen.
    • Probleme in Beziehungen: Die Impulsivität und die Schwierigkeiten mit der Emotionsregulation können zu Problemen in Beziehungen führen.
  • Stigmatisierung und Fehldiagnosen:
    • Psychiatrische Diagnosen als Schimpfwörter: Dr. Davatz kritisiert die Verwendung psychiatrischer Diagnosen als Schimpfwörter, wie z.B. „Psychopath“ oder „Narzisst“.
    • Fehlinterpretation von Verhalten: Das Verhalten von Menschen mit ADHS wird oft fehlinterpretiert und führt zu Stigmatisierung.
    • Fokus auf Symptombekämpfung statt Ursachenanalyse: Der Fokus auf die Symptombekämpfung durch Medikamente kann dazu führen, dass die zugrundeliegenden Ursachen und Bedürfnisse des Kindes nicht ausreichend beachtet werden.

Umgang mit ADHS und seinen Folgen:

  • Verständnis statt Verurteilung: Es ist wichtig, das Verhalten von Menschen mit ADHS zu verstehen und nicht zu verurteilen.
  • Validation der Gefühle: Die Gefühle und Bedürfnisse des Kindes sollten ernst genommen und validiert werden.
  • Beobachtung des Verhaltens: Statt das Kind direkt zu befragen, ist es hilfreich, sein Verhalten zu beobachten, um die Ursachen für sein Verhalten zu verstehen.
  • Beziehungsorientierte Interventionen: Beziehungsorientierte Interventionen, die auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen, sind wichtiger als die reine Symptombekämpfung.
  • Zeit und Geduld: Im Umgang mit Kindern mit ADHS sind Zeit und Geduld unerlässlich.
  • Klare Regeln und Grenzen: Neben der liebevollen Beziehung brauchen Kinder klare Regeln und Grenzen, die ihnen Orientierung und Sicherheit bieten.
  • Individuelle Bedürfnisse berücksichtigen: Es gibt keine allgemeingültigen Lösungen, der Umgang mit ADHS muss individuell auf das Kind abgestimmt werden.
  • Zusammenarbeit mit dem Umfeld: Die Zusammenarbeit mit der Schule, anderen Fachleuten und den Eltern des Kindes ist wichtig, um ein unterstützendes Netzwerk zu schaffen.

Medikamentöse Behandlung:

  • Ritalin und andere Stimulanzien: Medikamente wie Ritalin können helfen, die Konzentration zu verbessern, aber sie sollten nicht als alleinige Lösung betrachtet werden.
  • Nebenwirkungen und Risiken: Die Einnahme von Medikamenten ist mit Nebenwirkungen und Risiken verbunden, wie z.B. der Entwicklung von Suchterkrankungen.
  • Alternativen zur medikamentösen Behandlung: Neben der medikamentösen Behandlung gibt es verschiedene alternative Ansätze, wie z.B. Verhaltenstherapie, Ergotherapie und Familientherapie.

Zusammenfassend: ADHS ist ein Neurotyp mit weitreichenden Folgen für die betroffenen Personen. Es ist wichtig, ADHS nicht als Krankheit zu pathologisieren, sondern die besonderen Bedürfnisse und Herausforderungen der betroffenen Menschen zu verstehen und zu unterstützen. Beziehungsorientierte Interventionen, die auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen, sind entscheidend, um die negativen Folgen von ADHS zu minimieren und die Entwicklung des Kindes positiv zu beeinflussen.

https://ganglion.ch/pdf/shelter_schweiz_1+2.pdf

Den Neurotyp akzeptieren: Ein Schlüssel zur Selbstbestimmung

Das Akzeptieren des eigenen Neurotyps, insbesondere bei ADHS, ist ein zentrales Thema in den Ausführungen von Dr. med. Ursula Davatz. Es wird als Grundvoraussetzung für ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben mit ADHS dargestellt.

ADHS als Neurotyp – nicht als Krankheit

Dr. Davatz betont, dass ADHS keine Krankheit ist, sondern ein Neurotyp, eine Variante der neurologischen Funktionsweise. Sie verwendet den Begriff „Persönlichkeitstyp“, um zu verdeutlichen, dass ADHS-typische Merkmale wie Impulsivität, Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit nicht per se negativ sind. Es sind Ausprägungen eines bestimmten Persönlichkeitsprofils, die in manchen Kontexten Schwierigkeiten bereiten können, in anderen aber auch Vorteile bieten.

Kampf gegen den Neurotyp: Ein sinnloser Energieverlust

Viele Menschen mit ADHS haben in der Vergangenheit gelernt, gegen ihre vermeintlichen „Schwächen“ anzukämpfen. Sie versuchen, sich anzupassen, „normal“ zu sein, und ihre ADHS-typischen Merkmale zu unterdrücken. Dieser Kampf gegen den eigenen Neurotyp ist jedoch energieraubend und frustrierend. Er führt oft zu Schuldgefühlen, Scham und Selbstzweifeln und verhindert die Entfaltung des eigenen Potenzials.

Akzeptanz als Befreiung: Den eigenen Weg finden

Die Akzeptanz des eigenen Neurotyps ist hingegen ein befreiender Schritt. Sie ermöglicht es, sich selbst mit all seinen Stärken und Schwächen anzunehmen und den eigenen Weg zu finden. Statt Energie in den Kampf gegen den Neurotyp zu investieren, können Menschen mit ADHS lernen, ihre individuellen Bedürfnisse zu erkennen, ihre Stärken zu nutzen und mit ihren Herausforderungen umzugehen.

„Freundschaft mit sich selbst schliessen“: Selbstakzeptanz als Basis für Veränderung

Dr. Davatz beschreibt diesen Prozess der Selbstakzeptanz als „Freundschaft mit sich selbst schliessen“. Erst wenn man mit sich selbst im Reinen ist, kann man auch an den Eigenschaften arbeiten, die im gesellschaftlichen Leben Schwierigkeiten bereiten. Die Akzeptanz des Neurotyps ist also keine Resignation, sondern eine Voraussetzung für positive Veränderung.

Von der Fremdbestimmung zur Selbstbestimmung: Den eigenen Rhythmus finden

Die Akzeptanz des Neurotyps ermöglicht es auch, sich von den Erwartungen und Normen der Umgebung zu lösen und den eigenen Rhythmus zu finden. Dies kann bedeuten, dass man andere Wege geht als die Mehrheit, dass man sich mehr Zeit für bestimmte Aufgaben nimmt oder dass man sich in bestimmten Situationen abgrenzt. Wichtig ist, dass man sich selbst treu bleibt und die eigenen Bedürfnisse respektiert.

Fazit: Akzeptanz als Schlüssel zur Selbstentfaltung

Die Akzeptanz des eigenen Neurotyps ist ein kontinuierlicher Prozess. Es geht darum, sich selbst immer besser kennenzulernen, die eigenen Bedürfnisse zu verstehen und sich selbst mit all seinen Facetten anzunehmen. Dieser Prozess kann herausfordernd sein, aber er ist essenziell für ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben mit ADHS.

https://ganglion.ch/pdf/selbsterz.m4a.pdf

Neurotypen im Kontext der ADHS- und Schizophrenie-Behandlung

Dr.med. Ursula Davatz verwendet den Begriff „Neurotyp“ im Zusammenhang mit ADHS und stellt ihn dem Konzept der Krankheit gegenüber. Sie argumentiert, dass ADHS nicht als Krankheit, sondern als Neurotyp, genauer gesagt als Persönlichkeitstyp, verstanden werden sollte. Für die Krankenkasse sei die Klassifizierung als Krankheit notwendig, um die Behandlungskosten zu decken.

ADHS als extrovertierter Neurotyp:

Dr. Davatz beschreibt ADHS als einen extrovertierten Persönlichkeitstyp, während ADS als der introvertierte Gegenpart betrachtet wird. Dieser Neurotyp zeichnet sich durch bestimmte Eigenschaften aus, die sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringen können.

  • Vorteile:
    • Breite Aufmerksamkeit: Menschen mit ADHS nehmen viele Reize gleichzeitig wahr, was ihnen ein umfassendes Bild ihrer Umgebung ermöglicht.
    • Hyperfokussierung: Wenn Menschen mit ADHS ihr Interesse an etwas gefunden haben, können sie sich aussergewöhnlich gut darauf konzentrieren.
  • Nachteile:
    • Schwierigkeiten mit der Fokussierung: Die breite Aufmerksamkeitsspanne kann es ADHS-Betroffenen erschweren, sich auf eine Sache zu konzentrieren, insbesondere wenn diese nicht interessant ist.
    • Hohe Sensitivität: Menschen mit ADHS reagieren oft empfindlicher auf Reize als Normotypen, was zu einer Reizüberflutung (System Overload) führen kann.
    • Rückzug oder Aggressivität: Als Reaktion auf die Reizüberflutung können sich ADHS-Betroffene zurückziehen oder aggressiv reagieren.

Neurotypen und Genetik:

Dr. Davatz betont, dass ADHS genetisch vererbt wird und sich daher nicht „auswächst“. Menschen mit ADHS lernen im Laufe ihres Lebens, mit ihrem Neurotyp umzugehen, wobei der Erfolg dieses Prozesses stark von der Unterstützung ihres Umfelds abhängt.

Bedeutung der Umwelt:

Dr. Davatz‘ systemischer Ansatz unterstreicht den Einfluss der Umwelt auf die Entwicklung von Menschen mit ADHS. Sie plädiert dafür, das Umfeld der Betroffenen zu beraten und ihnen beizubringen, wie sie mit dem ADHS-Neurotyp umgehen können. Eine unterstützende Umgebung, in der die Bedürfnisse und Stärken von Menschen mit ADHS berücksichtigt werden, kann dazu beitragen, dass sie ihre Potenziale voll entfalten können.

Zusammenhang mit anderen Diagnosen:

Dr. Davatz stellt einen Zusammenhang zwischen dem ADHS-Neurotyp und anderen psychiatrischen Diagnosen wie Schizophrenie, Depression und Borderline-Persönlichkeitsstörung her. Sie argumentiert, dass diese Diagnosen oft als Folgeerscheinungen des ADHS-Neurotyps und der damit verbundenen Schwierigkeiten im Umgang mit der Umwelt entstehen können.

Kritik am medizinischen Modell:

Dr. Davatz kritisiert die einseitige Fokussierung des medizinischen Modells auf die medikamentöse Behandlung von ADHS. Sie warnt vor den Nebenwirkungen von Stimulanzien wie Ritalin und plädiert für einen ganzheitlichen Ansatz, der die Systemische Therapie als zentralen Bestandteil integriert.

Fazit:

Dr. Davatz‘ Konzept der Neurotypen stellt eine alternative Sichtweise auf ADHS dar. Es betont die individuellen Unterschiede in der Wahrnehmung und Verarbeitung von Reizen und unterstreicht die Bedeutung der Umwelt für die Entwicklung von Menschen mit ADHS. Die Systemische Therapie bietet in diesem Kontext einen ganzheitlichen Ansatz, der über die reine Symptombehandlung mit Medikamenten hinausgeht und die Betroffenen in ihrer Eigenverantwortung und Selbstentwicklung unterstützt.

https://ganglion.ch/pdf/neu-in-schizo-adhs.m4a.pdf

ADHS/ADS als Neurotyp, nicht Krankheit

Dr.med. Ursula Davatz vertritt in ihrem Vortrag die klare Position, dass ADHS/ADS keine Krankheit, sondern ein Neurotyp ist. Sie betont, dass ADHS/ADS ein genetisch vererbter Zustand ist, der sich durch eine abweichende Funktionsweise des Gehirns im Vergleich zum „Normotyp“ auszeichnet.

Während die Psychiatrie ADHS/ADS weiterhin als Krankheit betrachtet, was sich in langen Wartezeiten bei Abklärungsstellen zeigt, plädiert Dr. Davatz für ein Umdenken. Ihrer Ansicht nach ist ADHS/ADS nicht etwas, das man „auswächst“, sondern eine bleibende Eigenschaft des Gehirns, die sich in verschiedenen Ausprägungen und Folgeerscheinungen manifestieren kann.

Dr. Davatz verwendet den Begriff „vulnerabler“, um zu beschreiben, dass Menschen mit ADHS/ADS eine höhere Anfälligkeit für die Entwicklung sowohl psychischer als auch somatischer Erkrankungen aufweisen. Diese Anfälligkeit begründet sie in der erhöhten Sensibilität von ADHS/ADS-Betroffenen, die mehr Reize wahrnehmen und intensiver verarbeiten.

Die Reizoffenheit führt jedoch leicht zu einer Reizüberflutung („System Overload“), die das emotionale System überfordert und zu unterschiedlichen Reaktionen führt, je nachdem, ob es sich um ADHS oder ADS handelt.

Dr. Davatz kritisiert die Symptombehandlung in der Psychiatrie, die sich zu sehr am somatischen Bild orientiert und die grundlegende Ursache der Probleme, den ADHS/ADS-Neurotyp, vernachlässigt.

Sie plädiert stattdessen für eine neurogerechte Behandlung von ADHS/ADS-Betroffenen, die ihre individuellen Bedürfnisse berücksichtigt und ihnen hilft, ihren eigenen Weg und Fokus im Leben zu finden.

Besonders wichtig ist dabei die Erziehung, die an den Neurotyp angepasst sein sollte, um die Entwicklung von Folgekrankheiten zu vermeiden. Klare, aber wenige Regeln, konsequente Strukturen und ausreichend Freiraum sind dabei die wichtigsten Elemente.

Dr. Davatz sieht in ADHS/ADS-Kindern ein grosses Potenzial, das durch die richtige Förderung zur Entfaltung gebracht werden kann. Sie vergleicht sie mit den „Indigo-Kindern“, die besondere Eigenschaften und Fähigkeiten besitzen, die die Gesellschaft voranbringen können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr. Davatz ADHS/ADS als einen Neurotyp betrachtet, der spezielle Bedürfnisse mit sich bringt. Sie plädiert für ein Verständnis und eine Behandlung, die diesen Bedürfnissen gerecht wird und die Entwicklung von Folgekrankheiten verhindert. Statt auf die Schwächen zu fokussieren, sollten die Stärken und Talente von ADHS/ADS-Betroffenen gefördert werden, um ihr volles Potenzial zu entfalten.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_ADS_Grenzzerfall_29.11.2024.mp4.pdf

ADHS/ADS: Kein Krankheitsbild, sondern ein Neurotyp

Dr. med. Ursula Davatz, eine erfahrene Psychiaterin mit über 40 Jahren Erfahrung im Bereich ADHS, stellt in ihrem Vortrag eine neue Perspektive auf ADHS und ADS vor. Sie argumentiert, dass es sich nicht um Krankheiten handelt, sondern um Neurotypen, also genetisch bedingte Varianten der Hirnfunktion. Diese Sichtweise entfernt sich von der Pathologisierung und betont die natürliche Vielfalt der menschlichen Hirnfunktionen.

ADHS und ADS: Zwei unterschiedliche Ausprägungen

Dr. Davatz unterscheidet zwischen zwei Ausprägungen: dem extrovertierten ADHS und dem introvertierten ADS. Beide Neurotypen sind genetisch vererbt und werden über 30 bis 100 Gene weitergegeben. Ob sie genetisch unterschiedlich sind, ist noch nicht vollständig geklärt.

ADHS: Der extrovertierte Persönlichkeitstyp

  • Hyperaktivität: ADHS-Kinder sind ständig in Bewegung, gehen auf alles zu und erkunden ihre Umgebung aktiv.
  • Impulsivität: Sie haben Schwierigkeiten, ihre Impulse zu kontrollieren und reagieren oft spontan und unüberlegt.
  • Breite Aufmerksamkeit: Sie haben eine breite, unfokussierte Aufmerksamkeit und lassen sich leicht ablenken.
  • Hohe Sensibilität: ADHS-Kinder sind sehr sensibel und reagieren stark auf Kritik und negative Emotionen.

ADS: Der introvertierte Persönlichkeitstyp

  • Mentale Hyperaktivität: ADS-Kinder sind innerlich sehr aktiv, denken viel nach und verlieren sich in ihren Gedanken.
  • Rückzug: Sie neigen dazu, sich zurückzuziehen und ihre Gedanken und Gefühle für sich zu behalten.
  • Gründlichkeit: ADS-Kinder sind gründlich und denken Dinge gerne bis ins Detail durch.
  • Bedürfnis nach Orientierung: Sie brauchen Zeit, um sich in neuen Situationen zu orientieren und sich sicher zu fühlen.

Folgeerkrankungen durch fehlende Anpassung an den Neurotyp

Dr. Davatz betont, dass viele psychische Erkrankungen als Folge eines ungünstigen Umgangs mit ADHS und ADS entstehen können. Wenn Kinder ständig kritisiert, unterdrückt oder zu Konformität gezwungen werden, kann dies zu Depressionen, Angststörungen, Suchtverhalten oder anderen psychischen Problemen führen.

Die Rolle der Umwelt

Obwohl ADHS und ADS genetisch bedingt sind, spielt die Umwelt eine entscheidende Rolle dabei, ob sich diese Neurotypen positiv oder negativ auswirken. Eine unterstützende und verständnisvolle Umgebung kann Kindern mit ADHS und ADS helfen, ihre Stärken zu entfalten und ihre Herausforderungen zu meistern. Umgekehrt kann eine feindselige und ablehnende Umgebung die Entwicklung von Folgeerkrankungen begünstigen.

Umgang mit ADHS/ADS im Alltag

Dr.med. Ursula Davatz gibt konkrete Tipps für den Umgang mit Kindern mit ADHS und ADS im Alltag:

  • Wertschätzen Sie das Kind in seiner Individualität und akzeptieren Sie seine Eigenheiten.
  • Vermeiden Sie das Wort „Nein“, da es Widerstand und Trotz auslösen kann.
  • Formulieren Sie Ihre Erwartungen klar und deutlich und bieten Sie Alternativen an.
  • Beziehen Sie das Kind in die Problemlösung ein und fördern Sie seine intrinsische Motivation.
  • Schaffen Sie eine strukturierte Umgebung mit klaren Regeln und Ritualen.
  • Geben Sie dem Kind genügend Bewegungsmöglichkeiten.
  • Seien Sie geduldig, einfühlsam und verständnisvoll.
  • Suchen Sie professionelle Unterstützung, wenn Sie sich überfordert fühlen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ADHS und ADS keine Krankheiten, sondern Neurotypen sind. Ein respektvoller, verständnisvoller und an den individuellen Bedürfnissen des Kindes orientierter Umgang ist entscheidend, um seine Entwicklung positiv zu beeinflussen und Folgeerkrankungen zu vermeiden.

https://ganglion.ch/pdf/Umgang%20mit%20ADHS%20ADS%20Kindern.m4a.pdf

Neurotypen im Kontext von ADHS und ADS: Ein neuer Blickwinkel

Dr. med. Ursula Davatz stellt in ihrem Vortrag einen neuen Blickwinkel auf ADHS und ADS vor, indem sie diese nicht als Krankheiten, sondern als Neurotypen bezeichnet. Dieser Begriff rückt von der pathologisierenden Sichtweise ab und betont die natürliche Vielfalt der menschlichen Hirnfunktionen.

Was sind Neurotypen?

Ein Neurotyp beschreibt eine bestimmte Art, wie das Gehirn Informationen verarbeitet und auf Reize reagiert. Es gibt viele verschiedene Neurotypen, und jeder Mensch hat seinen eigenen, einzigartigen Neurotyp. ADHS und ADS sind Beispiele für Neurotypen, die sich durch bestimmte Merkmale auszeichnen:

  • ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung): Gekennzeichnet durch Hyperaktivität, Impulsivität und eine breite, unfokussierte Aufmerksamkeit.
  • ADS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung): Gekennzeichnet durch Unaufmerksamkeit, Tagträumerei und eine Tendenz zum Rückzug.

Warum ist der Begriff „Neurotyp“ wichtig?

Die Verwendung des Begriffs „Neurotyp“ hat mehrere Vorteile:

  • Entstigmatisierung: ADHS und ADS als Neurotypen zu bezeichnen, nimmt den betroffenen Menschen das Gefühl, krank oder anders zu sein. Stattdessen wird ihre Andersartigkeit als Teil der natürlichen Vielfalt der menschlichen Natur anerkannt.
  • Fokus auf Stärken: Der Neurotyp-Ansatz lenkt den Blick auf die Stärken und Potenziale von Menschen mit ADHS und ADS. Anstatt sich auf die Defizite zu konzentrieren, werden die besonderen Fähigkeiten und Begabungen hervorgehoben.
  • Individuelle Förderung: Das Verständnis der unterschiedlichen Neurotypen ermöglicht eine individuelle Förderung und Unterstützung. Anstatt alle Menschen über einen Kamm zu scheren, können Lernumgebungen und Erziehungsmethoden an die spezifischen Bedürfnisse der einzelnen Neurotypen angepasst werden.

Praktische Implikationen des Neurotyp-Ansatzes

Die Sichtweise von ADHS und ADS als Neurotypen hat konkrete Auswirkungen auf den Umgang mit betroffenen Kindern:

  • Akzeptanz und Wertschätzung: Eltern, Lehrer und Erzieher sollten ADHS und ADS als natürliche Varianten der Hirnfunktion akzeptieren und die Kinder in ihrer Individualität wertschätzen.
  • Anpassung der Lernumgebung: Die Lernumgebung sollte an die spezifischen Bedürfnisse von ADHS- und ADS-Kindern angepasst werden. Dies kann zum Beispiel bedeuten, dass mehr Bewegungsmöglichkeiten geschaffen werden, Ablenkungen reduziert werden oder alternative Lernmethoden eingesetzt werden.
  • Individuelle Förderung: Jedes Kind hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Es ist wichtig, die individuellen Talente und Begabungen zu fördern und die Kinder dabei zu unterstützen, ihre Herausforderungen zu meistern.
  • Verzicht auf Stigmatisierung und Pathologisierung: ADHS und ADS sollten nicht als Krankheiten betrachtet werden, die behandelt werden müssen. Stattdessen sollten die Kinder in ihrer Individualität gefördert und unterstützt werden.

Dr.med. Ursula Davatz plädiert für eine „artgerechte Menschen Erziehung“, die die natürliche Vielfalt der menschlichen Neurotypen berücksichtigt. Nur so können wir sicherstellen, dass alle Kinder die Chance haben, ihr volles Potenzial zu entfalten.

https://ganglion.ch/pdf/Umgang%20mit%20ADHS%20ADS%20Kindern.m4a.pdf

ADHS/ADS: Ein Neurotyp, keine Krankheit

Dr. Ursula Davatz vertritt eine klare Position: ADHS/ADS ist keine Krankheit, sondern ein Neurotyp, eine Form der Neurodiversität. Sie stellt sich damit gegen die in der Psychiatrie weit verbreitete Auffassung, ADHS/ADS als behandlungsbedürftige Krankheit zu betrachten.

Zentrale Punkte ihrer Sichtweise:

  • Neurodiversität statt Krankheit: Dr. Davatz betrachtet ADHS/ADS als eine natürliche Variante des menschlichen Gehirns, die sich durch besondere Merkmale auszeichnet. Diese Merkmale, wie die breite Aufmerksamkeitsspanne, die verstärkte Vernetzung des emotionalen Gedächtnisses, die spätere Reifung des Gehirns und die damit verbundene Kreativität, sieht sie nicht als Defizite, sondern als wertvolle Fähigkeiten, die eine Gesellschaft bereichern.
  • Kreativität als Stärke: Dr. Davatz betont die Kreativität von Menschen mit ADHS/ADS und sieht darin ein grosses Potenzial, das gefördert werden sollte. Sie vergleicht die Kreativität des menschlichen Gehirns mit der künstlichen Intelligenz und stellt fest, dass kein Computer an die Kreativität des Menschen heranreichen kann.
  • Ablehnung der Pathologisierung: Dr. Davatz kritisiert die Pathologisierung von ADHS/ADS und die damit verbundene Stigmatisierung der Betroffenen. Sie plädiert für einen respektvollen Umgang mit der Neurodiversität und eine persönlichkeitsgerechte Erziehung, die die individuellen Bedürfnisse und Talente der Kinder fördert.
  • Bedeutung der Umwelt: Dr. Davatz betont den Einfluss der Umwelt und des Erziehungsstils auf die Entwicklung von ADHS/ADS. Sie weist darauf hin, dass ADHS/ADS-Betroffene in einem ungünstigen Umfeld anfälliger für Delinquenz und psychische Erkrankungen sind.
  • Individuelle Behandlung: Dr. Davatz spricht sich gegen eine „One size fits all“-Behandlung aus und fordert massgeschneiderte Lösungen für jedes Kind. Sie kritisiert die gängige Praxis, ADHS/ADS mit Medikamenten zu „behandeln“ und plädiert stattdessen für eine ganzheitliche Herangehensweise, die auch die Erziehung und das Umfeld miteinbezieht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr.med. Ursula Davatz ADHS/ADS als eine natürliche Variation des menschlichen Gehirns betrachtet, die mit besonderen Stärken und Herausforderungen einhergeht. Sie betont die Bedeutung einer verständnisvollen und unterstützenden Erziehung, die die individuellen Bedürfnisse und Talente der Betroffenen berücksichtigt und ihnen hilft, ihre Potenziale zu entfalten.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_ADS_Apero.pdf

ADHS/ADS: Krankheit oder Neurotyp?

Dr.med. Ursula Davatz vertritt eine klare und unmissverständliche Position: ADHS/ADS ist keine Krankheit, sondern ein Neurotyp, eine Form der Neurodiversität. Sie distanziert sich damit deutlich von der in der Psychiatrie vorherrschenden Meinung, die ADHS/ADS als behandlungsbedürftige Krankheit einstuft.

Für Dr.med. Ursula Davatz ist ADHS/ADS eine natürliche Variante des menschlichen Gehirns, die sich durch besondere Merkmale auszeichnet. Diese Merkmale, wie die verstärkte Vernetzung des emotionalen Gedächtnisses, die spätere Reifung des Gehirns und die damit verbundene Kreativität, sind für sie keine Defizite, sondern wertvolle Fähigkeiten, die eine Gesellschaft bereichern.

Sie kritisiert die Pathologisierung von ADHS/ADS, die zu einer Stigmatisierung der Betroffenen führt und ihre Stärken und Potenziale übersieht. Anstatt ADHS/ADS mit Medikamenten zu „behandeln“, plädiert sie für einen respektvollen Umgang mit der Neurodiversität und eine persönlichkeitsgerechte Erziehung, die die individuellen Bedürfnisse und Talente der Kinder fördert.

Dr.med. Ursula Davatz sieht in der Diagnose „Krankheit“ einen Versuch der Medizin, ein Monopol auf die Behandlung von ADHS/ADS zu behalten. Sie begrüsst die zunehmende Eigeninitiative von Menschen, die sich im Internet informieren und ihre eigene Diagnose stellen.

Sie ist sich jedoch bewusst, dass die Krankenkassen die Kosten für Therapien oft nur übernehmen, wenn eine ärztliche Diagnose vorliegt. In ihrer Praxis stellt sie deshalb zwar eine „Zusatzdiagnose“, um die Kostenübernahme zu gewährleisten, betont aber in der Beratung der Eltern und Kinder ihre Sichtweise von ADHS/ADS als Neurotyp.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_ADS_Apero.pdf