Dr.med. Ursula Davatz vertritt eine klare und unmissverständliche Position: ADHS/ADS ist keine Krankheit, sondern ein Neurotyp, eine Form der Neurodiversität. Sie distanziert sich damit deutlich von der in der Psychiatrie vorherrschenden Meinung, die ADHS/ADS als behandlungsbedürftige Krankheit einstuft.
Für Dr.med. Ursula Davatz ist ADHS/ADS eine natürliche Variante des menschlichen Gehirns, die sich durch besondere Merkmale auszeichnet. Diese Merkmale, wie die verstärkte Vernetzung des emotionalen Gedächtnisses, die spätere Reifung des Gehirns und die damit verbundene Kreativität, sind für sie keine Defizite, sondern wertvolle Fähigkeiten, die eine Gesellschaft bereichern.
Sie kritisiert die Pathologisierung von ADHS/ADS, die zu einer Stigmatisierung der Betroffenen führt und ihre Stärken und Potenziale übersieht. Anstatt ADHS/ADS mit Medikamenten zu „behandeln“, plädiert sie für einen respektvollen Umgang mit der Neurodiversität und eine persönlichkeitsgerechte Erziehung, die die individuellen Bedürfnisse und Talente der Kinder fördert.
Dr.med. Ursula Davatz sieht in der Diagnose „Krankheit“ einen Versuch der Medizin, ein Monopol auf die Behandlung von ADHS/ADS zu behalten. Sie begrüsst die zunehmende Eigeninitiative von Menschen, die sich im Internet informieren und ihre eigene Diagnose stellen.
Sie ist sich jedoch bewusst, dass die Krankenkassen die Kosten für Therapien oft nur übernehmen, wenn eine ärztliche Diagnose vorliegt. In ihrer Praxis stellt sie deshalb zwar eine „Zusatzdiagnose“, um die Kostenübernahme zu gewährleisten, betont aber in der Beratung der Eltern und Kinder ihre Sichtweise von ADHS/ADS als Neurotyp.