Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) verstehen

PTBS, oder posttraumatische Belastungsstörung, ist eine psychische Erkrankung, die nach einem traumatischen Erlebnis auftreten kann.

Die Quellen beschreiben ein Trauma als ein psychisches oder körperliches Ereignis, das starke Verletzungen, vor allem in der Seele, hinterlässt. Solche Ereignisse können nicht vergessen werden und tauchen oft in der Nacht wieder auf, was zu Schlafstörungen und Albträumen führt.

Dr.med. Ursula Davatz, die Expertin in den Quellen, erklärt, dass das emotionale Gehirn, das limbische System, bei der Verarbeitung von Traumata eine zentrale Rolle spielt. Traumatische Erlebnisse werden im emotionalen Gedächtnis gespeichert und können die Verarbeitungskapazität des Gehirns reduzieren, was zu Müdigkeit und Abwesenheit führen kann. Das Gehirn ist dann ständig mit dem traumatischen Erlebnis beschäftigt und kann sich nicht auf neue Erfahrungen konzentrieren. Dies ist das Grundprinzip der PTBS.

Wenn Traumata gut verarbeitet werden, können sie im Grosshirn, dem intellektuellen Teil des Gehirns, abgelegt werden. Sie sind dann zwar nicht vergessen, aber emotional nicht mehr belastend. Dr.med. Ursula Davatz vergleicht diesen Prozess mit dem Wiederkäuen bei Kühen. Durch wiederholtes „Durchkauen“ des Traumas in Form von Gesprächen oder Schreiben wird es verarbeitet und kann „verdaut“ werden.

Die Quellen betonen, dass das Benennen des Traumas ein wichtiger Schritt in der Verarbeitung ist. Durch das Beschreiben des Erlebnisses in Worten kann der emotionale Stress reduziert werden.

Dr. Davatz erwähnt verschiedene Therapiemethoden zur Behandlung von PTBS, darunter EMDR, Desensibilisierung und Expositionstherapie. Die Wahl der Therapie sollte individuell auf den Patienten und das Trauma abgestimmt werden.

Die Quellen weisen auch darauf hin, dass nicht alle Menschen gleich auf Traumata reagieren. Manche Menschen können Traumata gut verdrängen, während andere ständig mit ihnen kämpfen. Es ist wichtig, die individuellen Bedürfnisse des Patienten zu respektieren und ihn nicht zu zwingen, über das Trauma zu sprechen, wenn er noch nicht bereit dazu ist.

Besonders Kinder sind sehr sensibel und können durch unbedachte Äusserungen oder Handlungen von Erwachsenen traumatisiert werden. Diese Traumata können sich später im Leben in Form von psychosomatischen Beschwerden oder psychischen Problemen manifestieren.

Es ist wichtig zu verstehen, dass PTBS eine ernstzunehmende Erkrankung ist, die professionelle Hilfe erfordert. Durch eine geeignete Therapie können Betroffene lernen, mit dem Trauma umzugehen und ein erfülltes Leben zu führen.

https://ganglion.ch/pdf/PTBS-20.6.2024.m4a.pdf

Posttraumatische Belastungsstörung – PTBS

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

21.6.2024
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Audio

[00:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte sie ganz herzlich begrüssen.

[00:00:00.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema ist: posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).

[00:00:19.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage wird alles abgekürzt.

[00:00:23.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir bleiben bei der posttraumatischen Belastungsstörung.

[00:00:27.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Was versteht man unter Trauma?

[00:00:30.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht genau, wie das Wort „Trauma" in die Fachsprache reingekommen ist.

[00:00:37.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Es erinnert einen an den Traum.

[00:00:41.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Vom Gedächtnis, vom Gehirn her, ist eigentlich die Nacht dazu da, dass man Sachen
löscht, die unwichtig sind.

[00:00:52.760] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Dinge, welche einem mehr beschäftigen, die treten dann wieder auf im Traum.

[00:00:58.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Traum zeigt einem, wo man Sachen noch nicht richtig bewältigt hat.

[00:01:05.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann sein, dass das Trauma mit dem zusammenhängt.

[00:01:09.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache jetzt diesen Zusammenhang.

[00:01:11.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Trauma versteht man ein psychisches oder körperliches Ereignis, welches starke
Verletzungen hinterlassen hat.

[00:01:29.020] – Dr.med. Ursula Davatz
An erster Stelle Verletzungen in der Seele.

[00:01:32.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Ursprung kann auch die körperliche Verletzung sein.

[00:01:36.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann aber auch nur eine seelische Verletzung sein.

[00:01:40.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas, was eine starke Verletzung hinterlässt, starker Stress, Schmerz, das wirkt sich
dann nach. Man kann es nicht vergessen. Man kann es in der Nacht nicht löschen. Im
Gegenteil, es kommt einem in der Nacht immer wieder in den Sinn.

[00:01:50.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil träumen die Menschen auch ständig darüber.

[00:01:57.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil träumen die Menschen jahrelang über diese Traumatas weiter.

[00:01:58.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum mache ich auch diese Verbindung mit dem Traum.

[00:02:07.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe nochmals das menschliche Gehirn zur Sprache.

[00:02:15.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das menschliche Gehirn besteht aus drei Teilen.

[00:02:21.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Der primitivste Teil ist das sogenannte Reptilienhirn, welches aus dem Stammhirn
besteht und aus dem motorischen Kleinhirn.

[00:02:31.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das funktioniert automatisch.

[00:02:34.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das steuert alle autonomen Funktionen im Körper.

[00:02:38.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Es heisst Reptilienhirn, weil es schon so gut ausgebildet war, bei den Reptilien.

[00:02:44.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zweite wäre das limbische System.

[00:02:46.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das emotionale Gehirn.

[00:02:48.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist in der Mitte vom Hirn. Ich zeige das immer mit der Hand, das wäre der Daumen.

[00:02:51.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist mitten im Gehirn drinnen.

[00:02:57.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn hat sich zu den Zeiten der Säugetiere entwickelt.

[00:02:57.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn, das limbische System, ist ganz wichtig für alle
Bindungsverhalten.

[00:03:09.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute reden wir wieder mehr von Bindungsstörungen.

[00:03:14.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist wichtig für die Motivation und beinhaltet das erste emotionale
Gedächtnis.

[00:05:47.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Person, welche in ihrem emotionalen Gehirn ein emotional belastendes Ereignis
dauernd speichert, deren Verarbeitungskapazität geht runter.

[00:06:03.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann dann nicht mehr so viel verarbeiten, man kann dann nicht mehr so viel
aufnehmen, man ist besetzt.

[00:06:05.230] – Dr.med. Ursula Davatz

Das emotionale Gehirn ist dann besetzt und das macht dann eine Müdigkeit oder eine
Abwesenheit.

[00:06:17.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch geht dann immer wieder zurück zu dem.

[00:06:22.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist quasi das Prinzip vom Trauma.

[00:06:28.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Traumatische Bilder werden hervorgeholt, werden reaktiviert und je nachdem wieder
verdrängt.

[00:06:40.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist einfach dauernd beschäftigt.

[00:06:44.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo das Gehirn dauernd beschäftigt ist mit so dramatischen, stresshaften
Erlebnissen, körperlichen oder psychischen oder beides miteinander, im Augenblick, wo
das Hirn dauernd mit dem beschäftigt ist, dann redet man von posttraumatischer
Belastungsstörung.

[00:07:04.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine zusätzliche Belastung vom Gehirn, sodass das Gehirn dann nicht frei ist, um
neue Erlebnis zu prozessieren und zu verarbeiten.

[00:07:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Sachen gut laufen, dann kann man so eine stresshafte Situation, so eine
dramatische Situation, dann kann man die anschauen, bearbeiten und dann kann man
sie im Grosshirn, in unserem intellektuellen Hirn ablegen.

[00:07:36.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Dort kann man sie noch hervorholen. Man weiss es noch.

[00:07:37.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man es ablegen kann, ist es im Grosshirn nicht mehr belastend.

[00:07:46.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von der Geschichte erzählt, gibt es gar keine emotionale Erregung.

[00:07:46.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Falls man immer noch traumatisiert ist, im Augenblick wo man davon spricht, kommt
eine Wallung auf, eine starke Erregung, ein Herzklopfen, alle möglichen vegetativen
Symptomen.

[00:08:07.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand von dem merkt man, ob man es verarbeitet hat oder nicht.

[00:08:11.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einen Spruch auf Englisch, da kann man immer so gute Sprüche machen: wenn
man ein dramatisches Ereignis benennt, also in Wort schildert, dann geht 50% von dem
Stress, der da im emotionalen Hirn vorhanden ist, geht weg.

[00:08:34.020] – Dr.med. Ursula Davatz
If you name it, you tame it.

[00:08:37.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das traumatische Ereignis benennen kann, dann kann es gezähmt werden,
dann frisst es nicht mehr so viel Energie und dann kann man weitergehen im Leben.

[00:08:51.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre dann die Bearbeitung.

[00:08:55.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die dramatischen Erlebnisse kann man bearbeiten und dann nimmt der Stress ab.

[00:09:04.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche das mit den Wiederkäuern, mit den Kühen. Die holen ihren Mageninhalt
immer wieder hoch, zerkauen ihn, mit der Zeit ist er dann bearbeitet, sodass er verdaut
werden kann.

[00:09:05.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich übertrage das auf die seelische Ebene. In dem man davon spricht, kann man es
verarbeiten.

[00:09:25.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Geteiltes Leid ist halbes Leid.

[00:09:30.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wäre das drinnen.

[00:09:32.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Geteilte Freude ist doppelte Freude.

[00:09:34.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre dann das Positive, das wäre nicht das Trauma.

[00:09:38.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine prinzipielle Funktion vom Gehirn, die bei uns allen so funktioniert.

[00:09:45.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Menschen, die können Traumatas problemlos verdrängen.

[00:09:50.980] – Dr.med. Ursula Davatz

Das kostet vielleicht immer noch ein bisschen Energie, aber nicht so viel.

[00:09:54.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Andere Menschen, die gehen immer wieder zurück zu den Traumatas, die tun ständig
wiederkäuen ohne dass sie es verarbeiten können.

[00:10:00.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es nur alleine immer wiederkäut, hat es nicht die gleiche Wirkung, wie wenn
man es mit jemandem teilt.

[00:10:12.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum heisst es: geteiltes Leid ist halbes Leid.

[00:10:15.180] – Dr.med. Ursula Davatz
50% vom Stress geht runter, wenn man es in Worte fassen kann.

[00:10:20.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es in Worte fassen oder man kann es auch aufschreiben. Das ist auch in
Worte fassen.

[00:10:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es in die Sprache rein tun.

[00:10:29.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Analphabeten, welche emotionale Ereignisse nicht gut in Worte fassen können, nicht
gut beschreiben können, die haben früher Demenz.

[00:10:47.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Ablagern, unsere Verarbeitung der emotionalen Angelegenheiten, das hilft uns,
mehr zu verarbeiten, mehr zu speichern und nicht überfordert zu sein.

[00:11:09.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das klingt noch verrückt, aber ich denke, das hat etwas an sich.

[00:11:15.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle emotional heftigen Erlebnisse, die sind eigentlich dazu da, damit man diese
verarbeitet und darüber spricht.

[00:11:27.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit wir wieder freier werden und auch, dass wir ein nächstes Mal besser reagieren
können.

[00:11:27.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei psychischen Traumatas, in dem man die verarbeitet, hat man danach eine bessere
Strategie um einer ähnlichen Situation geschickter begegnen zu können.

[00:11:38.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Das traumatische Erlebnis oder das traumatische Gedächtnis vom emotionalen Gehirn
ist dazu da, dass wir lernen.

[00:12:00.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man emotional traumatische Dinge einfach mit Medikamenten verdrängt, dann
lernt man nicht so viel.

[00:12:04.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine zusätzliche Information, welche ich hier reinbringe.

[00:12:04.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin sehr darauf bedacht, dass die Menschen lernen mit ihrer Geschichte
umzugehen, dass sie erzählen dürfen und dass sie es verarbeiten dürfen.

[00:12:29.130] – Dr.med. Ursula Davatz

Sonst kommen die Bilder immer wieder auf. Sie kommen in der Nacht auf, im Traum.

[00:12:29.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte Patienten, welche in der Pubertät sexuell missbraucht wurden. Die hat jede
Nacht, 20 Jahre lang davon geträumt.

[00:12:38.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Szenen sind in allen möglichen Formen wieder hervor gekommen.

[00:12:43.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zeigt ganz klar, dass das ein Trauma ist.

[00:12:49.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Frau hatte eine posttraumatische Belastungsstörung.

[00:12:59.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben es bearbeitet und mit der Zeit sind diese Träume weggegangen.

[00:13:00.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht es daran, dass die Träume nicht mehr auftauchen, jetzt ist es verarbeitet, so
wie verdaut, emotional verdaut.

[00:13:08.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sind die verschiedenen Therapien?

[00:13:16.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hatte man keine spezifische Traumatherapie.

[00:13:19.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist es eher Mode. Es gibt auch Kurse und Ausbildungen für Traumatherapie.

[00:13:20.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Leute, die sich speziell darauf spezialisieren.

[00:13:27.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Traumatherapie gehört zu jeder Psychotherapie.

[00:13:37.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde auch früher schon von Therapeuten behandelt.

[00:13:38.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist es zu einem Spezialgebiet geworden.

[00:13:45.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt verschiedene Methoden. Ich versuche diese aufzuzählen.

[00:13:45.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Person darf, muss das traumatische Geschehen möglichst genau, möglichst
detailliert erzählen in Anwesenheit von der Therapie Person.

[00:14:11.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Trauma ein sexueller Missbrauch in Zusammenhang mit Scham und
Schande ist, dann kann man am Anfang dies nicht so genau erfragen und sollte es auch
nicht so genau erfragen.

[00:14:17.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht eine gewisse Zeit, bis diese Person ein Vertrauen hat und darüber sprechen
kann.

[00:14:23.200] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn es ein Flugzeugabsturz ist oder Hochwasser, wo man beinahe ertrunken wäre,
eine Naturkatastrophe, dann kann man es eher erzählen. Dann wird es nicht von der
Scham verdrängt.

[00:14:26.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Person, welche das Trauma erfahren hat, darf alles möglichst genau erzählen. Der
Therapeut fragt nach: wie ist das gewesen? Nicht alles in einer Stunde. Das hängt
davon ab, wie es gemacht wird. Man erzählt es in Anwesenheit einer Person, die nicht
traumatisiert ist.

[00:14:42.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist es wichtig, dass der Therapeut, die Therapeutin empathisch ist, aber nicht
mitschwingt, mit Zittern und Weinen, oder moralisch verurteilt.

[00:15:18.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man als Therapeut den sexuellen Missbrauch moralisch verurteilt, dann
verstärkt man das Trauma. Die Person denkt, dass der Therapeut das nicht handhaben
kann. Dann wird retraumatisiert.

[00:15:39.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss selber wissen: kann man neutral sein, dem Geschehen gegenüber, auch in
einer politischen Situation, gefangenen Situation? Da darf man auch nicht mitzittern und
eine Wut haben auf den Feind. Der Therapeut muss neutral sein können, seine eigenen
Emotionen müssen neutral sein, er muss dennoch empathisch sein können.

[00:15:39.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Empathisch sein heisst nicht: mitzittern, mitschwingen, sondern einfach beim Patient
das validieren, ernst nehmen. Nicht auch ins Schleudern kommen.

[00:16:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geschieht oft zwischen Eltern und Kindern. Wenn das Kind etwas traumatisches
erlebt hat, die Eltern beginnen mit zu zittern

[00:16:28.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Eltern anfangen mit zu eifern, dann tun sie das Kind noch mehr traumatisieren.

[00:16:33.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf erst davon sprechen, wenn man damit umgehen kann.

[00:16:39.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Eltern ist das schwieriger, ein Therapeut muss das können. Das gehört zum
therapeutischen Prinzip.

[00:16:39.770] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man das benennt: you name it, you tame it.

[00:16:47.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man darüber sprechen kann, geht 50% vom emotionalen Stress weg und es
kann allmählich im Grosshirn abgelegt werden. Man vergisst es nie. Es ist kein
Verdrängen. Es ist ein verarbeiten. Wenn man wieder davon spricht, ist die ganze
emotionale Aufregung weg, es ist nichts mehr von dem da. Es ist einfach nur noch Fakt,
sachlich.

[00:17:12.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Frau wurde von ihrem Vater sexuell missbraucht. Wir haben zwei Jahre daran
gearbeitet um das aufzuheben, konfrontiert, etc. Später wenn man darüber gesprochen
hat, hat sie gesagt: jetzt macht es mir nichts mehr aus.

[00:17:23.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie konnte absolut sachlich darüber sprechen. Das zeigt: jetzt habe ich es verarbeitet.

[00:17:37.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine raffinierte Verdrängungsmethode ist EMDR.

[00:17:42.524] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.emdria.de/emdr/was-ist-emdr

[00:17:42.650] – Dr.med. Ursula Davatz
EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing, was auf Deutsch
"Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegung" bedeutet.

[00:17:42.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Finger hin und her bewegen, die Augen müssen den Finger nach schauen, der Kopf
muss ruhig bleiben.

[00:18:20.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache drei Koordinationsbewegungen. Der Kopf muss ruhig sein, die Hände
müssen sich bewegen, die Finger, und die Augen müssen sich auch bewegen. Häufig
bewegt man dann den Kopf mit, dann beherrscht man es noch nicht.

[00:18:44.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo man das macht, kann man sprechen aber man kann nicht denken.
Ich kann nicht alte Bilder hervorholen.

[00:18:46.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Koordinationsübung verhindert, dass ich diese Bilder hervorholen kann.

[00:18:50.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch eine Verdrängungsmethode.

[00:19:03.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kann auch funktionieren.

[00:19:09.020] – Dr.med. Ursula Davatz

Indem man das immer wieder macht, wenn diese Bilder hervorkommen, es gibt auch
Klopfübungen, es gibt verschiedene Übungen, kann man nicht zurück zu den
traumatischen Bildern gehen.

[00:19:09.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Einbeinstand oder Yoga, im Yoga dürfen wir auch nichts denken, da sollte man nur
die Yogaübung machen.

[00:19:37.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man denkt, verliert man das Gleichgewicht.

[00:19:38.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man anderes Zeugs denkt, dann wird so wie die Motorik unterbrochen und dann
geht es nicht.

[00:19:46.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand davon merkt man: jetzt bin ich auf die Motorik konzentriert, dann kann man
nicht mehr denken.

[00:19:46.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn wird fokussiert und geht ganz auf das vegetative und das
Kleinhirn, auf das Reptilienhirn, das seine Übungen macht, sodass dann die Bilder aus
dem Grosshirn nicht mehr zurückkommen.

[00:20:14.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist an sich eine raffinierte Verdrängungsmethode und ist ok und wird heutzutage
viel gemacht.

[00:20:25.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Leute können das auch selber machen.

[00:20:25.540] – Dr.med. Ursula Davatz

Eine weitere Methode ist, dass man desensibilisiert.

[00:20:45.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht zusammen mit dem Therapeuten immer wieder zu den traumatischen
Erlebnissen, holt die hervor. Man hält die Erlebnisse zusammen mit dem Patienten aus.

[00:20:45.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem eine Person anwesend ist, welche nicht mitzittert, merkt diese Person, dass sie
daran denken kann ohne eine Panikattacke zu machen.

[00:20:50.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine langsame Desensibilisierung, dass man immer wieder davon spricht, immer
in Anwesenheit von einer ruhigen Person, die das alles anhören kann, die aber nicht in
Aufregung kommt.

[00:21:28.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb ist es wichtig, dass man nicht mitzittert. Das bringt gar nichts, das belastet den
Patienten nur.

[00:21:28.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch eine Expositionstherapie machen. Wenn ein Unfall gewesen ist, kann
man an den Unfallort zurück gehen und sehen, dass es mit einem nichts mehr anstellt.
Man geht in die Situation hinein.

[00:21:56.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Therapie macht man auch bei starken Angststörungen, bei Phobien, dass der
Therapeut mitgeht an das Objekt, vor dem man Angst hat.

[00:22:08.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man bei den Spinnen und allem Möglichen machen, aber eben auch an den
Ort gehen.

[00:22:12.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Täter gehen oft an den Tatort zurück.

[00:22:12.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine kriminelle Tat ist für den, der sie vollbringt auch ein Trauma, auch wenn er so tut
als ob es nicht so wäre.

[00:22:32.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Täter gehen oft an ihren Tatort zurück, wahrscheinlich auch um sich zu desensibilieren.

[00:22:38.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gelingt häufig nicht. Die Tat wird dadurch nicht gerechtfertigt, sie wird nicht
moralisch legitimiert.

[00:22:44.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Versuch der Verarbeitung.

[00:22:50.550] – Dr.med. Ursula Davatz
So findet oft den Täter, weil sie oft dorthin gehen, wo sie etwas moralisch inakzeptables
gemacht haben.

[00:23:12.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollen so ihr Trauma verarbeiten.

[00:23:12.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Traumatas können nicht nur Naturereignisse sein oder Flugzeugabstürze oder solche
Dinge.

[00:23:33.030] – Dr.med. Ursula Davatz

Traumatas entstehen nicht nur durch äussere, wahnsinnig stressige Ereignisse.
Traumatas könnte auch entstehen durch wiederholte psychische Kränkungen. Die
Kränkungen, die können von der Familie kommen, also von den Eltern.

[00:23:55.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand erzählte die Geschichte: wenn ich als Junge verrückt war, hat die Mutter immer
zu ihm gesagt: da ist ein kleine Welt verrückt.

[00:23:56.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war 50 Jahre später noch absolut präsent bei dieser Person.

[00:24:01.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist überhaupt nicht verarbeitet gewesen.

[00:24:13.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder können sehr verletzt werden durch ungeschickte, unsensible Verhaltensweisen
der Eltern.

[00:24:19.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand hat erzählt, dass er ein fröhliches Kind war, er ging am ersten Tag in die Schule
und die Lehrerin hat irgendetwas gesagt, das ihn total verletzt hat.

[00:24:26.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so tief stecken geblieben, der ist nie mehr gerne in die Schule gegangen. Er
hatte danach alle Mühe, etwas zu lernen. Das Trauma ist nicht verarbeitet gewesen.

[00:24:33.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erwachsenen merken oft gar nicht, wie sie Kinder verletzen.

[00:24:53.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder sind sehr sensible Wesen.

[00:24:58.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder mit ADHS/ADS sind oft noch speziell sensibel. Die Erwachsenen merken gar
nicht, wie sie diese Kinder verletzen.

[00:25:03.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt dann hervor, wenn man die Anamnese aufnimmt.

[00:25:17.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Leute darüber sprechen, sprechen sie darüber, als ob es gestern gewesen
wäre. So lebendig ist das noch im Kopf.

[00:25:20.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist da emotionale Gedächtnis vom emotionalen Gehirn, vom Hippocampus, wo
Energie absorbiert wird.

[00:25:34.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Menschen entwickeln dann oft verschiedene Strategien, Ausweichstrategien oder
Überdeckungsstrategien, dass man zum Beispiel dann in eine Sekte geht und das alles
zu überdecken versucht, aber verarbeitet ist es nicht.

[00:25:56.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo dann im Leben neue Sachen passieren, also sagen wir jetzt, man ist
von der Lehrerin so beleidigt worden.

[00:26:04.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, gerade heute habe ich wieder einen Fall gehört, wo die Lehrerin gesagt hat: du
stirbst so dumm, wie du geboren bist.

[00:26:10.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz schlimme Dinge, welche die Lehrer zum Teil noch rauslassen.

[00:26:11.290] – Dr.med. Ursula Davatz

Aus dir wird mal nichts. Und so weiter.

[00:26:17.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bleibt natürlich stecken.

[00:26:17.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wen so etwas in der Schule geschieht oder auch zu Hause, es könnte auch von einem
Geschwister sein, oder von Eltern, einem Vater oder einer Mutter, dann ist man bei
einem Chef und der sagt etwas, das an das rankommt, das ähnlich klingt, dann wird die
neue Retraumatisierung auf die alte drauf gelegt und dann gibt es noch ein stärkeres
Trauma.

[00:26:57.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Traumas können sich auch super positionieren und verstärken.

[00:27:04.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann denkt man: das ist ja nur so ein kleines Ereignis. Da hat jetzt einer nur gehustet
oder die Augen verdreht in irgendeiner Situation.

[00:27:13.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn hinten dran eben ein starkes Kindheitstrauma ist, dann ist das absolut schlimm.

[00:27:18.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher ist es wichtig, dass man dorthin zurück geht.

[00:27:19.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Traumatas können sich auch in psychosomatischen Sachen niederschlagen.

[00:27:29.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Auslösung geschieht, wenn eine Retraumatisierung passiert und man hat
keine Worte dafür, man kann es nicht ausdrücken, man merkt es selber gar nicht, dass
man retraumatisiert worden ist, dann geht die emotionale Energie, die da im limbische

System rumort, dann geht die in den Körper und dann gibt es irgendein körperliches
Symptom.

[00:27:55.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist dann schwierig herauszufinden, was dahinter steckt. Meistens wird dann nur das
körperliche Symptom behandelt, Symptombekämpfung, man geht nicht zurück zum
Trauma.

[00:28:10.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Es können Lähmungen auftreten und alles Mögliche.

[00:28:13.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychosomatiker versuchen herauszufinden, was dahinter steckt.

[00:28:19.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man an das Trauma herankommt, wenn man das Trauma verarbeiten kann, dann
geht auch die psychosomatische Störung weg.

[00:28:28.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Beispiel eine Lähmung oder eine Verkrampfung. Das hängt ganz eng zusammen.

[00:28:33.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hängt damit zusammen, dass das emotionale Hirn mit dem Reptilienhirn eng
verbunden ist und überschüssige Energie, Stress an das vegetativen Gehirn geht und
dann die psychosomatischen Störungen auftreten.

[00:28:51.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine weitere Methode ist natürlich, wenn man zu starkt auf den Traumatas herum reitet
und ständig von dem reden will und der Patient will eigentlich gar nicht oder hat es
vielleicht schon erfolgreich verdrängt, dann tut man es eher fixieren.

[00:29:11.590] – Dr.med. Ursula Davatz

So kann man die Traumatas eher verstärken.

[00:29:12.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Als das Flugzeug in Halifax abgestürzt ist, ist eine Schweizer Equipe angereist und
wollte Traumatherapie machen. Sie haben niemanden gefunden, denn die Leute wollten
das gar nicht.

[00:29:17.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Kindheitstraumatas, die kann man oft nicht während der Pubertät verarbeiten. Man
muss warten, bis die Persönlichkeit ein bisschen etabliert ist und erst dann können sie
die Traumatas anschauen.

[00:29:46.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das zu früh ständig aufnimmt, dann kann sich wie die Persönlichkeit nicht
richtig formieren.

[00:29:51.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil wird gesagt: warum haben sie mir das nicht schon damals gesagt?

[00:29:55.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss ich sagen: sie waren noch nicht bereit. Es war nicht der richtige Moment.
Zuerst muss man eine etablierte Persönlichkeit haben, damit man in die Traumatas
zurück gehen kann.

[00:30:07.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Traumatas, welche in der Pubertät oder in der Kindheit geschehen, die kann man oft
noch nicht in der Pubertät bearbeiten.

[00:30:12.570] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät muss sich die Persönlichkeit formieren und wenn man da zu stark an
den Traumatas herum macht, dann bildet sich die Persönlichkeit nicht richtig aus.

[00:30:28.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zuerst eine stabile Person haben, erst danach kann man das Trauma
behandeln.

[00:30:32.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen sind unterschiedlich.

[00:30:42.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Menschen können gut verdrängen und das funktioniert für die.

[00:30:47.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir dann gegen ihren Willen in den Traumas herum bohren möchte, dann ist man
keine Hilfe für diese Menschen.

[00:30:50.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer schauen, was es ist.

[00:30:55.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sexuelle Traumatas aus der Kindheit kommen oft erst sehr spät heraus.

[00:30:55.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst dann sind sie bereit, das zu verarbeiten.

[00:31:00.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wissen auch nie, was wir für eine moralische Haltung haben und haben immer
Angst davor, dass man sie verurteilt für das.

[00:31:05.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das passiert oft, wenn so etwas läuft macht man das Opfer dafür verantwortlich.

[00:31:32.780] – Dr.med. Ursula Davatz

Eine andere Methode: wenn sie Leute aus Kriegsgebieten haben, die traumatische
Dinge erlebt haben, können sie nicht ständig davon sprechen.

[00:31:33.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können diese Menschen durchaus validieren, ja ich kann mir vorstellen, dass das
schlimm gewesen ist. Pause. Jetzt sind sie hier und jetzt versuchen wir ihre Seele zu
heilen, indem wir gute Erlebnisse darüber decken. Indem sie diesen helfen, positive
Erlebnisse zu haben, Erfolgserlebnisse mit Arbeiten, usw.

[00:32:16.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Menschen zusammenzuarbeiten, eine sinnvolle Arbeit machen, über die Arbeit
sprechen, das kann durchaus die traumatischen Kriegserlebnisse in den Hintergrund
drängen und wieder ein neues Leben beginnen.

[00:32:23.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben an ihrem Arbeitsplatz nicht den Auftrag, Traumaverarbeitung zu machen.
Was wichtig ist, wenn jemand von seinen Traumatas erzählt, dass man nicht sagt: das
ist jetzt vorbei, schau endlich nach vorne. Zuerst validieren und dann weitergehen.

[00:32:38.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man es kurz validiert und dann weitergeht.

[00:32:58.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen nicht ständig davon sprechen.

[00:33:02.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Traumatas können auch dafür verwendet werden, dem Leben auszuweichen: ich kann
das nicht, weil ich traumatisiert bin. Das kann ich auch nicht und den ertrage ich nicht,
weil ich traumatisiert bin.

[00:33:16.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt gar nichts.

[00:33:17.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier muss man sagen: ic sehe, das ist schwierig gewesen für dich, ja ich sehe, das ist
traumatisch gewesen. Pause. Jetzt gehen wir weiter.

[00:33:26.180] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle ist die Arbeit sehr hilfreich.

[00:33:26.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Therapeuten haben die nicht. Ich kann mit den Leuten über andere Dinge sprechen,
damit ich nicht immer im Trauma stecken bleibe. Ich habe die konkrete Arbeit nicht.

[00:33:31.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben einen Vorteil, dass sie ganz konkret mit den Menschen etwas sinnvolles tun
können und so die traumatischen Erlebnisse mit etwas positivem überdecken.

[00:33:40.650] – Bemerkung 1
Bei uns hat ein neuer Flüchtling angefangen, er hat von seiner Heimat erzählt, er war
emotional überhaupt nicht bewegt. Mich hat das sehr irritiert.

[00:35:29.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat schon abgespalten, der hat getrennt zwischen seinem emotionalen Leben und
dem Intellektuellen.

[00:35:54.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum konnte er so erzählen. Das ist ein Selbstschutz.

[00:35:55.360] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Moment darf man nicht darauf herum reiten. Er schützt sich so vor dem, in dem
er so kalt davon erzählt.

[00:36:06.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Schizophrenen kann man das auch erleben. Die können auch völlig
emotionslos von etwas erzählen, völlig abgespalten.

[00:36:19.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Emotionen sind abgespalten vom intellektuellen Erzählen.

[00:36:25.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zeigt, er ist noch nicht reif um darüber zu sprechen. Das muss man so belassen.
Nicht aufregen, wenn das geht. Einfach weiter gehen.

[00:36:26.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt ist er bereit anders darüber zu erzählen.

[00:36:42.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Therapeuten machen dort auch Fehler, dass sie in die Emotionen reingehen möchten.
Das darf man nicht. Das ist sein eigener Selbstschutz.

[00:36:56.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Er kann nur über diesen Selbstschutz überleben.

[00:36:57.740] – Bemerkung 1
Wie unterscheidet man diesen Moment mit dem Moment wo jemand sein Trauma
wirklich verarbeitet hat und die Person ohne grosse Emotionen darüber erzählen kann?

[00:37:14.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist noch schwierig. Als Psychiaterin habe natürlich relativ viel Erfahrung im so den
Menschen zu lesen.

[00:37:35.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sich nur auf ihr Gefühl verlassen.

[00:37:36.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben das alle, das habe nicht nur ich.

[00:37:41.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können heraus spüren, hat der das jetzt verarbeitet oder verdrängt er es nur?

[00:37:46.010] – Dr.med. Ursula Davatz
In der therapeutischen Sprache redet man von: intellektualisieren.

[00:37:56.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Männer tun emotionale Dinge Intellektualisieren. Die Männer tun so als ob es
ihnen gar nichts ausmacht. Es kommt dann an einem anderen Ort raus, dass sie
traumatisiert sind.

[00:38:11.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen können eher emotional darüber berichten. Die Männer haben die Tendenz
abzuspalten.

[00:38:19.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat die männlichen und weiblichen Gehirne bei Mäusen und Ratten untersucht.
Das weibliche Gehirn hat unter Stress mehr Vernetzungen gemacht. Das weibliche
Gehirn sucht nach Lösungen. Das männliche Gehirn macht unter Stress eine Autobahn.
Das ist das Intellektualisieren und Verdrängen.

[00:38:47.434] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.cell.com/cell-reports/fulltext/S2211-1247(23)00885-9

[00:38:48.010] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Politik können sie sehr gut beobachten, wie die männlichen Gehirne gerade in die
Wand reinfahren, mit Scheuklappen auf etwas losgehen, es muss doch gehen, ich
muss doch gewinnen, ich muss Recht haben.

[00:39:09.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat dieser Flüchtling gemacht.

[00:39:10.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Unterscheiden, ob der es jetzt verarbeitet hat oder nur verdrängt, das können sie nur
über ihr Gespür machen. Sie können sich auf ihr Gespür verlassen.

[00:39:17.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sich dann selber fragen, sie können auch mit jemand anderem sprechen:
was hast du für ein Gefühl? Hat der das jetzt verarbeitet oder verdrängt er nur?

[00:39:21.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn verdrängt wird, dann belügt man sich selbst.

[00:39:30.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man lügt, wird der Mensch ein wenig steifer in der Gestik, in der Mimik usw. Das
ist der Lügendetektor.

[00:39:30.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch belügt sich selber. Der sagt: das hat mir gar nichts gemacht. Das stimmt
nicht.

[00:39:52.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sich auf sich selber verlassen, sie spüren das schon.

[00:39:56.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können jemand anderes fragen: was findest du zu dem? So kann man sich
austauschen. Ah nein, ich denke nicht.

[00:39:56.310] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man die Leute am Fernseher beobachtet, kann man auch sehen: lügt jetzt der?
Spricht er ehrlich.

[00:39:56.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Personen die Lügen, sind schematisch, gerade in die Wand.

[00:40:39.710] – Bemerkung 2
Was sage ich am besten, wenn Personen sich in die Therapie begeben und dann
sagen, dass sie mit dem Therapeuten gar nicht zufrieden sind, der hört nur zu und gibt
keinen Rat.

[00:40:56.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Idee von der analytischen Therapie.

[00:41:12.120] – Dr.med. Ursula Davatz
So viele Leute sind noch analytisch ausgebildet.

[00:41:16.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die analytische Therapie ist von Sigmund Freud entwickelt worden.

[00:41:19.652] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud

[00:41:19.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wollte das als wissenschaftliche Methode, um herauszufinden: was bewegt da die
Seele? Was ist los? Etc.

[00:41:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wollte möglichst nicht stören, damit er die ganze Geschichte in Reinkultur bekommt.

[00:41:32.980] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist eine Illusion.

[00:41:37.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Patienten haben das gar nicht gern. Die wollen eine Interaktion.

[00:41:45.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man stört den Patienten auch mit nur ruhig sein und nur zuhören. Das ist absolut
unnatürlich.

[00:41:57.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde dem Patienten sagen: fragen sie ihren Therapeuten, ob er analytisch
ausgebildet ist. Gehen wir gleich auf die Sache ein.

[00:41:57.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll dem Therapeuten sagen, wenn es einem als Patient stresst, er hat das nicht
gerne, er erwartet eine Reaktion vom Therapeuten, sonst kann man sich als Patient
nicht orientieren.

[00:42:17.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss dem Therapeuten zurück füttern was man nicht mag.

[00:42:20.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil der Freud das so gemacht hat, aus wissenschaftlichen Vorstellungen, heisst das
nicht, dass die Therapeuten sich so benehmen müssen.

[00:42:26.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Klage von vielen Patienten.

[00:42:30.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde immer fragen: haben sie eine analytische Ausbildung? Ich habe es nicht
gerne. Ich möchte ein Gegenüber. Ich möchte jemanden, der mich auch ein wenig
etwas sagt.

[00:42:30.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Therapeuten haben oft Angst, sie würden dann den Patienten zu fest beeinflussen.

[00:42:48.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Patient soll sagen, wenn es ihm nicht passt, damit es eine lebendig Interaktion gibt
und nicht nur so ein vorgeführt werden.

[00:42:49.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen sie ihren Therapeuten, ob er analytisch ausgerichtet ist.

[00:42:58.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Therapeuten meinen dann, dass sie es falsch machen, wenn sie eine Meinung
äussern. Sie haben Angst, dass sie den Patienten zu stark beeinflussen.

[00:43:15.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man beeinflusst den Patienten auch mit Schweigen. Man frustriert den Patienten mit
Schweigen. Das ist eine schlimme Beeinflussung.

[00:43:27.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Seien sie frech und erwähnen sie das.

[00:43:34.760] – Bemerkung 3
Ich fand es sehr interessant, wie sie zuerst vom Traum gesprochen haben.

[00:43:38.960] – Bemerkung 3
Eine Frau hat davon geträumt, dass ihr Vater sie geschlagen hat. Sie ist 35 Jahre alt.
Das ist immer noch ein Thema. Sie nimmt deshalb auch viele Medikamente.

[00:44:00.090] – Bemerkung 3

Die Frau hat wieder einen Termin bei der Psychiaterin. Sie erwähnt es gegenüber ihrer
Psychiaterin.

[00:44:00.470] – Bemerkung 3
Ich muss dann mit der Psychiaterin darüber sprechen.

[00:44:06.520] – Bemerkung 3
Seit 10 Jahren kommt das jeden Monat wieder.

[00:44:21.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Trauma, welches nicht verarbeitet wurde.

[00:44:35.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen sie die Frau: würden sie sich getrauen dem Vater das mal zu sagen?

[00:44:45.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Offensichtlich ist die Frau traumatisiert.

[00:44:45.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In meiner Therapie würde ich sagen: sprechen sie mal in Ruhe mit dem Vater. Du Vater,
ich möchte mal über etwas sprechen.

[00:44:45.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Weisst du noch, als ich das und das gemacht habe, da hast du mich geschlagen. Das
ist mir immer noch in Erinnerung.

[00:45:10.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem weiss es der Vater gar nicht mehr oder er leugnet es, er hat es verdrängt.

[00:45:22.780] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann ist es wichtig zu sagen: ich möchte dich nicht anklagen. Ich möchte dir sagen,
dass mich das immer noch beschäftigt.

[00:45:40.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Hintendran kommt noch: was wolltest du dort bei mir bewirken? Mit was bin ich dir auf
die Nerven gegangen? Mit was habe ich Deinen väterlichen Stolz gereizt?

[00:45:40.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht heisst es: ich habe Angst, ich kann das nicht. Versuchen sie es trotzdem mal.

[00:45:51.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Falls sie die Frau wieder sehen, fragen sie diesen: hast du jetzt einmal mit deinem Vater
gesprochen?

[00:45:56.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon zehn Jahre und es kommt immer wieder. Das zeigt, dass es ein Trauma ist,
welches nicht verarbeitet wurde.

[00:46:04.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine prinzipielle Methode, dass man zurückgeht zu denen, die einem
traumatisiert haben, dass man die konfrontiert mit den eigenen Gefühlen.

[00:46:23.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand von einem Vorgesetzten traumatisiert wurde, zum Beispiel durch eine
Bemerkung oder durch eine Handlung, dann habe ich auch immer die Betroffenen
versucht dazu zu bringen, dass er nochmals mit dem Vorgesetzten darüber sprechen
darf.

[00:46:51.400] – Bemerkung 4
Ich würde ihr sagen, dass sie den Vater mal zum Psychiater mitnehmen sollte.

[00:46:51.540] – Bemerkung 4

Die Konfrontation nur zu zweit würde wohl nicht gut gehen.

[00:47:02.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können sie den Vater mal zum Psychiater mitnehmen. Dann soll sie dem
Psychiater sagen: ich möchte gerne mit meinem Vater einmal darüber sprechen. Darf
ich meinen Vater einmal mitbringen?

[00:47:12.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Können wir dann miteinander zusammen darüber sprechen? So hilft ihr dann der
Psychiater. So können sie sie dazu animieren.

[00:47:30.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie darf dem Vater nicht sagen, warum sie möchte, dass er mitkommt.

[00:47:34.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie darf nur sagen: ich möchte, dass du einmal mitkommst. Sie kann zum Beispiel
sagen: damit du meinen Psychiater kennen lernst.

[00:47:38.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kann den Psychiater zuerst fragen ob er bereit ist, das zu tun.

[00:47:48.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kann den Psychiater auch fragen, ob er bereit wäre ihren Vater kennenzulernen.

[00:47:53.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wollen sie mal meinen Vater kennen lernen? So behält man es auf der oberflächlichen,
höflichen Ebene. Dann nimmt sie den Vater mit.

[00:48:00.010] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann auch der Psychiater lernen.

[00:48:04.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Und ich bin halt familientherapeutisch ausgebildet. Von daher gehe ich immer zurück
ins System, aber die meisten sind nicht familientherapeutisch ausgebildet. Die bleiben
nur beim Individuum und dann geht das Trauma nie weg.

[00:48:26.730] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man davon sprechen darf, was ihr Trauma verursacht hat: if you name it, you
tame it. In Anwesenheit vom Vater.

[00:48:38.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht darum, den Vater zu verurteilen. Es geht nur darum, für sich selber
einzustehen.

[00:48:38.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen sie sich das?

[00:48:42.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wette, wenn sie das tun, dass das dann im Traum besser wird.

[00:48:53.910] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Träumen sieht man dann, wie es sich verändert hat.

[00:49:03.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Seit zehn Jahren träumt sie davon.

[00:49:10.720] – Bemerkung 5
Oder schon länger. Ich kenne sie schon zehn Jahre lang.

[00:49:25.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen sie sich ihr das mal zu sagen? Sie können gar nichts falsch machen.

[00:49:25.120] – Bemerkung 5
Ich versuche es Mal.

[00:49:25.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon nur die Idee, dass sie auf die Idee kommen, dass sie mit dem Vater darüber
sprechen könnte, in Anwesenheit vom Therapeuten, das bearbeitet das Ganze schon.

[00:49:51.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Traum zeigt, dass sie es bisher nicht verarbeitet hat.

[00:49:58.000] – Bemerkung 6
Ist ADHS/ADS eine Folge von posttraumatischen Belastungsstörungen?

[00:50:10.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein!

[00:50:13.500] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist genetisch vererbt. Das ist nie eine Folge von posttraumatischen
Belastungsstörungen.

[00:50:20.050] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler werden mehr traumatisiert, weil sie so anders sind. Sie laufen rein,
werden kritisiert. ADHS/ADSler haben mehr Traumatas.

[00:50:38.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil eine Person mehr ADHS/ADS hat, kann sie mehr traumatisiert werden.

[00:50:46.710] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS läuft in Familien.

[00:50:48.680] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn das Kind die ADHS/ADS Diagnose bekommt, schauen sich die Eltern an und
sagen: dann habe ich es ja auch. Das stimmt.

[00:50:53.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt irgendwo her.

[00:50:56.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Man schaut ADHS/ADS immer noch als psychiatrische Störung an.

[00:51:08.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist keine psychiatrische Störung, es ist ein genetisch vererbter Neurotyp, der ein
bisschen sensibler ist, der vulnerabler ist.

[00:51:17.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse kommen durch das Leben ohne, dass man etwas bemerkt.

[00:51:20.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn etwas Traumatisches kommt, dann kommt das auf einmal hervor.

[00:51:20.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS ist immer zuerst. Das ist ganz klar für mich.

[00:51:40.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie schaut das ADHS/ADS immer noch als Diagnose an. Darum sagen die
Experten es ist das oder das, was ist zuerst, usw. Dann wird gross argumentiert.

[00:51:47.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist es absolut klar. Der hintergrund ist das ADHS/ADS, welches leichter
traumatisiert wird.

[00:51:59.330] – Dr.med. Ursula Davatz

In dem man das ADHS/ADS versteht, wie das traumatisiert wird, kann man dann auch
das Trauma vielleicht ein bisschen besser verstehen und ein bisschen besser
verarbeiten.

[00:52:11.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wird nicht über ein Trauma zum ADHS/ADSler.

[00:52:12.750] – Bemerkung 6
Danke!

[00:52:20.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Gern geschehen.

[00:52:22.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben die Zeit erreicht.

[00:52:41.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke für das Mitmachen.

[00:52:45.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wünsche einen schönen Sommer!