Konkrete Beispiele für den Einfluss des sozialen Umfelds

Dr.med. Davatz erläutert den Einfluss des sozialen Umfelds auf die Entwicklung von ADHS/ADS-Menschen anhand folgender Punkte:

1. Bedeutung der Unterstützung in der Pubertät:

  • In der Pubertät findet das Synaptic Pruning statt, ein Prozess, bei dem neuronale Verbindungen im Gehirn neu organisiert werden.
  • ADHS/ADS-Betroffene sind in dieser Phase besonders anfällig für Störungen durch ihr Umfeld.
  • Erhalten sie keine Unterstützung bei der Fokusfindung und werden sie stark abgelenkt, kann die Persönlichkeitsentwicklung negativ beeinflusst werden und es kann zu Folgekrankheiten kommen.

2. Einfluss der Erziehung:

  • Dr. Davatz betont, dass herkömmliche Erziehungsmethoden mit Belohnung und Bestrafung bei ADHS/ADS-Kindern nicht funktionieren.
  • Sie plädiert für einen persönlichkeitsgerechten Umgang, der auf Kooperation und Führung basiert.
  • Bestrafung führt lediglich zu Resistenz, Abwehr und Aggression.
  • Durch Unwissenheit im Umgang mit ADHS/ADS im familiären und schulischen Umfeld werden Folgekrankheiten mitverursacht.

3. Beispiel eines Kindes, das zwei Jahre nicht zur Schule ging:

  • Dr. Davatz erzählt von einem Kind, das vermutlich ADHS/ADS hatte und zwei Jahre lang nicht die Schule besuchte, weil es dort nicht zurechtkam.
  • Nach zwei Jahren fand das Kind eigenmotiviert ein Online-Schulprogramm und begann, selbstständig zu lernen.
  • Die Geduld der Eltern und die Möglichkeit, dem Kind Zeit und Raum für die eigene Entwicklung zu geben, haben sich ausgezahlt.

4. Bedeutung des sozialen Umfelds für die psychische Gesundheit:

  • Dr. Davatz kritisiert, dass in der Medizin und Psychiatrie oft vergessen wird, dass der Mensch ein soziales Wesen ist.
  • Die psychische Gesundheit hängt stark von der Interaktion mit dem sozialen Umfeld ab.
  • Als Familientherapeutin versucht sie, durch Veränderung des Umfelds positiv auf den Patienten einzuwirken.

Zusammenfassend zeigt Dr. Davatz auf, dass das soziale Umfeld einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung von ADHS/ADS-Menschen hat. Besonders in der Pubertät ist eine unterstützende Umgebung wichtig, die den Jugendlichen hilft, ihren Fokus zu finden und eine stabile Persönlichkeit zu entwickeln. Falsche Erziehungsmethoden und ein mangelndes Verständnis für die Bedürfnisse von ADHS/ADS-Betroffenen können die Entstehung von Folgekrankheiten begünstigen.

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