Drei Suchtarten ohne Suchtmittel

Die Quellen beschreiben verschiedene Arten von Sucht, die nicht an den Konsum von Suchtmitteln gebunden sind. Diese Verhaltenssüchte aktivieren ebenfalls das Belohnungssystem und können zu ähnlichen Abhängigkeiten führen wie substanzgebundene Süchte. Hier sind drei Beispiele für Suchtarten ohne Suchtmittel, die in den Quellen genannt werden:

  • Arbeitssucht: Diese Sucht bezieht sich auf ein exzessives Engagement in der Arbeit, das über das normale Mass hinausgeht. Betroffene sind oft getrieben von einem inneren Zwang, ständig arbeiten zu müssen, und vernachlässigen dabei andere wichtige Lebensbereiche. Die Arbeit wird zum zentralen Inhalt ihres Lebens, wobei Erholung und soziale Beziehungen zu kurz kommen. Die Quellen beschreiben, dass auch Eltern von Kindern „arbeitssüchtig“ sein können. Dies führt dazu, dass die Kinder zu wenig Aufmerksamkeit und Zeit bekommen.
    • Konfliktvermeidung: Arbeitssucht kann auch als Flucht vor Problemen im privaten Umfeld dienen.
  • Kaufsucht: Bei der Kaufsucht handelt es sich um einen unwiderstehlichen Drang zu kaufen, auch wenn die gekauften Gegenstände nicht benötigt werden. Das Kaufen selbst löst ein kurzfristiges Gefühl der Befriedigung aus, das jedoch schnell wieder abklingt und zu wiederholtem Kaufverhalten führt. Diese Sucht kann zu finanziellen Problemen und sozialer Isolation führen.
  • Esssucht: Diese Sucht umfasst verschiedene Formen von gestörtem Essverhalten, wie z.B. Essattacken oder die ständige Beschäftigung mit Essen. Sie kann verschiedene Ursachen haben, wie z.B. emotionale Belastungen oder Stress. Die Esssucht ist durch einen Verlust der Kontrolle über das Essverhalten gekennzeichnet und kann zu gesundheitlichen Problemen wie Übergewicht führen. Die Quellen beschreiben ausserdem auch Magersucht und Bulimie als Suchterkrankungen, die sich häufig in der Pubertät entwickeln.

Zusätzlich zu diesen drei Suchtarten werden in den Quellen noch weitere Beispiele genannt, wie z.B.:

  • Nachrichtensucht
  • Sexsucht
  • Spielsucht
  • Jogging-Sucht
  • Bergsteig-Sucht
  • Velofahr-Sucht
  • Fernsehsucht
  • Streitsucht

Es ist wichtig zu betonen, dass all diese Verhaltensweisen, wenn sie exzessiv ausgeübt werden, zu einer Sucht ausarten können, die das Leben der Betroffenen negativ beeinflusst. Die Quellen weisen auch darauf hin, dass diese Verhaltenssüchte ebenfalls als Flucht- oder Ausweichverhalten eingesetzt werden können. Diese Verhaltensweisen dienen dann als Ersatz für natürliche Befriedigungen, und das Belohnungssystem wird auf ungesunde Weise aktiviert, so dass es zur Sucht führen kann.

Auszug aus dem Buch

Emotionsregulation: Die Rolle des Gehirns und der Einfluss von Suchtmitteln

Die Ausführungen von Dr. med. Ursula Davatz im Interview beleuchten die Bedeutung der Emotionsregulation und den Einfluss von Suchtmitteln auf diesen Prozess. Sie erklärt, dass Suchtmittel als chemische Substanzen zur Emotionsregulation eingesetzt werden. Sie dienen als schnelle Problemlöser, um negative Emotionen zu unterdrücken und ein Gefühl der Beruhigung zu erzeugen.

Das emotionale Gehirn spielt eine zentrale Rolle in diesem Prozess. Es verarbeitet Einflüsse aus der Umgebung und löst daraufhin Handlungen oder Denkprozesse aus. Wenn keine Lösung für eine Situation gefunden wird, führt dies zu Stress und negativen Emotionen, die wiederum den Griff zu Suchtmitteln begünstigen.

Suchtmittel greifen im emotionalen Gehirn ein und erzeugen dort ein euphorisches Gefühl, das die negativen Emotionen überdeckt. Dieser Mechanismus führt jedoch dazu, dass Betroffene nicht lernen, mit ihren Emotionen auf gesunde Weise umzugehen. Stattdessen werden die negativen Gefühle in der Sucht-Substanz „ertränkt“.

Dr. med. Ursula Davatz betont, dass die Emotionsregulation durch Suchtmittel ein unnatürliches Gleichgewicht herstellt. Die Betroffenen lernen nicht, ihre Emotionen zu reflektieren und konstruktive Lösungen für ihre Probleme zu finden. Dies führt zu einem Teufelskreis, in dem die Abhängigkeit von den Suchtmitteln immer stärker wird.

Der Schlüssel zur Überwindung von Suchtverhalten liegt in der Entwicklung gesunder Emotionsregulationsstrategien. Betroffene müssen lernen, ihre Emotionen wahrzunehmen, zu verstehen und auf angemessene Weise auszudrücken.

Dr. med. Ursula Davatz plädiert dafür, das soziale Umfeld in den Prozess der Emotionsregulation einzubeziehen. Durch offene und wertschätzende Kommunikation können Betroffene lernen, ihre Emotionen zu reflektieren und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

https://ganglion.ch/pdf/Substanzmissbrauch%20und%20Umgang%20am%20Arbeitsplatz.m4a.pdf