Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, betonen, dass hochsensible Menschen besonders empfindlich auf Ungerechtigkeiten reagieren. Dies liegt daran, dass sie nicht nur eine erhöhte emotionale Wahrnehmung haben, sondern auch eine stärkere Gerechtigkeitswahrnehmung. Sie reagieren nicht nur auf Ungerechtigkeiten, die ihnen selbst widerfahren, sondern auch auf Ungerechtigkeiten, die anderen zugefügt werden, wenn also „das soziale Netz nicht gerecht funktioniert“.
Dr.med. Ursula Davatz illustriert dies anhand eines Beispiels eines Jungen, der zuvor sehr kommunikativ war, aber nach einer Erfahrung von Ungerechtigkeit in der Schule in einen autistischen Zustand verfiel und jahrelang nicht mehr sprach. Die Ungerechtigkeit, für etwas verantwortlich gemacht zu werden, das er nicht kontrollieren konnte, überforderte ihn so sehr, dass er sich in sich selbst zurückzog. Dieses Beispiel zeigt, wie tiefgreifend die Auswirkungen von Ungerechtigkeit auf hochsensible Menschen sein können.
Die erhöhte Sensibilität gegenüber Ungerechtigkeit kann sich in verschiedenen Reaktionen äussern:
- Rückzug: Hochsensible Menschen können sich zurückziehen, um sich vor weiterer Ungerechtigkeit zu schützen.
- Aggression: Wenn der Rückzug nicht möglich ist, können sie auch aggressiv reagieren.
- System Overload: Die Überforderung durch die wahrgenommene Ungerechtigkeit kann zu einem System Overload führen, der sich in verschiedenen Symptomen wie z.B. Rückzug, Aggression oder auch körperlichen Beschwerden äussern kann.
Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Reaktionen keine bewusste Wahl sind, sondern eine Folge der Überlastung durch die intensive Wahrnehmung der Ungerechtigkeit.
Im Umgang mit hochsensiblen Menschen ist es daher besonders wichtig:
- auf Gerechtigkeit zu achten
- sie vor Ungerechtigkeiten zu schützen
- ihre Reaktionen auf Ungerechtigkeit zu verstehen
- ihnen bei der Verarbeitung von Ungerechtigkeit zu helfen.
Dies kann durch offene Kommunikation, Empathie und die Bereitschaft, die Perspektive des hochsensiblen Menschen einzunehmen, erreicht werden.
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