Evolutionsbiologische Vorteile von ADHS/ADS

Dr.med. Ursula Davatz erwähnt einen möglichen evolutionsbiologischen Vorteil des Neurotyps, insbesondere im Kontext des Mittelmeerraums.

Breite Aufmerksamkeit als Vorteil im Handel:

  • Dr.med. Ursula Davatz argumentiert, dass die „breite Aufmerksamkeit“, ein Merkmal von ADHS/ADS, in der Vergangenheit im Mittelmeerraum, einem historischen Handelsraum, von Vorteil gewesen sein könnte.
  • Auf Märkten sei es wichtig, alles wahrzunehmen, zu verhandeln und schnell auf Veränderungen zu reagieren.
  • Die Fähigkeit, viele Reize gleichzeitig zu verarbeiten und schnell Entscheidungen zu treffen, könnte ADHS/ADSlern in solchen Umgebungen einen Wettbewerbsvorteil verschafft haben.

Weitere mögliche evolutionäre Vorteile:

  • Es ist denkbar, dass die Hyperaktivität von ADHSlern in früheren Jäger-und-Sammler-Gesellschaften von Vorteil war. Sie könnten effektivere Jäger oder Sammler gewesen sein, da sie mehr Energie und ein grösseres Bewegungsbedürfnis hatten.
  • Die Impulsivität von ADHS/ADSlern könnte in gefährlichen Situationen zu schnellen Reaktionen geführt haben, die das Überleben sicherten.

https://ganglion.ch/pdf/nebelspalterinnen_ADHS_ADS_23.9.2024.mp3.pdf

Vor- und Nachteile von Ritalin bei Kindern mit ADHS/ADS gemäss Dr.med. Ursula Davatz

Sie erwähnt, dass Ritalin und ähnliche Stimulanzien eingesetzt werden, um die Fokussierung von Menschen mit ADHS zu verbessern, da diese aufgrund ihrer „breiten Aufmerksamkeit“ Schwierigkeiten haben, sich auf einen bestimmten Reiz zu konzentrieren.

Möglicher Vorteil von Ritalin:

  • Verbesserte Fokussierung im schulischen Alltag: Ritalin kann ADHS-Kindern helfen, sich im Unterricht besser zu konzentrieren und dem Lehrer zuzuhören. Dies kann zu besseren schulischen Leistungen führen.

Mögliche Nachteile von Ritalin:

  • Verlust von Kreativität und Selbstgefühl: Dr. Davatz erwähnt, dass viele Menschen, die Ritalin einnehmen, berichten, dass sie sich weniger kreativ fühlen und sich selbst nicht mehr so gut spüren. Dies könnte darauf hindeuten, dass Ritalin die natürliche Persönlichkeit und das emotionale Erleben der Kinder beeinflusst.
  • Symptombekämpfung statt Ursachenbehandlung: Dr. Davatz kritisiert das medizinische Modell der Psychiatrie, das sich darauf konzentriert, Symptome mit Medikamenten zu bekämpfen, anstatt die Ursachen der psychischen Erkrankungen zu erforschen und zu behandeln. Sie plädiert für einen ganzheitlichen Ansatz, der die biologische, psychologische und soziale Dimension der Kinder berücksichtigt.
  • Gewöhnungseffekt und Suchtgefahr: Obwohl Dr. Davatz die Suchtgefahr von Ritalin nicht explizit erwähnt, weist sie darauf hin, dass die Einnahme von Medikamenten zur schnellen Problemlösung führt und die Eigenaktivität zur Problemlösung behindert. Sie befürchtet, dass Kinder durch die Einnahme von Medikamenten lernen, ihre Probleme mit „Krücken“ zu lösen, anstatt eigene Strategien zur Bewältigung zu entwickeln.

Dr.med. Ursula Davatz‘ allgemeine Haltung gegenüber Medikamenten:

  • Kritische Sicht auf den Einsatz von Medikamenten: Dr. Davatz betont, dass Medikamente nur eine Symptombekämpfung darstellen und nicht die Ursachen psychischer Erkrankungen beheben.
  • Bevorzugung von Problemlösungsstrategien: Sie plädiert dafür, Kindern bei der Entwicklung von Problemlösungsstrategien zu helfen, anstatt ihre Symptome mit Medikamenten zu unterdrücken.
  • Berücksichtigung der individuellen Situation: Dr. Davatz räumt ein, dass die Entscheidung für oder gegen Medikamente von der individuellen Situation des Kindes abhängt. Sie betont, dass es kein allgemeingültiges Rezept gibt und dass die Eltern die Vor- und Nachteile von Medikamenten sorgfältig abwägen sollten.

https://ganglion.ch/pdf/shelter_schweiz_1+2.pdf