Dr. med. Ursula Davatz beschreibt die Wahrnehmung hochsensibler Menschen als intensiver und detaillierter im Vergleich zu der von „Durchschnittswahrnehmern“. Sie betont, dass diese intensive Wahrnehmung alle Sinne betrifft, einschliesslich des Geschmackssinns, Geruchssinns und der emotionalen Wahrnehmung. Hochsensible Menschen nehmen also nicht nur ihre physische Umgebung intensiver wahr, sondern auch die emotionalen Stimmungen um sie herum.
Besonderheiten der Wahrnehmung:
- Detailgenauigkeit: Hochsensible Menschen nehmen oft Details wahr, die anderen entgehen, da ihr Gehirn Informationen nicht so schnell verarbeitet und Details nicht so schnell ausblendet.
- Emotionale Sensibilität: Sie sind empfindlicher gegenüber Ungerechtigkeiten und reagieren stärker auf emotionale Spannungen in ihrem Umfeld.
- System-Overload: Die intensive Wahrnehmung führt schneller zu Überforderung (System-Overload), was sich in Rückzug, Aggression oder sogar autistischen Zuständen äussern kann.
- Überempathie: Dr. Davatz widerspricht der Annahme, dass Autisten keine Empathie haben. Sie argumentiert, dass sie im Gegenteil überempathisch sind, aber durch den System-Overload gezwungen sind, sich abzuschirmen und ihre Empathie zu „blockieren“.
Auswirkungen auf das Umfeld:
Die besondere Wahrnehmung Hochsensibler führt oft zu Missverständnissen im Umfeld.
- Mangelndes Verständnis: Wenn sich hochsensible Menschen zurückziehen oder unerwartet reagieren, fühlen sich andere oft nicht verstanden und reagieren mit Verstärkung ihrer Reize („Overkill“), was den System-Overload weiter verstärkt.
- Fehlinterpretationen: Das Umfeld interpretiert das Verhalten oft falsch und schreibt es mangelnder Empathie, Desinteresse oder Sturheit zu.
- Beziehungsabbrüche: Die wiederholten Missverständnisse und die damit verbundenen Frustrationen können zu Beziehungsabbrüchen führen.
Fazit:
Dr.med. Ursula Davatz plädiert für ein besseres Verständnis der besonderen Wahrnehmungsweise hochsensibler Menschen. Sie betont, dass es wichtig ist, diese nicht zu pathologisieren oder zu versuchen, sie an die Norm anzupassen. Stattdessen sollten ihre Bedürfnisse respektiert und ihnen ein Umfeld geboten werden, in dem sie sich sicher fühlen und ihre Stärken entfalten können.
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