Dr.med. Ursula Davatz bezeichnet das Hormon Oxytocin als „Kuschelhormon“. Sie erklärt, dass dieses Hormon eine entscheidende Rolle in der Regulation von Beziehungen spielt und dass es auch als schmerzstillendes Mittel eingesetzt wird. Die schmerzstillende Wirkung von Oxytocin verdeutlicht laut Dr.med. Ursula Davatz die Fähigkeit des Hormons, Beziehungen zu regulieren, da Schmerz weniger stark empfunden wird, wenn eine gute Beziehung besteht.
Oxytocin und die Mutter-Kind-Interaktion:
Dr. Davatz bezieht sich auf die Forschungsergebnisse einer israelischen Neuropsychologin, die die neuronalen Netzwerke im Gehirn untersucht hat, die bei der Interaktion zwischen Mutter und Kind aktiviert werden. Die Studien zeigen, dass positive Interaktionen, wie z.B. Blickkontakt und Reaktion der Mutter auf die Bedürfnisse des Kindes, zur Aktivierung von sozialen Netzwerken im Gehirn führen und sowohl die Mutter als auch das Kind zufriedener stimmen. Diese positiven Interaktionen fördern die Entwicklung des Kindes. Umgekehrt werden bei weniger positiven Interaktionen, z.B. wenn die Mutter abwesend ist oder während der Interaktion mit dem Kind auf ihr Handy schaut, weniger soziale Netzwerke im Gehirn aktiviert.
Oxytocin und die soziale Vererbung:
Dr. Davatz betont, dass Oxytocin nicht nur in der Mutter-Kind-Beziehung, sondern auch in Partnerschaften eine Rolle spielt und dass die Aktivierung von sozialen Netzwerken im Gehirn auch bei Verliebtheit zu beobachten ist. Sie vergleicht die Weitergabe von erlernten Verhaltensmustern in der Familie mit der genetischen Vererbung und nennt dies „soziale Vererbung“. Positive Verhaltensmuster werden als Traditionen weitergegeben, z.B. wenn Kinder das Handwerk von ihren Eltern lernen. Negative Verhaltensmuster werden ebenfalls weitergegeben, z.B. wenn der Vater in der Familie immer schreit, um seinen Willen durchzusetzen. Laut der israelischen Neuropsychologin, auf die sich Dr. Davatz bezieht, werden diese erlernten Verhaltensmuster im Gehirn gespeichert und weitergegeben.
Zusammenfassend:
Dr. Davatz bezeichnet Oxytocin als „Kuschelhormon“, weil es eine zentrale Rolle in der Regulation von Beziehungen spielt, insbesondere in der Mutter-Kind-Beziehung. Oxytocin wird bei positiven Interaktionen zwischen Mutter und Kind ausgeschüttet und führt zur Aktivierung von sozialen Netzwerken im Gehirn, was sowohl die Mutter als auch das Kind zufriedener macht und die Entwicklung des Kindes positiv beeinflusst. Die Weitergabe von erlernten Verhaltensmustern in der Familie, die durch Oxytocin beeinflusst wird, bezeichnet Dr. Davatz als „soziale Vererbung“.