Der Vortrag von Dr.med. Ursula Davatz beleuchtet die komplexen Auswirkungen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) auf die Mutter-Kind-Beziehung.

Instabile und inkonstante Beziehungen:

  • BPS-Patientinnen neigen dazu, instabile und inkonstante Beziehungen zu führen, was sich auch auf die Beziehung zu ihren Kindern auswirken kann.
  • Sie können ihr Kind in einem Moment übermässig idealisieren („du bist mein Alles“) und im nächsten Moment abstossen („fahr ab, ich kann dich nicht gebrauchen!“).
  • Diese unvorhersehbaren Verhaltensweisen können für das Kind verwirrend und emotional belastend sein.

Übertragung von Unruhe und Ängstlichkeit:

  • Die emotionale Instabilität und Ängstlichkeit, die für BPS typisch sind, können auf das Kind übertragen werden.
  • Eine ängstliche Mutter kann ihre Ängste unbewusst an das Kind weitergeben, was zu einer unsicheren Bindung und emotionalen Problemen beim Kind führen kann.

Schwierigkeiten beim Loslassen:

  • Mütter mit BPS können Schwierigkeiten beim Loslassen haben und versuchen, ihr Kind übermässig zu kontrollieren.
  • Dies kann die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen und zu Konflikten in der Pubertät führen.

Negative Einflüsse der eigenen Mutter:

  • Oftmals haben Mütter mit BPS selbst eine schwierige Beziehung zu ihrer eigenen Mutter erlebt.
  • Sie versuchen möglicherweise, der eigenen Mutter zu gefallen, indem sie das eigene Temperament unterdrücken und ihre Tochter in ähnlicher Weise einschränken.
  • Dies kann zu einem negativen Kreislauf führen, der über Generationen hinweg weitergegeben wird.

Bedürfnis nach Unterstützung und Stabilität:

  • Mütter mit BPS benötigen Unterstützung und Stabilität von ihrem Umfeld, um eine gesunde Beziehung zu ihrem Kind aufbauen zu können.
  • Dazu gehören professionelle Hilfe durch Therapeuten, aber auch Unterstützung durch Familie und Freunde.
  • Eine stabile Bezugsperson, die ruhig und verständnisvoll reagiert, kann der Mutter helfen, ihre Emotionen zu regulieren und sicherer im Umgang mit ihrem Kind zu werden.

Positive Entwicklungsmöglichkeiten:

  • Es ist wichtig zu betonen, dass eine BPS nicht automatisch zu einer gestörten Mutter-Kind-Beziehung führen muss.
  • Mit professioneller Unterstützung und einem stabilen Umfeld können Mütter mit BPS lernen, ihre Erkrankung zu bewältigen und eine liebevolle und sichere Bindung zu ihrem Kind aufzubauen.
  • Dr. Davatz beschreibt mehrere Fälle, in denen BPS-Patientinnen positive Entwicklungen durchlaufen haben und in der Lage waren, ihre Kinder erfolgreich zu erziehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung kann die Mutter-Kind-Beziehung auf vielfältige Weise beeinflussen. Die emotionale Instabilität, Ängstlichkeit und die Schwierigkeiten beim Loslassen können zu Herausforderungen im Umgang mit dem Kind führen. Allerdings ist es mit professioneller Hilfe und einem stabilen Umfeld möglich, diese Herausforderungen zu bewältigen und eine positive Entwicklung der Mutter-Kind-Beziehung zu ermöglichen.

https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf