Der Vortrag von Dr.med. Ursula Davatz betont die wichtige Rolle der Familiengeschichte bei der Entstehung und dem Verlauf einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS).
1. Familiäre Muster und ungelöste Konflikte:
- Die Familiengeschichte kann ungelöste Konflikte und negative Beziehungsmuster aufzeigen, die zur Entwicklung einer BPS beitragen können.
- Dr. Davatz empfiehlt Mütterberaterinnen, aktiv nach der Beziehung der Patientin zu ihrer Mutter zu fragen, da diese oft prägend für die eigene Persönlichkeit und das spätere Verhalten als Mutter ist.
- Sie betont, dass „der Mensch ein geschichtliches Wesen“ sei und Erinnerungen und Erfahrungen aus der Familie in sich trage.
2. Übertragung von Verhaltensmustern und Emotionen:
- Familiäre Muster können über Generationen hinweg weitergegeben werden.
- Mütter mit BPS haben oft selbst eine schwierige Kindheit erlebt und negative Verhaltensmuster von ihren Eltern übernommen.
- Dr. Davatz nennt das Beispiel von Müttern, die ihre eigenen temperamentvollen Töchter in der Pubertät stark einschränken, weil sie der eigenen Mutter gefallen wollen.
- Dieser Teufelskreis kann dazu führen, dass sich die BPS in der Familie fortsetzt.
3. Ungelöste Traumata und emotionale Belastungen:
- Traumatische Erlebnisse in der Kindheit, wie z.B. sexueller Missbrauch, können starke emotionale Belastungen verursachen und die Entwicklung einer BPS begünstigen.
- Diese Traumata werden oft in der Familie tabuisiert und nicht aufgearbeitet, was zu langfristigen psychischen Problemen führen kann.
4. Einfluss der Geschwisterposition:
- Dr. Davatz weist auf Theorien über Geschwisterpositionen hin, die besagen, dass älteste Geschwister oft mehr Verantwortung übernehmen müssen und im Schatten der älteren Geschwister aufwachsen.
- Diese Erfahrungen können die Persönlichkeitsentwicklung beeinflussen und zur Entstehung einer BPS beitragen.
5. Bedeutung der Aufarbeitung der Familiengeschichte:
- Dr. Davatz betont die Wichtigkeit der Aufarbeitung der Familiengeschichte in der Therapie von BPS-Patientinnen.
- Durch die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit können Patientinnen ungelöste Konflikte bearbeiten, negative Verhaltensmuster erkennen und ihre Emotionen besser regulieren lernen.
- Dies kann zu mehr Selbstsicherheit und Stabilität führen und den Patientinnen helfen, gesündere Beziehungen zu führen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Familiengeschichte spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Ungelöste Konflikte, negative Beziehungsmuster, Traumata und emotionale Belastungen aus der Familie können die Entwicklung der Störung begünstigen. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und die Aufarbeitung der Familiengeschichte sind daher wichtige Bestandteile der Therapie von BPS-Patientinnen.
https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf