Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr.med. Ursula Davatz, bieten vielfältige Einblicke und Ansätze zur Unterstützung von Müttern mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS).
1. Verständnis und Akzeptanz:
- Emotionale Instabilität als Kernmerkmal: Verstehen Sie, dass starke Stimmungsschwankungen, Impulsivität und emotionale Instabilität charakteristisch für BPS sind und nicht als bewusste Manipulation oder Bösartigkeit missverstanden werden sollten.
- Kein Verurteilen oder Moralisieren: Vermeiden Sie es, die Mutter für ihr Verhalten zu verurteilen oder ihr Vorwürfe zu machen. Akzeptieren Sie sie mit ihren Stärken und Schwächen, um eine vertrauensvolle Basis zu schaffen.
- Geduld und Einfühlungsvermögen: Bewahren Sie Ruhe und Geduld im Umgang mit der Mutter, auch in emotional herausfordernden Situationen. Versuchen Sie, sich in ihre Lage zu versetzen und ihre Gefühle zu verstehen.
2. Stabilität und Sicherheit bieten:
- Kontinuierliche Bezugsperson: Seien Sie eine verlässliche und beständige Ansprechperson für die Mutter. Verlässlichkeit und Stabilität sind entscheidend, um ihr ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln.
- Klare Grenzen und Regeln: Setzen Sie klare Grenzen und Regeln, um der Mutter Orientierung und Halt zu geben. Gleichzeitig sollten Sie flexibel und verständnisvoll auf ihre Bedürfnisse eingehen.
- Unterstützung im Alltag: Helfen Sie der Mutter bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben, z. B. bei der Kinderbetreuung oder der Haushaltsführung. Praktische Unterstützung kann Stress reduzieren und die Mutter entlasten.
3. Förderung der Selbstreflexion:
- Familiengeschichte aufarbeiten: Ermutigen Sie die Mutter, sich mit ihrer eigenen Familiengeschichte und der Beziehung zu ihrer Mutter auseinanderzusetzen.
- Muster erkennen und verändern: Helfen Sie ihr dabei, negative Verhaltensmuster zu erkennen und neue, positive Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
- Stärken fördern und Selbstwertgefühl stärken: Unterstützen Sie die Mutter dabei, ihre Stärken zu erkennen und ihr Selbstwertgefühl zu verbessern.
- Eigenverantwortung fördern: Ermutigen Sie die Mutter, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen und eigene Entscheidungen zu treffen.
4. Einbindung des sozialen Umfelds:
- Partner einbeziehen: Beziehen Sie den Partner der Mutter in die Unterstützung mit ein, falls vorhanden. Kommunikation und gegenseitige Unterstützung innerhalb der Partnerschaft sind wichtig.
- Familiäre Ressourcen nutzen: Versuchen Sie, Unterstützung aus dem familiären Umfeld zu mobilisieren, z. B. durch die Großeltern oder Geschwister.
- Soziale Kontakte fördern: Ermutigen Sie die Mutter, soziale Kontakte zu knüpfen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Der Austausch mit anderen Müttern kann hilfreich sein und das Gefühl der Isolation verringern.
5. Professionelle Hilfe:
- Therapeutische Begleitung: Unterstützen Sie die Mutter bei der Suche nach einer geeigneten Therapie. Eine spezialisierte Therapie für BPS kann ihr helfen, ihre Emotionen zu regulieren und neue Bewältigungsstrategien zu erlernen.
- Medikamentöse Behandlung: In manchen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva oder anderen Medikamenten sinnvoll sein, um die Symptome der BPS zu lindern.
- Netzwerk an Fachpersonen: Stellen Sie sicher, dass die Mutter Zugang zu einem Netzwerk von Fachpersonen hat, z. B. Ärzten, Psychologen, Sozialarbeitern und Mütterberatern.
Zusätzliche Punkte aus den Quellen:
- Selbstverletzendes Verhalten: Gehen Sie mit selbstverletzendem Verhalten sachlich und ruhig um. Dramatisieren oder ignorieren Sie es nicht, sondern versuchen Sie, die dahinterliegenden Emotionen zu verstehen.
- Suchtproblematik: Wenn die Mutter zusätzlich an einer Suchtproblematik leidet, benötigt sie spezielle Unterstützung und Behandlung. Moralisieren Sie nicht, sondern fördern Sie ihre Eigenverantwortung und helfen Sie ihr bei der Suche nach professioneller Hilfe.
Verantwortung der Mütterberaterin:
- Beziehung im Vordergrund: Ihre Hauptaufgabe ist es, eine vertrauensvolle Beziehung zur Mutter aufzubauen und sie bestmöglich zu unterstützen.
- Eigene Grenzen beachten: Achten Sie auf Ihre eigenen Grenzen und melden Sie den Fall, wenn Sie sich unsicher oder überfordert fühlen.
- Keine Schuldzuweisungen: Machen Sie sich keine Vorwürfe, wenn die Situation trotz aller Bemühungen schwierig bleibt. Sie können nicht die Verantwortung für das Handeln der Mutter übernehmen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Mütter mit BPS benötigen viel Verständnis, Geduld und Unterstützung, um ihre Herausforderungen zu bewältigen. Durch Stabilität, Förderung der Selbstreflexion, Einbindung des sozialen Umfelds und professionelle Hilfe können sie lernen, ihre Emotionen zu regulieren, gesunde Beziehungen aufzubauen und ein erfülltes Leben mit ihren Kindern zu führen.
https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf