Der Vortrag von Dr.med. Ursula Davatz hebt die Vorteile der ambulanten Behandlung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) hervor.

1. Mehr Flexibilität und Möglichkeiten:

  • Die ambulante Behandlung bietet im Vergleich zur stationären Behandlung mehr Flexibilität und Möglichkeiten, sowohl für die Patientin als auch für den Therapeuten.
  • Die Therapeutin kann die Therapie individuell auf die Bedürfnisse der Patientin abstimmen und kreativere Ansätze wählen, die im stationären Setting nicht möglich wären.
  • Beispielsweise beschreibt Dr. Davatz, wie sie mit einer BPS-Patientin ins Seebad ging oder Rollschuh fuhr, um ihr ein Gefühl von Normalität und Stabilität zu vermitteln.

2. Vermeidung des „Käfigeffekts“:

  • Im stationären Setting sind Patientinnen oft einem engen Regelwerk und ständiger Beobachtung ausgesetzt, was als beengend und kontrollierend empfunden werden kann.
  • Dieser „Käfigeffekt“ kann die BPS-Symptomatik verschlimmern, da die Patientinnen sich in ihrer Autonomie eingeschränkt fühlen und weniger Möglichkeiten haben, ihre Emotionen angemessen auszudrücken.
  • Die ambulante Behandlung ermöglicht es den Patientinnen hingegen, in ihrem gewohnten Umfeld zu bleiben und ihren Alltag selbstständig zu gestalten.

3. Stärkung der Eigenverantwortung:

  • Die ambulante Behandlung fördert die Eigenverantwortung der Patientinnen.
  • Sie müssen aktiv an ihrer Therapie mitarbeiten und lernen, ihren Alltag trotz ihrer Erkrankung zu bewältigen.
  • Dies kann zu einem gesteigerten Selbstwertgefühl und einem größeren Gefühl der Kontrolle über das eigene Leben führen.

4. Einbeziehung des Systems:

  • Die ambulante Behandlung ermöglicht es, das familiäre und soziale Umfeld der Patientin in die Therapie mit einzubeziehen.
  • Dies ist besonders wichtig bei BPS, da die Erkrankung oft zu Konflikten und Spannungen in den Beziehungen der Betroffenen führt.
  • Durch die Einbeziehung des Systems kann der Therapeut alle Beteiligten unterstützen und dazu beitragen, die Kommunikation und den Umgang miteinander zu verbessern.

5. Vermeidung negativer Einflüsse im stationären Setting:

  • In der stationären Behandlung sind Patientinnen oft mit anderen Menschen mit psychischen Erkrankungen zusammen, die negative Einflüsse auf sie haben können.
  • Sie können ungünstige Verhaltensmuster von Mitpatientinnen übernehmen oder sich in ihren negativen Gedanken und Gefühlen bestärkt fühlen.
  • Die ambulante Behandlung minimiert dieses Risiko, da die Patientinnen in ihrem gewohnten Umfeld bleiben und ihren Alltag selbstständig gestalten.

6. Längere „Leine“ in der therapeutischen Beziehung:

  • Die ambulante Behandlung ermöglicht eine flexiblere therapeutische Beziehung mit einer längeren „Leine“.
  • Die Patientin hat mehr Freiraum, kann aber dennoch auf die Unterstützung des Therapeuten zurückgreifen, wenn sie diese benötigt.
  • Diese Balance zwischen Nähe und Distanz kann für BPS-Patientinnen besonders hilfreich sein, da sie oft mit Angst vor dem Verlassenwerden und Schwierigkeiten in Beziehungen kämpfen.

7. Förderung der Integration:

  • Die ambulante Behandlung fördert die gesellschaftliche Integration von Menschen mit BPS.
  • Sie können ihrem Beruf nachgehen, soziale Kontakte pflegen und ein aktives Leben führen.
  • Dies kann dazu beitragen, Stigmatisierung und Ausgrenzung zu vermeiden und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die ambulante Behandlung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung bietet zahlreiche Vorteile gegenüber der stationären Behandlung. Sie fördert die Eigenverantwortung, ermöglicht eine flexiblere Therapie, stärkt die Integration und reduziert negative Einflüsse, die im stationären Setting auftreten können.

https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf