Soziale Vererbung: Weitergabe von Werten und Verhaltensmustern über das Grosshirn

Dr.med. Ursula Davatz definiert „soziale Vererbung“ als die Weitergabe von Wertvorstellungen und Verhaltensmustern von einer Generation zur nächsten über das Grosshirn. Im Gegensatz zur genetischen Vererbung, die über das emotionale Hirn (Mittelhirn) und das Stammhirn abläuft und eher angeboren ist, basiert die soziale Vererbung auf gelernten und gespeicherten Erfahrungen.

  • Das Grosshirn: Besitzt eine enorme Speicherfähigkeit und kann gemachte Erfahrungen verarbeiten, ablegen und speichern. Diese gespeicherten Muster und Erfahrungen werden dann in neuen Situationen abgerufen und angewendet, was zu einer Art „Vererbung“ von Verhaltensweisen und Denkmustern führt.
  • Explizite Erziehung: Eltern und Bezugspersonen vermitteln Kindern bewusst Werte und Normen. Dies geschieht durch verbale Kommunikation, wie z.B. Verbote, Gebote, moralische Belehrungen und die bewusste Weitergabe von Traditionen.
  • Implizite Erziehung: Kinder lernen durch Beobachtung und ahmen die Verhaltensmuster ihrer Bezugspersonen nach. Dies geschieht oft unbewusst, prägt aber dennoch die Entwicklung des Kindes.

Beispiele für soziale Vererbung:

  • Asthmaanfälle: Ein Kind, das seine Mutter immer wieder Asthmaanfälle erleiden sah, könnte dieses Verhalten unbewusst übernehmen und selbst Asthma entwickeln.
  • Essverhalten: In Kriegszeiten war es wichtig, alles aufzuessen. Diese Verhaltensweise kann auch in Zeiten des Überflusses beibehalten werden und an die nächste Generation weitergegeben werden.
  • Religiöse Zugehörigkeit: Die Aussage „Man bleibt bei dem, wie man getauft ist“ zeigt, wie Wertvorstellungen und Traditionen innerhalb der Familie weitergegeben werden.

Soziale Vererbung prägt unsere Wertvorstellungen, unsere Verhaltensweisen und unsere Art, mit anderen Menschen umzugehen. Es ist wichtig, sich dieser Prägung bewusst zu werden, um die eigenen Verhaltensmuster zu verstehen und gegebenenfalls zu verändern.

https://ganglion.ch/pdf/Wann_laesst_die_Seele_den_Koerper_sprechen.m4a.pdf

„Es bleibt in der Familie“: Weitergabe ungelöster Familienprobleme

Sandra Konrads Buch „Es bleibt in der Familie“ wird in den Quellen von Dr.med. Ursula Davatz erwähnt. Der Titel des Buches und die anschliessende Aussage von Dr. Davatz „Dann wird alles weitergegeben“ lassen darauf schliessen, dass das Buch die Weitergabe von ungelösten Problemen und Konflikten innerhalb von Familien thematisiert.

Dr.med. Ursula Davatz vergleicht diese Weitergabe mit einem Vererbungsprozess: So wie Gene von Generation zu Generation weitergegeben werden, so werden auch ungelöste emotionale Konflikte und Verhaltensmuster innerhalb der Familie weitergetragen. Sie bezieht sich dabei auch auf die Bibel, wo es heisst, dass die Fehler der Eltern Auswirkungen auf die vierte oder fünfte Generation haben können.

Konkret beschreibt Dr. Davatz folgende Mechanismen der Weitergabe:

  • Ungelöste Ablösungsproblematik: Wenn Eltern selbst nicht vollständig von ihren eigenen Eltern abgelöst sind, können sie ihre eigenen Probleme auf ihre Kinder projizieren. Dies führt zu einer „Korrektur“ der dritten Generation durch die zweite, die ihre eigenen ungelösten Konflikte auf die Kinder überträgt.
  • Wiederholungszwang: Familien versuchen, ihre Probleme zu lösen. Gelingt dies nicht, werden die Probleme an die nächste Generation weitergegeben. Dieser „Wiederholungszwang“ kann sich über Generationen hinweg fortsetzen und zu immer wiederkehrenden Konflikten und Leid führen.

Dr. Davatz‘ Aussagen legen nahe, dass Konrads Buch die folgenden Aspekte beleuchtet:

  • Die Entstehung von psychischen Problemen: Dr.med. Ursula Davatz sieht die Wurzeln psychischer Erkrankungen in der Ungelösten Ablösungsproblematik.
  • Die Rolle der Familie in der Entstehung und Aufrechterhaltung von Problemen: Dr. Davatz betont den Einfluss des familiären Umfelds auf die psychische Gesundheit des Einzelnen.
  • Die Bedeutung der Ablösung vom Familiensystem: Eine gelungene Ablösung ist laut Dr. Davatz essenziell für die psychische Gesundheit und ein erfülltes Leben.

Es ist wichtig anzumerken, dass die Quellen keine detaillierte Beschreibung des Inhalts von Sandra Konrads Buch liefern. Um ein umfassendes Verständnis des Buches zu erlangen, ist es ratsam, es selbst zu lesen.

https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_6.5.2014.pdf