[00:00:00.080] – Bemerkung 1
Wenn etwas vorfällt ist immer nur ein Kind schuld. Es sind vier Kinder.
[00:00:06.880] – Bemerkung 1
Das ist für mich schwierig. Ich kann das nicht nachvollziehen.
[00:00:07.760] – Bemerkung 1
Ich habe in meiner Ausbildung gelernt, dass jedes Verhalten Sinn macht.
[00:00:07.840] – Bemerkung 1
Das Kind hatte einen Meltdown und hat eine Beule in die Motorhaube geschlagen.
[00:00:14.120] – Bemerkung 1
Der Vater hat dem Sohn einen Brief geschrieben, dass er sein Moped abgeben muss.
Der Sohn hat darauf monatelang gespart.
[00:00:38.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht gar nicht. Das bringt auch gar nichts.
[00:00:40.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Da würde ich sagen: nicht mehr reden, sondern Fragen stellen.
[00:00:44.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen haben Mühe mit autoritären Vätern, die alles wissen wollen und sich
durchsetzen wollen.
[00:00:44.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Mühe hat, muss man immer zwei Schritte zurück gehen und dann den Vater
kennenlernen wollen.
[00:00:44.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann fragen: was hat Dein Vater für Werte repräsentiert?
[00:00:44.900] – Bemerkung 2
Ich hatte auch schon mit dem Vater alleine ein Gespräch. Er hat mir erzählt wie
erfolgreich er ist. Es wäre um seinen Sohn gegangen. Er setzt die Latte sehr hoch. Der
Vater definiert sich sehr auf Leistung.
[00:01:27.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Vater eine Stunde lang erzählt, würde ich das nicht zulassen. Sie haben es ja
schon gehört.
[00:01:28.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagen: ich sehe, sie haben sehr viel geleistet. Sie legen sehr viel Wert auf Leistung.
Zurückschauen, auf was sein Vater wert gelegt hat. Hat er seinem Vater genügt mit
seiner Leistung? Wenn er nicht genügt hat, haben wir schon ein Problem.
[00:01:34.850] – Bemerkung 3
So ist es wahrscheinlich.
[00:01:40.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das alles hervor holen. Wenn man sieht, dass er nicht genügt hat, kommt die
nächste Frage: war das schlimm für sie? Versuchen sie immer noch?
[00:01:40.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe sie haben sehr viel geleistet und ich sehe sie legen sehr viel Wert auf
Leistung.
[00:01:47.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Probieren sie immer noch ihrem Vater zu genügen.
[00:02:18.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das will man ja, alle Kinder wollen ihren Eltern genügen.
[00:02:18.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Lebt sein Vater noch? Dann kann er seinen Vater mal fragen, ob er zufrieden ist, mit
dem was er gemacht hat.
[00:02:18.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann er selber sagen: ich bin zufrieden mit dem was ich erreicht habe, aber ich
habe Mühe mit dem, wie mein Sohn ist.
[00:02:19.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann er seinen Vater um Rat fragen gehen.
[00:02:33.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Grosseltern sind oft milder mit den Enkelkindern, als Eltern mit den Kindern. Man kann
eine Brücke schlagen.
[00:02:33.812] – Dr.med. Ursula Davatz
Man distanziert sich von seinem direkten Verhalten und führt ihn zurück.
[00:03:12.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt immer wieder die Wertschätzung: ich weiss sie wollen nur das Beste.
[00:03:13.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei so einem Kind, wenn man das macht, gibt es das Krankheitsbild PDA.
[00:03:30.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann diese Kinder tot schlagen und sie folgen immer noch nicht. Folglich muss
man eine andere Methode verwenden.
[00:03:31.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das alles so herleiten und dann schauen: kann er das nachvollziehen?
[00:03:32.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommt Jean Piaget mit der Dezentrierung.
[00:03:49.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Er muss weg gehen von seinem Erziehungskonzept hin zu seinem autistischen
Behandlungskonzept.
[00:03:49.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ganz schwierig wird, persönlich wird, einfach generalisieren, nicht persönlich
sagen.
[00:03:49.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja ich sehe, das bringt viele Kinder weit, aber bei so einem Kind, das schlägt den Kopf
gegen die Wand, das kommt ganz schlecht.
[00:03:54.354] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wieder fragen: können sie das nachvollziehen?
[00:04:04.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die Geschichte von Königsfelden, wo ein Jugendlicher in der Psychiatrie nicht
ernst genommen wurde, die Nachtwache hat ihn nicht ernst genommen, nur die
Krankenschwester hat ihn ernst genommen. Er hat den Kopf gegen die Wand
geschlagen und ist schlussendlich gestorben.
[00:04:30.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Vater kann man diese Beispiele aufzeigen und sagen: das wollen wir verhindern.
Das wollen sie als Vater von dem Kind sicher auch verhindern.
[00:05:23.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht direkt emotional reagieren auf diesen Macho Vater, auf diesen autoritären Vater,
sondern das Ganze theoretisch ein bisschen hinterfragen.
[00:05:23.784] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei einem ADHS/ADS Kind gelten andere Regeln.
[00:05:23.820] – Bemerkung 4
Die Mutter hat sehr viel Verständnis. Ich hatte auch mit den drei Geschwistern ein
Coaching. Die sind alle im Bild. Wir haben auch die Stärken vom Bruder angeschaut. Er
wird schnell emotional.
[00:05:24.016] – Bemerkung 4
Der Vater ist die Knacknuss.
[00:05:50.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Geschichte der Affen geht so: die Affen haben neue Futterquellen bekommen. Das
Weibchen hat herausgefunden, wenn man das Gemisch ins Wasser schmeisst, sinken
die Steine, die Getreidekörner schwimmen oben auf, man kann sie abschöpfen und
Essen. Die dreckigen Süsskartoffeln wurden im Wasser gewaschen und gegessen.
[00:06:10.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter haben es schnell gelernt, die Kinder haben es schnell gelernt, der dominante
Affe hat es nie gelernt.
[00:06:52.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Der dominante Affe ist sehr beschäftigt mit der Hierarchie Aufrechterhaltung, dass er
nicht dazu kommt.
[00:07:07.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage haben wir das Schulsystem, das politisches System und so weiter. Wir
halten unsere Struktur schon aufrecht. Da braucht es Väter, die auch noch lernen
können.
[00:07:25.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen zurückstehen, generalisieren, ihn hinterfragen was sein Vaterideal ist, was
will er für erwachsene Männer aus seinen Söhnen machen?
[00:07:35.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht in die Handlung gehen.
[00:08:10.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will das Kind schützen und schon ist es verloren.
[00:08:11.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Macht das Sinn?
[00:08:11.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sprechen theoretisch über das Patriarchat.
[00:08:11.812] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sehen in der Politik, wie die Patriarchen sich auf höchster politischer Ebene die
Köpfe einschlagen. Das kann es nicht sein, das wollen wir nicht.
[00:08:11.909] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen haben hier den Auftrag, etwas anderes reinzubringen.
[00:08:11.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst muss man den patriarchalen Hintergrund gut wertschätzen. Erst dann kann man
verändern.
[00:08:16.948] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das Joining und dann verändern. Auf das Trittbrett springen, mitfahren, dann ein
wenig verändern.
[00:08:17.290] – Bemerkung 5
Ich habe sein Ego gestreichelt.
[00:08:23.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Gut gemeint ist noch nicht gut.
[00:08:43.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Über diese Generalisierung wieder langsam zu diesem Punkt kommen.
[00:09:09.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Psychiater in Basel hat mit so Systeme gearbeitet.
[00:09:12.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat immer nach dem Clinch, den kleinsten gemeinsamen Nenner gesucht. Als Türke
konnte er das.
[00:09:12.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Frau können sie sagen; ist das für sie schwierig wenn ich jetzt hier solche Dinge
sage, wäre es für sie einfacher, wenn ich ein Mann wäre? Soll ich mich jetzt als Mann
schminken? Einen Witz machen. Soll ich transsexuell werden, damit sie es anhhören
können.
[00:09:19.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Fachfrau…
[00:09:50.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Patriarchen sind schwierig für uns Frauen.
[00:09:51.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Mann und eine Frau habe ich zu spät reingelassen. Der Mann war sauer.
[00:10:10.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gefragt: sind sie sauer auf mich, dass sie so lange warten mussten? Ich habe
es gleich angesprochen und gesagt: ich habe es nicht immer im Griff.
[00:10:22.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil ich es gleich angesprochen habe, ist er geblieben und ich konnte mit ihnen
arbeiten.
[00:10:29.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Sein Frau konnte als Grossmutter für den Enkel verwendet werden. Der Enkel ist aus
der Schule abgehauen. Das hat geholfen, dass wir den Enkel persönlichkeitsgerecht
abholen konnten.
[00:10:30.082] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Enkel wurde von der Schule in die Klinik eingewiesen, ohne dass man die Eltern
gefragt hat.
[00:10:30.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Großmutter ist wieder gekommen und wollte Hilfe. Der Fall steht auch in meinem
Buch.
[00:10:45.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich konnte zu diesem System eine Beziehung herstellen.
[00:10:45.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Teenager hatte blaue Haare, hat sich gegen die Regeln aufgelehnt, hat dann eine
Stelle gefunden und hat sich gut entwickelt.
[00:11:27.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen dem Patriarchat entgegenkommen und dann dennoch uns durchsetzen mit
unserer Strategie.
[00:11:52.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Der gemeinsame Nenner ist: wir wollen nur das Beste für das Kind.
[00:11:53.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Er will das Beste, sie wollen das Beste. Sie sind Spezialistin.
[00:12:10.242] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Abwehr ein wenig rausholen.
[00:12:10.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald die Abwehr besprochen wird, kann sie nicht mehr so gut praktiziert werden.
[00:12:23.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen ihn wieder sehen und fragen: wie geht es? Wie läuft es?
[00:12:23.980] – Bemerkung 6
Den Knaben sehe ich regelmässig.
[00:12:31.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ab und zu den Vater treffen und schauen was er findet. Wenn er merkt, dass es positiv
vorwärts läuft, dann haben sie ihn.
[00:13:03.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Umgang mit Patriarchen.
[00:13:03.470] – Bemerkung 7
Ich arbeite in der beruflichen Eingliederung als Berufsberaterin.
[00:13:12.730] – Bemerkung 7
Ich finde es ganz schwierig mit so jungen Frauen, die aus einer kleinen oder
mittelgroßen Familie kommen wohl situiert.
[00:13:26.010] – Bemerkung 7
Mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung und so unglaublich fordernd.
[00:13:34.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja die sind sehr fordernd.
[00:13:34.750] – Bemerkung 7
Was man ihnen jetzt zu bieten habe.
[00:13:35.470] – Bemerkung 7
Sie konnte mit der Integrationsmaßnahme nicht starten, und hat am Schluss behauptet,
ich hätte es verzögert. Ich hätte es gar nicht weiterlaufen lassen dürfen. Ich habe ein
ganzes Jahr auf sie gewartet immer wieder Kontakt gehabt und immer wieder
nachgefragt ob sie jetzt bereit, zu ihren Gunsten.
[00:14:20.760] – Bemerkung 7
Am Schluss hat sie behauptet ich hätte es verzögert und sie hätte schon lange
beginnen wollen, sie brauche jetzt Geld.
[00:14:32.890] – Bemerkung 7
Dann ist Pro Infirmis auf mich zugekommen und die junge neue Psychotherapeutin aus
dem EPD. Alle wollten mir sagen, was das schief läuft. Dann habe ich dann mal gesagt:
ich gebe gern das Protokoll raus.
[00:14:58.350] – Bemerkung 7
Es ist eigentlich nicht falsch gegangen.
[00:15:01.790] – Bemerkung 7
Damit habe ich Mühe. Es ist ja immer wieder eine andere Nuance.
[00:15:09.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderline Patientinnen Patientinnen die sind häufig.
[00:15:18.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderline Patientinnen sind in der Regel aus meiner Sicht ADHS Patientinnen die eher
zu streng erzogen worden sind und wo die Mutter wahrscheinlich alles für sie gemacht
hat oder auch kritisiert hat.
[00:15:33.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher würde fragen: wie sind sie aufgewachsen, mussten sie Arbeiten übernehmen?
Wenn sie die Arbeiten gemacht haben, wurde sie wertgeschätzt?
[00:15:38.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer wieder zurück gehen in die Geschichte.
[00:15:38.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen: das gehört nicht zur beruflichen Eingliederung.
[00:16:04.980] – Bemerkung 7
Es stellt sich immer die Frage: können die was umsetzen?
[00:16:05.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Durfte sie als Kind Verantwortung übernehmen, auch in der Pubertät oder hat man ihr
die Verantwortung immer weg genommen, weil die Mutter alles gemacht hat.
[00:16:18.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie gar nicht Verantwortung übernehmen durfte, hat sie es nie gelernt.
[00:16:20.262] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist heute häufig so.
[00:16:20.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Mutter hat heute wenig Kinder, investiert alles machen alles für die Kinder.
[00:16:31.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Temperamentvolle Mädchen dürfen sich gar nicht entwickeln.
[00:16:35.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde auch wieder in die Geschichte zurückgehen und schauen: durfte sie
Verantwortung übernehmen?
[00:16:40.910] – Bemerkung 8
Was ist wenn sie nicht Verantwortung übernehmen durfte?
[00:16:44.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann müssen wir es jetzt noch lernen.
[00:16:49.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann könnte sie sagen: aha ja verstehe ich, eigentlich wollten wir zusammen schauen,
beruflich integrieren.
[00:16:58.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben dann gesagt ich habe sie verhindert.
[00:17:02.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Ausdruck dafür ist: die tun externalisieren.
[00:17:08.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die tun externalisieren weil sie es gar nie durften.
[00:17:09.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wäre die Haltung: wir müssen jetzt lernen miteinander Verantwortung zu teilen.
[00:17:19.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt die Frage: wenn etwas nicht geht dann ist immer eben etwas nicht in
Ordnung oder nicht so weit oder man weiss noch nicht das Rechte.
[00:17:26.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen herausfinden: was will sie eigentlich.
[00:17:37.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ihr Beruf?
[00:17:38.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man zurückgehen was hat die Mutter für einen Beruf gehabt was der Vater?
[00:17:41.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Waren die erfüllt in ihrem Beruf oder haben die ihre Berufserwartungen an ihr Kind
weiter gegeben?
[00:17:54.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Generalisieren, ausweiten nicht so nur zwischen ihnen und ihr, dass es so persönlich
wird.
[00:18:00.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wirklich woher kommt das?
[00:18:03.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man natürlich auch schauen, was hat sie gern gehabt in der Schule? Hatte sie
Träume?
[00:18:09.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat sie mal irgendetwas gelernt?
[00:18:11.110] – Bemerkung 8
Nein sie hat mal ein Praktikum in einer Kita gemacht.
[00:18:14.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie alt ist sie?
[00:18:29.690] – Bemerkung 8
20 Jahre alt.
[00:18:29.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ist noch am Anfang die ist noch jung.
[00:18:32.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die meisten Dekompensationen passieren auch bei der Berufsfindung.
[00:18:38.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Kinder immer bestimmt worden sind von ihren Eltern, können sie auch keinen
Beruf finden.
[00:18:41.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Geschichten, wo sie etwas beginnen, das die Eltern wollen.
[00:18:49.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man zuerst aufdecken, was ist da verschüttet und was will sie eigentlich?
[00:19:01.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie projiziert ihre eigene Verhinderung auf sie.
[00:19:09.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen nicht psychologisch mit ihr sprechen, sondern direkt die Frage stellen: was
war ihr Traum?
[00:19:15.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat sie in der Schule für Träume gehabt?
[00:19:17.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann etwas sein, wo sie denkt, dass sie es nicht kann.
[00:19:21.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man schauen: wie kann man trotzdem den Weg gehen?
[00:19:32.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kann man sich langsam dem annähern.
[00:19:32.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die projiziert ihre innere Blockade auf sie.
[00:19:42.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Die machen lieber nichts als etwas falsches was bei den Eltern nicht gut genug ist.
[00:19:52.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist häufig so.
[00:19:53.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie verweigert alles.
[00:19:53.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man etwas macht, das man selber möchte, und die Eltern sind nicht zufrieden
damit, bekommt man die Anerkennung nicht.
[00:20:05.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Krank werden und nichts machen ist einfacher als etwas machen und Kritik von den
Elteren bekommen.
[00:20:14.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man krank ist kann man nichts dafür.
[00:20:24.540] – Bemerkung 9
Die Verantwortungsübernahme fehlt mir ja.
[00:20:24.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum würde ich fragen: durfte sie Ämter übernehmen?
[00:20:26.140] – Dr.med. Ursula Davatz
War die Mutter zurfrieden damit, wie sie es gemacht hat?
[00:20:26.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder durfte sie gar keine Ämter übernehmen?
[00:20:32.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens hatten sie eine zu enge Begleitung und sie waren zu über-bemuttert.
[00:20:36.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderliner sind professionell Pubertierende.
[00:20:51.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können mit ihnen argumentieren, sie runterholen, alles intelligente, ganz gescheit
reden, aber Verantwortung übernehmen können sie nicht.
[00:20:58.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychotiker, die Schizophrenen, das sind maligne Pubertieren.
[00:21:08.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht in einen schlimmeren Krankheitswert rein.
[00:21:09.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die bleiben dann in der Psychose hängen.
[00:21:14.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer die Pubertät.
[00:21:17.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind nicht durch die Pubertät durch.
[00:21:20.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass sie Sie kritisiert, ist eigentlich ein pubertäres Verhalten.
[00:21:23.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter trägt die Schuld, wenn ich an den Händen friere.
[00:21:25.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil ich die Handschuhe vergessen habe.
[00:21:28.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Teenager, die wollen überall mitreden, alles oppositionieren aber keine Verantwortung
tragen.
[00:21:40.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die durfte keine Verantwortung tragen.
[00:21:41.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Und der Vater? Hat er seine Tochter Verantwortung übernehmen lassen?
[00:21:51.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat er sie machen lassen? Hat er ihr Dinge gezeigt?
[00:21:51.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Blickwinkel ausweiten, verallgemeinern sich raus nehmen aus der Sache.
[00:22:08.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind sie die Mutter die kritisiert wird.
[00:22:12.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist einfacher sie zu kritisieren als die eigene Mutter.
[00:22:15.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist immer so.
[00:22:16.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Macht das Sinn?
[00:23:46.790] – Bemerkung 12
Das heisst bei den Boderlinern gab es keinen Ablösungsprozess, der war zu wenig
genau, konnte nicht stattfinden.
[00:23:46.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat noch nicht stattgefunden.
[00:24:24.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganze Pubertät läuft dann mit allen Versorgungssystemen ab.
[00:24:29.720] – Dr.med. Ursula Davatz
So sage ich dann den Fachleuten: Borderliner darf man nie erziehen.
[00:24:34.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die männlichen Bezugspersonen wollen dann häufig erziehen.
[00:24:39.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht überhaupt nicht.
[00:24:40.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sich nur mit ihnen auseinandersetzen.
[00:24:43.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann eine klare Haltung haben.
[00:24:45.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sie nicht erziehen.
[00:24:48.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die fordern einem häufig heraus zu einer starken Auseinandersetzung und das muss
man aushalten.
[00:25:06.180] – Bemerkung 13
Wir hatte eine Borderline Frau auf der Bühne.
[00:25:06.420] – Bemerkung 13
Der Professor wollte sie immer belehren.
[00:25:09.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht gar nicht.
[00:25:11.420] – Bemerkung 13
Sie kam nach einem Monat wieder und hat gesagt: der Professor muss noch mehr
lernen an mir.
[00:25:11.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat Recht!
[00:25:11.730] – Bemerkung 13
Sie hat das angesprochen.
[00:25:26.700] – Bemerkung 13
Sie ist immer extremer geworden.
[00:25:28.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur bringt sie das nicht weiter.
[00:25:35.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Er lernt dann vielleicht etwas aber sie kann keine Verantwortung übernehmen.
[00:25:41.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein sehr schönes Beispiel.
[00:25:44.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Andere Situationen, die sie schlecht aushalten.
[00:25:50.920] – Bemerkung 14
Jungen Männer, mit diagnostiziertem ADHS/ADS oder ein vermutetes, schlechte
Schulkarriere, vielleicht ein Lehrabbruch und kommen dann wieder auf irgendeinem
Weg.
[00:26:04.240] – Bemerkung 14
Sie sind aber nicht wirklich anwesend. Sie haben viele Absenzen.
[00:26:14.480] – Bemerkung 14
Irgendwie kann man sie nicht wirklich fassen.
[00:26:20.960] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHSler sind oft unzuverlässig.
[00:26:27.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kommen zu spät oder sie kommen gar nicht.
[00:26:27.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind nicht abgemeldet und so weiter.
[00:26:31.050] – Bemerkung 14
Sie müssen zumindest da sein, dass man etwas mit ihnen machen kann.
[00:26:31.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde in das Provokative gehen.
[00:26:43.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe, sie verpassen viele Stunden.
[00:26:45.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Bin ich zu langwierig für sie?
[00:26:52.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben sie das Gefühl, ich bringe ihnen nicht das, was sie wollen?
[00:26:52.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann natürlich: was wollen sie, was brauchen Sie?
[00:26:57.610] – Bemerkung 14
Die einen können dann sagen: ja sie sind zu langweilig.
[00:26:59.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ok, dann fragt man: was müsste ich für einen Zirkus veranstalten, dass sie kommen?
[00:27:08.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Was muss ich ihnen bieten, damit sie kommen?
[00:27:09.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kann ich sie locken?
[00:27:09.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schon Teasing.
[00:27:17.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sind ihre Traumvorstellungen?
[00:27:28.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Was wäre ihr Traumberuf gewesen?
[00:27:30.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hätten sie eigentlich gewollt?
[00:27:33.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie einen Zauberstab hätten, was würden sie erreichen wollen in ihrer Karriere?
[00:27:35.840] – Dr.med. Ursula Davatz
In die Karrierelust reinschauen und schauen, ob dort etwas kommt?
[00:27:36.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eigentlich nach ihrem Fokus finden.
[00:27:53.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann es sein, dass sie sagen: das geht ohnehin nicht.
[00:27:55.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Doch ich will das wissen.
[00:27:59.668] – Dr.med. Ursula Davatz
Hartnäckig danach fragen.
[00:27:59.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Was würde sie interessieren?
[00:28:06.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen alles sagen.
[00:28:08.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen alles sagen: Astronaut werden oder König.
[00:28:17.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hilft man ihnen, ihren Fokus zu finden.
[00:28:27.720] – Bemerkung 13
Da kommt das zweite Problem, wenn sie zu hoch einsteigen und nicht umsetzen
können.
[00:28:28.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht gar nichts.
[00:28:28.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können auch in der Phantasie bleiben.
[00:28:49.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu hoch einsteigen. Was gefällt dir daran, was will er dort bewirken?
[00:28:54.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das mache ich auch mit älteren Leuten.
[00:28:58.076] – Dr.med. Ursula Davatz
Was könnte man jetzt noch erreichen, auf einem tieferen Niveau.
[00:28:58.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen ihre Phantasien sagen.
[00:28:58.246] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf ja nicht sagen: das geht nicht.
[00:28:58.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eigernordwand erklimmt man nicht mit einem Sprung. Es braucht Griff um Griff,
Schritt für Schritt. Fangen wir mal hier an.
[00:29:19.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss nicht realistisch sein.
[00:29:30.666] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen selber rausfinden, dass es nicht geht.
[00:29:30.958] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen etwas probiert haben und daran scheitern können. Das gibt eher eine
Einsicht, als wenn man sagt, das geht nicht.
[00:30:01.240] – Bemerkung 13
Sie müssen es erleben.
[00:30:04.690] – Bemerkung 15
Männer haben kein Borderline?
[00:30:05.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man den Frauen gesagt: Hysterikerinnen. Heute sagt man Borderline.
[00:30:05.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Männern ist es eher die narzisstische Persönlichkeitsstörung, die bei allem
beleidigt ist.
[00:30:26.770] – Bemerkung 15
Ich erlebe oft auch die Fehldiagnose, dass die Frau zuerst Borderline ist und dann
kommt der Autismus.
[00:30:40.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Dahinter ist immer ADHS/ADS, Autismus.
[00:30:40.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat sich noch nicht gefunden.
[00:30:40.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hoffe sie konnten was mitnehmen und sie können weiter an diesen Themen
arbeiten.
Dr.med. Ursula Davatz
Erziehungsschäden – Teil 3
21.3.2026
Audio
[25:00] Dr.med. Ursula Davatz: Machen wir nochmal weiter. Ich habe gedacht, ich
bringe Ihnen ein paar Erfahrungen, also Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung,
und sage ein bisschen so, wie ich es versuche zu machen.
Ich habe ja vorhin gesagt, einen Erziehungsschaden kann man in diesem Sinne nie
auslöschen, aber man kann ihn verarbeiten.
Verarbeiten heisst, das nochmal anschauen.
Ich als Therapeutin nehme ja, das haben Sie gesehen, immer das Drei-
Generationen-Schema auf und schaue dann so ein bisschen nach Mustern und was
hat nicht zusammengepasst.
[650:00] Dr.med. Ursula Davatz: Was vom Erziehungsstil hat nicht zum Kind
gepasst?
Wenn ich das Kind dann in Therapie habe, versuche ich das ein bisschen
herauszuholen und dann natürlich lasse ich mir das erzählen.
Es ist nicht so, dass die Leute einem das gerade im ersten Moment erzählen.
Manchmal ist das tief vergraben, das sind ja alles Prägungen.
Ich habe einen Patienten gehabt, der ist mir, ich weiss gar nicht mehr, wie der mir
zugewiesen worden ist, von einem Hausarzt oder so.
[1202:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der ist zu allen Netzen herausgefallen, hatte so
einen IV-Antrag gehabt und hat in einer Wohnsituation gewohnt, alleine.
Wenn man dem seine Geschichte angeschaut hat, aber die ist erst mit der Zeit
herausgekommen, er war ein uneheliches Kind von seiner Mutter, eine Schande
natürlich, für die Mutter.
Die Grossmutter hatte dann eine Rolle, er ist sofort als Kind den Grosseltern
gegeben worden, aber die haben nicht mehr recht mögen.
[1746:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die habe es so schlecht und recht das gemacht.
In der ersten Schulstunde wurde er gerade kritisiert worden.
ADHSler spielen oft den Clown, also wenn es ein bisschen langweilig ist, dann
spielen sie Unterhalter.
Teile machen dann das auch zu einer Profession, bei dem hat es nicht geklappt.
So ist er dann durch das Schulsystem durch, er ist nie gerne in die Schule
gegangen.
Er hatte ganz viele körperliche Krankheiten dann noch gehabt, hatte Unfälle gehabt
und Zeugs und Sachen.
[2322:00] Dr.med. Ursula Davatz: Jetzt hat er eine Freundin, die auch ADHS/ADS
ist.
Jetzt kann man langsam so ein bisschen anschauen, was dort eigentlich war, und es
wird langsam repariert.
Der hat IV-Rente und der kommt natürlich nie mehr ins Berufsleben.
Von dort her, es ist eine Art Verarbeitung, aber manchmal reicht auch nur einfach
eine Begleitung.
Je länger ich in meinem Beruf bin, umso mehr sehe ich mich als Begleiter, nicht als
Therapeut.
[2852:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das heisst als Entwicklungsbegleiter.
Ich versuche denen noch eine Entwicklung zu kommen zu lassen.
Es hat viele Frauen darunter, Frauen, die ADHS haben und zu rigid erzogen werden,
die bekommen dann meistens die Diagnose Borderline Persönlichkeitsstörung.
Die durften nie recht rebellieren.
Respektive, das Rebellieren wurde immer unterdrückt und sie wurden dann
gestempelt worden als unfolgsame Töchter, Töchter, die nichts wert sind usw.
[3403:00] Dr.med. Ursula Davatz: Mit denen, da bin ich dann Bezugsperson und da
passiert natürlich dann auch eine Abwertung mir gegenüber und das muss ich
aushalten.
Ich muss mich mit ihnen auseinandersetzen.
Indem ich mich mit ihnen auseinandersetze, ohne dass ich verrückt werde, wenn sie
mich abwerten oder immer wieder das Gleiche erzählen oder jammern und
schimpfen über irgendwelche Situationen, gibt es mit der Zeit eine gewisse
Beruhigung.
[3945:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich hatte eine gehabt, die war sicher ein ADHS,
das dritte Kind, hochsensibel, und die hat immer Krach mit allen Behörden
bekommen, viele.
Ich habe ihr geholfen, durch die Matura zukommen, sie hat angefangen zu Studieren
und hat dann alle möglichen Sachen angefangen.
Die hat sich dann auch erkannt im PDA.
Das stimmt, die war sehr intelligent und hat bei allem, was man gebraucht hat, hat
sie analysiert, auseinandergenommen, als nicht brauchbar.
[4689:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie war lange am Rand von Suizid machen, hat
oft nichts mehr gesehen.
Ich habe auch nicht recht gewusst, was.
Einmal hat sie mich so entwertet, dass ich so auf eine Art hilflos war und am Telefon
hat sie irgendwie gefragt, was ist jetzt los, habe ich sie gekränkt.
Ich habe gesagt, nein, traurig.
Es sind mir wirklich an die Tränen gekommen.
Jetzt hat es irgendwie eine Veränderung.
Jetzt fängt sie an, wieder ins Leben hineinzukommen.
Man kann das nämlich nicht voraussagen.
[5243:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man kann das nicht bestimmen.
Man muss sehr viel aushalten und halt einfach, was will ich sagen, Beziehung
pflegen.
Ich habe die Beziehungen nie abgebrochen, ich habe es nie in dem Sinne persönlich
genommen, aber ja, ich war manchmal auch ein bisschen verzweifelt, ich dachte,
was mache ich jetzt hier noch.
Man ist eine Bezugsperson und man muss eine stabile Bezugsperson sein, das, was
ihre Mütter eben nicht waren und das kann je nachdem sehr anstrengend sein.
[5792:00] Dr.med. Ursula Davatz: Einem Mann habe ich sicher auch noch
ADHSler, der ist in die Schizophrenie hineingefallen, x-mal manisch-depressiv, aber
mit jeder Phase, die er durchgemacht hat, hat er wieder ein Stückchen Entwicklung
gemacht.
Je länger ich jetzt so im Beruf bin, umso sogenannt lockerer nehme ich es.
Ich gebe nicht auf, ich stresse nicht, aber ich bin immer wieder da, wenn er wieder
kommt.
So passiert dann langsam eine Entwicklung.
Von dort her sage ich, ich bin nicht Therapeutin, sondern Entwicklungsbegleiterin.
[6335:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich versuche, ihre Entwicklung zu begleiten und
dort ein standhaft verfügbares Individuum zu sein.
Nicht Tag und Nacht, das bringt auch wieder nichts.
Wenn einem die Leute dann zu viel immer fragen, was mache ich jetzt da, was
mache ich da, dann tut man sie wieder, wie will ich sagen, unfähig machen oder
schwach machen.
Da muss man auch ein bisschen aufpassen als Frau, dass man nicht zu viel
verwöhnt.
Man muss immer in die Beziehung gehen und klar schauen, wie es früher war, wie
es mit dem Vater war, wie es mit der Mutter war, wie es mit den Geschwistern war.
[6911:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich versuche sie dann in all diesen Interaktionen
zu begleiten und ihnen zu helfen, dass sie ihre Position finden können.
Manchmal klappt es, manchmal nicht, das kann ich nie voraussagen.
Wenn ich dann gefragt werde nach einer Prognose, und das wird mir ja oft gefragt,
dann sage ich, ich kann es ihr nicht sagen.
Ist nicht voraussagbar. Es hängt von so vielen Faktoren ab.
Es wäre natürlich schön, wenn sie noch andere Bezugspersonen haben.
[7482:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich kann nichts voraussagen, ich muss
wachsam, ich sage dem, wachsam begleiten.
Ich habe mich meinen Assistenzscherz, den ich ausgebildet habe, ich habe gesagt,
wachsam begleiten, das darf auch nicht gleich sein.
Man darf Beziehungen nie abbrechen.
Wachsam begleiten, aber nicht ehrgeizig begleiten.
Nicht irgendetwas erreichen wollen, das nicht geht.
Denn das ist das Schlimmste für unser Helfer.
Wir wollen etwas erreichen und dann geht es nicht, dann werden wir verrückt.
[8365:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da gibt es ja auch einen Film über Königsfelden.
Helfer, wenn sie nicht helfen können, werden sie aggressiv bis zu sadistisch.
Ja, man kann nicht alles verändern, aber dennoch nicht aufgeben.
Jetzt teils sagen die, wenn ich nichts verändern kann, dann höre ich auf.
Zu denen gehöre ich nicht.
Ich versuche es weiterzumachen und ob dann etwas herauskommt oder nicht, das
sehen wir dann.
[8938:00] Dr.med. Ursula Davatz: In dem Sinne habe ich natürlich langjährige
Begleitungen, ich habe zum Teil auch Begleitungen, also über Generationen hinweg.
Dass ich Grosseltern beraten habe und das Enkelkind kommt dann, aber ich kenne
dann schon das System und habe natürlich viel einen schnelleren Einstieg.
Ich habe eine Begleitung, da habe ich die Eltern beraten, die Tochter hat eine
Psychose gemacht, ist in einem Unfall querschnittsgelähmt worden und die hat mich
erst wieder gefunden über mein Buch.
[9515:00] Bemerkung 2: Ah!
[9527:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die begleite ich jetzt und die begleite ich in
Bezug auf ihre Mädchen, auf ihre Kinder.
Da habe ich natürlich unglaublich viel Erfahrung und sehe dann so schneller durch
das System durch.
Ich weiss noch, als ich die Ausbildung in Amerika gemacht habe, als
Familientherapeutin, da musste man Videoaufnahmen von sich selbst machen und
dann hat die Supervisorin gesagt, ja, du nimmst da alles schön auf, aber was machst
du? Ich habe nichts gemacht.
[10060:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich habe nicht gewusst, was machen.
Ich denke, wenn ich nicht weiss, was machen, lieber nichts machen, als irgendetwas
reinschiessen.
Das braucht viel Geduld.
Aber jeder von ihnen macht es ein bisschen anders und man muss es so machen,
wie es zu einem selber passt.
Wenn das Trauma ist in der Familie, dann versuche ich, den Leuten zu helfen, das
nochmal anzusprechen.
[10598:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da sage ich aber allen, wenn man als
erwachsene Tochter seine Mutter anspricht, hat man meistens hintendran noch den
Wunsch, man werde verstanden.
Da sage ich immer, nein, Sie müssen nicht, das ist eine Erwartungshaltung.
Das gibt eine enttäuschte Erwartungshaltung.
Nicht, wenn man zur Mutter geht, endlich verstanden werden wollen oder zum Vater,
sondern, und da mache ich ein Wortspiel, anstatt verstanden werden zu wollen,
muss man für sich hinstehen.
[11163:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sagen, so und so war es, so habe ich es erlebt.
Für sich hinstehen, ohne dass man den anderen verurteilt, sondern nur, was man
selber erlebt hat.
Dass man ja einfach für sich hinsteht.
Eltern haben dann meistens das Gefühl, jetzt will mich meine Tochter anklagen oder
mein Sohn.
Dann gibt es Abwehr und dann muss man den Erwachsenen sagen, es geht nicht
darum, den Vater oder die Mutter anzuklagen.
Es geht nicht um Schuldscheinweisung, überhaupt nicht.
Es geht nur darum, die Narrative, also die eigene Narrative zu erzählen.
So habe ich es erlebt.
Ich sage dann sogar den Leuten, dass sie sagen, ich will dir jetzt meine Geschichte
erzählen, wie ich es erlebt habe, und ich will, dass du mir zuhörst.
Unterbreche mich nicht, sage nicht, nein, das war ganz anders.
Wenn ich es fertig erzählt habe, kannst du dann deine Variante sagen.
Nicht das Hin und Her, das Hickhack.
[12248:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich habe es so erlebt, nein, nein, so war es
nicht.
Jeder erlebt die Realität anders und jede Realität ist eine subjektive Realität.
Es gibt ja sowieso keine objektive, schon gar nicht in den Beziehungen.
Viele, auch erwachsene Leute, haben oft Mühe, zu den Eltern oder den
Geschwistern etwas zu sagen, ohne dass sie sie überzeugen wollen von ihrer Sicht.
Man darf nicht missionieren, man darf nur seine Geschichte erzählen.
[12802:00] Dr.med. Ursula Davatz: Darum mache ich das Wortspiel, selber für sich
hinstehe, aber nicht verstanden werden.
Das Verstanden werden kommt verzögert oder auch nie, aber das macht nichts.
Die wichtige Aktion ist, dass man für sich hinsteht.
Dass man sich selber ernst nimmt, dass man zu sich steht.
Das wäre wieder das vom ADHS, nicht den anderen alles recht machen wollen,
sondern spüren, was für einem wichtig ist und für das hinstehen.
[13318:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist etwas vom Schwierigsten.
Das wäre dann auch wieder, dass man über Gefühle reden muss, damals habe ich
mich so und so gefühlt und so und so gefühlt, ohne Emotionen.
Sobald man Emotionen verwendet, will man beim anderen etwas bewegen.
Emovere heisst, bewegen, moveren ist bewegen, etwas beim anderen herauskitzeln.
Genau das geht nicht. Die Erwartungshaltung, man hätte dann irgendeine Reaktion,
man wird endlich anerkannt, nein, man muss sich selber anerkennen in einer
Situation und für diese Situation hinstehen.
Wenn die Leute das erreichen, wenn ihnen das gelingt, dann sind sie ein Stückchen
weiter.
[14115:00] Bemerkung 3: Muss man das Gespräch suchen, jetzt mit dem Eltern
zum Beispiel, oder auch für sich hinstehen in dem, dass man es eben mit einem
Brief klärt?
[14283:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, man kann auch über einen Brief, also wenn
die Eltern gestorben sind, geht es ja nicht anders, aber auch wenn sie noch leben,
sage ich, sie können selber das aufschreiben für sich, damit sie sich klar werden, sie
könnten den Brief abschicken oder auch nicht.
Da überlasse ich das den Leuten, ob die ihn dann abschicken wollen oder nicht.
Nein, es muss nicht unbedingt sein.
Es hat eine grössere Wirkung, aber das muss ich jedem selber überlassen.
[14810:00] Dr.med. Ursula Davatz: Bei sexuellem Missbrauch, habe natürlich auch
einige begleitet, wenn der sexuelle Missbraucher noch lebt oder steht, ja, noch nicht
tot ist, idealerweise wäre es gut, wenn man dem gegenüber das sagen könnte.
Aber man darf es auch nur schreiben und für sich behalten.
Das stelle ich dann auf die Person darauf ab, was sie bereit ist zu machen.
[15292:49] Dr.med. Ursula Davatz: Ich hatte eine Person, die sexuell missbraucht
wurde vom Vater.
Das haben wir lange aufgearbeitet und schlussendlich hat sie dann einen Brief an
den Vater geschrieben, hatte ihn im Sack, ging ihn besuchen und hat ihn dann
konfrontiert.
Häufig erinnern die sich ja nicht mehr oder haben erfolgreich verdrängt.
Der hat dann nur gesagt, ah, das weiss ich gar nicht mehr, aber wenn das so war, tut
es mir leid. Was war dann gut.
[15824:00] Bemerkung 2: Das reichte?
[15845:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, hat geklappt.
[15887:00] Bemerkung 3: Ist die Wirkung wirklich grösser, wenn man es sagt, auch
wenn die Reaktion negativ wäre?
[16028:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, man erhofft meistens, wenn man es sagt,
es kommt eine gute Reaktion.
[16143:00] Bemerkung 3: Ja, dann ist es sicher wirklich grösser, aber was wenn
die Reaktion schlecht ist?
[16226:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann sagen viele, darum mache ich es nicht
mehr und jetzt geht es mir noch schlechter.
Da muss ich natürlich die Leute vorbereiten, dass, wenn sie es machen, sie dürfen
nicht erwarten, dass: ja, ja, du hast recht, und es tut mir leid, sondern auch wenn
sich der Vater oder die Mutter wehrt wie verrückt, dass man dann bei dem bleibt, ich
habe dir es nur sagen wollen, ich habe es nur dir schildern wollen, jetzt ist es gut für
mich.
Man darf dann ja nicht ins Diskutieren reinkommen, ja, aber, ja, aber, ja, aber, das
bringt gar nichts.
Wenn man zu sehr Angst hat vor der negativen Reaktion, dann kann man es auch
lassen und nur aufschreiben.
Ich muss es immer abstimmen auf die persönlichen Leute.
Ich zwinge niemanden zu irgendetwas, das die nicht wollen. Dann kann es ja nicht
gut wirken.
[17133:00] Bemerkung 4: Allgemein bei so Sachen, die einen ja betreffen oder die
man dann gemacht hat, ich meine, da muss nicht ein schlimmes Trauma dahinter
stecken. Ich merke einfach, sonst schwingt das bei mir immer mit, wenn ich ihn
Begegnung gehe.
[17378:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, ganz genau.
[17402:00] Bemerkung 4: Dann werde ich wieder anders beeinflusst, weil es hängt
ja immer noch dahinter.
[17466:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es hängt im Hinterkopf.
[17490:00] Bemerkung 4: Was passiert ist.
Ich versuche mir einfach auch vorzunehmen, das wirklich so mitzuteilen, dass das
von mir wie weg ist.
Ich erwarte nicht einmal, dass mein Gegenüber dann irgendetwas, also es wäre
schön, wenn es etwas bewirken würde.
[17763:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es wäre schön, ja.
[17764:00] Bemerkung 4: Mir geht es eigentlich mehr, dass ich wieder anders
diesen Leuten begegnen kann.
[17835:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ganz genau.
[17841:00] Bemerkung 4: Dass ich wieder deponieren kann, was sie mit mir
gemacht haben.
[17878:00] Dr.med. Ursula Davatz: Genau.
[17887:00] Bemerkung 4: Und das auch aussprechen konnte.
[17916:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ganz genau.
[17931:00] Bemerkung 4: Das hilft mir auch.
[17952:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ganz genau. Ich darf ehrlich sein, ob es jemand
annimmt oder nicht, ist seine Sache, aber ich bin ehrlich gewesen und ehrlich mit mir
selber.
Dann hat man es wie ein bisschen los.
Ich habe jetzt meine Sache gesagt.
Ja, so wirkt es.
Sonst ist es immer noch hinten dran und ah.
Und wenn man es gesagt hat, ist man so wie mehr im Reinen mit sich.
[18336:00] Bemerkung 4: Ja, und man merkt auch, ich gebe mir wirklich den Wert.
[18385:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, ganz genau.
[18401:00] Bemerkung 4: Das Schwierige ansprechen können. Ich weiss nicht, ich
löse ja bei meinem Gegenüber etwas aus.
[18480:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja.
[18491:00] Bemerkung 4: Und doch für sein Verhalten kann ich gar nicht so viel.
Also ich kann es versuchen, anständig und gut zu sagen.
[18589:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, ja.
[18594:00] Bemerkung 3: Was mit jemandem passiert, …
[18621:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist seine Sache.
Ich habe auch, das war eine Krankenschwester, und die hat ihrer Mutter gegenüber
sagen müssen, bei dir waren immer die Söhne wichtig und ich als Tochter, die alles
für dich gemacht hat, überhaupt nicht wichtig.
Die hat dann auch gesagt, weisst du, ich beobachte das und es tut mir manchmal
weh.
Aha. Als sie das gesagt hat, konnte sie viel lockerer ihre Mutter besuchen und sie
auch gut sterben lassen. Davor war immer so ein Knopf im Kopf.
[19184:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, es geht darum, dass man Ehrlichkeit mit
sich; aber ausspricht.
Ich hatte eine, die wurde sexuell missbraucht von ihrem Chef, da haben wir ein paar
Jahre daran gearbeitet.
Der hat nicht mehr gelebt.
In den Träumen hat man dann gesehen, dass sie sich immer mehr davon
distanzieren konnte.
Am Anfang war es noch Wut.
[19690:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich sage, bei so schwierigen Sachen, der
Prozess ist immer zuerst Wut, dann Trauer und dann loslassen.
Aus der Trauer heraus kann man dann loslassen.
Man muss diese drei Phasen durchmachen.
Man darf die Wut nicht abklemmen.
Man muss nicht vergeben, es geht auch nicht um Vergeben.
Man muss nicht urteilen über die.
Man darf traurig sein über das, was einem passiert ist.
Aber man muss nicht Richter sein gegenüber den Tätern.
[20232:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man in die Geschichte schaut, läuft ja
immer Täter, Opfer, Täter, Opfer.
Es ist jemand ein Opfer, das tut er ausagieren als Täter in der nächsten Generation.
Dann hat es dort wieder ein Opfer und das muss wieder ein Täter sein.
Das versuche ich natürlich zu unterbrechen, indem ich dieser Geschichte viel
Sorgfalt zuwende.
Dann muss es nicht weitergehen.
Aber es ist noch eine Kunst.
Aber es lohnt sich.
[20761:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja. Ich weiss nicht, ob Ihnen das ein bisschen
etwas gibt.
[20852:00] Bemerkung 5: Schon. Danke.
[20870:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie dürften jetzt auch noch Fragen dazu stellen.
[20960:00] Bemerkung 6: Ich weiss einfach so besser, wie ich das Klientel unter
Umständen vorbereiten kann für so ein Gespräch.
Ermuntern und sagen, du kannst aber nichts erwarten.
[21168:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dass der andere sich entschuldigen und
grosses Verständnis hat.
[21246:00] Bemerkung 6: Manchmal merke ich, man will ja dann nicht etwas
aufwühlen, wo beim anderen vielleicht schlummert oder nicht mehr da ist.
Ein Mann, der sexuell missbraucht hat, der hat ja Verdränungsmechanismen.
[21484:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja.
[21503:00] Bemerkung 6: In der Psychiatrie hört man, man solle auch nicht
schlafende Hunde wecken.
[21597:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nein, finde ich falsch.
[21620:00] Bemerkung 6: Ich als Therapeut tue das ja eh nicht, also ich weiss, wo
meine Grenzen sind.
Ich glaube, sie wecken sicher schlafende Hunde.
[21792:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich tue schlafende Hunde wecken, ja.
[21821:00] Bemerkung 6: Ja, genau.
[21843:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich habe nicht Angst vor diesen schlafenden
Hunden.
Ich mache auch nicht einen Bogen darum herum.
Ich frage natürlich schon und ich schaue dann immer, wie das Individuum darauf
reagiert.
Ich sage, wollen Sie nicht darüber reden, nein, jetzt nicht, aber ich komme dann
auch wieder damit.
Ich sage, man kann etwas verdrängen, vergessen kann man es nicht. Man kann
etwas verarbeiten.
Indem man die sogenannten schlafenden Hunde weckt, kann man es verarbeiten.
Die Medikamente, die tun alles verdrängen.
Ich bin natürlich Therapeutin und ich will den Leuten helfen, dass sie etwas
verarbeiten.
[22724:00] Bemerkung 7: Geben Sie dann bei Psychose oder Schizophrenie schon
auch Medikamente oder gar nicht?
[22812:00] Dr.med. Ursula Davatz: In der Akutphase gebe ich auch, immer.
Ja, ja, klar.
Aber nicht nur.
Ich arbeite immer therapeutisch mit Ihnen.
Das ist ja das andere Buch, ADHS und Schizophrenie.
Dort habe ich mich ausschliesslich mit der Schizophrenie und dem ADHS befasst.
Wenn die auch wieder in die Klinik kommen, dann gibt man ihnen immer wieder
Medikamente.
Ich lasse sie immer absetzen.
Dann, ja, das ist Eingriff in ihre Persönlichkeit.
Denn hat man aber gefragt, wer hat Ihnen Medikamente abgesetzt? Oder ich werde
dann beschuldigt, dass ich Medikamente abgesetzt habe.
Und dann sage ich, nein, der Patient hat sie selber abgesetzt.
[23454:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich reite nicht nur auf diesen Medikamenten
herum.
Jede Psychose kann wieder eine Chance sein, um noch ein bisschen besser die
Sachen anzuschauen.
Der eine, den ich da schon so lange begleite, der hatte X Psychosen.
Jedes Mal, also man kann Psychosen auch als Entwicklungsschub anschauen.
Ich schaue natürlich dann immer, was waren die Stressoren, die die Psychose
wieder ausgelöst haben.
Es sind immer wieder Stressoren da. Es kommt nie aus dem heiteren Himmel.
[23987:00] Dr.med. Ursula Davatz: Jede Krise ist wieder eine Lernmöglichkeit.
Ich spüre dann auch so von der Wahrnehmung dieser Leute, wie sie mehr bei sich
sind.
Besser integriert bei sich.
Ich habe gar nicht mehr Angst vor der Psychose.
Ich will sie nicht mehr verhindern.
Ich versuche aus der Psychose auch immer herauszulesen, was sind da noch für
verborgene Sachen.
[24489:00] Dr.med. Ursula Davatz: In den Träumen, also ich frage die Leute auch
immer nach dem Träumen, gewisse erzählen sie einem, andere nicht.
In den Träumen sieht man immer, an was sie am Arbeiten sind und wo sie stehen.
Im Traum hat man auch so ein bisschen Zugang zu diesen, was will ich sagen,
tieferen Schichten.
Es ist interessant, alle Psychopharmaka, die einschläfern, sedieren, die
unterdrücken, auch den REM-Schlaf.
Der REM-Schlaf ist die Rapid Eye Movement.
[25094:00] Dr.med. Ursula Davatz: Diese Phase, das ist nicht ganz Tiefschlaf,
sondern so ein bisschen dazwischen.
Im REM-Schlaf träumt man.
Wenn man am Tag die Sachen nicht verarbeiten kann, dann tut man sie in der Nacht
verarbeiten.
Da habe ich letztens auch einen Film gesehen, wo die dann im REM-Schlaf halb
zum Bett ausgestiegen sind und gezappelt haben und so weiter.
Da sieht man, die tun die Sachen in der Nacht, im Traum bewältigen, anstatt am Tag.
[25596:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich versuche es dann immer, in den Tag
reinzuholen, ins Bewusstsein und zu schauen, wie kann man es verarbeiten.
Ich schwöre auf Therapie, die Entwicklung, die Veränderung und nicht Symptome
unterdrücken.
[25856:00] Bemerkung 8: Ich habe zum Teil auch junge Klienten, die nehmen
irgendwie vier, fünf verschiedene Medikamente.
[25925:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, ist so.
[25937:00] Bemerkung 8: Ein Medikament mit Nebenwirkungen.
[26001:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es ist ganz schwierig.
Bei den ADHSlern gibt man ja eine Stimulanz.
Wenn er dann psychotisch wird oder depressiv wird, für Psychose gibt man ein
Antipsychotikum, für Depression ein Antidepressivum, das hat ihr Sohn bekommen.
Alles schraubt irgendwie herum an diesen Regulationsmechanismen.
Ich sage natürlich, es reguliert sich am besten selber, wenn die Person ihren Weg,
ihren Fokus und ja, ihre Zufriedenheit findet.
[26513:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist natürlich einfach gesagt, aber nicht so
einfach gemacht.
Da stören mich Medikamente eigentlich eher.
[26707:00] Bemerkung 9: Tun Sie da supplementieren mit Sachen? Ich weiss noch
nicht, Omega-3, Magnesium.
[26803:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn die Leute das wollen und schon kennen,
dann lasse ich sie das machen. Ich selber verschreibe es nicht als Erstes.
[26917:00] Bemerkung 9: Okay.
[26925:00] Dr.med. Ursula Davatz: Omega-3-Fettsäuren sagt man ja, seien beim
ADHS gut. Magnesium ist für die Muskeln gut.
Ja, das bekommen sie meistens von anderen verschrieben oder sie holen es sich
selber.
Wenn jemand gar nicht schlafen kann, man kann ich nicht leben, ohne zu schlafen.
Dann muss ich irgendeinmal auch etwas geben, damit die wieder schlafen können.
[27427:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich versuche sie dann immer wieder davon frei
zu machen.
Ja, ich habe Leute, die haben tonnenweise Medikamente.
Die wollen dann auch meistens nicht mehr loslassen.
Ich darf da auch nicht zu pedantisch oder fanatisch sein.
Ich frage dann immer, wann sind sie bereit loszulassen.
[27952:00] Dr.med. Ursula Davatz: Eine hat so viele Medikamente, aber ist jetzt
langsam ein bisschen stabil und ungefähr hundertmal hospitalisiert worden, immer
so somatisch.
Da muss man halt mit weniger zufrieden sein.
[28202:32] Dr.med. Ursula Davatz: Mal andere Fragen.
Oder hat jemand eine Geschichte, die er gerne anschauen möchte? Anhand von
dieser arbeiten?
[28398:00] Bemerkung 10: Mich würde interessieren, wie Sie Grenzen ziehen?
Ich meine, Sie machen das ja schon mega lange.
Aber wie machen Sie das, wenn Sie so schlimme, schwierige Fälle auch haben?
[28553:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wie mache ich das?
[28573:00] Bemerkung 10: Ja.
[28594:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das werde ich oft gefragt.
Irgendwann ist das Interview in der Zeitung gekommen, da habe ich gesagt: ich liebe
es nun mal, Probleme zu lösen.
Ingenieure müssen auch Probleme lösen, aber technische.
Ich bin wahrscheinlich Ingenieur im sozialpsychologischen Bereich.
Ja, ich bin neugierig.
Ich gebe nicht so schnell auf.
Ich denke dann immer, ja, was könnte man da jetzt noch machen?
Ich muss dann auch meine Energie/Ehrgeiz zurückbinden.
Ich bin neugierig und ich bin lernbereit.
[29173:00] Dr.med. Ursula Davatz: Indem ich mit solchen Leuten arbeite, lerne ich
auch immer etwas.
Gerade wenn ich nicht so schnell mit irgendetwas durchkomme, dann muss ich
lernen.
Das macht es wieder spannend.
Ich sage dann auch, ich muss nicht ins Kino gehen oder ins Theater. Ich habe so
viele interessante Geschichten.
[29497:00] Bemerkung 11: Theater zu Hause.
[29510:00] Dr.med. Ursula Davatz: Täglich.
Ich bin gut unterhalten.
Ich lerne dann auch meistens Sachen von diesen Leuten, die über die Psychiatrie
hinausgehen.
Dass die von irgendetwas erzählen. Ich frage sie, um ihre Meinung und so.
Wenn die Krankenkasse das wüsste, würde sie wahrscheinlich sagen, das ist keine
Therapie.
Das gehört dazu.
Also ganz, ganz schwierige Frauen habe ich gehabt.
[30023:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die festgehockt sind.
Sie habe ich dann auch meistens gefragt über ein Objekt.
Kann sie mir einen guten Film angeben?
Oder welchen Schriftsteller findet sie gut?
Dass ich über einen Objekt den Bezug hergestellt habe.
Wenn man mit so schwierigen Leuten, gerade autistischen, so direkt Bezug
herstellen will, dann ist das zu viel.
So wie man einem Hund nicht in die Augen schauen darf. Sonst bekommt er Angst.
[30527:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann rede ich über andere Sachen.
Wer hat an mich noch eine Frage?
[30756:00] Bemerkung 12: Ich habe so eine Frage.
[30853:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie müssen ein bisschen lauter reden.
[30881:00] Bemerkung 12: Zu Erziehungsschäden.
Das Kind muss in die Kita kommen.
Darum ist er jetzt zwei halbe Tage bei uns in der Kita.
[31185:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wie alt?
[31262:00] Bemerkung 12: Er ist zwei Jahre alt.
[31286:00] Dr.med. Ursula Davatz: Zwei Jahre alt. Noch ein bisschen klein.
[31330:00] Bemerkung 12: Ja, er ist klein und der grosse Bruder ist jetzt schon aus
der Familie draussen. Der ist jetzt schon bei einer Pflegefamilie.
[31465:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah, den hat man platziert?
[31489:00] Bemerkung 12: Der Kleine ist aber noch in der Familie drinnen, muss
aber jetzt eben in die Kita kommen.
Das ist jetzt meine Eingewöhnung und ich habe ihn drei, viermal gehabt und er ist
ein sehr forderndes Kind.
Wir wissen auch nicht so viel, was in der Familie los ist.
Wir wissen einfach eben, dass im Gericht ein Beschluss gekommen ist und dass
irgendetwas ist.
[32002:00] Bemerkung 12: Man sieht natürlich schon auch, dass das Kind halt
eben so zum Tagesrhythmus raus fällt, es steht, erst um 11 Uhr auf.
Mittagsschlaf macht sie erst um 4 Uhr am Nachmittag.
Es ist mit dem blauen Auge gekommen.
Ganz viele so Sachen.
Es kann noch nicht schwatzen mit zwei.
Ist motorisch noch ein bisschen hinten dran und so.
Und meine Frage ist jetzt, wie wir dem Kind in der Kita am besten begegnen?
[32534:00] Dr.med. Ursula Davatz: Bei so kleinen Kindern würde ich natürlich
immer sagen, sie müssen die Eltern kennenlernen.
Ich würde sagen, die Mutter und wahrscheinlich sogar getrennt einladen.
Da ist wahrscheinlich ein Konflikt hinten dran.
Getrennt sich ein Bild machen von der Mutter und getrennt sich ein Bild machen vom
Vater.
Dann überlegen, was interagiert da und an welchem Platz ist da das Kind.
[33037:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dass sie ein bisschen ein Verhältnis haben zu
seiner Umgebung, dass sie seine Verhältnisse kennen, dass sie ein bisschen
wissen, was da läuft.
Er ist noch sehr klein.
Bei Kindern lasse ich dann auch eine Zeichnung machen.
Ich habe ein Kind gehabt, da hat sich sein lieblicher Vater von der Mutter getrennt
und er hatte quasi einen Stiefvater als Bezugsperson.
Dann habe ich die, das Mädchen auch, die Familie zeichnen lassen.
[33554:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie hat ihre Mutter, ihre zwei Brüder und sich
gezeichnet und den Freund der Mutter, auch in der Familie, als wichtige
Bezugsperson.
Der Vater war irgendwo aussen, also auf der anderen Seite vom Blatt.
Dann hat man genau gesehen, ja, der ist weiter weg.
Gerichtlich ist es darum gegangen, dass der Vater das Kind sehen darf.
Ein Kampf und ein Zeugs.
Die Mutter hatte immer Angst, dass es zur Kindsentführung kommt.
[34103:00] Dr.med. Ursula Davatz: Er hat dann das Kind sehen dürfen, aber nur im
Haus der Mutter.
Sie konnten ins Zimmer hochgehen, miteinander schwätzen und spielen.
Die Mutter hatte immer panische Angst.
Ich habe sie die ganze Zeit begleitet.
Die Tochter ist jetzt erwachsen, hat schon studiert und es läuft gut.
Der liebliche Vater ist nicht mehr gross aufgetreten.
[34629:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, ich denke, sie müssten beide kennenlernen
und sie müssten dann auch fragen, wie ist das für die?
Das ältere Kind, ist das ein Mädchen oder ein Bub?
[34708:00] Bemerkung 12: Das ist auch ein Bub. Der ist aber nicht vom gleichen
Vater.
[34771:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nicht vom gleichen?
[34787:00] Bemerkung 12: Nein.
[34798:00] Dr.med. Ursula Davatz: Okay, ja, dann ist es nochmal anders.
[34824:00] Bemerkung 12: Die Infos, die wir einfach so ein bisschen haben, ist der
Vater, ist so ein bisschen der, der schaut, dass der Sohn ein bisschen rechtzeitig
aufgestanden ist für die Schule.
[35018:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist der andere Vater dann?
[35048:00] Bemerkung 3: Nein, das ist der Vater vom Kind, das bei mir ist.
[35098:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah, dann wäre es der Stiefvater vom anderen?
[35140:00] Bemerkung 3: Ja, genau. Der für die Struktur sorgt anscheinend.
[35222:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, ich würde beide kennenlernen.
Dann würde ich fragen, was haben sie für eine Unterstützung?
Haben sie eine?
Würden sie eine akzeptieren, denn sie könnten die Arbeit nicht machen.
Dann schauen, ja, könnte man dem System irgendwie eine Unterstützung
zukommen lassen?
Unsere Gesetzgebung ist ja so, es geht nicht, also Fremdplatzierung.
Es ist nicht immer das Beste. Ich habe viele fremdplatzierte Kinder als Erwachsene
begleitet.
[35772:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist nicht immer gut gelaufen.
Ich versuche nach Möglichkeit immer das natürliches System zu unterstützen.
Das können Sie als Kitafrau nicht, aber indem Sie sie einladen und sagen, wen
haben Sie, dann könnte man auch fragen, haben Sie Verwandte, die euch ein
bisschen unterstützen?
Nachbarn?
[36109:00] Bemerkung 12: Sie sind Schweizer.
[36120:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ausländer?
[36158:00] Bemerkung 12: Nein, sie sind Schweizer.
Die Grossmutter ist ab und zu mal involviert, aber eigentlich nie, dass sie mal bei der
Grossmutter sind oder so, sondern eigentlich hauptsächlich bei Mutter und Vater.
Ich habe einfach wie die Möglichkeit, die Eltern jetzt innerhalb dieser Eingewöhnung
kennenzulernen.
Ich habe jetzt die Eltern dreimal eine Stunde miterlebt mit dem Kind und sie sind
immer so ein bisschen, es war irgendwie eine Distanz da.
[36699:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, klar. Die haben natürlich Angst, sie würden
sie schlecht beurteilen und dann nimmt man das Kind auch noch weg.
Ja, ich würde wahrscheinlich ein bisschen inquisitiver fragen und dann auch nach
Unterstützungsmöglichkeiten, wen haben Sie, die Sie unterstützen, würden Sie
jemanden nehmen?
Ja, man muss sich so ein bisschen durchfragen.
[37220:00] Dr.med. Ursula Davatz: Was ich auch schon gemacht habe, das Götti-
System.
Da hat sie jetzt einen Vater und von dort her kann man keinen weiteren einführen.
[37431:00] Bemerkung 12: Spezifisch auf die Betreuung in der Kita?
[37502:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ganz speziell auf die Betreuung.
Schauen, auf was er reagiert oder schlecht reagiert und auf was gut.
Dann immer ein bisschen Bezug nehmen zu zu Hause.
Wie läuft das zu Hause?
[37766:00] Bemerkung 12: Er redet nicht.
[37784:00] Dr.med. Ursula Davatz: Er kann es natürlich nicht sagen.
Dann in ihrem Kopf.
Dann allenfalls halt sogar wieder fragen.
Ja, der kann es noch nicht sagen. Nein, der kann das nicht sagen.
[37963:00] Bemerkung 3: Also der kann noch nicht mal Mami sagen.
[37995:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ehrlich.
[38001:00] Bemerkung 3: Das ist wirklich noch ganz fest.
[38028:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann ist er da zurück.
[38070:00] Bemerkung 3: Was einfach ist, ist, wenn man mal wie Grenzen setzt,
ist es ganz, ganz schlimm.
[38168:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das verträgt er gar nicht.
[38195:00] Bemerkung 3: Wenn man sich ein bisschen dagegen stellt.
[38310:00] Dr.med. Ursula Davatz: Manchmal kann man noch mit Tieren.
Jedes ist ein Tierchen.
Man spielt mit Tieren.
Er ist ein Tierchen, sie sind ein Tierchen.
Der andere ist noch eins.
Dann über ein bisschen leichte Distanzierung das inszenieren.
Es braucht sehr viel Beobachtung.
[38667:00] Bemerkung 12: Ja.
[38676:00] Dr.med. Ursula Davatz: Bevor sie irgendwie Grenzen setzen, zuerst ein
bisschen etwas im Kopf haben, einen Plan haben oder nein, eine Wahrnehmung
haben, auf was er jetzt reagiert.
Vielleicht Grenzen … Wie soll ich das sagen? Eher etwas Gemeinsames machen.
Sie wollen irgendetwas nicht, dass sie ein Joining machen, also mit ihm zusammen
einen anderen Weg gehen.
[39230:00] Dr.med. Ursula Davatz: Er erträgt das alleine sein nicht.
Wenn sie Grenzen setzen, ist alles verloren.
Er hat zu Hause wahrscheinlich nicht so ein gutes … Ich weiss es nicht.
Wie ist die Mutter?
[39532:00] Bemerkung 12: Sie wirkt sehr … Sie wirkt so, als würde … Sie kann gut
schwatzen.
[39652:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah!
[39678:00] Bemerkung 12: Sie kann gut reden und es wirkt auf den ersten Blick
alles gut.
Dann eben, wenn du so mit gewissen Informationen merkt man so…
[39912:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.
[39938:00] Bemerkung 12: Wenn er dann so Emotionsausbrüche hatte, hat wie
niemand reagiert.
Er hat aber auch gar niemanden an sich herangelassen.
Spannenderweise hat er jetzt nach der ersten Trennung auch so einen, er hat meine
Miterzieherin geschlagen und dann hat sie gefunden, hey, das möchte ich nicht, das
macht mir weh.
Dann hat er sich von uns beiden trösten lassen und wirklich auch Nähe gesucht.
[40466:00] Dr.med. Ursula Davatz: In welchem Moment hat er die Miterzieherin
geschlagen? Was ist davor passiert?
[40555:00] Bemerkung 12: Er wollte eine Flasche nehmen von dem anderen Kind.
Das Kind hat nicht gewollt, dass er die Flasche nimmt.
Sie hat gefunden, hey, ich will, dass du die Flasche hier lässt.
Das hat er wahrscheinlich wie nicht verstanden.
[40753:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, da wäre wieder, aha, du willst jetzt, also das
wäre wieder das Validieren.
Ah, du willst diese Flasche, hast du Durst?
Erst dann, weisst du, die Flasche gehört dem und dem, wir gehen ein Glas holen
und so.
[40997:00] Bemerkung 12: Ja.
[41008:00] Dr.med. Ursula Davatz: Immer verlangsamen.
Immer versuchen zu verstehen, was will er jetzt?
Es ist ja normal, ein kleines Kind, das Durst hat, nimmt die nächste Flasche.
[41222:00] Bemerkung 12: Ja, das war bei mir spielerisch.
[41257:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah, sogar! Den hat er herausgefordert.
Ah, dann wäre die Antwort eher, ah, willst du ein bisschen kämpfen?
Okay, schau, wir kämpfen mit dem Ball, aber nicht mit dieser Flasche.
[41432:00] Bemerkung 12: Ja.
[41452:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der Bub, der zu mir gekommen ist, zusammen
mit seiner Mutter, der hat dann mit allem gespielt.
Dann habe ich gesagt, weisst du, der Wecker ist nicht zum Fussball spielen, aber
der Ball, den darfst du.
Wenn er dann gekommen ist, ist er sofort ins Wohnzimmer gegangen und hat einen
Ball geholt.
Dass man sagt, mit dem kann man Fussball spiele, mit dem nicht.
Dass man die Absicht von dem Kind wahrnimmt und dann umleitet dorthin, wo es
geht.
[41961:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nicht nein, nicht.
[41988:00] Bemerkung 12: Ja, ja.
[42015:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das macht dann immer sofort ein Meltdown.
[42090:00] Bemerkung 13: Dadurch, dass er ja nicht kommuniziert, macht er es
nicht mit dem Körper.
[42171:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, ja, noch mehr.
[42205:00] Bemerkung 13: Er will mit dem Körper etwas zeigen oder aufmerksam
machen.
[42357:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dadurch, dass er noch nicht kommunizieren
kann, muss man ihn noch mehr beobachten.
[42423:00] Bemerkung 13: Noch viel mehr beobachten.
[42453:00] Dr.med. Ursula Davatz: Umso mehr beobachten.
[42466:00] Bemerkung 13: Noch mehr auf die Finessen schauen, wie bewegt er
sich. Was will er, auf was reagiert er?
Reagiert er auf Gerüche oder auf Lärm, auf gewisse Musik oder irgendwie so oder
Geschmäcker oder Farben?
Da sind sie viel sensibler.
[42804:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja.
[42831:00] Bemerkung 13: Vielleicht will er plötzlich auch von reden. Vielleicht
redet er ja bewusst nicht.
[42894:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist auch möglich.
Es gibt Kinder, die bis zehn in der Stunde nicht reden.
Die boykottieren.
Mit der Haltung, die Lehrerin hört mir ohnehin nicht zu.
[43085:00] Bemerkung 13: Ich sage das jetzt mehr aus dem Grund, weil gerade
mein Götti-Bub, hat man zuerst gesagt, ja, der hört, der hört.
Wir haben gesagt, der hört nicht.
Er ist taubstumm.
[43303:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der ist taubstumm?
[43317:00] Bemerkung 13: Der ist taubstumm.
Bis das wirklich mal rausgekommen ist vom Kinderarzt und bis man mal so weit war.
Jetzt ist er auf einem Stand von anderthalbjährig, entwicklungsmässig.
[43503:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah ja.
[43515:00] Bemerkung 3: Man lernt jetzt mit Gebärdesprache.
Jetzt hört er die Geräusche und er weiss gar nicht, was das ist, oder?
[43651:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, da muss man schauen.
Sicher mehr beobachten, sorgfältig beobachten, bevor man irgendeine Regel
einführt.
Erst nach dem Beobachten die Regel einführen.
Ich meine, die Regeln kann man auch gestikmässig lernen.
Weisst du, das gehört hier hin und jetzt spielen wir mit dem.
Wenn Sie sagen, er hat immer ein bisschen spielen, also ein bisschen, ich sage jetzt
teasing, provozieren.
Aha, du willst? Okay, mit dem.
[44198:00] Bemerkung 13: Ja, nicht einmal provozieren, es ist einfach irgendein
Gegenstand von hier oder von dort, dort.
[44287:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah, der will jeden Gegenstand anfassen.
[44327:00] Bemerkung 13: Ja, dann verteilt er ganz viele Sachen.
[44361:00] Dr.med. Ursula Davatz: Also explorativ.
[44389:00] Bemerkung 13: Mega.
[44405:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah, das findest du interessant.
[44899:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah, das interessiert dich ja, verstande ich, das
ist noch interessant.
Dann kommt es, das gehört hier hin, komm, da hat es noch mehr Interessante.
Also seine Neugier dann auf andere Sachen leiten.
Ist das so ein bisschen eine Antwort?
[45200:00] Bemerkung 13: Ja, okay.
[45210:00] Dr.med. Ursula Davatz: Eine Möglichkeit. Okay. Sehr gut.
Was für andere Sachen wollen Sie noch angeschaut haben?
Ich brauche Material.
[45351:00] Bemerkung 14: Ich habe einen ganz schwierigen Fall. Ich komme von
der KESB.
[45415:00] Dr.med. Ursula Davatz: Okay, dann.
[45433:00] Bemerkung 14: Ich kenne noch nicht alle Details.
Die Mutter lebt mit einem neuen Mann.
Mit dem hat sie zwei Mädchen.
Das sind die jüngsten Kinder.
Sie hat fünf Kinder.
[45853:00] Dr.med. Ursula Davatz: Mit dem neuen Mann hat sie zwei Mädchen.
[45887:00] Bemerkung 14: Genau. Sie hat zwei Mädchen.
Die sind zwei und vier Jahre alt.
Die sind schon fremd platziert.
[46088:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah ja. Hat sie noch ein erstes Kind oder nicht?
[46249:00] Bemerkung 14: Sie hat noch drei andere Kinder vorweg. Also drei
Buben.
[46322:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah ja. Zwei Buben?
[46335:00] Bemerkung 14: Drei, von ihrem Ex-Partner hat sie drei Buben.
Die sind sechs, acht und zehn.
Die haben alle Autismus.
[46604:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah ja.
[46639:00] Bemerkung 14: Der Ex-Mann, der wohnt gleich nebenan.
[46695:00] Dr.med. Ursula Davatz: Okay. Die sind aber geschieden?
[46738:00] Bemerkung 14: Ja, und der wird vom Gericht gezwungen, mehr Kontakt
zu haben. Der will nichts wissen von dem Kind.
[46857:00] Dr.med. Ursula Davatz: Hat er einen Beruf?
[46886:00] Bemerkung 14: Der ist irgendwie bei der SBB.
[46933:00] Dr.med. Ursula Davatz: SBB?
[47012:00] Bemerkung 14: Genau. Sie wohnt aber eben mit ihrem neuen Mann, mit
diesen drei Kindern, die aber nicht seine sind, sondern die gehören dem anderen.
[47141:00] Bemerkung 14: Von dem hat sie nur zwei von ihrem neuen Mann.
[47223:00] Bemerkung 14: Die zwei Mädchen, die sie mit dem neuen Mann hat, die
sind fremd platziert.
Die wohnen bei den Grosseltern.
[47340:00] Bemerkung 14: Die drei Buben vom anderen Mann sind bei ihr, die
leben mit dem Stiefvater.
[47495:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah, okay.
[47513:00] Bemerkung 14: Jetzt ist eben das KESB drin.
Jetzt ist eben die Idee, wenn sie es nicht auf die Reihe bringt, wird der Grosse, der
zehnjährige, in ein Internat geschickt.
[47842:00] Dr.med. Ursula Davatz: Was heisst nicht auf die Reihe bringen?
Was bringt sie nicht auf die Reihen?
Hat sie einen Beruf?
[47925:00] Bemerkung 14: Nein, sie hat IV.
[47955:00] Dr.med. Ursula Davatz: IV.
[47965:00] Bemerkung 14: Ihre Mutter, die war drogensüchtig, auch während der
Schwangerschaft.
[48053:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ihre Mutter?
[48076:00] Bemerkung 14: Ja, und sie hat IV.
Es gibt aber angeblich kein ADHS und ASS, das ich hätte sie anschauen lassen.
[48299:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ist sie dann nicht bei ihrer Mutter
aufgewachsen?
[48337:00] Bemerkung 14: Das weiss ich nicht.
Sie ist sehr unstabil, psychisch.
Es ist schwierig.
Jetzt ist eine Familienbegleitung installiert worden, die aber in dem Sinn nicht viel
gebracht hat, weil sie sich mit Autismus nicht auskennt.
[48711:00] Dr.med. Ursula Davatz: Aha, nein, das bringt nicht so viel.
[48742:00] Bemerkung 14: Jetzt bin ich gekommen. Jetzt hat der Beistand, sie
haben eine ASS-Begleitung gesucht und jetzt bin ich ganz frisch involviert.
[48916:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wo sind die abgeklärt worden?
[49022:00] Bemerkung 14: In Zürich.
[49050:00] Bemerkung 14: Die Schule ist ein Thema.
Weil der Zehnjährige geht an eine Steiner Schule.
Der Achtjährige geht an eine Sprachheilschule, wo wir jetzt gerade einen runden
Tisch hatten, weil das dort gar nicht mehr geht.
Also der verweigert alles.
Sie sind jetzt überzeugt, wenn er an die Steiner Schule geht, dann funktioniert das
Ganze.
Sie haben sich dann eigentlich gegen Anraten von Fachpersonen, inklusive mir, für
die Steiner Schule auch entschieden?
[49593:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der Jüngste?
[49633:00] Bemerkung 14: Der Jüngste, der ist im Kindergarten. Der ist der
Unauffälligste von allen.
[49842:00] Dr.med. Ursula Davatz: Inwiefern kommt sie nicht zu Gang mit diesen
dreien?
[49916:00] Bemerkung 14: Sie ist heillos überfordert.
Ich muss sagen, ihr neuer Partner, da ist auch häusliche Gewalt im Spiel.
[50053:00] Dr.med. Ursula Davatz: Gewalttätig.
[50099:00] Bemerkung 14: Der Beistand sagt, es ist sein komplexester Fall, den er
bis jetzt hatte.
Genau. Mein erster KESB Fall.
[50257:00] Dr.med. Ursula Davatz: Aha. Was macht er von Beruf?
[50324:00] Bemerkung 14: Nichts.
[50334:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nichts?
[50354:00] Bemerkung 14: Da ist auch eine andere Nationalität.
[50403:00] Dr.med. Ursula Davatz: Woher kommt er?
[50427:00] Bemerkung 14: Ein Türke.
[50439:00] Dr.med. Ursula Davatz: Schon lange in der Schweiz?
[50521:00] Bemerkung 14: Er spricht sehr gebrochen Deutsch.
[50585:00] Dr.med. Ursula Davatz: Okay.
[50598:00] Bemerkung 14: Sie hat nicht wirklich Unterstützung.
Der Türke ist sauer auf den Ex-Partner, weil er sagt, hey, ich muss quasi deine
Kinder grossziehen.
Meine eigenen zwei Mädchen sind uns weggenommen worden.
Das ist so ein Konstrukt.
[50921:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wie sind Sie reingeholt worden?
[50953:00] Bemerkung 14: Als Autismus-Coach?
[50982:00] Dr.med. Ursula Davatz: In der Schule oder?
[51001:00] Bemerkung 14: Eigentlich in die Familie, aber ich bin jetzt auch sehr
involviert in der Schule, weil ich auch so finde, die Kinder kommen schon absolut
gestresst nach Hause.
Ich sage, man kann sie zu Hause noch so autismusgerecht erziehen, wenn das in
der Schule ganz schwierig ist…
Da bin ich so ein bisschen mit der Schule dran.
Das versuche ich so ein bisschen zu glätten.
[51409:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der geht in eine Sprachheilschule und der in
die Steiner Schule?
[51451:00] Bemerkung 14: Genau.
Der in der Sprachheilschule, der verweigert.
Seit er jetzt weiss, dass er in die Steiner Schule muss, er will gar nicht in die Steiner
Schule.
Der Vater war nicht einmal dabei am Gespräch, aber er wollte, dass er unbedingt in
die Steiner Schule geht.
[51690:00] Bemerkung 14: Jetzt geht gar nichts mehr beim Kleinen.
Jetzt haben wir auch gesagt, krankschreiben und rausnehmen bis zu den
Frühlingsferien.
[51874:00] Bemerkung 14: Zu Hause arbeitet er mit der Mutter.
In der Schule ist er einfach komplett am Verweigern.
Es ist ganz schwierig.
[52059:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dem Älteren gefällt es in der Steiner Schule?
[52094:00] Bemerkung 14: Dem gefällt es, ja.
[52107:00] Bemerkung 14: Der kommt auch ganz überreizt heim.
Die Steiner Schule ist nicht spezialisiert auf Autismus.
[52394:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die Steiner Schule hat manchmal nicht
genügend Struktur.
[52450:00] Bemerkung 14: Genau. Es ist schon ein grosses Gefühlsmiteiander.
[52489:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann ist es eine Überforderung.
[52520:00] Bemerkung 14: Das ist das Thema.
Ich weiss, es gibt nicht die perfekte Schule für das Kind.
[52658:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nein.
[52665:00] Bemerkung 14: Das Ding ist auch, die Mutter hat auch nicht wirklich
Unterstützung.
Der Vater sollte sie am Wochenende nehmen, der liebliche Vater, die drei Kinder.
Macht er aber auch nicht. Nein, macht er auch nicht.
Er ist nur am gamen.
[52841:00] Bemerkung 14: Bei ihm ist auch ein ASS vielleicht vorhanden.
Ich gebe mein Bestes!
[52987:39] Dr.med. Ursula Davatz: In welche Richtung wollen sie gehen?
[53064:00] Bemerkung 14: Ich bin mal mit der Schule involviert.
Der neue Schulwechsel, der muss gut vorbereitet werden, dass das überhaupt
funktionieren kann.
Die Eltern haben das Gefühl, der geht in die Steiner Schule und dort macht er auf
und dort soll er nicht verweigern.
[53319:00] Dr.med. Ursula Davatz: Und er will ja gar nicht!
[53341:00] Bemerkung 14: Er will gar nicht.
An dieser Sprachheilschule haben sie gesagt, wir sind nicht wirklich spezialisiert für
Autismus, aber wir haben jetzt im neuen Schuljahr kleinere Klassen.
Sie waren auch offen, mich nochmal in die Schule zu lassen.
[53544:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da würde ich ihn in dieser Schule lassen.
[53577:00] Bemerkung 14: Ja.
[53586:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich würde sagen, ein Wechsel bei ASS-Kindern
ist gar nicht gut.
[53667:00] Bemerkung 14: Genau.
[53674:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn es irgendwie noch geht an diesem Ort,
dort lassen.
[53733:00] Bemerkung 14: Am neuen Ort ist er mit dem Bruder zusammen.
[53775:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nein. Ist auch nicht gut.
Da würde ich jetzt klar mich dafür einsetzen, dass er hier bleiben darf und dass man
dieser Sprachheilschule noch ein bisschen mehr Unterstützung gibt.
Dass sie Geduld haben.
Hat er Mühe mit seinem Benehmen?
[54019:00] Bemerkung 14: Nicht mehr. Nicht mehr. Also wirklich geht es. Geht es
gut.
[54075:00] Dr.med. Ursula Davatz: Okay. Nein, dann würde ich nicht wechseln.
[54109:00] Bemerkung 14: Ich glaube eben auch nicht.
[54127:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nein.
[54161:00] Bemerkung 14: Ich bin jetzt auch zu Hause so ein bisschen installiert,
auch um halt mich im Tagesplan einzuarbeiten.
[54315:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die haben Familienbegleitung gehabt, aber die
sind nicht so effizient gewesen?
[54397:00] Bemerkung 14: Nein, klar. Das erlebe ich häufig.
Wenn so eine Familienbegleitung ins Spiel kommt.
Für neurotypische Kinder sind die wahrscheinlich super.
Gerade jetzt bei Autismus habe ich das Gefühl, ist das schwierig, wenn man nicht so
ein Wissen hat.
[54660:00] Dr.med. Ursula Davatz: Hat man schon an HOTA gedacht?
[54702:00] Bemerkung 14: Ja, das hat nicht geklappt.
[54735:00] Dr.med. Ursula Davatz: Warum nicht?
[55031:00] Bemerkung 14: Dort kommt es auch immer so ein bisschen darauf an,
wer dann dort kommt.
[55077:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es kommt immer auf die Person an.
[55119:00] Bemerkung 14: Die Mutter hat dann mir so gesagt, ja, sie hat kein
ADHS, sie hat keinen Autismus.
Sie hat sich abgeklärt.
Ich habe dann so, Alkohol in der Schwangerschaft, da habe ich an fetales
Alkoholsyndrom zum Beispiel gedacht.
[55428:00] Bemerkung 14: Die Mutter hat so ein bisschen ADHS Verhalten.
[55645:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ach! Das ist schwierig.
Ich meine, die Abklärungen sind ja immer so reguläre Abklärungen und Fragebogen
ausfüllen und weiss ich nicht was.
ASS sowieso nicht so.
Redet sie viel, die Mutter?
Oder nicht?
[55869:00] Bemerkung 14: Jetzt hat sie mit mir so ein Vertrauen gefasst.
Sie braucht Unterstützung.
[56123:00] Dr.med. Ursula Davatz: Könnte man noch psychiatrische Spitex
reinholen? Aber die private?
[56193:00] Bemerkung 14: Ja.
[56220:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dass sie nochmal eine Bezugsperson hat.
Vom Kindsvatter hat sie ja keine Unterstützung.
[56321:00] Bemerkung 14: Der Beistand ist sehr offen und sehr gut.
[56434:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, dann würde ich noch eine psychiatrische…
Aber eben die private.
Es gibt private psychiatrische Spitäter.
Die sind flexibler.
Die gehen meistens zu zweit.
Dass, wenn eine ausfällt oder in den Ferien ist, dann hat sie eine Stellvertretung.
[56807:00] Bemerkung 15: Ich bin eine öffentliche Spitex.
[56839:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah! Ja, das dürfen Sie auch machen.
[56873:00] Bemerkung 15: Ja, es gibt ganz grosse Unterschiede, wirklich, vom
Betrieb, was er macht und wie man Kinder betreut.
[56970:00] Dr.med. Ursula Davatz: In welcher Region sind Sie?
[56995:00] Bemerkung 15: Heitersberg.
Zwölf Gemeinden bis kurz vor Bremgarten.
[57109:00] Bemerkung 15: Ja, in Dottiken gibt es sicher auch Kinderspitex.
[57426:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es ist die Mutter die Unterstützung braucht.
[57473:00] Dr.med. Ursula Davatz: Kennen Sie Leute in Dottikon? Können Sie
jemanden empfehlen?
[57575:00] Bemerkung 15: Ich muss mal überlegen.
[57736:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist halt alles wieder regional organisiert.
Die öffentliche Spitex ist auch gut.
Es kommt immer darauf an, wer es ist.
[57891:00] Bemerkung 15: Genau. Wie bei den Lehrern.
Es kommt immer darauf an, wie man das macht.
[57978:00] Dr.med. Ursula Davatz: Überlegen Sie doch mal, ja.
Dass die Frau schlussendlich die Bezugspersonen hat, für sich. Als Unterstützung
von sich.
Da können sie auch zusammenarbeiten.
Sie sind ADHS/ASS Coach.
[58264:00] Bemerkung 14: Dem Beistand habe ich gesagt, der Zehnjährige, der ist
sehr auf die Mutter fixiert.
Ich habe das Gefühl, in einem Internat, das ist sicher nicht gut.
[58441:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nein, ja nicht.
[58458:00] Bemerkung 14: Da habe ich auch meine Meinung klar darauf sagen
können.
[58528:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man die Familie auseinanderreisst,
dann…
[58585:00] Bemerkung 14: Zwei sind schon weg.
[58621:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie hat ihre zwei jüngsten Kinder weggeben
müssen.
Ich habe mal eine Familie gehabt, eine Kollegin von mir, da hat sie immer wieder ein
neues Kind gemacht.
Alles hat man ihr weggenommen, da hat sie wieder ein neues und ein neues und ein
neues.
Nein, nicht wegnehmen.
Zusatzunterstützung.
Wer kann den Türken ein bisschen an die Hand nehmen?
[59015:00] Bemerkung 14: Keine Ahnung.
[59032:00] Bemerkung 14: Letztes Mal hat sie mir eine Sprachnachricht
aufgenommen als sie einen Meltdown hatte.
Dann hast du ihn gehört, die ganze Zeit reinreden.
Ich habe gesagt, einfach nicht reden, ausschalten.
Das ist so schwierig.
[59298:00] Bemerkung 16: Von was lebt denn der?
[59330:00] Bemerkung 14: Von der Arbeitslosenkasse und sie von IV und so.
[59413:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man müsste so jemanden reinholen, der ihn ein
bisschen unterstützt. Oder ein bisschen, ich sage jetzt, abfängt.
[59796:00] Bemerkung 14: Ich verstehe, dass es für ihn die Situation auch nicht
einfach ist.
[59847:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nein.
[59862:00] Bemerkung 14: Du hast drei Jungs, bös gesagt, die dem Penner
nebenan gehören, sage ich jetzt mal.
Die sich nicht um die Kinder kümmern.
Deine zwei Mädchen sind schon weg.
Das ist schon schwierig.
[60059:00] Bemerkung 16: Eingliedern in eine Arbeitsgruppe.
[60404:00] Bemerkung 17: Hat er beim RAV einen Berufscoach?
[60690:00] Dr.med. Ursula Davatz: Müsste man fragen.
[60711:51] Bemerkung 17: Mit einer kulturvermittelnden Person ein Gespräch
führen.
[60868:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dass man über das RAV geht und dass man
dort ein bisschen versucht, herauszufinden.
Man kann ihn nicht einfach draussen lassen.
[61000:00] Bemerkung 17: Dass wir ihn in seiner Muttersprache mal einfach
erzählen lassen können, wie es ihm geht mit dieser Situation.
[61137:00] Dr.med. Ursula Davatz: Pro Infirmis? Manchmal hat es auf der Pro
Infirmis gute Berater.
Es wäre gut, wenn man einen Mann hätte.
[61314:00] Bemerkung 14: Ja, genau.
[61327:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man muss irgendeine Unterstützungsperson
reinholen, damit er nicht mit seinem überforderten patriarchalen Stil da nur
herumfunktioniert.
Und dann auf der anderen Seite ist die Gemeinde und das KESB.
Das bringt gar nichts.
[61569:00] Bemerkung 18: Wieso wurden ihm die Kinder weggenommen?
[61642:25] Bemerkung 14: Weil es anscheinend eben, Sie sagen, nicht gegangen
ist mit diesen drei Jungs und diesen zwei Mädchen, dass es einfach wie nicht ein
gutes Klima war zum Aufwachsen für die zwei Mädchen.
Die sind auch bei den Grosseltern.
Die sind bei der ex-drogensüchtigen Mutter, muss ich noch sagen.
[61916:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nicht schlecht.
[61964:00] Bemerkung 14: Ich kenne die nicht.
Das ist vielleicht vor Jahren gewesen.
Vielleicht würden die ihre Kinder nicht zu ihr schicken, wenn das nicht eine gute
Grossmutter wäre, denke ich mal.
[62145:00] Dr.med. Ursula Davatz: Den Mann gibt es nicht mehr?
[62188:00] Bemerkung 14: Das weiss ich nicht.
[62227:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die muss natürlich da etwas gut machen.
[62273:00] Bemerkung 14: Die Mutter erlebe ich als sehr interessiert. Sie liest
Bücher zu Autismus. Sie geht an Weiterbildungen. Also sie ist sehr interessiert.
[62596:00] Bemerkung 14: Sie ist irgendwie einfach allein.
[62667:00] Dr.med. Ursula Davatz: Hat sie nie etwas gelernt?
[62705:00] Bemerkung 14: Das weiss ich nicht.
[62720:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich denke, man muss den schon auch noch
reinholen.
[62837:00] Bemerkung 14: Ja, und sie irgendwo entlasten, oder?
Die hat ja die Kinder immer bei sich, die drei Jungs.
[62956:00] Dr.med. Ursula Davatz: Caritas hat "Mit Mir", professionelle Göttis.
[63189:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da kann man sich um einen Götti bewerben.
Dann haben sie eine zusätzliche Vaterfigur.
[63577:00] Bemerkung 14: Der deutsche Vater wohnt neben an und macht gar
nichts.
Er sagt nur, wo das Kind in die Schule soll.
Sie lässt sich von ihm beeinflussen, was er meint.
[63705:00] Dr.med. Ursula Davatz: Jemand muss noch mit ihm arbeiten.
[64147:00] Bemerkung 14: Alle drei Kinder haben den gleichen Beistand.
[64496:00] Bemerkung 19: Er zahlt Alimente für die Kinder.
[64644:00] Dr.med. Ursula Davatz: Muss er wahrscheinlich.
[64659:00] Dr.med. Ursula Davatz: Was hat der Beistand für eine Beziehung mit
dem Deutschen Vater?
[65135:00] Bemerkung 14: Der dringt nicht durch.
[65718:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es ist der Auftrag vom Beistand mit dem
Deutschen eine Beziehung herzustellen. Mit ihm zusammen schauen, was man
machen soll.
[66002:00] Bemerkung 14: Der ist glaube ich auch überfordert, wenn er drei Kinder
hat am Wochenende.
[66072:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der ist sicher überfordert.
[66092:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da könnte man natürlich schauen, ob man
einen Götti von Caritas einschleusen möchte.
[66183:00] Bemerkung 19: Warum will man den jüngeren in die Steiner Schule
senden?
[66589:00] Bemerkung 14: Das wird nicht besser in Steiner Schule.
[66658:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der Beistand muss mit dem Deutschen die
Beziehung suchen, eine Beziehung herstellen.
[67628:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie als Mediatorin zwischen all diesen Sachen.
[67917:21] Bemerkung 14: Der Beistand ist super!
[68068:00] Dr.med. Ursula Davatz: Super.
[68092:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie unterstützen das Ganze als Fachperson
von ADHS/ADS.
[68659:00] Dr.med. Ursula Davatz: Keine Steiner Schule, kein Wechsel. Das ist bei
diesen Kindern nicht gut.
[68767:00] Dr.med. Ursula Davatz: Spitex für die Mutter.
[69285:00] Dr.med. Ursula Davatz: Passt das für Sie?
[69714:00] Bemerkung 14: Das ist definitiv eine Herausforderung.
[69904:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, das stimmt. Sehr komplex.
[69932:00] Bemerkung 20: Spitex ist unterschiedlich, KESB ist unterschiedlich.
KESB Baden war schrecklich.
Dr.med. Ursula Davatz
Erziehungsschäden Teil 2
21.3.2026
Audio
[14:00] Dr.med. Ursula Davatz: Also, in der ADHS-Familie nehme ich immer wieder
wahr: sehr viele Talente, sehr viel Energie, und dann auch sehr viel Scheitern. Also
Versuche und Nichts. Es hat dann zum Teil Hochleister in diesen Familien, und dann
solche, die völlig missraten. Entgleitet in Sucht, in ewige Studenten und lauter
solches Zeug. Ich versuche, aus dem etwas herauszuholen.
[520:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der Vater von ihr ist aus einem Bauernhof
gekommen, und Bauern sind voll mit Traditionen, und ich habe mit vielen
Bauernfamilien gearbeitet, und dort war immer das Erd-Problem ein Problem. Es gibt
einen Kanton oder eine Landesgegend, wo immer der Älteste den Bauernhof
übernimmt, und es gibt solche, wo es immer der Jüngste ist.
Der Vater kann länger Bauer sein, wenn der Jüngste übernimmt. Es gibt aber auch
sehr viele Konflikte zwischen Sohn und Bauernvater, der noch behalten will, der
nichts aus der Hand geben will. Diese Vererbungsprozesse sind oft sehr
schmerzlich. Da versuche ich Ordnung zu machen.
Ihr Vater ist sich beschissen vorgekommen, wie dort der Erbvorgang gegangen ist,
konnte ich jetzt nicht anschauen. Er ist von dort her ein frustrierter Mensch. Er war
eigentlich gesellig und ruhig, aber in seiner Lebensgeschichte frustriert.
[1645:00] Dr.med. Ursula Davatz: Diese Frustrierung, die wird dann wieder, wie soll
ich sagen, ein Mangel an Sicherheit, ein Mangel an Vaterbild, ein Mangel an Vorbild,
ja, und dadurch dann ein Mangel an Sicherheit.
Sie als Mutter von ihrem jüngsten Sohn, die anderen machen es gut, wird nochmal
dazu aufgefordert, dem jüngsten Sohn gegenüber, dem ADS-Kind gegenüber,
welches an sich Talente hat, aber das in unserem regulären Schulsystem untergeht,
und dann einfach kaputt gemacht werden könnte.
Sie wird jetzt nochmal aufgefordert, mit ihrem Schicksal, über ihr Kind, dass sie da
alles, was ihre Mutter nicht konnte, der Vater nicht konnte, nochmal möbliert,
reklamiert, um dem jungen Kind einen guten Weg zu geben. Das ist eine rechte
Herausforderung, ist auch eine Ehre, könnte ich sagen, ist auch eine tolle
Herausforderung, aber sie brauchen eine gewisse Stamina.
[2791:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie brauchen ein gewisses Rückgrat. Was sie
gemacht haben, sie sind aus dem Beruf ausgestiegen und sie haben lauter
Helfersachen gelernt, aber dass sie jetzt dem Sohn das Rückgrat stärken, ist
wahrscheinlich die tollste Leistung, ist einmalig. Das andere, was sie mit den
anderen Menschen gemacht haben, können noch viele machen, aber das bei ihrem
Sohn kann niemand anders. Daher ist das auch wieder eine Auszeichnung, ein
Schicksal.
[3306:00] Dr.med. Ursula Davatz: Daher her müssen sie das auch diesen
professionellen Helfern gegenüber so anbringen und sagen, hören Sie, das ist meine
Aufgabe und ich mache das so. Wenn sie runtergemacht werden als Löwenmutter,
überstarke Mutter, sagen sie, nein, nein, wir reden in 20 Jahren wieder. Dann
können sie dann sehen, was herausgekommen ist. Die, die ihnen sagen ab in die
Klinik, die sehen ihn nicht mehr in 20 Jahren. Die sehen dann nicht das Resultat
davon.
[3830:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es ein sehr starkes Vermächtnis, dem Kind zu
helfen. Helfen ist begleiten, zuhören, gehören, ein individuelles Programm machen.
[4093:00] Bemerkung 1: Das ist eine sehr gut Zusammenfassung.
[4146:00] Dr.med. Ursula Davatz: Stimmt das für sie. Sie kennen ihr Kind natürlich
am besten.
[4189:00] Bemerkung 1: Sie haben das jetzt so schön gesagt. Ich bin eine High-
Performerin.
[4254:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, das glaube ich Ihnen.
[4277:00] Bemerkung 1: Ich gehe jetzt einen Schritt retour aus dem heraus für mein
Kind.
[4343:00] Dr.med. Ursula Davatz: Genau.
[4387:00] Bemerkung 1: Ja.
[4413:00] Dr.med. Ursula Davatz: Schön.
[4418:00] Bemerkung 1: Wenn sie mir sagen, das ist ein Vermächtnis, das stützt
mich.
[4472:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, ja.
[4490:00] Bemerkung 1: Das bestärkt mich auf meinem Weg jetzt.
[4535:00] Dr.med. Ursula Davatz: Schön.
[4541:00] Bemerkung 1: In der Ruhe und nicht in der Aggression.
[4585:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nein, nicht in dem.
[4602:00] Bemerkung 1: Ja.
[4610:00] Dr.med. Ursula Davatz: In der Sicherheit. Ich zitiere dann immer den
Martin Luther, der hat ja gegen die katholische Kirche dann die Reformierte
gegründet, und der hat der Schatz gesagt: hier stehe ich und kann nicht anders. Das
ist ein emotionales Statement, ein selbstsicheres Statement, so dürfen sie hin
stehen. Ich muss dem Sohn jetzt den Rücken stärken. So hat es der Martin Luther
gemacht. Das war ein riesiger Machtkampf innerhalb der Religion.
[5125:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die religiösen Kriege sind ja die grössten
Machtkämpfe, die tödlichsten haben wir ja jetzt auch wieder auf dieser Welt. Sie
stehen hin für Ihren Sohn mit einer Sicherheit, die niemand von diesen Berufsleuten
hat. Niemand. Es geht nicht um eine Symptombekämpfung, es geht um ein
Hinstehen für das Kind und für das Leben.
[5459:00] Bemerkung 2: Und Sie machen immer ein Genogramm?
[5493:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich mache immer ein Genogramm, ja. Ich
schaue dann so, was da alles ist. Bei Ihrem Vater haben wir ja geschrieben,
depressiv, aber andererseits gesellig. Ich sage ja, Depression ist eigentlich ein
Anfang zur Selbstfindung. Man wird dann depressiv, wenn man falsch investiert hat.
Ihr Vater hat investiert in, das ist falsch, ich hätte hier den Bauernhof bekommen
sollen.
[6038:00] Dr.med. Ursula Davatz: Und der andere Bruder, aus welchem Grund der
das übernommen hat, weiss ich nicht, das muss das Verhältnis zu dem Vater sein.
Das könnte man nochmal ein bisschen aufarbeiten. Ja. Da müssten Sie Ihren Vater
fragen, wie das entschieden worden ist. Und da würden Sie natürlich gleichzeitig
dem Vater ein bisschen, wie soll ich sagen, Wertschätzung geben oder eine
Verarbeitung.
[6479:00] Bemerkung 2: Er ist verstorben in meinem Fall.
[6514:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ah, er ist gestorben. Ja, dann können wir es
nicht mehr.
[6568:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nein, dann kann man nur noch schreiben. Ich
schreibe dann Briefe oder lasse Leute Briefe schreiben. Da ist ein Frust und das hat
ihn blockiert.
[6712:25] Dr.med. Ursula Davatz: Das hat ihn depressiv gemacht.
[6746:46] Bemerkung 2: Ich habe meinem Vater Briefe geschrieben, wo er
verstorben ist.
[6824:00] Dr.med. Ursula Davatz: Okay.
[6830:00] Bemerkung 2: Ja, das habe ich gemacht.
[6898:00] Dr.med. Ursula Davatz: Okay, sehr schön.
[7034:00] Bemerkung 3: Ich bin mega froh, weil das hat mich wahnsinnig
interessiert.
[7081:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist gut, Sie müssen Fragen stellen.
[7120:00] Bemerkung 3: Wir sind doch auf der Welt und wir haben Vorfahren
gehabt. Sie kann der Kundin jetzt etwas mitgeben.
[7416:00] Dr.med. Ursula Davatz: Genau.
[7423:00] Bemerkung 3: Das lebt so wie weiter. Danke vielmals.
[7462:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sehr schön. Gut, dass Sie gefragt haben. Ich bin
froh. Ja, ich mache das immer. Man kann eigentlich immer herauslesen, aber man
muss sich Mühe nehmen. Sie haben mich jetzt dazu gebracht, mir die Mühe zu
nehmen.
[7770:00] Bemerkung 1: Das ist gut.
[7791:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich bin eine Psychiaterin, die nicht
Symptombekämpfung macht. Denn das Symptom ist ja nur ein Momentausdruck.
Ich versuche, Symptome immer in die Geschichte einzubetten, sodass man es dann
besser verstehen kann. Wenn man Symptome besser in die Geschichte einbettet,
kann man auch in sich etwas verändern. Dann hat man eine Möglichkeit. Dann ist
man nicht einfach dem Arzt ausgeliefert oder den Medikamenten, sondern dann
kann man selber etwas dazu beitragen. Ich möchte eigentlich den Menschen immer
ermächtigen, empowern, dass er mit seiner Geschichte, mit seinem Leben in seiner
Situation selber etwas machen kann.
[8631:00] Bemerkung 4: Dass man aus dem Muster austreten kann.
[8666:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja.
Sie haben dann gefragt, ob ich nochmal über das ADHS reden würde. Hätten Sie
einen Fall, an dem wir es aufrollen könnten? Oder wollen Sie, dass ich mal ein
bisschen allgemein theoretisch etwas sage?
[9235:00] Dr.med. Ursula Davatz: ADHS/ADS Menschen haben zwei
hervorstechende Eigenschaften. Ich sage jetzt drei. Das Symptom wird
Aufmerksamkeitsstörung genannt. Ich sage breite Aufmerksamkeit. Sie nehmen
alles wahr und Sie nehmen mehr wahr als der Durchschnittsmensch. Dadurch, dass
Sie mehr wahrnehmen als der Durchschnittsmensch, werden Sie schnell abgelenkt.
Was die Schule betrifft, wenn der Lehrer nicht sehr interessant ist, nicht
interessanten Stoff bringen kann, dann schweifen Sie ab, schauen zum Fenster
raus, suchen etwas anderes, etwas Interessanteres. Oder sie zeigen Teasing-
Verhalten, sticheln den Nachbarn und so weiter. Vom Lehrer wird das interpretiert als
Respektlosigkeit. Der hat keinen Respekt. Da geht es um die Autorität, da geht es
um die Hierarchie. Aber für das Kind geht es nicht um die Hierarchie, sondern um
sein Naturell und es ist ihm einfach langweilig und dann holt es sich die Stimulation.
Das ist bei den Tieren genau gleich. Dann holt man sich etwas, um sich damit zu
beschäftigen.
[10450:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist die breite Aufmerksamkeit. Dann haben
sie eine hohe Sensibilität. Wenn sie schlecht behandelt werden, Menschen mit
einem ADHS, sie haben einen riesigen Gerechtigkeitssinn. In Bezug auf sich, aber
auch in Bezug auf andere. Wenn ungerechte Sachen passieren in der Umgebung,
dann müssen sie da dreinfahren. Dann müssen sie etwas sagen. Dann müssen sie
sagen, das ist nicht gerecht und so weiter.
[10981:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn es ihnen selber gegenüber passiert, dass
sie ungerecht behandelt werden, dann gehen sie entweder in Kampfmodus, das
wäre dann Fight, Mädchen gehen eher in den Fluchtmodus, Flight. Dann ziehen sie
sich zurück, hängen sich ab und machen nicht mehr mit. Dann ist das wieder
Respektlosigkeit. Du passt nicht auf. Aber das ist auf der menschlichen Ebene, dass
sie sich zurückziehen. Das sind eher Mädchen.
[11550:00] Dr.med. Ursula Davatz: Darum wird bei den Mädchen oft erst im
Erwachsenenalter, also mit 40 oder so ADHS/ADS diagnostiziert, vorher haben sie
sich immer angepasst. Jetzt sagt man ADHS/ADS im Erwachsenenalter bei Frauen.
Früher war die Verteilung fünf Jungen auf ein Mädchen. Jetzt ist nur noch, seit man
jetzt auch die Diagnose stellt im Erwachsenenalter, sagt man 1.5 Knaben auf ein
Mädchen. Die Knaben sind nicht mehr so stark im Vordergrund.
[12062:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die Jungen, die werden eher aggressiv und
dann gibt es einen Machtkampf. Dann gibt es einen Machtkampf mit dem Lehrer. Ich
sage die Paraphrasierung: man kann ADHS, ich sage jetzt mal Jungen, zu Tode
schlagen und sie folgen immer noch.
Sie machen dann Rebellion und es geht gar nicht mehr. Man ist blockiert. Im
Augenblick, wo man blockiert ist, kommt man nicht mehr weiter. Von dort her müsste
man zurück ins spielerische Verhalten gehen.
[12578:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das Teasing, das spielerische Verhalten, das
zeigen alle sozialen Tierarten, inklusive Menschen, in der Pubertät.
Bei uns Menschen geht die Pubertät relativ lang, also von 13 bis 25. Die Lehrperson
oder die Bezugsperson, die etwas erreichen will, muss da eher wieder einen Kontakt
finden mit dem ADHS-Menschen über ein Teasing, also über einen Spass, über
Humor, über ein bisschen Necken.
[13111:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da darf nicht beleidigend sein, wenn er selber
geneckt wird. Da gibt es Kulturen, die gut sind in dem, also die Basler machen es an
der Basler Fasnacht, da darf man den Regierungsrat, den Bundesrat, den
Bundespräsidenten angehen, sogenannt intrigieren und ihm dumme Sachen
anhängen oder sich lustig machen über ihn. Nur an der Fasnacht. Die Eltern, die es
gut können mit diesen ADHS/ADS-Kindern, die gehen automatisch dann in das
Spielverhalten hinein und dann passiert nichts, also nichts Schlimmes.
[13744:00] Dr.med. Ursula Davatz: Indem man in das Spielverhalten hineingeht,
heisst das noch lange nicht, dass man nicht seine Regeln und Prinzipien hat. Man
kann so in das Spielverhalten hineingehen und dann nachher, wenn man ein
bisschen genug ausgespielt hat, dann darf man wieder sagen, bei mir im
Schulzimmer oder in meiner Familie oder am Sonntag oder am Samstagabend gilt
die und die Regeln. Da gehört dann das Aufräumen dazu, Kochen oder was man
dann machen muss. Man kann diesen Kindern sehr wohl Sachen übergeben, aber
es muss immer auf Augenhöhe sein.
[14286:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man kann überhaupt nicht befehlen. Sobald
man befiehlt, gibt es dann eben das PDA, Demand Avoidance Behavior. Dann haben
wir wieder eine Krankheit. Es muss nicht sein. Von dem Bübel, von dem ich
gesprochen habe, mit dem habe ich gerade sofort ein bisschen gespielt und gesagt,
ich will das so und das so. Ich habe immer ruhig mit ihm gesprochen, so ein
bisschen bedächtig. Seine Mutter ist immer reingefahren.
[14793:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich nehme es jetzt mal mit heim, damit es
besser geht. Bei ihr macht er alles. Er hat nur alles gemacht, weil ich auf ihn
eingegangen bin und nicht gerade sofort, nein, nein, nein. Da sage ich auch, bei
ADHS-Kindern darf man nie nein sagen. Man darf nur sagen, das ist jetzt die und die
Situation, du hast jetzt das gemacht, aus dem und dem Grund, das kann man sogar
validieren, aber ich als Lehrerin in meinem Klassenzimmer will es so.
[15300:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich als Mutter zu dem Zeitpunkt will es so. Also
man darf sagen, was man will, aber nicht befehlen, was man will.
Wenn man etwas sagt, was man will, dann ist die Energie da.
Nicht du sollst, du sollst, du sollst.
Man darf ihnen gar nicht das Genick runter blasen.
Dann hat man verloren. Wenn man anfängt zu streiten, ist man sowieso verloren.
Okay, wenn man sich so verrennt hat, muss man aussteigen und sagen, ja, ich
glaube, heute geht es nicht. Wir können dann das nächste Mal wieder anfangen,
wenn wir ruhig sind.
[15931:00] Dr.med. Ursula Davatz: Immer, wenn man den ADHS-Kindern etwas
sagt, was man will, dass man in einer ruhigen, gelassenen und selbstsicheren
Position ist.
Die Haltung haben, ich erreiche das schon noch.
Ich weiss noch nicht wann.
Ich bringe das Beispiel vom Zirkus Knie, der Freddy Knie, der die Pferde dressiert
hat, so freie Dressuren. Er hat gesagt, jetzt ist es nicht gegangen mit diesen
Übungen, es gibt immer Pferde, die sehr willig sind und genau das machen, was
man von ihnen will.
[16471:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das sind wahrscheinlich eher die Weibchen, die
Stuten.
Es gibt solche, die auch einen eigenen Kopf haben. Wenn es nicht geht, dann üben
wir es am nächsten Mittwoch nochmal. Es darf nie das letzte Mal sein.
Dass man diese Gelassenheit hat, zu sagen, ich habe es jetzt zwar nicht erreicht,
das ist keine Tragik, aber irgendwann erreiche ich es. Wenn ich Müttern einen Rat
gebe, wie sie mit ihrem Kind umgehen sollen, dann sagen sie, ja, ich kann es
probieren, aber es geht ja sowieso nicht.
[17066:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann müssen sie gar nicht anfangen.
Das Kind merkt sofort, dass sie nicht ganz hinter dem stehen. Der Hund merkt es
auch, wenn der Herr oder das Frauenlein nicht daran glaubt, dass sie es erreicht.
Man muss wirklich daran glauben, dass man es erreicht.
Da hatte ich schon jüdische Familien gehabt, die haben ja viele Regeln. Ein ADHS-
Bub ist es gewesen. Die Mutter ist verzweifelt, der macht nichts von dem, was ich
will. Dann habe ich gesagt, Sie werden sehen, er hat viele von ihren Regeln
internalisiert, introversiert.
[17624:00] Dr.med. Ursula Davatz: Vielleicht in fünf Jahren kommen die wieder
zurück. Er hat mehr aufgenommen, als Sie denken, auch wenn er nicht gerade
sofort folgt. Fünf Jahre später ist sie zu mir gekommen und hat gesagt, Sie haben
recht gehabt. Damals hat sie nicht daran geglaubt. Wir müssen einen viel längeren
Schnauf haben als Erzieher von ADHS-Kindern. Ich bringe das hin, vielleicht nicht so
schnell, aber ich bringe das hin. Ich glaube daran.
[18140:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man hier die Strategie häufig wechselt,
dann gibt es ein riesiges Durcheinander.
Wenn man etwas durchsetzen will und weil das Kind dann ganz blöd tut, aufgibt, ist
es das Schlimmste, dann lieber nichts wollen.
Wenn man dann mal etwas will, wenn einem etwas wichtig ist und durchsetzen will,
dann muss man wirklich auch dahinter bleiben. Dann muss man auch annehmen
können, dass der von mir aus Möbel verschlägt oder irgend so etwas. Da hat mal
einer gesagt: mir ist lieber, wenn in der Familie den Möbeln die Ecken fehlen, als den
Kinder.
[18753:00] Dr.med. Ursula Davatz: Daher muss man es dann aushalten, dass es
jetzt halt einen Kampf gibt.
[19335:00] Bemerkung 5: Nein sagen, ist schwierig. Ich kann mir jetzt vorstellen,
gerade in so einem Familiensystem, wo ihnen vielleicht patriarchisch sind oder auch
Menschen, die ihre Regeln und so durchsetzen wollen, das ist eigentlich Gift für sie.
[19855:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn Neinsager, der Patriarch trotzdem nicht
diesen Sicherheit gibt, dann sind es tödliche Kämpfe. Die landen dann im Gefängnis.
Ich habe lange in der Nordost, Schweizerische Strafvollzugskommission gearbeitet
und immer gelesen, POS-Kinder hat es dann geheissen. Da waren alle solche, da
hat es autoritäre Väter gehabt, aber die hatten sich verheddert. Die Mütter haben
dann alles durchgehen lassen oder sind zusammengebrochen. Einfach keine
Sicherheit. Nein sagen ist Gift.
Ah, du hast jetzt das so gemacht, man könnte noch fragen, mit was für einer Absicht.
Ich fand es interessant, okay, ja, man kann es interessant sehen. Erst dann darf man
mit seiner Antwort kommen. Ich in diesem Kontext, an dieser Stelle, als Mutter oder
als Vater, ich will es so. Dann ist das Verhandeln.
[20356:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man muss an seine Erziehungsqualität
glauben.
Man darf dann auch nicht gerade nebenan stehen bleiben. Man darf aber auch nicht
in ein anderes Zimmer gehen. Wenn man dem Hund ja befiehlt, Platz zu machen,
muss man auch irgendwo ein bisschen in der Nähe sein, sonst läuft er davon.
Man muss noch seelisch verbunden sein, aber nicht das Genick runterblasen.
Dann gibt es nur einen Machtkampf.
Das sind feine Nuancen. Man muss die erst spüren. Wenn man merkt, nein, jetzt hat
es keinen Sinn, dann ist man am Punkt des Totschlags.
[20884:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann muss man sagen, ich gebe auf. Dann darf
man das auch sagen, und das ist kein Misserfolg.
Für heute gebe ich auf, wir fangen das nächste Mal wieder an.
Mein Schlittschuhlehrer Otto Hügin hat mir damals gesagt, jetzt haben wir genug
geübt, das nehmen wir das nächste Mal wieder dran.
Selber ist man auch ehrgeizig, man will es können, und je mehr man es will, umso
weniger geht es.
[21398:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es braucht Geduld und natürlich
Selbstvertrauen.
[21920:00] Bemerkung 6: Man lernt auch im Abstand.
[22473:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann kann man besser überlegen. Man muss
sich nicht immer durchsetzen. Das ist nicht immer ein Misserfolg. Das ist auch
wichtig.
Im Schulsystem spricht man oft von Respekt und Respektlosigkeit.
Diese Kinder haben nur vor einem Respekt, wenn man sie auch selber respektiert.
Man kann sie nur respektieren, wenn man sie sieht.
Gewisse Mütter sagen: ich mag dich, aber ich mag dieses Verhalten nicht.
Man muss das Verhalten zuerst verstehen.
Wenn ich Männer hatte, die ihren Frauen drohten, weil die weg wollten, also aus der
Beziehung aussteigen, und auch die Frauen geschlagen haben, ich musste nicht die
Frau beschützen, ich musste den Mann besser verstehen lernen.
Ich musste den Mann in seinem hintersten Kämmerchen verstehen lernen, warum er
so Angst hat, wenn seine Frau weggeht. Das löst in diesen Männern Angst aus. In
der Angst ist man dann aggressiv.
[22981:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es geht immer darum, herauszufinden, was
läuft, was interaktiv läuft.
[23515:00] Bemerkung 7: Eigentlich geht es ja dann wie um die Bedürfnisse, oder?
[24065:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja genau!
Die vier Stressreflexe, die treten immer auf, also Kampf und Flucht, Totstellreflex, der
schlimmste Totstellreflex ist dann die Katatonie.
Das Wort autistisch hat man ursprünglich verwendet für die Schizophrenen, wenn
sie in den katatonen Zustand gekommen sind.
Das heisst immer, ich bin am Ende, ich weiss nicht weiter.
Jetzt, wenn man von ASS redet, also Autismus-Spektrum-Störung, dann sagt man
Meltdown, dann verwendet man neue Ausdrücke, Meltdown oder Frozen State. Das
ist eigentlich nichts anderes als die Angststarre. Da ist alles blockiert, aber die
Wahrnehmung ist noch voll da, die nehmen alles wahr. Aber sie können keine
Bewegung mehr machen. Sie können nicht schwitzen, sie können sich nicht
bewegen. Sie können nichts mehr machen, sie sind völlig eingefroren. Eben: frozen.
[24577:00] Bemerkung 8: Ich glaube, Angst in dem Sinne von, man wird aggressiv
oder so, ist ja auch, wenn man nicht ADHS ist.
[24664:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja klar, das ist eine allgemeine Regel.
Das ist bei den Tieren, also Angst unter Angsteinfluss kann man flüchten, kämpfen,
Totstellreflex oder eben das Annäherungsversuchen.
Dort würde ich sagen, dort ist es eher Unsicherheit, das ist nicht Angst. Es läuft auch
reflexartig. Das Teasing.
[24925:54] Bemerkung 9: Mein Sohn ist 16 und hat das ADHS. Manchmal wirft er
mir vor, dass er sagt: Mami, ich habe zu viel Empathie von dir gelernt. Darum kann
ich mich in der Schule nicht durchsetzen. Dann bin ich ratlos.
[25115:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist was dran. Wie ist der Vater?
[25186:07] Bemerkung 9: Wie meinen Sie?
[25216:52] Dr.med. Ursula Davatz: Was hat er vom Vater gelernt, der Sohn?
[25302:28] Bemerkung 9: Der Vater geht auch nicht so in den Kampf. Er mag
Konflikte nicht so.
[25643:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da kann man sagen, ja, von mir hast du viel
Empathie gelernt und vom Vater Ausweichverhalten.
Du hast viele Leute um dich herum, wo du das andere auch noch lernen kannst.
Man könnte dann fragen, wer in der Schule, bei dir, in der Klasse kann am besten
kämpfen?
Ist das ein Kampf, der ihm entspricht oder würde er eher eine andere Variante
wählen?
[26173:00] Dr.med. Ursula Davatz: Bei den Frauen ist kämpfen oft negativ besetzt.
Das macht man nicht. Wir sind eher harmoniebedürftig. Das entspricht uns mehr.
Da musste ich den Müttern der kleinen Knaben sagen, sie dürfen aus ihrem Sohn
kein Mädchen machen.
Um sich in dieser Welt durchzusetzen, muss man schon auch kämpfen können.
[26680:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ds elegante Kämpfen ist natürlich eben wie der
Martin Luther, mit einer klaren Haltung. So finde ich es. So vertrete ich es.
Bei den Akademikern, das habe ich jetzt wieder erlebt, die haben dann nur die
Statistik. Die Statistik sagt so und so. Da sage ich, nein, nicht mit einer Statistik.
Ich erlebe, dass viele Statistiken schlussendlich mir recht geben. Also so wie ich es
schon gesehen habe, kommt es heraus.
[27195:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie dürfen ihren Sohn ruhig unterstützen. Er
darf eine eigene Meinung haben, das ist hilfreich. So trägt er etwas bei zum
Gruppenprozess. Das heisst nicht, dass er missionieren muss.
Er darf seine Haltung sagen. Wenn jemand etwas von ihm will oder mit ihm etwas
macht, das ihm überhaupt nicht entspricht, muss er nicht Empathie zeigen.
[27762:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich einmal auch einen Vortrag gehalten,
Empathie versus Selbstfürsorge.
Selbstfürsorge ist, dass man für sich eintritt, wenn andere etwas mit einem machen,
das einem gegen den Strich geht.
Man darf sagen, mir ist das und das passiert und ich habe das und das empfunden.
Es kann einem niemand die eigenen Gefühle absprechen.
[28314:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man die eigenen Gefühle ausagiert, dann
ist es nicht mehr gut.
Wenn man sie benennt, das ist absolut okay.
Man kann nie sagen, du hast nicht das Recht, so zu fühlen.
Doch, man hat das Recht.
Da können sie ihn ein bisschen unterstützen, dass er sich gut spürt, wenn ihm etwas
nicht passt, wenn ihm jemand gegen den Strich geht oder wenn er etwas sagen will,
das nicht der Allgemeinmeinung entspricht, dass er sich traut, das zu sagen.
Das is ein Lanzenbrecher.
[28854:00] Bemerkung 10: Empathie ist ja eigentlich eine Stärke von ADHS. Ich
habe selber auch ADHS. Ich finde Empathie etwas Tolles. Das hat mich auch so
gemacht, wie ich jetzt bin. Ich erlebe auch viele Menschen mit ADHS sind halt so
People Pleaser. Die wollen es allen recht machen. Das ist auch ein grosses Thema
mit ADHS, weil sie auch so Angst hat dann von dieser Zurückweisung.
[29372:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ganz genau. ADHSler merken alles, und die
haben immer ihre Fühler draussen, die merken alles, was da passiert. Dann wollen
sie sich so verhalten, dass nichts Negatives passiert, also dass man nicht auf sie
losgeht. Im Extremfall geht das bis in die Psychose hinein, dass sie, wenn sie
eigentlich ein schlechtes Gewissen haben und dann irgendjemand zwinkert mit den
Augen, denken sie, der tut jetzt mich verurteilen. Sie projizieren eigentlich ihre
eigenen Schuldgefühle auf die Aussenwelt. Ich muss die dann immer zurückholen
und sagen, Fühler ein bisschen zurücknehmen. Dann bringe ich immer den Satz von
Antoine de Saint-Exupéry: On ne voit bien avec le coeur.
[29943:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich sage dann, consultez votre coeur.
Halten Sie inne, machen Sie die Augen zu, spüren Sie, überlegen Sie, was nehme
ich wahr?
Was nehme ich emotional wahr und nicht visuell?
[30479:00] Bemerkung 9: In diesem Moment darf er mehr auf sich selber bezogen
sein.
[30527:57] Dr.med. Ursula Davatz: Absolut.
Dann heisst es, ist das nicht egoistisch?
Dann sage ich, einen gewissen Egoismus braucht es, um zu überleben.
Die Flight Attendant sagt auch zuerst selber die Maske anziehen, dann dem Kind.
Sie können niemanden hilfreich sein, wenn sie verloren sind.
[31011:00] Bemerkung 11: Insbesondere als Teenager.
[31038:44] Dr.med. Ursula Davatz: Viele brauchen dann auch manchmal wieder
ein bisschen Distanz von der Gruppe, damit sie sich sammeln können.
Damit sie wieder finden, wo sie sind. Dem sage ich dann, zentrieren.
Sie müssen sich zentrieren. Sie müssen sich finden.
Sie müssen sich spüren.
Sie müssen in sich hinein hören, was sie brauchen, was ihre Meinung ist.
[31519:00] Dr.med. Ursula Davatz: Depression, der Weg zur Selbstfindung.
[31601:52] Bemerkung 11: Wann wird man depressiv?
[31655:44] Dr.med. Ursula Davatz: Man wird depressiv, wenn man falsch investiert.
Falsch investiert, falsch investiert beim ADHS, zu fest in die anderen investiert und
sich vergisst.
Dann ist das Gleichgewicht nicht mehr gut.
[32084:00] Bemerkung 12: Zwei Schwestern und die eine ist schwer erziehbar, hat
man mir gesagt. Das ist so super gut gegangen bis an dem einen Tag, wo dann der
Freund der Mutter aufgetaucht ist.
[32360:16] Dr.med. Ursula Davatz: Da ist ein patriarchales System reingekommen,
das dann gemeint hat, er wisse alles und er muss allen befehlen. Da muss man
immer bedenken, wir haben 2000 Jahre unter patriarchalen Systemen gelebt.
Jetzt sind ja die patriarchalen Systeme dran, sich gegenseitig zu bekämpfen.
Es ist eine absolute Katastrophe. Jetzt sind wir Frauen an sich speziell gefragt, dass
wir eine andere Methode verwenden.
[32876:48] Bemerkung 13: Sie haben vorhin erwähnt, wir sollten Geduld haben und
durchhalten. Das ist schon gut und recht.
[33029:30] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist, wenn es Ihr eigenes Kind ist. Genau.
Aber nicht ein fremdes.
[33146:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das geht nicht. Da hat der Patriarch, der
Freund von ihr, hat alles übernommen.
Das ist vergessene Liebesmühe, wenn sie da sich weiter bewegen. Das geht nicht.
Das ist zu stark dann. Die Frau hat ja das auch zugelassen, die Mutter.
Da hat man das Verhältnis von Mutter der Kinder und Stiefvater.
[33673:00] Dr.med. Ursula Davatz: Immer, wenn man Patchworkfamilien hat, wenn
Leute neu zusammenkommen, gilt für mich immer die Regel, die liebliche Mutter ist
die Erzieherin, aber nie der Stiefvater.
Er ist nur Mensch, Mann, er hat sein Geschlecht und er darf sagen, ich habe das
nicht gerne. Oder mit dem komme ich nicht zugange. Oder ich habe lieber so und
so. Er darf persönlich etwas sagen, aber nicht die Kinder erziehen.
Das machen die meisten Stiefväter und Stiefmütter. Die Stiefväter wollen die Kinder
erziehen und die Stiefmütter, die wollen geliebt werden. Auch das geht nicht.
[34339:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man die Stiefmutter gerade so liebt, dann
ist man untreu zur verstorbenen Mutter oder zur geschiedenen Mutter. Dann kommt
das Kind wieder in ein moralisches Dilemma, in einen Konflikt. Man darf nicht
erziehen als Zusatzperson.
[34633:15] Bemerkung 14: Ich arbeite in einem Beobachtungskindergarten, vor
allem mit ADHS und Autismuskindern.
Bei uns ist einfach auch das Problem, wenn man etwas einfordert, dass das nicht
ankommt. Zum Beispiel aufräumen.
Spielt der kulturelle Hintergrund eine Rolle?
Die weiblichen Lehrpersonen werden nicht ernst genommen.
[34936:00] Bemerkung 14: Der Bub hat einen albanischen Hintergrund.
[35020:20] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, klar, dann macht es Mutter.
[35126:33] Bemerkung 14: Mir ist auch gesagt worden, du als Lehrperson kannst
dich jetzt nicht durchsetzen gegen den Brief.
[35452:00] Bemerkung 14: Mein Ansatz ist mehr, dass man auf Beziehungsebene
arbeitet.
Die anderen Lehrpersonen sind länger dort und haben mir gesagt: du lässt dir das
auch gefallen in dem Sinn, dass er frech gegenüber mir ist. Das sei falsch.
[35812:39] Dr.med. Ursula Davatz: Sobald man einen multikulturellen Kindergarten
hat, hat man heutzutage eine multikulturelle Schulklasse.
[36007:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man es ein bisschen gut machen will,
muss man bei jedem Kind ein bisschen sich vor Augen halten, was hat er für einen
Hintergrund.
Bei diesem albanischen Bub, wenn der nicht aufräumt, wenn er ihnen nicht folgt,
dann würde ich, aber es braucht Zeit, klar, würde ich auf die Gegenstrategie gehen,
wer räumt bei euch zu Hause auf? Der Vater oder die Mutter? Oder die Geschwister
oder deine Schwestern, die älteren Brüder?
[36511:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn er nichts sagt, sagt man ist es immer die
Mutter, die aufräumt.
Man muss nach seinen Vorbildern suchen. Ich gehe jetzt davon aus, dass die Mutter
immer aufräumt. Dann würde ich fragen, wenn er Schwestern hat, und die Mädchen,
müssen die auch beim aufräumen helfen oder nicht? Ja, vielleicht. Okay, vielleicht
helfen die der Mutter.
[37029:00] Dr.med. Ursula Davatz: Und der Vater, tut er auch aufräumen? Nein,
nicht. Okay. Das ist deine Kultur. Bei dir zu Hause läuft es so. Wir sind jetzt hier im
Kindergarten, in der Schweiz, im Kanton weiss ich nicht was. Dann sagen sie, weisst
du, hier bei uns läuft es so. Da sind alle gleichgestellt, da müssen Mädchen und
Buben aufräumen. Dann fragen: kannst du das verstehen?
[37537:00] Dr.med. Ursula Davatz: Kannst du das nachvollziehen?
Nein, das will ich nicht.
Wie willst du dann mal in die Gesellschaft? Befiehlst du dann einfach allen, was
willst du mal für einen Beruf?
Kann man schauen.
Also man muss ihn dann ein bisschen begleiten. ier den Tschau durchbegleiten.
Am Schluss landet man wieder hier bei mir in diesem Raum.
[38092:00] Bemerkung 14: Manchmal kann er es. Dann frage ich hast du
vergessen, dass Du aufräumen kannst?
[38150:04] Dr.med. Ursula Davatz: Ich würde es nicht so hervorheben.
Ich würde sagen, schön, jetzt hast du geholfen.
[38231:06] Bemerkung 14: Manchmal macht er es. Oder wir machen es
zusammen.
[38286:25] Dr.med. Ursula Davatz: Das finde ich auch gut, dass man es dann
zusammen macht und dass man sogar sagt, oh, ich habe da etwas, wo gehört das
hin? Sie spiele dumm und er muss entscheiden. die Dummen sind, die nicht wissen,
wie. Und er muss sagen. Ja, okay. Aber das ist möglich. Zusammen mache ich…
Kann man nicht in ein Spiel reingehen? Ja, das ist auch gut.
[38646:00] Bemerkung 14: Es geht mehr in ein Spiel hinein.
[38692:10] Dr.med. Ursula Davatz: Jetzt machen wir Aufräumspiel. Spielerisch mit
ihm umgehen.
Es geht nicht um das Können und nicht Können.
Das ist ein polarisierendes Bild.
[39148:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das nächste Mal, wenn er nicht will, sagen, ja,
was läuft nicht recht? Wollen wir es zusammen machen?
Immer in einer Interaktion und immer in Aufgaben.
Wenn man noch auf das Problem zugehen will, kann man sagen: lässt du dir von
deiner Mutter keinen Befehl geben, darf nur der Vater befehlen? Was macht der
Vater, wenn du nicht folgst?
Die fliehen dann meistens.
Dann sagt man: weisst du, das will ich nicht, bei uns machen wir es anders. Sie
können immer unterscheiden und das andere ist nicht schlecht, es ist einfach
anders. Hier machen wir es so.
[39862:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich zitiere ich immer den Jean Piaget mit dem
Konzept der Dezentrierung.
Mit 16 Jahren oder so, in der Pubertät, lernt man dezentrieren.
Als Kind ist man völlig monozentriert auf sich, seine Verhaltensweise und so weiter.
In der Pubertät hat man zwar Regeln, aber man kann sagen, aha, die anderen
machen es anders.
Das muss man dem beibringen, in deiner Familie läuft es so und im Kindergarten
läuft es so.
[40392:00] Dr.med. Ursula Davatz: Kinder können das lernen. Auch wenn es zu
Hause wieder nach dem alten Stil läuft, hier läuft es so.
Der Schah aus Persien hat auch gelernt, wie es geht in der Schweiz.
Er hat es dann auf der Welt so ein bisschen probiert, aber ist dann auch völlig
entgleist.
Für das sind wir nicht verantwortlich. Wir sind hier. Ja. Sie dürfen ganz klar sagen,
sie sind die Autorität. Hier bei mir und in der Schweiz und in diesem Kindergarten
sind das die Regeln.
[40963:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das wäre wieder der Martin Luther, der sagt:
hier stehe ich und kann nicht anders.
Wir erreichen das schon. Zusammen in einen Wettlauf gehen.
Macht das Sinn?
[41599:00] Bemerkung 15: Hat das nur mit dem Kulturellen zu tun?
[42179:00] Bemerkung 16: Ich komme als Frau, Lehrperson und muss mich
durchsetzen. Bei mir läuft es über die Beziehung. Im Einzelsetting klappt es sehr gut.
[42720:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie dürfen sich Zeit lassen. Sie müssen sich
persönlich durchsetzen. Sie müssen den Jungen in die Beziehung holen.
Willst du nicht, dass man dich sieht, dass du einer Frau folgst?
Da wird er in seinem System beschämt.
[43238:00] Dr.med. Ursula Davatz: Lassen Sie sich nicht durcheinanderbringen,
wenn die anderen sagen, sie können sich nicht durchsetzen. Wenn man sich zu früh
durchsetzt, läuft es schief. Sie müssen zuerst die Allianz bilden.
[43765:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die können sie eben besser bilden, wenn sie in
seinem System Respekt entgegenbringen.
Klar, für ihn ist es ein Vorteil, wenn die Männer immer recht haben und sich immer
durchsetzen können.
Da geht es halt nicht. Da kommen wir jetzt auch zu den jetzigen politischen
Situationen. Die benehmen sich ja wie kleine Kinder.
So kann man eine Welt nicht mehr regieren.
[44311:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man kann ihm sagen, du wirst mal ein
gescheiterer und vernünftiger Mann.
Du kannst mit anderen Sachen umgehen.
[45217:00] Bemerkung 17: Ich arbeite in der Altersintegration und wir haben ja sehr
viele undiagnostizierte Menschen mit ADHS, mit ganz viel Erziehungsschäden.
Gibt es dort vielleicht ein paar Grundsätze, wie man dem gut begegnen kann?
[45770:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da würde ich genau das Gleiche anbringen. Ich
würde sagen, wie ist das bei dir zu Hause gelaufen? Wer hat es gesagt? Der Vater,
die Mutter. Wenn er nicht durchgekommen ist, was hat er gemacht? Was hat die
Mutter gemacht, wenn sie nicht durchgekommen ist? Die Männer schlagen,
schimpfen und schreien. Die Frauen, die wollen oft sich durchsetzen mit Leiden.
Wenn du mir nicht folgst, habe ich Kopfweh oder Bauchweh oder Asthmaanfall und
weiss ich nicht was.
Das ist auch nicht gut.
Dass man eher wieder Geschichten erfragt.
Dann könnte man fragen, und was willst du für einen wertvollen männlichen Bürger
in unserer Gesellschaft sein?
Nachfragen, nach was für einem Leitbild will er sich entwickeln?
Und das Gleiche in Bezug auf die schwierige Schulkarriere?
[46094:10] Bemerkung 17: Geschlagen sind schon nicht mehr so viele geworden,
aber einfach wahnsinnig gelitten, mit Abwertung und mit den Anforderungen
entsprechend.
[46169:50] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, dann kann man sagen, das war sicher
schwer für dich. Da hast du leiden müssen und das ist schlimm. Aber weisst, unser
Hirn ist dermassen lernfähig, das kann neue Muster lernen. Damit will ich dir
behilflich sein. Unser Hirn ist lernfähig. Heutzutage sagt man, das Hirn kann lernen
bis zum Tod. Also früher hat man gemeint, das Hirn ist ausgebildet, ist fertig. Jetzt
spricht man von dieser adulten, also erwachsenen Neurogenese. Das ist der
Hippocampus innerhalb des emotionalen Hirns, Mittelhirns. Der kann lernen, ein
bisschen langsamer, aber never too late.
[46774:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die dürfen eifrig sein, ihm etwas Neues
beizubringen.
Er ist ja schliesslich geflüchtet, er ist zu uns geflüchtet und nicht um einfach gleich zu
bleiben.
Da kann man etwas lernen.
Sie wollen ihm helfen zu lernen.
Nehmen sie es nie persönlich.
[47366:00] Dr.med. Ursula Davatz: Indem man in einen Lernmodus reingeht, ist es
für einem interessant und man lockt den anderen.
Wir lernen jetzt etwas miteinander. Das ist spannend.
Hoffnung, dass es noch veränderbar ist.
Da kann man sagen, das Hirn ist so lernfähig.
Ich habe ein Buch gelesen über Neuroplastizität, das ist unglaublich.
Das war dann auch bei körperlichen Krankheiten.
Was sie gelernt haben, Wahnsinn. Wenn jemand einen gelähmten rechten Arm
hatte, hat man dem gesunden Arm einen Fausthandschuh angelegt, damit er dem
rechten Arm Kommandos geben musste.
[48003:00] Dr.med. Ursula Davatz: Indem er den linken Arm, der eigentlich
funktioniert hat, blockiert hat, war er gezwungen.
Wir sind ein tolles Wesen.
[48328:51] Bemerkung 18: Ich frage mich dann einfach, wie mache ich das mit 24
Kindern um mich herum?
[48557:00] Bemerkung 18: 10 davon fürchten das Gespräch und die Beziehung.
Ich habe die Zeit nicht.
Dann sind ja noch 14 andere, die ja normal funktionieren und auch etwas zu gut
hätten.
Können Sie da noch etwas dazu sagen?
Ich spüre etwas beim einzelnen Kind, aber danach in der Masse klappt es nicht.
Der Schulleiter sagt dann wir sind überfordert.
[49097:00] Bemerkung 18: Wie kann man einen Rahmen schaffen, wo möglichst
viel möglich ist?
[49172:06] Dr.med. Ursula Davatz: Ich denke, Sie müssen dann immer
herausfinden, ob Sie das alleine mit ihm abhandeln müssen.
Sie als Klassenlehrerin sind natürlich für das Ganze zuständig.
Sie geben Ihre Regeln durch. Die müssen einfach sein, klar, aber die wollen Sie
durchsetzen.
Wenn du das Kind dagegen verstösst, dann können Sie nicht im Klassenverband
mit dem dann so einzeln reden. Das ist alles Einzelgespräch. Da müssen Sie sagen,
du hast Mühe, dich an das anzupassen, wir müssen miteinander noch ein
Einzelgespräch führen.
Dann und dann habe ich Zeit. Wenn Du jetzt hier nicht mitmachen kann, dann
müsste man dem eher einen Auftrag geben, spring dreimal auf das Schulhaus oder
geh Briefmarken kleben.
Einen anderen, einen einzelnen Auftrag, dass man ihn herausnimmt aus dem
Klassenverband.
[50196:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wichtig ist immer, dass Sie Ihre Regeln sagen
und immer wieder vertreten.
In der Schule hängen die Regeln an der Wand.
Regeln müssen immer persönlich vertreten werden.
Regeln kann man nie einfach, das ist der Paragraph, sondern das sind unsere
Regeln.
Das Einzelne müssen Sie mit dem Einzelnen machen.
Da dürfen Sie sogar sagen, das können wir jetzt nicht aushandeln, das muss ich mit
dir alleine aushandeln.
Dann und dann. Das alleine aushandeln ist nicht, du wirst bestraft in dieser
Einzelstunde. Nicht so!
Man sagt man ja, mit dir muss ich ein Hühnchen rupfen.
Nein, wir wollen nicht ein Hühnchen rupfen, sondern miteinander in der
Zweierbeziehung Regeln besprechen.
[50928:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das geht dann nicht im Klassenverband.
Im Klassenverband müssen Sie die Autorität behalten können.
Ich hatte Lehrer, die nicht sehr stark waren, einer, der psychotisch wurde, und dann
haben die Mädchen übernommen und die Klasse geführt.
[51451:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das nehme ich nicht an bei ihnen, das muss
nicht sein.
Sie dürfen sagen, ein paar von euch leuchtet das jetzt vielleicht nicht ein und ihr seid
nicht einverstanden, aber es läuft jetzt hier im Klassenverband trotzdem so.
Ich sage: Mobbing ist immer Chefsache.
Wenn Mobbing in einer Klasse passiert, hat die Klasse, keine Sicherheit.
Dann übernimmt irgendeines der Kinder die Führung, auf seine Art.
[51978:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie müssen nicht eine bestrafende Führung
haben, aber man muss immer spüren, dass sie die Führungsperson sind.
Da hat es ein Beispiel gegeben.
Da hat eine Klasse überhaupt nicht funktioniert und der Lehrer ist krank geworden.
Dann hat man einen alten, erfahrenen Lehrer gefragt, ob er die Klasse nochmal
übernehmen würde, weil man einfach nicht mehr zugange kommt mit der Klasse. Er
hat gesagt, ja, ich mache das aber ihr dürft mir gar nichts vorschreiben. Ich mache
das, was für mich stimmt.
Das ist seine natürliche Autorität.
Am ersten Tag ist er da rein gesessen. Er hat nur gelesen. Zuerst die Zeitung, alles
durcheinander. Am zweiten Tag ist er wieder gekommen, hat er ein Buch gelesen,
wieder alles durcheinander. Am dritten Tag hat einer der Schüler gesagt, wann
fangen wir endlich an mit dem Unterricht?
[53113:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man aushalten kann, dass es ein
bisschen rundherum drübergeht, aber wegen dem seine Autorität nicht verliert, dann
bekommt man sie.
Leuchtet das ein?
[53289:45] Bemerkung 19: Ja, ja, schon.
Ich habe jetzt einfach so Situationen im Kopf, wo der eine schreit und der andere
davorspringt.
Es ist der einzige Weg wie ich es überlebe.
[53672:00] Dr.med. Ursula Davatz: Bevor sie ins Klassenzimmer gehen, sich
überlegen, was ist der Anfangsfokus.
Dann sagen, heute machen wir das.
[54197:00] Bemerkung 20: Ich arbeite im Kindergarten. Wir haben schon einen
Plan.
[54255:31] Dr.med. Ursula Davatz: Nicht irgendein Plan.
Ein Thema und was wir machen mit dem Thema.
Heute nehmen wir das Thema und wir machen das mit dem. Das kann dann ändern
später.
[54733:00] Bemerkung 20: Wir kommen zuerst in den Kreis.
Dann machen wir bis alle da sind irgendein Sammelding.
Dann machen wir den Fokus.
Das machen wir jetzt heute. Da sind wir dran bis zum Znüni und nachher öffnet es
sich dann wieder.
[54971:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wie büchsen die Kinder aus? Wie tun Sie sich
daraus herausnehmen?
[55056:57] Bemerkung 20: Wir essen zuerst Znüni, die fertig sind, stehen auf den
Stuhl und dann besprechen wir mit ihnen, was sie jetzt machen.
[55247:00] Bemerkung 20: Wenn sie nicht wissen, was, dann suchen wir mit ihnen
zusammen etwas.
[55342:21] Dr.med. Ursula Davatz: Ich bin jetzt Kindergärtnerin, aber vielleicht
müssen Sie doch noch ein bisschen klarer fokussieren. Wenn Sie zu früh gerade
anfangen zu besprechen, wie machen wir es, dann ist es fast ein bisschen viel.
[55783:00] Bemerkung 21: Wir geben die Freiheit: wie machen wir es?
[55829:12] Dr.med. Ursula Davatz: Damit sie auf einem Fokus sind, wo sie zuerst
einsteigen.
Wenn dann jemand irgendetwas sagt, kann man das mit reinnehmen.
Das ist noch keine demokratische Partei.
[56017:06] Bemerkung 22: Sie würden nach dem Znüi mehr führen?
[56053:32] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, zu Beginn mehr führen.
[56100:05] Bemerkung 23: Ich mache es auch so. Ich habe so einen Pikto mit
Klammern.
Dann dürfen die Kinder dort hin, wo noch nicht besetzt ist.
Alle wollen dann in den Bewegungsraum. Es gibt schon zwei Klammern, du musst
jetzt woanders hin.
Nein, will trotzdem in den Bewegungsraum.
Das geht nicht.
Dann haben sie einfach die Wahl, noch eben in die Bauecken zu gehen oder zu
zeichnen.
Dann ist die Auswahl kleiner.
Die einen haben auch am Anfang Mühe, das zu akzeptieren, dass sie gerade zuerst
das machen dürfen, was ihren Bedürfnissen entspricht.
Nach dem Znüni dürfen wir wechseln.
[56952:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da haben Sie die Regeln.
Es dürfen nur so viele an einen Ort.
Das ist die Regel.
Die Regel wir nicht gebrochen.
[57538:00] Bemerkung 24: Die ersten zwei dürfen sagen, sie wollen gerne in den
Bewegungsraum.
[57617:21] Bemerkung 25: Ja, das tue ich natürlich sehr dezent steuern, welches
Kind zuerst zu mir kommt und welches Klämmerchen setzt.
[57749:36] Dr.med. Ursula Davatz: Da immer wieder die Regeln anmahnen und
nicht sagen, nein, du darfst jetzt nicht. Die Regel ist, nur zwei, der Geschwindere ist
der Schnellere. Das ist jetzt halt so.
[58134:00] Bemerkung 24: Teils muss man es auch wirklich sehr strukturiert
machen.
[58195:43] Dr.med. Ursula Davatz: Gerade, wenn man schon viele Ethnien hat,
muss man mehr strukturieren.
Sie müssen immer ein bisschen schneller sein.
Das ist noch schwierig, denen immer eins voraus zu sein.
[58395:05] Bemerkung 26: Seit ihr nicht zwei, drei Kindergärtnerinnen? Wenn wir
unsere Grosskinder abholen, habe ich schon erlebt, dass eine Lehrerin draussen
war mit vier Kindern. Was machen die?
Fast jeden Montag sind die vier, die noch eine Runde drehen, damit sie auf die
Reise gehen.
Nachher sind sie zufrieden.
Jetzt haben wir immer einen schönen Abschluss, hat die Kindergärtnerin gesagt.
Jetzt kommen wir nachher wieder rein und dann gehen in den Kreis und haben
Ruhe.
[59187:08] Dr.med. Ursula Davatz: Ganz allgemein sind die Kinder ohnehin zu fest
rückgebunden ihrer Bewegung.
Kinder sind sehr bewegungsdrängig.
[59390:00] Dr.med. Ursula Davatz: Früher waren sie auf dem Bauernhof und
haben den ganzen Tag mitgeholfen beim Arbeiten oder irgendetwas machen oder
spielen.
Heute sind sie relativ stark eingebunden.
Von dort her muss man oft halt zuerst eine Bewegung machen, bevor man sie dann
wieder zusammennimmt.
Speziell die paar sehr Störenden.
Sie sind der Chef.
Je weniger gut das Kollektiv funktioniert, umso mehr müssen sie Chef sein.
Je besser es eingespielt ist, umso weniger müssen sie Chef sein.
Sie müssen merken, jetzt braucht es sie.
Sonst passiert Mobbing.
[60070:00] Bemerkung 27: Ich gehe immer wieder in den Kindergarten, Kinder
beobachten.
Das letztes Mal mussten die Kinder eine Stunde in dieser Kreissequenz sitzen.
[60212:19] Dr.med. Ursula Davatz: Das geht nicht.
[60228:08] Bemerkung 27: Dann wurde einfach gesagt: Matteo, wir haben doch
letzte Woche besprochen, dass du dich zusammenreissest.
Ich meine, gebt doch dem irgendein Fidget-Toy in die Hand, lasst den irgendwie
etwas machen.
Der ist dann so da gehockt, oder?
[60595:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dem muss man eine Aufgabe geben.
Man könnte ihm auch eine andere Aufgabe geben.
[60698:10] Bemerkung 27: Ich erlebe das immer wieder, dass es unvorhersehbar
ist, eben dass es weniger so klare Abläufe gibt.
Gerade bei Autismus ist ja der Kindergarten oft schwierig, weil der nicht so
strukturiert ist wie die Schule.
[60894:11] Bemerkung 28: Das ist eine wahnsinnige Herausforderung, auch was
du jetzt so erzählt hast, so viele verschiedene Kinder zu führen.
Ich würde an dem glaube ich scheitern, weil ich es allen recht machen will.
Individuell recht machen.
Das muss man sich abschminken.
Ich bin keine Lehrperson, aber ich kann mir so vorstellen, dass das die tägliche
Herausforderung ist und die Enttäuschung, dass man dem wieder nicht gerecht
wurde oder dem nicht, weil es wird nicht funktionieren.
Ich sehe das nur, wenn ich alle fünf Grosskinder aufs Mal füttere.
Ich kann unmöglich allen gerecht werden.
[61680:00] Bemerkung 28: Ich versuche mein Allerbestes, aber gewisse Frustdinge
sind einfach da, was ja auch gut ist, dass sie lernen, mit Frust umzugehen, wenn ich
das begleiten kann, mit fünf Kindern.
Aber mit 23 Kindern ein Ding der Unmöglichkeit.
[61898:06] Bemerkung 29: Wir waren früher auch viele Kinder im Kindergarten,
aber keine so grosse Kulturvermischung.
[62219:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn es schon ein heterogenes Kollektiv ist
und mit so vielen Anforderungen, muss man autoritärer werden und mehr führen.
Da kann man nicht so demokratisch und das willst du und das willst du.
Wenn man dann mal den Ton angegeben hat und wenn es gut läuft, dann kann man
wieder ein bisschen anders.
Zum Beginn muss man mehr die Zügel in die Hand nehmen.
Sonst läuft es einem einfach aus den Fingern.
[62731:00] Bemerkung 30: Es gibt jetzt ganz coole Lehrkräfte, die wirklich bewegte
Schulen machen, die wirklich auch Bewegungszettel haben.
Ich finde, das ist mega sinnvoll.
Ich habe drei Kinder, ich habe so eine Kindergartenlehrperson gehabt, die war mit
diesen jeden Tag draussen.
[63246:00] Bemerkung 30: Die hatten nie so Konfliktsituationen, ruhig da sitzen,
still sitzen, zuhören, alles in der Ruhe machen können.
Das geht gar nicht.
Die müssen sich auch bewegen können und mit der Motorik aktiv sein, die
vierjährigen Kinder.
[63677:04] Dr.med. Ursula Davatz: Ich möchte Sie mal als Lehrperson fragen, was
sagen Sie dazu, wie könnte man die Schule noch ein bisschen mehr unterstützen?
Mit diesen vielfältigen Anforderungen.
[63802:00] Bemerkung 31: Ich finde, ein gutes Rezept als Lehrperson ist sicher,
weil es ja so multikulturell ist, wenn man auch Arbeiten mehr das Miteinander in den
Raum stellt.
Ich habe ich zum Beispiel gute Erfahrungen gemacht, dass man miteinander eine
Arbeit macht, miteinander etwas macht, weil dann verbindet man sich auch als
Klasse oder als Einzelne und stellt nicht nur sich in den Raum, sondern das
Miteinander, das gemeinsame Erarbeiten von etwas.
[64326:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man könnte von dort her auch gerade am
Anfang so eine Miteinanderarbeit ankündigen.
Wer übernimmt welche Rolle und was müssen wir da alles erfüllen?
[64568:14] Bemerkung 32: Es ist unruhig in der Welt, sie streiten zum Beispiel viel.
Wir haben ja auch viele Probleme mit, eben aufeinander losgehen.
Wir machen zum Beispiel: heute ist ein friedvoller Tag oder heute ist mein friedvoller
Tag.
[65182:00] Bemerkung 32: Das ist eine Bewusstseinschulung.
Das fruchtet über mehrere Jahre.
[65518:58] Dr.med. Ursula Davatz: Dass man das Gemeinschaftsgefühl fördert,
das geht mit allen Ethnien.
[65696:00] Dr.med. Ursula Davatz: Alle Religionen haben ja so
Gemeinschaftsrituale.
Sie können als Lehrerin das auch in der Schule einführen.
Heute haben wir das Ritual.
Es ist wichtig und jeder darf seinen Beitrag leisten und jeder leistet einen anderen
Beitrag, aber man darf nie Gemeinschaftlichkeit aus lasssen.
Nicht einfach individualisiert.
[66133:35] Bemerkung 32: Genau.
Die Eigenverantwortung zum Beispiel fördern oder dass auch mal ein Kind, wie eine
Lehrerposition übernimmt oder eine Assistenzposition und dann auch mal das
Gefühl bekommt für eine Verantwortung, die man übernimmt, zum Beispiel, und
dann auch wahrnimmt, wie ist das, wenn ein anderer einem immer stört?
Oder wenn ich störe, wie ist das, wenn andere mich stören?
Dann empfindet man oder erlebt das eben auch als anderer Mensch.
[66271:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, das finde ich auch eine sehr gute Idee. Das
habe ich gemacht in der Schulklasse von unserer ältesten Tochter. Die sind nicht in
das Lager gegangen, weil die sich nicht gut benommen haben. Das fand ich sehr
schlimm.
[66802:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann habe ich mich dann auch eingemischt.
Dann habe ich auch den Vorschlag gemacht, die Kinder, die wollen oder die, die
Ansprüche haben, die dürfen eine Viertelstunde lang mit dem Lehrer zusammen
oder auch alleine Schule geben. Das ist so hilfreich.
Ein Rollenwechsel.
Dann merken sie, wie es ist, wenn man immer gestört wird von seinen Kollegen.
[67372:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dass sie Lehrer spielen dürfen. Was für eine
Stufe haben Sie?
[67441:23] Bemerkung 32: Ich habe Mittelstufe und Unterstufe, bin aber
Fachlehrperson. Im kreativen Bereich.
[67537:33] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist natürlich schön. Gerade dort kann man
ganz viel einbringen für die Persönlichkeitsbildung.
[67654:00] Bemerkung 32: Ja, das ist es so. Das ist ein sehr schönes Fach von
dem.
[67723:26] Dr.med. Ursula Davatz: Ich habe ja gesagt, wir leben in einer
individualisierten Gesellschaft und ich denke, zum Teil sind wir da zu sehr
individualisiert und wir müssen immer auch wieder das Gemeinschaftsgefühl
erwecken können, stimulieren können in den Kindern.
[67998:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wir sind soziale Wesen.
Sonst will jeder Chef sein und dann zerfällt der ganze Kuchen.
Ich sage: ein Kuchen nur aus Rosinchen hält nicht zusammen.
Es sei denn, es ist der Plumpudding dort ist viel Zucker drin.
Ja, dass man das Gemeinschaftlichkeitsgefühl immer wieder ein bisschen fördert
und dass im Gemeinschaftlichkeitsgefühl nicht jeder verdrückt wird, sondern jeder
einen bisschen einen anderen Platz haben kann.
[68516:00] Bemerkung 32: Jeder Mensch hat ja auch seine eigenen Qualitäten und
Fähigkeiten.
Das alles zusammen gibt ja ein riesengrosses Potenzial.
[68703:31] Dr.med. Ursula Davatz: Da sagt man dann immer, das Ganze ist mehr
als die Summe der Einzelteile.
Indem man es zusammensetzt, gibt es etwas viel Interessanteres.
Ich befasse mich immer so mit Evolution.
[69046:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man da die Evolutionsgeschichte
anschaut, bis die ersten Einzeller gekommen sind, ist es relativ lange gegangen.
Dann bis aus den Einzellern Vielzeller geworden sind, ist es nochmal lange
gegangen.
Wo dann die Vielzeller-Organismen gekommen sind, ist es auf einmal rasant
hochgegangen.
Wir sind sozial ein Vielzeller-Organismus.
Wir müssen als Vielzeller-Organismus lernen, ohne einen König oder einen Diktator
zu funktionieren.
[69557:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann gibt es so viel mehr Möglichkeiten.
Man sagt ja, auch in den demokratischen Gesellschaften ist die Entwicklung mehr
vorangegangen als in den autoritären.
Da ist Europa das Beispiel dafür.
Wir können immer wieder so unser historisches Beispiel verwenden.
[70058:00] Dr.med. Ursula Davatz: Mehr Theorie oder noch einzelne Fällen?
[70111:11] Bemerkung 33: Ich hätte noch gerne ein bisschen Theorie.
Ich arbeite einfach therapeutisch.
Wenn Sie so theoretische Sachen erklären, dann gibt das für mich so Sinn.
[70325:28] Dr.med. Ursula Davatz: Da könnte ich ja ein bisschen erzählen von
meiner therapeutischen Erfahrung.
[70437:18] Bemerkung 33: Für mich wäre es sehr spannend.
Dr.med. Ursula Davatz
Lika – Erziehungsschäden
21.3.2026
Audio
[31:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich begrüsse Sie alle ganz herzlich zu diesem
Seminar "Erziehungsschäden". Als Psychiaterin bin ich immer wieder konfrontiert mit
Erziehungsschäden. Der Freud hat schon die Erziehung des kleinen Hans
verwendet als eine gewisse Grundlage für seine Theorien. Er ist dann zwar aus
meiner Sicht ein bisschen abgeschweift, aber ich denke, Erziehung ist etwas ganz
Wichtiges.
Heute Morgen habe ich gerade gehört, wie sie Anne Frank am Radio gebracht
haben. Das war ein Teenager, der im Konzentrationslager gelebt hat, auf sehr
engem Raum, und als Ausläufer ihrer Emotionen hat sie ein Tagebuch geführt. Das
ist etwas, wo ich allen Teenagern natürlich sage.
Buben machen es weniger als Mädchen.
Aber ich gebe es auch immer den erwachsenen Personen zum Auftrag, dass, wenn
sie in einer ganz schwierigen Situation sind, dass sie probieren, ihre Gefühle in
Worte zu fassen und noch niederzuschreiben. Das ist eine Regel, dass, wenn man
aufwühlende Gefühle in Worte fasst, aufschreibt, dass dann 50 % vom Stress, von
der Aufgewühltheit weggeht.
Das ist natürlich ein ganz wichtiges neuropsychologisches Ergebnis. Ich komme von
einer Tagung über Makrokriminalität, Schweizerische Arbeitsgruppe Kriminologie.
Erziehung ist eigentlich dazu da, die Individuen zu sozialisieren. Erziehung ist
eigentlich eine Sozialisierung. Diese Sozialisierung ist natürlich immer ausgerichtet
auf ein bestimmtes Kollektiv, eine bestimmte Ethnie, eine Religion etc.
Die Justiz probiert dann, wenn ein Mensch sich fehlentwickelt, probiert sie, mit
Bestrafung den Menschen wieder zurück zum Kollektiv zu holen.
Bestrafung ist aus meiner Sicht keine gute Erziehung.
Bestrafung setzt immer dann ein, wenn man nicht weiter weiss.
[2625:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man überfordert ist. Das können
wahrscheinlich alle Mütter bestätigen, wenn sie ehrlich mit sich sind, dass sie in die
Bestrafung ausarten, wenn sie nicht weiterwissen. Ich möchte jetzt mit Ihnen so ein
bisschen Erziehungsschädigungen anschauen und dann aber auch, und wie kann
man sie beheben.
Denn ich bin ja Therapeutin und ich möchte immer helfen, korrigieren, aber sicher
nicht bestrafen.
Ich habe einmal einen Vortrag gehalten, in Brügg.
[3183:00] Dr.med. Ursula Davatz: Bestrafung als Erziehungsmethode?
Meine Haltung war natürlich ganz klar: Nein, das geht nicht.
Ich hatte dort falsch parkiert und habe mein Auto irgendwo eben rausgestellt und
habe dann eine Busse bekommen. Und dann habe ich den Vortrag an die Polizei
geschickt, an die Brugger Polizei, und gesagt, ob sie mir diese Strafe nicht erlassen.
Haben sie natürlich nicht gemacht. Aber mindestens konnte ich ihnen einen kleinen
Denkzettel geben.
Das ist für mich eine gewisse Befriedigung.
[3786:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die Erziehung findet statt, an erster Stelle
natürlich zu Hause, also bei den Eltern oder bei den Erziehungspersonen. Wenn
man im Heim aufwacht, sind es dann diese Personen. Sie passiert in der Schule. Sie
passiert im Klassenzimmer. Dort ist dann die Erziehung der Gruppe. Wie tut sich die
Lehrerin in der Gruppe oder der Lehrer behaupten und seine Regeln durchsetzen?
Auf dem Pausenplatz. Also Kinder tun sich auch gegenseitig erziehen.
[4314:00] Dr.med. Ursula Davatz: Früher hat es eher wenige Familien gegeben mit
vielen Kindern. Heute gibt es viele Familien mit wenigen Kindern. Das heisst, die
Erziehung durch die Gleichaltrigen oder durch die Geschwister passiert nicht mehr.
Die Kinder sind viel mehr den Eltern ausgeliefert und die Eltern sind viel mehr
präsent bei dem Einzelkind oder bei zwei Kindern. Unsere Fruchtbarkeit, oder nein,
unser Reproduktions- oder das Reproduktionsverhalten geht ja zurück. Also in allen
höher entwickelten Staaten hat man wenige Kinder. Und die nicht so kulturell
entwickelten Länder haben eher viele Kinder. Und dadurch haben wir dann viel
Einwanderung und dann müssen wir die dann neu erziehen. Dann passen die zum
Teil nicht in unsere Gesellschaft.
[5377:00] Dr.med. Ursula Davatz: In der Kindheit lernt das Kind Regeln. Es lernt
Verhaltensmuster und es lernt auch Denkmuster. Früher ist die Erziehung, jetzt
spreche ich vom westlichen Kulturraum, von der Religion gemacht worden. Also die
ersten Schulen waren religiöse Schulen. Ich war in Engelberg, dort habe ich noch
das grosse Internat gesehen, wo die Kinder erzogen wurden von den Mönchen.
Das Kind wird bei dieser Erziehung erzogen, damit es sich dann in dem Kollektiv,
wo es dazugehört, gut bewegen kann, nicht zu viel Anstoss, also dass es möglichst
reibungslos läuft. Aber in unserer westlichen individualisierten Gesellschaft erwartet
man auch, dass das Kind individuelle Leistungen erbringt. Das geht nicht immer
miteinander, stimmt nicht immer miteinander überein.
Wir wollen, dass die einzelnen Individuen, wir sind eine stark individualisierte
Gesellschaft, und wir wollen, dass die sich auch durchsetzen. Von dort her ist dann
immer eine Art Balance zu finden zwischen anpassen und durchsetzen.
Die Mädchen passen sich in der Regel mehr an, oft zu Ungunsten von sich selber.
Also sie passen sich an, damit das Kollektiv gut funktioniert. Die Mütter müssen auch
schauen, dass die Familie gut funktioniert.
Die Jungen trauen sich eher, ein bisschen aggressiv zu sein und neben
rauszugehen.
[6989:00] Dr.med. Ursula Davatz: Bei einem Mädchen erlaubt man das nicht so
oder hat es nicht so gerne. Also es ist einfach keine Tradition. Während Männer, die
sich nicht anpassen und durchschätzen, die werden dann manchmal zu Helden. Es
gibt nur ganz wenige Heldenfiguren bei den Frauen, die sich nicht angepasst haben.
Die Erziehung, wie ich schon gesagt habe, ist also geprägt durch die bestehende
Kultur, unsere westliche Kultur. Sie ist geprägt durch die Religion.
[7501:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie ist geprägt durch die Ethnie. Also ja, wenn
man aus dem Balkan kommt, hat man ein bisschen andere Regeln.
Sie ist geprägt durch die Nationalität. Also unsere schweizerische Erziehung gilt als
sehr gute Erziehung.
In dem Sinne haben Diktatoren ihre Kinder in die Schweiz geschickt, um zu
erziehen. Der Kim Jong-un war drei Jahre in Bern unter einem Decknamen im
Internat und hat die schweizerische Erziehung genossen.
Der ehemalige… Und ich geniere mich natürlich, dass er sich so benimmt. Also seine
Herkunft hat mehr durchgeschlagen als unsere schweizerische Erziehung.
Der Schah, der ehemalige Chef vom Iran, der war fünf Jahre in einem Internat im
Welschland. Er berichtet dort darüber auch, dass das sehr prägende Jahre waren,
dass er sehr viel Kollegialität gelernt hat. Hat dadurch eine enge Beziehung
bekommen zur Schweiz, ist dann immer wieder nach St. Moritz, hat dort immer in
einem schönen Haus gewohnt.
Dann sind die Schweizer nicht an seine grosse Feier gegangen, dann war er
beleidigt und dann ist die Beziehung zwischen der Schweiz und dem Schah von
Persien ein bisschen kaputt gegangen.
Die Schweizer haben sich damals nicht getraut, sie waren dann natürlich auf der
anderen Seite, auf der demokratischen und sicher nicht auf der autoritären.
Solche Sachen passieren dann über Erziehungsprägungen.
Heutzutage läuft die Erziehung sehr stark über elektronische Medien. Das heisst,
Kinder gehen schon früh ans Natal. Viele Eltern verwenden auch das Mobile um das
Kind zu unterhalten. Das funktioniert immer. Wenn man ruhig innen Arbeit machen
will, gibt man dem Kind das Mobile.
Dann funktioniert. Das Kind kann es dann besser als die Eltern.
[9794:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es werden natürlich Inhalte präsentiert, die alle
zusammen auf Konsum ausgerichtet sind. Das heisst, die Medienanbieter verdienen
an dem. Die Einschaltquote. Die Kinder, also speziell, jetzt komme ich zu den
Teenagern, also ich denke, die Teenagerphase ist eine der wichtigsten Phasen. Da
entwickelt man seine Persönlichkeit, man sollte sie entwickeln. Da wird man
programmiert von diesem Internet.
[10309:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es wird eigentlich alles so ein bisschen
egalisiert. Was zählt, ist der Verkauf, das heisst, die Erscheinung in den Medien. Die
Visibility, die Öffentlichkeitserscheinung. Es buhlen eigentlich alle auf die
Aufmerksamkeit vom Kollektiv. Man muss sich irgendwie entweder ganz nach dem
letzten Trend anlegen, benehmen und so weiter, oder dann wieder rausstechen.
[10905:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist eine fatale Angelegenheit. In diesem
Augenblick haben dann die Eltern nicht mehr so viel zu sagen. Die Lehrer kommen
auch nicht durch. Man hört jetzt schon von Schulen, Gewerbeschule und Gymi, dass
Kinder in der Stunde, an ihrem Mobile herum machen, dass sie Aufgaben lösen mit
ChatGPT, also dass sie gar nicht nicht mehr denken lernen. Sie entwickeln von dort
her gar keine eigene Persönlichkeit mehr. Das sind zukünftige Erziehungsschäden.
[11490:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich schaue die an, die ich erlebe in meiner
Praxis. Die KI und es wird ja viel diskutiert. Ich will sie überhaupt nicht verteufeln. Sie
kann in vielen Momenten sehr hilfreich sein. Aber dadurch, dass so viel angeboten
wird an Routinearbeit, alles Wissen kann man aus dem Internet holen, ist eigentlich
die Wissensvermittlung in der Erziehung nicht mehr das Wichtigste.
[12091:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die Moralvermittlung, die sozialen Gesetze, die
Menschlichkeit. Die kommt nicht durch über das Internet. Man weiss auch, also
wenn ein Mensch, wenn ein menschliches Hirn sich mit dem Mobile, also mit dem
Internet, auseinandersetzt, werden viel weniger Hirnaktivitäten ausgelöst, als wenn
sich der Mensch mit einem anderen Menschen auseinandersetzt.
[12621:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die menschliche Auseinandersetzung verlangt
noch feinere Sachen. Das Hirn muss mit mehr Sachen reagieren. Das erlebe ich
jetzt auch, wenn ich zum Beispiel Therapien am Telefon mache. Dann kann ich
neben dran, ich kann zwar reden, aber ich kann immer noch anderes Zeugs
anschauen, sodass ich ein bisschen abwesend bin. Das ist natürlich nicht das
Gleiche. Hingegen, wenn man sich einander gegenübersetzt, steht, dann nimmt der
Mensch alle möglichen feinen Sachen wahr, die wieder eingespiesen werden in die
Erziehung. Früher waren die Lehrer und Pfarrer und die Ärzte so die, die alles
gewusst haben. Heute weiss das Internet alles. Man geht sofort recherchieren, was
sagt das Internet. Aber das Angebot, das vom Internet kommt, ist immer so ein
bisschen ein egalisiertes, ein geschmeidig gemachtes. Auch die Sprache ist so ein
bisschen egalisiert. Da fehlen dann ganz spezielle menschliche Sachen.
[13657:00] Bemerkung 1: Ich habe gerade eine Kollegin gehabt, die in Australien
war. Die Kinder sind ganz anders. Bis 16 Jahre keine Mobiltelefone. Das ist seit
Dezember so. Das sagt auch unsere Tochter, die auf einer Schule arbeitet. Es ist
fast wie früher.
[15051:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ein autoritärer Erziehungsstil hat sich
durchgesetzt. Australien, England. Mit Duden, wieder in einem Buch lesen.
[15597:00] Dr.med. Ursula Davatz: Australien hat das sehr radikal gemacht. Sehr
mutig, viele bewundern das. Frau Martina Bircher setzt das in der Schule ein.
[16145:00] Bemerkung 2: In Australien ist das Mobile verboten bis 16 Jahre,
komplett verboten.
[16647:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das limbische System und das emotionale
System hat sich ausgebildet bei allen sozialen Tieren. Speziell natürlich bei den
Säugetieren und zu denen gehören wir. Wenn das Lernen, das soziale Lernen, nicht
mehr über eine Beziehung läuft, sondern über ein kaltes Internet, dann fehlt da
etwas. Da sagt man sogar, dass das der Hippocampus im emotionalen Hirn, im
limbischen System, dass der ein bisschen geschrumpft ist.
[17188:00] Bemerkung 4: Das glaube ich sofort. Ich konnte alle Telefonnummern
auswending.
[17748:00] Bemerkung 3: Das Bindungsverhalten, das Beziehungsverhalten ist
etwas ganz Wichtiges für das soziale Lernen. Man hat das ja auf eine Art ein
bisschen festgehalten. Man hat immer von IQ, also Intelligenzquotient, geredet. Jetzt
spricht man auch von EQ. Aber angeschaut wird der nicht. Das ist ein theoretisches
Konzept. Also EQ ist der emotionale Intelligenzquotient. Eigentlich müsste man da
sagen: soziale Intelligenzquotient. Wir haben ja das Beispiel von Elon Musk.
[18253:00] Bemerkung 3: Hochintelligent, schrecklich aufgewachsen, mit einem
ganz, ich sage jetzt mal, schwierigen Vater, der stolz ist, dass die Kinder ihn hassen.
Also er hat gesagt, ich bin stolz darauf, wenn meine Kinder mich hassen. Das kann
es ja nicht sein. Er reproduziert dann, weiss ich nicht, was, 14 Kinder, alles künstlich.
Also das ist schon ein bisschen ein Degenerationseffekt.
[18716:25] Dr.med. Ursula Davatz: Man hat in der westlich gebildeten Gesellschaft
sehr viel Wert auf IQ gelegt, also auf die Hirnaktivität von unserem Grosshirn, und
relativ wenig auf die soziale Erziehung. Und das hat dann mit sich gebracht, dass
Menschen, die emotional zu kurz gekommen sind, dass man die leicht mit
Massenbewegungen, also mit diesen ganzen populistischen Bewegungen abholen
kann.
[19305:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich mache dann immer das Bild vom
Rattenfänger von Hameln, wo der Rattenfänger schöne Musik gespielt hat und alle
Kinder sind hinten reingelaufen. Das hat die Gesellschaft, das Kollektiv, befreit von
den Sorgen, die man hat mit Kindern, aber auch von den Kindern. Das ist ein
bisschen das Bild, das mir jetzt so ein bisschen aufkommt. Ich finde, es ist absolut
wichtig, dass wir uns wieder um die Erziehung kümmern und um die menschliche,
die soziale Sozialisation. Das Wissen nicht alles ist. Das kann man ja heutzutage
alles holen.
[19946:00] Dr.med. Ursula Davatz: Was man mit dem Wissen macht und wie man
das verknüpft, das ist dann wieder eine individuelle Angelegenheit. Da, wenn ich von
der akademischen Welt spreche, auch jetzt wieder von dieser Tagung, wir tun uns,
also die Akademiker holen sich Wissen über Statistiken. Das heisst, man macht
Zählungen von, wer macht wie viel von was.
[20459:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die Statistik ist dann die Wahrheit. Das ist keine
individuelle Wahrheit. Ich habe keine einzige Statistik, ich habe ein paar gemacht,
aber ich plädiere natürlich immer für die persönliche Erkenntnis und persönliche
Wahrheit und nicht einfach nur die gezählte Wahrheit. Da tue ich dann den Albert
Einstein, der ja Physiker war und Nobelpreis bekommen hat, der in den Aarauer
Kantonsschule gegangen ist, zitiere ich den und der sagt:
[20968:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nicht alles was zählbar ist zählt und nicht alles
was zählt kann man zählen.
[21538:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn ich mich nicht an die Statistiken halte,
punkto IV-Zeugnis oder Arbeitsunfähigkeitszeugnis, dann zählt das nicht. Die halten
mir dann immer die Diagnose vor Augen. Sie haben nicht die richtige Diagnose
aufgeschrieben und dann wird ich immer verrückt. Dann fange ich dann so ein
bisschen an, aufzählen. Aber als Erstes probiere ich immer, die menschliche
Geschichte dieser Person zu erzählen und ein bisschen einsehbar auf einfache Art.
[22056:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich möchte eigentlich ans menschliche
Gewissen von denen appellieren, aber ich komme nicht immer durch und dann muss
ich dann halt auch aufzählen. Dann kommt eine Litanei von Diagnosen, damit man
ernst genommen wird. Aber den Menschen nimmt man nicht ernst, nur die Diagnose.
Das ist natürlich auch wieder, das ist eine Riesenkritik an der heutigen Medizin. Ich
habe ja in dem Sinne auch ein Buch publiziert im letzten Jahr. Da sage ich, ADHS/
ADS, Folgekrankheiten. https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhsads-folgekrankheiten/[22637:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich leite fast alle, ich könnte sagen allen, alle
Krankheiten von… In der Psychiatrie leite ich aus dem ADHS ab. Das ist überhaupt
nicht durch bei den Psychiatern. Es wird dann immer von Komorbidität geredet.
Gerade jetzt an dieser Tagung habe ich einen getroffen, ein Heimleiter war das, der
gesagt hat er hat noch die Diagnose manisch-depressiv, also bipolare Störung. Die
bipolare Störung sei das Wichtige und das ADS sei das Kleine hintendran. Da habe
ich gesagt: genau umgekehrt. Genau umgekehrt. Das ADHS ist eine genetisch
vererbte Veranlagung. Heute spricht man ja eher von divergenten Neurotypen, die
mehr sensibel sind, die mehr stresssensibel sind, und dann kann es alle möglichen
Krankheiten entwickeln. Und das habe ich probiert, auseinanderzunehmen in
meinem neuen Buch.
[23800:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich komme natürlich überhaupt nicht durch bei
den Psychiatern. Man bleibt so sehr stark auf der vorgefassten Meinung. Da kann
ich nochmal etwas dazu sagen, das ist jetzt wieder eine Statistik. Man sagt,
Fachleute, also Wissenschaftler, sind bornierter als der Durchschnittsmensch. Weil
sie natürlich ihre Theorie entwickeln wollen. Das Gleiche kann man von der Politik
sagen.
[24414:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man macht Arbeitsgruppen, wo Leute aus dem
gewöhnlichen Volk gewählt werden, die sich äussern sollten zu einem Thema. Auf
der anderen Seite hat man die professionelle Arbeitsgruppe. Die Ideen, die aus dem
allgemeinen Volk kommen, sind nicht schlechter als die Ideen der Fachleute.
Vielleicht sind sie weniger voreingenommen, weniger verdreht. Das wäre jetzt mal so
ein bisschen eine allgemeine Einleitung, also Bindungsverhalten.
[25000:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich bin spezialisiert auf das ADHS, oder das ist
eines meiner Steckenpferde. Ich sage, nicht jeder Erziehungsstil passt zu jedem
Kind. Ich bringe die Bauern und Akademikerfamilien. Wenn man in der
Akademikerfamilie ein handwerklich talentiertes Kind hat, aber es hat eine
Legasthenie, dann kommt das ein bisschen unter die Räder. Denn die
Akademikerfamilien wollen ja, dass ihre Kinder auch studieren und da hohe Sachen
erreichen.
[25576:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man in einer Bauernfamilie intellektuelle
Fähigkeiten hat, aber zwei linke Hände, dann kommt man in der Bauernfamilie
darunter. Weil man dort nicht gut ist, nicht helfen kann. Es geht immer um die
Passung. Wenn etwas nicht passt, also wenn der Erziehungsstil und das Wissen des
Kindes nicht passt. Man hat einen sehr sportlichen Vater und der hat einen Sohn,
der gar nicht gerne Sport hat. Dann hat der Vater immer Probleme mit dem Sohn,
weil der nicht mitmacht.
[26146:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann haben wir schon eine gewisse
Erziehungssperre. Es gibt ein Buch, es ist zwar vergriffen, die Passung. Wenn die
Passung zwischen Naturell vom Kind nicht stimmt, dann kann das Kind völlig kaputt
gemacht werden. Aus der Tierwelt weiss man das. Wenn man ein Rennpferd, ein
arabisches Rennpferd, erzieht wie eine Kuh, dann kommt nichts Gutes raus. Dann
wird es kaputt gemacht. Wenn man einen sehr sensiblen Hund anschreit, dann lernt
er auch nichts.
[26738:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann sagt man der Erzieher, also der Dresseur,
der kann das nicht. Jetzt bei uns Menschen erwartet man immer, dass das Kind sich
im eigenen Erziehungsstil anpasst. Das ist Gehorsam. Da gibt es jetzt sogar eine
neue Diagnose, die von Amerika kommt. PDA: Pathological Demand Avoidance.
[27251:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da wird nichts anders, also pathologische
Ungehorsam, also Ungehorsam wird schon pathologisiert. Es ist eine Sendung
gekommen am SRF1, PDA, Pathological Demand Avoidance, die Sendung heisst:
Familien am Limit. https://www.srf.ch/play/tv/dok/video/familien-am-limit—wenn-kinder-alle-grenzen-sprengen?urn=urn:srf:video:05fa55a5-dbbf-40a2-9029-4b8f5b81f2b8 – Ich habe diese Sendung geschaut. Ich habe
gesehen, also es waren alles nette Mütter, aber die haben sich nicht dem Kind
entsprechend verhalten.
[27772:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die haben sofort erziehen wollen und nicht
zuerst das Kind abgeholt. Ich habe jetzt einige solche Situationen, wo Kinder die
Schule verweigern. Dann kommt die Schule, die sagt, also wenn das Morgen nicht in
die Schule kommt, dann schalten wir das KESB ein. Oder man holt das Kind sogar
mit der Polizei ab. Aber man fragt das Kind nie, was hat dir nicht gepasst? Was hat
dich gestört? In der therapeutischen Sprache sagt man, man muss immer zuerst das
Gegenüber, also den Patienten, den Menschen validieren.
[28374:00] Dr.med. Ursula Davatz: Erst dann darf man sagen, ich will das. Wir
überfahren diese Menschen, diese Kinder und sagen gerade, was wir wollen von
ihnen. Wir wollen gerade zur Erziehung gehen, ohne dass wir das Kind
kennenlernen. Wir leben natürlich in einer sehr effizienten und leistungsorientierten
Gesellschaft und dann will man dem Kind gerade die Leistung aufzwingen, damit es
dann erfolgreich ist.
[28899:00] Dr.med. Ursula Davatz: Viele machen den Gymnasiumabschluss und
nachher kommt nichts. Das gibt es in Japan. Also diese starke Intellektualisierung in
der Erziehung, in der westlichen Gesellschaft, die ist zum Teil zum Schaden der
Kinder.
[29234:36] Bemerkung 5: Wenn zum Beispiel jetzt eben wegen dem Validieren
zuerst, wenn jetzt zum Beispiel ein zweijähriges Kind immer die grosse Schwester
beisst, was macht man da?
[29492:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da kann man nicht validieren. Da muss man
selber beobachten. Wenn ein Kind die Schwester beisst, dann will das Kind mit
dieser Schwester interagieren. Ich habe mal in einer Pflegefamilienweiterbildung
gesagt, das ist eine ungeschickte Art, Kontakt aufzunehmen. Da komme ich, ich
mache ja diese vier Stressverhalten: Fight, Flight, Freeze and Tease.
[30003:00] Dr.med. Ursula Davatz: Teasing ist Necken, und das ist jetzt auf der
intellektuellen Ebene. Aber Tiere können ja nicht necken, aber das Beissen ist
Necken. Das ist eine Kontaktaufnahme. Ich will mit dir spielen, ich will etwas von dir.
[30247:43] Bemerkung 6: Es ist von meiner Tochter, die hat Kinder.
[30585:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das entsteht häufig, also man hat ja immer
Angst, wenn man ein Kind hat, dann kommt ein Neues auf die Welt,
[31144:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dort hat man beim Älteren Angst, dass es mit
dem Kleinen nicht umgehen kann. Dann trennt man die oft. Also zwischen dem
Kleinen, der beisst, und dem anderen, der gebissen wird, muss man vermitteln. Da
muss man schauen, wie kann man vermitteln kann. Was will sie von ihr? Sie will
spielen mit ihr. Ich würde sagen, weisst du, die will spielen mit dir.
[31546:21] Bemerkung 7: Das hat sie alles schon gemacht. Alles. Es ist immer nur
am Freitag, wo die Grosse den ganzen Tag zu Hause ist.
[31678:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist dann wie Futterneid. Wenn man zwei
Hunde hat oder Katzen…
[31769:41] Bemerkung 8: Samstag und Sonntag geht es wieder. Dann hat sie sich
schon daran gewöhnt, dass sie auch wieder Samstag/Sonntag da ist. Am Ende geht
es wieder. Es ist jeden Freitag.
[31998:59] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, also da wäre ich sehr aufmerksam und
würde die Kleine begleiten, validieren. Was möchtest du von deiner Schwester, was
machen wir miteinander?
[32245:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die will etwas, das sie nicht recht sagen kann.
Die weiss ihre Bedürfnisse nicht, die kann sie nicht intellektualisieren, die macht
einfach.
[32420:08] Bemerkung 9: Die Grosse ist natürlich dann klar, die flippt dann aus und
wird bestraft, weil sie älter ist.
[32799:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist alles schon intellektuelle Erziehung. Es
muss Beziehungserziehung sein. Man muss die Grosse natürlich auch begleiten, wie
macht sie das mit dem. Sie weiss ja, die kommt jetzt zum Beissen. Da kann man ihr
einen Knochen hinhalten und sagen, schau, du darfst hier beissen. Bei Hunden
macht man das auch. Wenn die einen Schuh verknetschen, dann sagt man, nimm
da deinen Knochen, und dann kannst du beissen.
[33188:22] Bemerkung 10: Die Hunde machen nur etwas kaputt, wenn es ihnen
langweilig ist.
[33342:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das Beissen ist Spielverhalten. Das ist eben
Teasing. Teasing ist Necken, also wir sagen, was sich liebt, das neckt sich im
Liebesverhalten, kommt es auch wieder. Teasing ist Annäherungsverhalten, ich
mache irgendetwas und schaue dann, wie der andere reagiert. Wenn der andere
einen abstosst, dann kommt man ja nicht zum Resultat, dass man mit dem spielen
kann.
[33808:30] Bemerkung 11: Sie macht es nur von hinten. Es wird schnell zu einem
Zirkus.
[34035:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man muss in das Spiel einsteigen und mit
denen zusammen hier die Annäherung ein bisschen begleiten. Nicht mit Bestrafung,
nicht mit intellektuell, sondern wirklich praktisch.
[34231:37] Bemerkung 12: Ins Spiel reingehen, wie ein Hund und einzeln
schnappen.
[34304:19] Dr.med. Ursula Davatz: Jetzt spielen wir mal Hündchen. Die jungen
Hunde, wenn ich denen die Hand hinhalte, dann beissen die meine Hand aber mit
Milchzähnen, das ist nicht schlimm. Das ist Spiel, das ist lustig. Ja, das ist
Spielverhalten.
[34703:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das natürliche Spielverhalten haben wir ein
bisschen verloren. Man spielt nur noch nach, ich weiss auch nicht, Spielkonsolen,
Computerregeln usw.
[34853:11] Bemerkung 13: Sie hat sehr viel Aufmerksamkeit, es passt einfach nicht.
[35227:00] Dr.med. Ursula Davatz: Mitspielen, mitspielen, Hündchen spielen und
so das Ganze ein bisschen, wie soll ich sagen, entlasten. Man muss ein bisschen
die eigene Fantasie walten lassen. Alle jungen Hündchen spielen miteinander. Da
sagt man dann, wenn das Kleine die Erwachsenen beisst, dann hat das
Welpenschutz. Da beissen wir nicht zurück. Die Hunde erzieht man nicht mit, du
darfst das nicht, du hast jetzt genug gehabt, weiss ich noch nicht. Ich kenne natürlich
viele Leute, die ihre Hunde so erziehen, da muss ich sagen, das geht nicht.
[35870:16] Bemerkung 14: Der Welpenschutz hat den Welpen nur im eigenen
Rudel.
[36048:00] Bemerkung 14: Wenn die Welpen beissen und man lacht, zeigt man die
Zähne. Die Hunde zeigen dir Zähne, wenn sie dich fern halten wollen, dich angreifen
wollen. Wenn der Mensch lacht, macht er, hä, ist lustig, oder?
[36271:03] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist falsch. Das ist ein falsches Signal. Ja,
das ist interessant. Das muss man der Menschheit beibringen. Das ist natürlich
Clan-Verhalten. Die haben immer Clan-Verhalten.
[36505:33] Bemerkung 14: Die Mutter tut immer den Welpen erziehen, nicht mit
Strafe. Wenn die Mutter zum Beispiel etwas nicht will, dann steht sie auf und läuft
weg. Sie steht auf und läuft weg. Genau. Sie beisst nicht zurück.
[36844:00] Bemerkung 14: Ich habe zwei Hunde. Ich verstehe Hunde sehr gut.
Menschen reissen oft am Hund oder Bellen den Hund an.
[37344:00] Dr.med. Ursula Davatz: Mitspielen, nicht moralisieren, nicht
intellektualisieren, mitspielen und schauen, was geht.
[37502:57] Bemerkung 15: Gestern ist es eskaliert.
[37528:11] Dr.med. Ursula Davatz: Ich bin mit einer Mutter auf den Spielplatz
gegangen. Die hat einen Buben, der sehr aktiv ist und sicher ein ADHS-Kind, sie ist
auch eines. Dann hat er irgendetwas gemacht und sie hat nein, nein, das nicht, das
nicht. Die werfen dann gleich mal mit Wasser. Dann habe ich dann mit ihm gespielt.
Dann habe ich gesagt, jetzt renne ich dir nach und werfe dir auch Wasser an. Dann
ist er davon gesprungen und so hin und her. Also spielen. Wir haben spielen verlernt.
Man muss spielen mit diesen Kindern. Im Spiel gibt es dann die Regeln. Eben die
grossen Familien, da haben die Kinder miteinander gespielt und haben von den
Grösseren gelernt.
[38496:00] Dr.med. Ursula Davatz: Manchmal fürsorglich. Manchmal hart, das fällt
alles weg.
[38553:44] Bemerkung 16: Das bestätigt es mir jetzt gerade. Am Montag, wenn wir
hüten, haben wir die volle Zeit für die Kinder. Wir spielen immer.
[39073:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man kann das Gen untersuchen. indem man
Gene richtig analysieren kann und dann schaut, was für körperliche Reaktionen
dieser Mensch hat auf irgendeine Medizin, dann sagt man personalisierte Medizin.
Wir Psychiater, der Professor Hell und ich, hatten mal davon gehabt, wir sind
verrückt, dass man das personalisierte Medizin benennt. Gene sind nicht
personalisiert.
[39574:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wir haben zu 99% gleiche Gene wie der Affe
und sind ganz anders. Da hat es noch andere Prozesse dazwischen. Das ist wieder
der Glaube an die, wie soll ich sagen, mechanische, mechanistische Medizin.
[40083:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die prägende Phase in der Erziehung wo das
Kind langsam die Regeln lernt und internalisiert, die läuft zwischen 9 und 13 Jahren
ab, sagt man. Da tun viele Kinder ja auch so Spiele machen, aber eben heute halt
eher so. Wir haben noch Hüpfspiele gemacht, Ballspiele usw., also alles kombiniert
mit Motorik. Das ist nur noch kombiniert mit dem Daumen.
[40584:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da sagt man sogar, das Areal der Finger wird
kleiner und nur noch das Daumenareal im Hirn ist gross. Das wird sehr geschickt.
Also die meisten schreiben, ich kann es nicht, die schreiben ja so auf dem Mobile.
Der Mensch ist eine seelisch-körperliche Einheit.
[41089:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der Körper müsste mit einbezogen sein. Um
den Körper zu betätigen, geht man dann ins Fitnesszentrum und macht lauter
gleiche Bewegungen. Irgendwie haben wir ein komisches Verständnis vom
Menschen. Anstatt dass man ja noch Arbeiten macht von Hand oder bastelt oder halt
spazieren geht, baut man dann relativ mechanisch seinen Muskelkörper auf. Ich bin
jetzt ein bisschen kritisch.
[41657:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist eine sehr prägende Phase. Die zweite
wichtige Phase wäre die Pubertät. In der Pubertät, der Mensch wird geboren mit
ganz vielen Synapsen, also sehr vielen Verbindungen im Hirn. Mit unendlich vielen
Möglichkeiten. Was Sprache und Erkennung der Sprache oder die Tonalität der
Sprache betrifft.
[42195:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ein Kind von 0 bis 2 hört noch alles. Ab 2 fängt
das Kind an, zu reduzieren auf die Muttersprache. Damit es die erkennt und das
andere aushalten kann. Sonst hat es einfach immer Lärm, wie der Staubsauger. Man
tut ja Kinder auch mit Staubsaugern beruhigen. Das ist ein undifferenzierter Lärm,
einfach ein Geräusch. Da lernt das Kind die Muttersprache zu hören.
[42716:00] Dr.med. Ursula Davatz: Schlussendlich dann sprachlich wiederholen.
Man sagt, man kann Sprache nur akzentfrei lernen vor der Pubertät. Wenn man in
die Pubertät kommt, dann ist das Hirn schon so fixiert, dass unser Kehlkopf das nicht
mehr so gut kann. Es gibt sehr begabte Leute, die es auch dann noch können, eine
Sprache akzentfrei lernen, aber der Durchschnitt nicht.
[43245:00] Dr.med. Ursula Davatz: In der Pubertät, das habe ich vielleicht auch
schon gesagt, da werden dann die vielen Synapsen, die wir haben im Hirn, die
werden zum Teil gehabt, man sagt Synaptic Pruning, also die werden zerstört und es
werden Bahnen gemacht im Hirn. Zu diesen Bahnen gehört natürlich dann, das sind
dann Gewohnheiten, das ist Persönlichkeit, also in der Pubertät muss das Kind
seine Persönlichkeit herausbilden, der Jugendliche.
[43797:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man den Jugendlichen ständig stört in
seinen Eigenheiten oder ihn zu etwas ummodellieren will, also wenn ein Akademiker
aus seinem eigentlich handwerklich begabten Sohn einen Akademiker machen will,
dann scheitert man. Wenn ein Bauer seinen intelligenten Sohn nicht ins Gymnasium
gehen lässt und für ihn hat man das nicht zahlen können, dann ist man auf
Engelberg gegangen, ins religiöse Gymnasium.
[44300:00] Dr.med. Ursula Davatz: So konnte er dann noch diese Bahn verfolgen.
Wenn er das nicht lässt, dann vermodert diese Fähigkeit und es gibt eine
Fehlentwicklung. Dort gibt es dann Krankheiten, Delinquenz, weiss ich nicht was
alles. Also indem wir die natürlichen Ressourcen eines Kindes umerziehen wollen,
machen wir es kaputt und haben Krankheiten. Dann hat man eine psychiatrische
Krankheit.
[44808:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der, den ich gestern angetroffen habe, der
gesagt hat, er sei bipolar. Da habe ich gefragt, wann ist das zum ersten Mal
aufgetreten? Dann hat er gesagt, er habe einfach zu viel Arbeit gehabt. Das ist auch
typisch wieder für die ADHSler, wenn sie fokussiert sind, etwas machen wollen,
können sie nicht mehr aufhören. Schlussendlich hat er durchgedreht. Jetzt ist er voll
mit Medikamenten.
[45308:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man nicht persönlichkeitsgerecht oder
ich könnte jetzt sagen, genomgerecht mit dem Kind umgeht, wenn man das
wegerziehen will, dann hat man ein Problem und hat man alle möglichen
Krankheiten. Das wäre so eine kleine Einleitung. Jetzt möchte ich Sie eigentlich
fragen, zuerst mal persönlich, haben Sie in Ihrem Kinder- und Jugendleben
erziehungsschädigende Massnahmen erlebt und was für welche?
[45834:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wer hat Kinder gekannt oder Erwachsene
gekannt oder in der Schule so Menschen gesehen, die sogenannten
Erziehungsschäden hatten?
[45986:35] Bemerkung 17: Ich musst ohne das Abendessen ins Bett.
[46035:31] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist ein Erziehungsschaden. Das sagt man
heute, das darf man nicht mehr machen.
[46148:11] Bemerkung 17: Nein, das wollte ich sagen. Also ich finde das eine der
schlimmsten Strafen, die es gibt.
[46270:21] Dr.med. Ursula Davatz: Haben Sie es als schlimm empfunden?
[46319:13] Bemerkung 17: Extrem. Ja, extrem.
[46362:00] Dr.med. Ursula Davatz: Können Sie ein bisschen sagen, was haben Sie
für Bilder entwickelt? Sie sind von der Gesellschaft aus, also nein, vom Kollektiv
ausgeschlossen worden?
[46514:36] Bemerkung 17: Ja, ich bin unehelich geboren. Das ist durch mein Leben
durchgegangen. In der Pubertät war es dann ganz schlimm, weil die ganze Familie
hast du gehört am Tisch, das Salatbesteck erst recht noch gehört, oder den Löffel.
Ich bin aus einer Bagatelle gestraft worden. Mhm. Ich weiss nicht mehr, was für
Strafen das waren. Also warum ich die Strafe bekommen habe. Ich weiss einfach,
dass es mindestens einmal im Monat passiert ist.
[47039:00] Bemerkung 17: Irgendwann mal konnte ich offiziell dann einen Vorrat
anschaffen, via einer Kollegin, die mir mein Dessert gebracht hat. Wirklich ohne das
Abendessen ins Bett, das wünsche ich wirklich niemandem.
[47306:31] Dr.med. Ursula Davatz: Sie sind zweimal gestraft worden. Auf einer
ethisch-moralischen Ebene. Sie konnten ja nichts dafür. Sie waren ein uneheliches
Kind. Unehelich geboren. Da haben Sie nicht ins religiöse Schema gepasst. Obwohl
Sie gar nichts dafür konnten.
[47662:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da sind Sie schon von Geburt her, sind Sie
stigmatisiert worden, dass Sie ein falsches Kind sind. Da gibt es ja dann auch Wörter
dafür und Namen. «out of wedlock», sagen sie, glaube ich, die Engländer oder die
Amerikaner. Ja, also da hat schon die Erziehung angefangen. Also Ihre Mutter hat
etwas falsch gemacht. In den Augen von…
[48019:16] Bemerkung 17: Man kann sich dann durch das, wir kennen uns ja schon
lange, aber durch das kann man ja dann eben auch Positives daraus machen.
[48218:00] Bemerkung 17: Letztens im Migros habe ich das gehört. Es ist immer
noch allgegenwärtig. Dann bin ich ins Gespräch rein.
[48431:42] Dr.med. Ursula Davatz: Erziehungsschäden sind alles Prägungen. Die
verliert man in diesem Fall in diesem Sinne nicht. Aber man, wie soll ich sagen, man
kann sie verarbeiten, sodass sie einem nicht mehr schaden. Aber die Erinnerung hat
man. Wenn man es dann hört, noch einmal, dass jetzt man… Das ist ein Trigger. Das
ist klar. Ja. Was haben andere für Erziehungsschäden bei sich oder bei anderen?
[48927:16] Bemerkung 18: Ich musste auch ohne Essen ins Bett. Mir war das
schässegal.
[49007:27] Dr.med. Ursula Davatz: Ah ja, das ist lustig.
[49038:22] Bemerkung 18: Meine Schwester hat mir immer Essen gebracht. Für
mich war es dann viel schlimmer, dass sie mir später den Vorwurf gemacht hat, ich
habe dir immer Essen bringen müssen. Der Vater hat geschlagen, also mit dem
Suppenlöffel auf den Kopf. Das war für mich viel schlimmer. Ich bin nie ins Bett.
Einfach neben dem Bett oder auf dem Sofa oder auf dem Stuhl.
[49818:00] Bemerkung 19: Wenn ich mich mit meinem Bruder gestritten habe, bin
ich geschlagen worden und immer ich habe den Teppichklopfer bekommen.
[49951:56] Dr.med. Ursula Davatz: Sind Sie älter oder jünger gewesen?
[49991:08] Bemerkung 19: Älter. Vom Vater geschlagen. Er meinte, der Bub ist
mehr wert? Heute setze ich mich sehr für die Frauen ein. Der Bruder war ein Jahr
jünger.
[50367:00] Dr.med. Ursula Davatz: Und was hat man gesagt dazu, wenn Sie
gestritten haben mit dem kleineren Bruder? Nur ein Jahr jünger.
[50457:40] Bemerkung 19: Irgendwann habe ich gesagt, du kannst mich schon
schlagen, das macht mir nicht mehr weh. Ich habe das Po hingestreckt. Ich habe
rebelliert.
[50884:00] Dr.med. Ursula Davatz: Was da für ein Konstrukt hintendran ist, ist
wahrscheinlich, also das tue ich jetzt so überlegen, man schlägt nicht, also man
streitet nicht. Man ist immer nett und lieb. Sie waren die Ältere, Sie müssen doch
vernünftig sein und der Bruder kann alles machen. Sie sind die Ältere, man will mit
Vernunft erziehen. Man will ihnen beibringen und dann noch dazu als Mädchen, man
streitet nicht. Aber es ist natürlich falsch, auch Mädchen dürfen streiten.
[51498:00] Dr.med. Ursula Davatz: Was haben Sie für Überreste davon?
[51539:05] Bemerkung 19: Ein Kampfwillen, ein extremer Kampfwillen. Ich kann
Männer nicht immer ernst nehmen, wenn sie narzisstisch sind oder von oben herab
sind.
[51779:23] Dr.med. Ursula Davatz: Da machen Sie dann das, was Sie gemacht
haben mit dem Bruder. Bei narzisstischen Männern kann das sehr gefährlich sein.
Wenn die sich nicht wahrgenommen fühlen, oh je. Das ist dann bei denen wieder
eine Kränkung. Wenn der narzisstische Mann in einer Hierarchie ist, die oben an
ihnen ist, dann kann er ausschlagen. Sehen Sie das?
[52263:07] Bemerkung 19: Ich sehe das. Ich habe ein Kind, das schulabsent ist
und wir werden nicht ernst genommen. Ich habe so einen Psychiater, der innerhalb
von fünf Minuten ein Urteil fällt. Ich könnte ihn treten.
[52752:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, das glaube ich. Sagen Sie, es dem
Psychiater? Eigentlich müssten Sie eine Rückmeldung geben. Jetzt tun wir eine
Lernsituation konstruieren. Eigentlich müssten Sie sagen, aber Sie dürfen es erst
sagen, wenn Sie wieder bei sich sind und ruhig sind. An sich müssten Sie dem
Psychiater sagen, ich erzähle Ihnen jetzt etwas. Ich bin so behandelt worden als
Kind. Und wenn Sie so schnell über meinen Sohn urteilen, ich könnte Sie treten. Ja!
Sagen Sie es! Sagen Sie es! Sie gehen nicht hin treten, Sie sagen: ich könnte Sie
treten. Ich werde so verrückt. Der merkt sonst nichts.
[53533:06] Bemerkung 19: Er hat einen Einweisungsbericht an die Klinik
geschrieben, dreiviertel war falsch. Ich habe diesen Bericht vier Stunden
auseinander genommen und retour geschickt. Er will meinen Sohn in die Klinik tun,
aber er hört mir nicht zu. Mein Sohn gehört nicht in die Klinik.
[53985:00] Dr.med. Ursula Davatz: Geben Sie doch dem Psychiater eine
emotionale Rückmeldung.
[54313:00] Dr.med. Ursula Davatz: Eine gefühlsmässige Rückmeldung. Ohne
Emotionen. Sie müssen absolut ruhig sein, aber Sie sagen ganz ruhig, ganz kühl,
hören Sie, ich muss Ihnen etwas erzählen, ich muss Ihnen etwas sagen, ich muss
etwas loswerden, ich habe etwas auf dem Herzen, und dann sagen Sie, wenn Sie so
mit meinem Sohn umgehen, ich könnte Sie treten.
[54722:45] Bemerkung 19: Beim zweiten Gespräch hat er gesagt, zum Glück ist die
Mutter dabei, ich weiss gar nicht, was ich mit dir machen soll.
[54943:00] Dr.med. Ursula Davatz: Viele wissen nicht, was mit Kindern machen.
[54998:51] Bemerkung 19: Zu meinem Mann habe ich gesagt, ich gehe nicht mehr
alleine, der hört mir nicht zu. Der behandelt mich von oben herab, wie mein Vater.
Dann war mein Mann dabei. Da hat er ganz anders reagiert. Ja, klar. Weil mein
Mann dabei war. Zu dem gehe ich nie mehr. Beim herausgehen sagt mein Mann: der
ist dement, der hört nicht zu.
[55495:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der ist nicht dement.
[56040:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich würde es nicht nur im Brief machen. Ich
würde es persönlich machen, sonst ist es wieder Papier, und sagen, Sie, ich habe
etwas auf dem Herzen, ich muss Ihnen etwas sagen. Und dann erzählen Sie das
kleine Ding, wie Sie behandelt worden sind von Ihrem Vater, und sagen, wenn Sie so
meinem Sohn behandeln, ich könnte Sie treten. Das ist aber schwierig, das im Fall
umzusetzen. Ich weiss, es ist schwierig, aber wir machen jetzt eine Lektion für den
Psychiater.
[56542:00] Bemerkung 19: Er kann mir die Fürsorgepflicht wegnehmen. Der droht
mir mit einer Zwangseinweisung von meinem Sohn. Der Sohn ist 13 Jahre alt.
[56720:51] Dr.med. Ursula Davatz: Wir können nachher das Beispiel anschauen.
[57251:00] Bemerkung 20: Was denken sie, wie der Psychiater reagieren wird?
[57304:05] Dr.med. Ursula Davatz: Der staunt zuerst. Feedback. Nach jeder
Weiterbildung wird man nach einer Rückmeldung gefragt.
[57796:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wichtig ist, dass Sie absolut ruhig sind und
dass Sie das sehr intellektuell rüberbringen
[57893:05] Bemerkung 21: Im Spital wird zu allem eine Rückmeldung gefragt, aber
nicht zum Arzt. Als würde man sich nicht getrauen.
[58386:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es lohnt sich.
[58402:17] Bemerkung 22: Aber es können es ja nicht alle Menschen annehmen.
Die einen reagieren dann noch mehr gegen einem.
[58511:34] Dr.med. Ursula Davatz: Muss nicht sein. Wenn sie überhaupt nicht
emotional ist, sondern das absolut, ich sage jetzt, kalt sagt. Also sie beschreibt
Gefühle, Dichter haben das gemacht, Gefühle sehr gut beschrieben. Sie beschreibt
Gefühle, ist aber nicht emotional. Man sagt ja, Gefühle ohne Emotionen. Gefühle
ohne Emotionen, da beschreibt man Gefühle, aber wenn man Emotionen reinlegt,
dann will man beim anderen etwas bewirken. Das darf man nicht wollen. Da wehrt er
sich ab. Man stellt es nur in den Raum.
[59068:00] Dr.med. Ursula Davatz: Er ist sicher erstaunt. Sie sagen ja, aber ich
mache es nicht. Ich mache es nicht.
[59153:31] Bemerkung 21: Seit dem Januar kann ich das.
[59199:47] Dr.med. Ursula Davatz: Gut. Super.
[59218:17] Bemerkung 23: Ich arbeite als Sonderpädagogin.
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