Posttraumatische Belastungsstörung – PTBS

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Dr.med. Ursula Davatz

21.6.2024
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Audio

[00:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte sie ganz herzlich begrüssen.

[00:00:00.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema ist: posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).

[00:00:19.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage wird alles abgekürzt.

[00:00:23.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir bleiben bei der posttraumatischen Belastungsstörung.

[00:00:27.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Was versteht man unter Trauma?

[00:00:30.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht genau, wie das Wort „Trauma" in die Fachsprache reingekommen ist.

[00:00:37.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Es erinnert einen an den Traum.

[00:00:41.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Vom Gedächtnis, vom Gehirn her, ist eigentlich die Nacht dazu da, dass man Sachen
löscht, die unwichtig sind.

[00:00:52.760] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Dinge, welche einem mehr beschäftigen, die treten dann wieder auf im Traum.

[00:00:58.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Traum zeigt einem, wo man Sachen noch nicht richtig bewältigt hat.

[00:01:05.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann sein, dass das Trauma mit dem zusammenhängt.

[00:01:09.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache jetzt diesen Zusammenhang.

[00:01:11.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Trauma versteht man ein psychisches oder körperliches Ereignis, welches starke
Verletzungen hinterlassen hat.

[00:01:29.020] – Dr.med. Ursula Davatz
An erster Stelle Verletzungen in der Seele.

[00:01:32.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Ursprung kann auch die körperliche Verletzung sein.

[00:01:36.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann aber auch nur eine seelische Verletzung sein.

[00:01:40.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas, was eine starke Verletzung hinterlässt, starker Stress, Schmerz, das wirkt sich
dann nach. Man kann es nicht vergessen. Man kann es in der Nacht nicht löschen. Im
Gegenteil, es kommt einem in der Nacht immer wieder in den Sinn.

[00:01:50.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil träumen die Menschen auch ständig darüber.

[00:01:57.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil träumen die Menschen jahrelang über diese Traumatas weiter.

[00:01:58.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum mache ich auch diese Verbindung mit dem Traum.

[00:02:07.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe nochmals das menschliche Gehirn zur Sprache.

[00:02:15.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das menschliche Gehirn besteht aus drei Teilen.

[00:02:21.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Der primitivste Teil ist das sogenannte Reptilienhirn, welches aus dem Stammhirn
besteht und aus dem motorischen Kleinhirn.

[00:02:31.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das funktioniert automatisch.

[00:02:34.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das steuert alle autonomen Funktionen im Körper.

[00:02:38.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Es heisst Reptilienhirn, weil es schon so gut ausgebildet war, bei den Reptilien.

[00:02:44.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zweite wäre das limbische System.

[00:02:46.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das emotionale Gehirn.

[00:02:48.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist in der Mitte vom Hirn. Ich zeige das immer mit der Hand, das wäre der Daumen.

[00:02:51.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist mitten im Gehirn drinnen.

[00:02:57.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn hat sich zu den Zeiten der Säugetiere entwickelt.

[00:02:57.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn, das limbische System, ist ganz wichtig für alle
Bindungsverhalten.

[00:03:09.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute reden wir wieder mehr von Bindungsstörungen.

[00:03:14.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn ist wichtig für die Motivation und beinhaltet das erste emotionale
Gedächtnis.

[00:05:47.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Person, welche in ihrem emotionalen Gehirn ein emotional belastendes Ereignis
dauernd speichert, deren Verarbeitungskapazität geht runter.

[00:06:03.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann dann nicht mehr so viel verarbeiten, man kann dann nicht mehr so viel
aufnehmen, man ist besetzt.

[00:06:05.230] – Dr.med. Ursula Davatz

Das emotionale Gehirn ist dann besetzt und das macht dann eine Müdigkeit oder eine
Abwesenheit.

[00:06:17.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch geht dann immer wieder zurück zu dem.

[00:06:22.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist quasi das Prinzip vom Trauma.

[00:06:28.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Traumatische Bilder werden hervorgeholt, werden reaktiviert und je nachdem wieder
verdrängt.

[00:06:40.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist einfach dauernd beschäftigt.

[00:06:44.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo das Gehirn dauernd beschäftigt ist mit so dramatischen, stresshaften
Erlebnissen, körperlichen oder psychischen oder beides miteinander, im Augenblick, wo
das Hirn dauernd mit dem beschäftigt ist, dann redet man von posttraumatischer
Belastungsstörung.

[00:07:04.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine zusätzliche Belastung vom Gehirn, sodass das Gehirn dann nicht frei ist, um
neue Erlebnis zu prozessieren und zu verarbeiten.

[00:07:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Sachen gut laufen, dann kann man so eine stresshafte Situation, so eine
dramatische Situation, dann kann man die anschauen, bearbeiten und dann kann man
sie im Grosshirn, in unserem intellektuellen Hirn ablegen.

[00:07:36.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Dort kann man sie noch hervorholen. Man weiss es noch.

[00:07:37.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man es ablegen kann, ist es im Grosshirn nicht mehr belastend.

[00:07:46.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von der Geschichte erzählt, gibt es gar keine emotionale Erregung.

[00:07:46.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Falls man immer noch traumatisiert ist, im Augenblick wo man davon spricht, kommt
eine Wallung auf, eine starke Erregung, ein Herzklopfen, alle möglichen vegetativen
Symptomen.

[00:08:07.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand von dem merkt man, ob man es verarbeitet hat oder nicht.

[00:08:11.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einen Spruch auf Englisch, da kann man immer so gute Sprüche machen: wenn
man ein dramatisches Ereignis benennt, also in Wort schildert, dann geht 50% von dem
Stress, der da im emotionalen Hirn vorhanden ist, geht weg.

[00:08:34.020] – Dr.med. Ursula Davatz
If you name it, you tame it.

[00:08:37.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das traumatische Ereignis benennen kann, dann kann es gezähmt werden,
dann frisst es nicht mehr so viel Energie und dann kann man weitergehen im Leben.

[00:08:51.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre dann die Bearbeitung.

[00:08:55.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die dramatischen Erlebnisse kann man bearbeiten und dann nimmt der Stress ab.

[00:09:04.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche das mit den Wiederkäuern, mit den Kühen. Die holen ihren Mageninhalt
immer wieder hoch, zerkauen ihn, mit der Zeit ist er dann bearbeitet, sodass er verdaut
werden kann.

[00:09:05.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich übertrage das auf die seelische Ebene. In dem man davon spricht, kann man es
verarbeiten.

[00:09:25.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Geteiltes Leid ist halbes Leid.

[00:09:30.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wäre das drinnen.

[00:09:32.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Geteilte Freude ist doppelte Freude.

[00:09:34.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre dann das Positive, das wäre nicht das Trauma.

[00:09:38.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine prinzipielle Funktion vom Gehirn, die bei uns allen so funktioniert.

[00:09:45.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Menschen, die können Traumatas problemlos verdrängen.

[00:09:50.980] – Dr.med. Ursula Davatz

Das kostet vielleicht immer noch ein bisschen Energie, aber nicht so viel.

[00:09:54.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Andere Menschen, die gehen immer wieder zurück zu den Traumatas, die tun ständig
wiederkäuen ohne dass sie es verarbeiten können.

[00:10:00.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es nur alleine immer wiederkäut, hat es nicht die gleiche Wirkung, wie wenn
man es mit jemandem teilt.

[00:10:12.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum heisst es: geteiltes Leid ist halbes Leid.

[00:10:15.180] – Dr.med. Ursula Davatz
50% vom Stress geht runter, wenn man es in Worte fassen kann.

[00:10:20.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es in Worte fassen oder man kann es auch aufschreiben. Das ist auch in
Worte fassen.

[00:10:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es in die Sprache rein tun.

[00:10:29.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Analphabeten, welche emotionale Ereignisse nicht gut in Worte fassen können, nicht
gut beschreiben können, die haben früher Demenz.

[00:10:47.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Ablagern, unsere Verarbeitung der emotionalen Angelegenheiten, das hilft uns,
mehr zu verarbeiten, mehr zu speichern und nicht überfordert zu sein.

[00:11:09.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das klingt noch verrückt, aber ich denke, das hat etwas an sich.

[00:11:15.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle emotional heftigen Erlebnisse, die sind eigentlich dazu da, damit man diese
verarbeitet und darüber spricht.

[00:11:27.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit wir wieder freier werden und auch, dass wir ein nächstes Mal besser reagieren
können.

[00:11:27.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei psychischen Traumatas, in dem man die verarbeitet, hat man danach eine bessere
Strategie um einer ähnlichen Situation geschickter begegnen zu können.

[00:11:38.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Das traumatische Erlebnis oder das traumatische Gedächtnis vom emotionalen Gehirn
ist dazu da, dass wir lernen.

[00:12:00.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man emotional traumatische Dinge einfach mit Medikamenten verdrängt, dann
lernt man nicht so viel.

[00:12:04.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine zusätzliche Information, welche ich hier reinbringe.

[00:12:04.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin sehr darauf bedacht, dass die Menschen lernen mit ihrer Geschichte
umzugehen, dass sie erzählen dürfen und dass sie es verarbeiten dürfen.

[00:12:29.130] – Dr.med. Ursula Davatz

Sonst kommen die Bilder immer wieder auf. Sie kommen in der Nacht auf, im Traum.

[00:12:29.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte Patienten, welche in der Pubertät sexuell missbraucht wurden. Die hat jede
Nacht, 20 Jahre lang davon geträumt.

[00:12:38.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Szenen sind in allen möglichen Formen wieder hervor gekommen.

[00:12:43.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zeigt ganz klar, dass das ein Trauma ist.

[00:12:49.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Frau hatte eine posttraumatische Belastungsstörung.

[00:12:59.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben es bearbeitet und mit der Zeit sind diese Träume weggegangen.

[00:13:00.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht es daran, dass die Träume nicht mehr auftauchen, jetzt ist es verarbeitet, so
wie verdaut, emotional verdaut.

[00:13:08.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sind die verschiedenen Therapien?

[00:13:16.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hatte man keine spezifische Traumatherapie.

[00:13:19.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist es eher Mode. Es gibt auch Kurse und Ausbildungen für Traumatherapie.

[00:13:20.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Leute, die sich speziell darauf spezialisieren.

[00:13:27.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Traumatherapie gehört zu jeder Psychotherapie.

[00:13:37.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde auch früher schon von Therapeuten behandelt.

[00:13:38.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist es zu einem Spezialgebiet geworden.

[00:13:45.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt verschiedene Methoden. Ich versuche diese aufzuzählen.

[00:13:45.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Person darf, muss das traumatische Geschehen möglichst genau, möglichst
detailliert erzählen in Anwesenheit von der Therapie Person.

[00:14:11.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Trauma ein sexueller Missbrauch in Zusammenhang mit Scham und
Schande ist, dann kann man am Anfang dies nicht so genau erfragen und sollte es auch
nicht so genau erfragen.

[00:14:17.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht eine gewisse Zeit, bis diese Person ein Vertrauen hat und darüber sprechen
kann.

[00:14:23.200] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn es ein Flugzeugabsturz ist oder Hochwasser, wo man beinahe ertrunken wäre,
eine Naturkatastrophe, dann kann man es eher erzählen. Dann wird es nicht von der
Scham verdrängt.

[00:14:26.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Person, welche das Trauma erfahren hat, darf alles möglichst genau erzählen. Der
Therapeut fragt nach: wie ist das gewesen? Nicht alles in einer Stunde. Das hängt
davon ab, wie es gemacht wird. Man erzählt es in Anwesenheit einer Person, die nicht
traumatisiert ist.

[00:14:42.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist es wichtig, dass der Therapeut, die Therapeutin empathisch ist, aber nicht
mitschwingt, mit Zittern und Weinen, oder moralisch verurteilt.

[00:15:18.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man als Therapeut den sexuellen Missbrauch moralisch verurteilt, dann
verstärkt man das Trauma. Die Person denkt, dass der Therapeut das nicht handhaben
kann. Dann wird retraumatisiert.

[00:15:39.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss selber wissen: kann man neutral sein, dem Geschehen gegenüber, auch in
einer politischen Situation, gefangenen Situation? Da darf man auch nicht mitzittern und
eine Wut haben auf den Feind. Der Therapeut muss neutral sein können, seine eigenen
Emotionen müssen neutral sein, er muss dennoch empathisch sein können.

[00:15:39.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Empathisch sein heisst nicht: mitzittern, mitschwingen, sondern einfach beim Patient
das validieren, ernst nehmen. Nicht auch ins Schleudern kommen.

[00:16:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geschieht oft zwischen Eltern und Kindern. Wenn das Kind etwas traumatisches
erlebt hat, die Eltern beginnen mit zu zittern

[00:16:28.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Eltern anfangen mit zu eifern, dann tun sie das Kind noch mehr traumatisieren.

[00:16:33.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf erst davon sprechen, wenn man damit umgehen kann.

[00:16:39.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Eltern ist das schwieriger, ein Therapeut muss das können. Das gehört zum
therapeutischen Prinzip.

[00:16:39.770] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man das benennt: you name it, you tame it.

[00:16:47.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man darüber sprechen kann, geht 50% vom emotionalen Stress weg und es
kann allmählich im Grosshirn abgelegt werden. Man vergisst es nie. Es ist kein
Verdrängen. Es ist ein verarbeiten. Wenn man wieder davon spricht, ist die ganze
emotionale Aufregung weg, es ist nichts mehr von dem da. Es ist einfach nur noch Fakt,
sachlich.

[00:17:12.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Frau wurde von ihrem Vater sexuell missbraucht. Wir haben zwei Jahre daran
gearbeitet um das aufzuheben, konfrontiert, etc. Später wenn man darüber gesprochen
hat, hat sie gesagt: jetzt macht es mir nichts mehr aus.

[00:17:23.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie konnte absolut sachlich darüber sprechen. Das zeigt: jetzt habe ich es verarbeitet.

[00:17:37.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine raffinierte Verdrängungsmethode ist EMDR.

[00:17:42.524] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.emdria.de/emdr/was-ist-emdr

[00:17:42.650] – Dr.med. Ursula Davatz
EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing, was auf Deutsch
"Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegung" bedeutet.

[00:17:42.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Finger hin und her bewegen, die Augen müssen den Finger nach schauen, der Kopf
muss ruhig bleiben.

[00:18:20.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache drei Koordinationsbewegungen. Der Kopf muss ruhig sein, die Hände
müssen sich bewegen, die Finger, und die Augen müssen sich auch bewegen. Häufig
bewegt man dann den Kopf mit, dann beherrscht man es noch nicht.

[00:18:44.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo man das macht, kann man sprechen aber man kann nicht denken.
Ich kann nicht alte Bilder hervorholen.

[00:18:46.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Koordinationsübung verhindert, dass ich diese Bilder hervorholen kann.

[00:18:50.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch eine Verdrängungsmethode.

[00:19:03.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kann auch funktionieren.

[00:19:09.020] – Dr.med. Ursula Davatz

Indem man das immer wieder macht, wenn diese Bilder hervorkommen, es gibt auch
Klopfübungen, es gibt verschiedene Übungen, kann man nicht zurück zu den
traumatischen Bildern gehen.

[00:19:09.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Einbeinstand oder Yoga, im Yoga dürfen wir auch nichts denken, da sollte man nur
die Yogaübung machen.

[00:19:37.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man denkt, verliert man das Gleichgewicht.

[00:19:38.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man anderes Zeugs denkt, dann wird so wie die Motorik unterbrochen und dann
geht es nicht.

[00:19:46.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand davon merkt man: jetzt bin ich auf die Motorik konzentriert, dann kann man
nicht mehr denken.

[00:19:46.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn wird fokussiert und geht ganz auf das vegetative und das
Kleinhirn, auf das Reptilienhirn, das seine Übungen macht, sodass dann die Bilder aus
dem Grosshirn nicht mehr zurückkommen.

[00:20:14.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist an sich eine raffinierte Verdrängungsmethode und ist ok und wird heutzutage
viel gemacht.

[00:20:25.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Leute können das auch selber machen.

[00:20:25.540] – Dr.med. Ursula Davatz

Eine weitere Methode ist, dass man desensibilisiert.

[00:20:45.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht zusammen mit dem Therapeuten immer wieder zu den traumatischen
Erlebnissen, holt die hervor. Man hält die Erlebnisse zusammen mit dem Patienten aus.

[00:20:45.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem eine Person anwesend ist, welche nicht mitzittert, merkt diese Person, dass sie
daran denken kann ohne eine Panikattacke zu machen.

[00:20:50.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine langsame Desensibilisierung, dass man immer wieder davon spricht, immer
in Anwesenheit von einer ruhigen Person, die das alles anhören kann, die aber nicht in
Aufregung kommt.

[00:21:28.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb ist es wichtig, dass man nicht mitzittert. Das bringt gar nichts, das belastet den
Patienten nur.

[00:21:28.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch eine Expositionstherapie machen. Wenn ein Unfall gewesen ist, kann
man an den Unfallort zurück gehen und sehen, dass es mit einem nichts mehr anstellt.
Man geht in die Situation hinein.

[00:21:56.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Therapie macht man auch bei starken Angststörungen, bei Phobien, dass der
Therapeut mitgeht an das Objekt, vor dem man Angst hat.

[00:22:08.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man bei den Spinnen und allem Möglichen machen, aber eben auch an den
Ort gehen.

[00:22:12.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Täter gehen oft an den Tatort zurück.

[00:22:12.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine kriminelle Tat ist für den, der sie vollbringt auch ein Trauma, auch wenn er so tut
als ob es nicht so wäre.

[00:22:32.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Täter gehen oft an ihren Tatort zurück, wahrscheinlich auch um sich zu desensibilieren.

[00:22:38.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gelingt häufig nicht. Die Tat wird dadurch nicht gerechtfertigt, sie wird nicht
moralisch legitimiert.

[00:22:44.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Versuch der Verarbeitung.

[00:22:50.550] – Dr.med. Ursula Davatz
So findet oft den Täter, weil sie oft dorthin gehen, wo sie etwas moralisch inakzeptables
gemacht haben.

[00:23:12.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollen so ihr Trauma verarbeiten.

[00:23:12.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Traumatas können nicht nur Naturereignisse sein oder Flugzeugabstürze oder solche
Dinge.

[00:23:33.030] – Dr.med. Ursula Davatz

Traumatas entstehen nicht nur durch äussere, wahnsinnig stressige Ereignisse.
Traumatas könnte auch entstehen durch wiederholte psychische Kränkungen. Die
Kränkungen, die können von der Familie kommen, also von den Eltern.

[00:23:55.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand erzählte die Geschichte: wenn ich als Junge verrückt war, hat die Mutter immer
zu ihm gesagt: da ist ein kleine Welt verrückt.

[00:23:56.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war 50 Jahre später noch absolut präsent bei dieser Person.

[00:24:01.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist überhaupt nicht verarbeitet gewesen.

[00:24:13.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder können sehr verletzt werden durch ungeschickte, unsensible Verhaltensweisen
der Eltern.

[00:24:19.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand hat erzählt, dass er ein fröhliches Kind war, er ging am ersten Tag in die Schule
und die Lehrerin hat irgendetwas gesagt, das ihn total verletzt hat.

[00:24:26.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so tief stecken geblieben, der ist nie mehr gerne in die Schule gegangen. Er
hatte danach alle Mühe, etwas zu lernen. Das Trauma ist nicht verarbeitet gewesen.

[00:24:33.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erwachsenen merken oft gar nicht, wie sie Kinder verletzen.

[00:24:53.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder sind sehr sensible Wesen.

[00:24:58.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder mit ADHS/ADS sind oft noch speziell sensibel. Die Erwachsenen merken gar
nicht, wie sie diese Kinder verletzen.

[00:25:03.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt dann hervor, wenn man die Anamnese aufnimmt.

[00:25:17.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Leute darüber sprechen, sprechen sie darüber, als ob es gestern gewesen
wäre. So lebendig ist das noch im Kopf.

[00:25:20.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist da emotionale Gedächtnis vom emotionalen Gehirn, vom Hippocampus, wo
Energie absorbiert wird.

[00:25:34.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Menschen entwickeln dann oft verschiedene Strategien, Ausweichstrategien oder
Überdeckungsstrategien, dass man zum Beispiel dann in eine Sekte geht und das alles
zu überdecken versucht, aber verarbeitet ist es nicht.

[00:25:56.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo dann im Leben neue Sachen passieren, also sagen wir jetzt, man ist
von der Lehrerin so beleidigt worden.

[00:26:04.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, gerade heute habe ich wieder einen Fall gehört, wo die Lehrerin gesagt hat: du
stirbst so dumm, wie du geboren bist.

[00:26:10.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz schlimme Dinge, welche die Lehrer zum Teil noch rauslassen.

[00:26:11.290] – Dr.med. Ursula Davatz

Aus dir wird mal nichts. Und so weiter.

[00:26:17.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bleibt natürlich stecken.

[00:26:17.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wen so etwas in der Schule geschieht oder auch zu Hause, es könnte auch von einem
Geschwister sein, oder von Eltern, einem Vater oder einer Mutter, dann ist man bei
einem Chef und der sagt etwas, das an das rankommt, das ähnlich klingt, dann wird die
neue Retraumatisierung auf die alte drauf gelegt und dann gibt es noch ein stärkeres
Trauma.

[00:26:57.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Traumas können sich auch super positionieren und verstärken.

[00:27:04.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann denkt man: das ist ja nur so ein kleines Ereignis. Da hat jetzt einer nur gehustet
oder die Augen verdreht in irgendeiner Situation.

[00:27:13.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn hinten dran eben ein starkes Kindheitstrauma ist, dann ist das absolut schlimm.

[00:27:18.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher ist es wichtig, dass man dorthin zurück geht.

[00:27:19.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Traumatas können sich auch in psychosomatischen Sachen niederschlagen.

[00:27:29.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Auslösung geschieht, wenn eine Retraumatisierung passiert und man hat
keine Worte dafür, man kann es nicht ausdrücken, man merkt es selber gar nicht, dass
man retraumatisiert worden ist, dann geht die emotionale Energie, die da im limbische

System rumort, dann geht die in den Körper und dann gibt es irgendein körperliches
Symptom.

[00:27:55.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist dann schwierig herauszufinden, was dahinter steckt. Meistens wird dann nur das
körperliche Symptom behandelt, Symptombekämpfung, man geht nicht zurück zum
Trauma.

[00:28:10.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Es können Lähmungen auftreten und alles Mögliche.

[00:28:13.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychosomatiker versuchen herauszufinden, was dahinter steckt.

[00:28:19.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man an das Trauma herankommt, wenn man das Trauma verarbeiten kann, dann
geht auch die psychosomatische Störung weg.

[00:28:28.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Beispiel eine Lähmung oder eine Verkrampfung. Das hängt ganz eng zusammen.

[00:28:33.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hängt damit zusammen, dass das emotionale Hirn mit dem Reptilienhirn eng
verbunden ist und überschüssige Energie, Stress an das vegetativen Gehirn geht und
dann die psychosomatischen Störungen auftreten.

[00:28:51.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine weitere Methode ist natürlich, wenn man zu starkt auf den Traumatas herum reitet
und ständig von dem reden will und der Patient will eigentlich gar nicht oder hat es
vielleicht schon erfolgreich verdrängt, dann tut man es eher fixieren.

[00:29:11.590] – Dr.med. Ursula Davatz

So kann man die Traumatas eher verstärken.

[00:29:12.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Als das Flugzeug in Halifax abgestürzt ist, ist eine Schweizer Equipe angereist und
wollte Traumatherapie machen. Sie haben niemanden gefunden, denn die Leute wollten
das gar nicht.

[00:29:17.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Kindheitstraumatas, die kann man oft nicht während der Pubertät verarbeiten. Man
muss warten, bis die Persönlichkeit ein bisschen etabliert ist und erst dann können sie
die Traumatas anschauen.

[00:29:46.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das zu früh ständig aufnimmt, dann kann sich wie die Persönlichkeit nicht
richtig formieren.

[00:29:51.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil wird gesagt: warum haben sie mir das nicht schon damals gesagt?

[00:29:55.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss ich sagen: sie waren noch nicht bereit. Es war nicht der richtige Moment.
Zuerst muss man eine etablierte Persönlichkeit haben, damit man in die Traumatas
zurück gehen kann.

[00:30:07.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Traumatas, welche in der Pubertät oder in der Kindheit geschehen, die kann man oft
noch nicht in der Pubertät bearbeiten.

[00:30:12.570] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät muss sich die Persönlichkeit formieren und wenn man da zu stark an
den Traumatas herum macht, dann bildet sich die Persönlichkeit nicht richtig aus.

[00:30:28.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss zuerst eine stabile Person haben, erst danach kann man das Trauma
behandeln.

[00:30:32.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen sind unterschiedlich.

[00:30:42.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Menschen können gut verdrängen und das funktioniert für die.

[00:30:47.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir dann gegen ihren Willen in den Traumas herum bohren möchte, dann ist man
keine Hilfe für diese Menschen.

[00:30:50.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer schauen, was es ist.

[00:30:55.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sexuelle Traumatas aus der Kindheit kommen oft erst sehr spät heraus.

[00:30:55.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst dann sind sie bereit, das zu verarbeiten.

[00:31:00.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wissen auch nie, was wir für eine moralische Haltung haben und haben immer
Angst davor, dass man sie verurteilt für das.

[00:31:05.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das passiert oft, wenn so etwas läuft macht man das Opfer dafür verantwortlich.

[00:31:32.780] – Dr.med. Ursula Davatz

Eine andere Methode: wenn sie Leute aus Kriegsgebieten haben, die traumatische
Dinge erlebt haben, können sie nicht ständig davon sprechen.

[00:31:33.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können diese Menschen durchaus validieren, ja ich kann mir vorstellen, dass das
schlimm gewesen ist. Pause. Jetzt sind sie hier und jetzt versuchen wir ihre Seele zu
heilen, indem wir gute Erlebnisse darüber decken. Indem sie diesen helfen, positive
Erlebnisse zu haben, Erfolgserlebnisse mit Arbeiten, usw.

[00:32:16.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Menschen zusammenzuarbeiten, eine sinnvolle Arbeit machen, über die Arbeit
sprechen, das kann durchaus die traumatischen Kriegserlebnisse in den Hintergrund
drängen und wieder ein neues Leben beginnen.

[00:32:23.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben an ihrem Arbeitsplatz nicht den Auftrag, Traumaverarbeitung zu machen.
Was wichtig ist, wenn jemand von seinen Traumatas erzählt, dass man nicht sagt: das
ist jetzt vorbei, schau endlich nach vorne. Zuerst validieren und dann weitergehen.

[00:32:38.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man es kurz validiert und dann weitergeht.

[00:32:58.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen nicht ständig davon sprechen.

[00:33:02.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Traumatas können auch dafür verwendet werden, dem Leben auszuweichen: ich kann
das nicht, weil ich traumatisiert bin. Das kann ich auch nicht und den ertrage ich nicht,
weil ich traumatisiert bin.

[00:33:16.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt gar nichts.

[00:33:17.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier muss man sagen: ic sehe, das ist schwierig gewesen für dich, ja ich sehe, das ist
traumatisch gewesen. Pause. Jetzt gehen wir weiter.

[00:33:26.180] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle ist die Arbeit sehr hilfreich.

[00:33:26.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Therapeuten haben die nicht. Ich kann mit den Leuten über andere Dinge sprechen,
damit ich nicht immer im Trauma stecken bleibe. Ich habe die konkrete Arbeit nicht.

[00:33:31.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben einen Vorteil, dass sie ganz konkret mit den Menschen etwas sinnvolles tun
können und so die traumatischen Erlebnisse mit etwas positivem überdecken.

[00:33:40.650] – Bemerkung 1
Bei uns hat ein neuer Flüchtling angefangen, er hat von seiner Heimat erzählt, er war
emotional überhaupt nicht bewegt. Mich hat das sehr irritiert.

[00:35:29.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat schon abgespalten, der hat getrennt zwischen seinem emotionalen Leben und
dem Intellektuellen.

[00:35:54.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum konnte er so erzählen. Das ist ein Selbstschutz.

[00:35:55.360] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Moment darf man nicht darauf herum reiten. Er schützt sich so vor dem, in dem
er so kalt davon erzählt.

[00:36:06.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Schizophrenen kann man das auch erleben. Die können auch völlig
emotionslos von etwas erzählen, völlig abgespalten.

[00:36:19.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Emotionen sind abgespalten vom intellektuellen Erzählen.

[00:36:25.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zeigt, er ist noch nicht reif um darüber zu sprechen. Das muss man so belassen.
Nicht aufregen, wenn das geht. Einfach weiter gehen.

[00:36:26.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt ist er bereit anders darüber zu erzählen.

[00:36:42.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Therapeuten machen dort auch Fehler, dass sie in die Emotionen reingehen möchten.
Das darf man nicht. Das ist sein eigener Selbstschutz.

[00:36:56.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Er kann nur über diesen Selbstschutz überleben.

[00:36:57.740] – Bemerkung 1
Wie unterscheidet man diesen Moment mit dem Moment wo jemand sein Trauma
wirklich verarbeitet hat und die Person ohne grosse Emotionen darüber erzählen kann?

[00:37:14.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist noch schwierig. Als Psychiaterin habe natürlich relativ viel Erfahrung im so den
Menschen zu lesen.

[00:37:35.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sich nur auf ihr Gefühl verlassen.

[00:37:36.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben das alle, das habe nicht nur ich.

[00:37:41.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können heraus spüren, hat der das jetzt verarbeitet oder verdrängt er es nur?

[00:37:46.010] – Dr.med. Ursula Davatz
In der therapeutischen Sprache redet man von: intellektualisieren.

[00:37:56.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Männer tun emotionale Dinge Intellektualisieren. Die Männer tun so als ob es
ihnen gar nichts ausmacht. Es kommt dann an einem anderen Ort raus, dass sie
traumatisiert sind.

[00:38:11.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen können eher emotional darüber berichten. Die Männer haben die Tendenz
abzuspalten.

[00:38:19.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat die männlichen und weiblichen Gehirne bei Mäusen und Ratten untersucht.
Das weibliche Gehirn hat unter Stress mehr Vernetzungen gemacht. Das weibliche
Gehirn sucht nach Lösungen. Das männliche Gehirn macht unter Stress eine Autobahn.
Das ist das Intellektualisieren und Verdrängen.

[00:38:47.434] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.cell.com/cell-reports/fulltext/S2211-1247(23)00885-9

[00:38:48.010] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Politik können sie sehr gut beobachten, wie die männlichen Gehirne gerade in die
Wand reinfahren, mit Scheuklappen auf etwas losgehen, es muss doch gehen, ich
muss doch gewinnen, ich muss Recht haben.

[00:39:09.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat dieser Flüchtling gemacht.

[00:39:10.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Unterscheiden, ob der es jetzt verarbeitet hat oder nur verdrängt, das können sie nur
über ihr Gespür machen. Sie können sich auf ihr Gespür verlassen.

[00:39:17.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sich dann selber fragen, sie können auch mit jemand anderem sprechen:
was hast du für ein Gefühl? Hat der das jetzt verarbeitet oder verdrängt er nur?

[00:39:21.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn verdrängt wird, dann belügt man sich selbst.

[00:39:30.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man lügt, wird der Mensch ein wenig steifer in der Gestik, in der Mimik usw. Das
ist der Lügendetektor.

[00:39:30.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch belügt sich selber. Der sagt: das hat mir gar nichts gemacht. Das stimmt
nicht.

[00:39:52.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sich auf sich selber verlassen, sie spüren das schon.

[00:39:56.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können jemand anderes fragen: was findest du zu dem? So kann man sich
austauschen. Ah nein, ich denke nicht.

[00:39:56.310] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man die Leute am Fernseher beobachtet, kann man auch sehen: lügt jetzt der?
Spricht er ehrlich.

[00:39:56.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Personen die Lügen, sind schematisch, gerade in die Wand.

[00:40:39.710] – Bemerkung 2
Was sage ich am besten, wenn Personen sich in die Therapie begeben und dann
sagen, dass sie mit dem Therapeuten gar nicht zufrieden sind, der hört nur zu und gibt
keinen Rat.

[00:40:56.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Idee von der analytischen Therapie.

[00:41:12.120] – Dr.med. Ursula Davatz
So viele Leute sind noch analytisch ausgebildet.

[00:41:16.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die analytische Therapie ist von Sigmund Freud entwickelt worden.

[00:41:19.652] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud

[00:41:19.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wollte das als wissenschaftliche Methode, um herauszufinden: was bewegt da die
Seele? Was ist los? Etc.

[00:41:32.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wollte möglichst nicht stören, damit er die ganze Geschichte in Reinkultur bekommt.

[00:41:32.980] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist eine Illusion.

[00:41:37.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Patienten haben das gar nicht gern. Die wollen eine Interaktion.

[00:41:45.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man stört den Patienten auch mit nur ruhig sein und nur zuhören. Das ist absolut
unnatürlich.

[00:41:57.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde dem Patienten sagen: fragen sie ihren Therapeuten, ob er analytisch
ausgebildet ist. Gehen wir gleich auf die Sache ein.

[00:41:57.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll dem Therapeuten sagen, wenn es einem als Patient stresst, er hat das nicht
gerne, er erwartet eine Reaktion vom Therapeuten, sonst kann man sich als Patient
nicht orientieren.

[00:42:17.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss dem Therapeuten zurück füttern was man nicht mag.

[00:42:20.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil der Freud das so gemacht hat, aus wissenschaftlichen Vorstellungen, heisst das
nicht, dass die Therapeuten sich so benehmen müssen.

[00:42:26.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Klage von vielen Patienten.

[00:42:30.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde immer fragen: haben sie eine analytische Ausbildung? Ich habe es nicht
gerne. Ich möchte ein Gegenüber. Ich möchte jemanden, der mich auch ein wenig
etwas sagt.

[00:42:30.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Therapeuten haben oft Angst, sie würden dann den Patienten zu fest beeinflussen.

[00:42:48.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Patient soll sagen, wenn es ihm nicht passt, damit es eine lebendig Interaktion gibt
und nicht nur so ein vorgeführt werden.

[00:42:49.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen sie ihren Therapeuten, ob er analytisch ausgerichtet ist.

[00:42:58.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Therapeuten meinen dann, dass sie es falsch machen, wenn sie eine Meinung
äussern. Sie haben Angst, dass sie den Patienten zu stark beeinflussen.

[00:43:15.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man beeinflusst den Patienten auch mit Schweigen. Man frustriert den Patienten mit
Schweigen. Das ist eine schlimme Beeinflussung.

[00:43:27.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Seien sie frech und erwähnen sie das.

[00:43:34.760] – Bemerkung 3
Ich fand es sehr interessant, wie sie zuerst vom Traum gesprochen haben.

[00:43:38.960] – Bemerkung 3
Eine Frau hat davon geträumt, dass ihr Vater sie geschlagen hat. Sie ist 35 Jahre alt.
Das ist immer noch ein Thema. Sie nimmt deshalb auch viele Medikamente.

[00:44:00.090] – Bemerkung 3

Die Frau hat wieder einen Termin bei der Psychiaterin. Sie erwähnt es gegenüber ihrer
Psychiaterin.

[00:44:00.470] – Bemerkung 3
Ich muss dann mit der Psychiaterin darüber sprechen.

[00:44:06.520] – Bemerkung 3
Seit 10 Jahren kommt das jeden Monat wieder.

[00:44:21.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Trauma, welches nicht verarbeitet wurde.

[00:44:35.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen sie die Frau: würden sie sich getrauen dem Vater das mal zu sagen?

[00:44:45.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Offensichtlich ist die Frau traumatisiert.

[00:44:45.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In meiner Therapie würde ich sagen: sprechen sie mal in Ruhe mit dem Vater. Du Vater,
ich möchte mal über etwas sprechen.

[00:44:45.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Weisst du noch, als ich das und das gemacht habe, da hast du mich geschlagen. Das
ist mir immer noch in Erinnerung.

[00:45:10.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem weiss es der Vater gar nicht mehr oder er leugnet es, er hat es verdrängt.

[00:45:22.780] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann ist es wichtig zu sagen: ich möchte dich nicht anklagen. Ich möchte dir sagen,
dass mich das immer noch beschäftigt.

[00:45:40.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Hintendran kommt noch: was wolltest du dort bei mir bewirken? Mit was bin ich dir auf
die Nerven gegangen? Mit was habe ich Deinen väterlichen Stolz gereizt?

[00:45:40.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht heisst es: ich habe Angst, ich kann das nicht. Versuchen sie es trotzdem mal.

[00:45:51.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Falls sie die Frau wieder sehen, fragen sie diesen: hast du jetzt einmal mit deinem Vater
gesprochen?

[00:45:56.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon zehn Jahre und es kommt immer wieder. Das zeigt, dass es ein Trauma ist,
welches nicht verarbeitet wurde.

[00:46:04.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine prinzipielle Methode, dass man zurückgeht zu denen, die einem
traumatisiert haben, dass man die konfrontiert mit den eigenen Gefühlen.

[00:46:23.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand von einem Vorgesetzten traumatisiert wurde, zum Beispiel durch eine
Bemerkung oder durch eine Handlung, dann habe ich auch immer die Betroffenen
versucht dazu zu bringen, dass er nochmals mit dem Vorgesetzten darüber sprechen
darf.

[00:46:51.400] – Bemerkung 4
Ich würde ihr sagen, dass sie den Vater mal zum Psychiater mitnehmen sollte.

[00:46:51.540] – Bemerkung 4

Die Konfrontation nur zu zweit würde wohl nicht gut gehen.

[00:47:02.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können sie den Vater mal zum Psychiater mitnehmen. Dann soll sie dem
Psychiater sagen: ich möchte gerne mit meinem Vater einmal darüber sprechen. Darf
ich meinen Vater einmal mitbringen?

[00:47:12.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Können wir dann miteinander zusammen darüber sprechen? So hilft ihr dann der
Psychiater. So können sie sie dazu animieren.

[00:47:30.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie darf dem Vater nicht sagen, warum sie möchte, dass er mitkommt.

[00:47:34.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie darf nur sagen: ich möchte, dass du einmal mitkommst. Sie kann zum Beispiel
sagen: damit du meinen Psychiater kennen lernst.

[00:47:38.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kann den Psychiater zuerst fragen ob er bereit ist, das zu tun.

[00:47:48.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kann den Psychiater auch fragen, ob er bereit wäre ihren Vater kennenzulernen.

[00:47:53.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wollen sie mal meinen Vater kennen lernen? So behält man es auf der oberflächlichen,
höflichen Ebene. Dann nimmt sie den Vater mit.

[00:48:00.010] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann auch der Psychiater lernen.

[00:48:04.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Und ich bin halt familientherapeutisch ausgebildet. Von daher gehe ich immer zurück
ins System, aber die meisten sind nicht familientherapeutisch ausgebildet. Die bleiben
nur beim Individuum und dann geht das Trauma nie weg.

[00:48:26.730] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man davon sprechen darf, was ihr Trauma verursacht hat: if you name it, you
tame it. In Anwesenheit vom Vater.

[00:48:38.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht darum, den Vater zu verurteilen. Es geht nur darum, für sich selber
einzustehen.

[00:48:38.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen sie sich das?

[00:48:42.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wette, wenn sie das tun, dass das dann im Traum besser wird.

[00:48:53.910] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Träumen sieht man dann, wie es sich verändert hat.

[00:49:03.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Seit zehn Jahren träumt sie davon.

[00:49:10.720] – Bemerkung 5
Oder schon länger. Ich kenne sie schon zehn Jahre lang.

[00:49:25.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen sie sich ihr das mal zu sagen? Sie können gar nichts falsch machen.

[00:49:25.120] – Bemerkung 5
Ich versuche es Mal.

[00:49:25.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon nur die Idee, dass sie auf die Idee kommen, dass sie mit dem Vater darüber
sprechen könnte, in Anwesenheit vom Therapeuten, das bearbeitet das Ganze schon.

[00:49:51.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Traum zeigt, dass sie es bisher nicht verarbeitet hat.

[00:49:58.000] – Bemerkung 6
Ist ADHS/ADS eine Folge von posttraumatischen Belastungsstörungen?

[00:50:10.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein!

[00:50:13.500] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist genetisch vererbt. Das ist nie eine Folge von posttraumatischen
Belastungsstörungen.

[00:50:20.050] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler werden mehr traumatisiert, weil sie so anders sind. Sie laufen rein,
werden kritisiert. ADHS/ADSler haben mehr Traumatas.

[00:50:38.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil eine Person mehr ADHS/ADS hat, kann sie mehr traumatisiert werden.

[00:50:46.710] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS läuft in Familien.

[00:50:48.680] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn das Kind die ADHS/ADS Diagnose bekommt, schauen sich die Eltern an und
sagen: dann habe ich es ja auch. Das stimmt.

[00:50:53.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt irgendwo her.

[00:50:56.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Man schaut ADHS/ADS immer noch als psychiatrische Störung an.

[00:51:08.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist keine psychiatrische Störung, es ist ein genetisch vererbter Neurotyp, der ein
bisschen sensibler ist, der vulnerabler ist.

[00:51:17.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse kommen durch das Leben ohne, dass man etwas bemerkt.

[00:51:20.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn etwas Traumatisches kommt, dann kommt das auf einmal hervor.

[00:51:20.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS ist immer zuerst. Das ist ganz klar für mich.

[00:51:40.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie schaut das ADHS/ADS immer noch als Diagnose an. Darum sagen die
Experten es ist das oder das, was ist zuerst, usw. Dann wird gross argumentiert.

[00:51:47.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist es absolut klar. Der hintergrund ist das ADHS/ADS, welches leichter
traumatisiert wird.

[00:51:59.330] – Dr.med. Ursula Davatz

In dem man das ADHS/ADS versteht, wie das traumatisiert wird, kann man dann auch
das Trauma vielleicht ein bisschen besser verstehen und ein bisschen besser
verarbeiten.

[00:52:11.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wird nicht über ein Trauma zum ADHS/ADSler.

[00:52:12.750] – Bemerkung 6
Danke!

[00:52:20.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Gern geschehen.

[00:52:22.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben die Zeit erreicht.

[00:52:41.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke für das Mitmachen.

[00:52:45.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wünsche einen schönen Sommer!

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Transkription

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

28.5.2024
Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS).
Audio

[00:00:00.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich begrüsse alle ganz herzlich zur heutigen Weiterbildung zum Thema:
Posttraumatische Belastungsstörungen.

[00:00:09.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage kürzen wir alles ab.

[00:00:11.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann heisst es PTBS.

[00:00:15.880] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Posttraumatische_Belastungsst%C3%B6rung

[00:00:16.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche zuerst das Wort „Trauma" zu definieren, respektive ein bisschen zu
erklären.

[00:00:26.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Trauma versteht man eine körperliche oder psychische, starke Verletzung.

[00:00:34.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Verletzung, wo die Auswirkung für längere Zeit bleibt. Die Verletzung hat
Nachwirkungen.

[00:00:40.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich in den Finger schneidet, das Bein bricht, ergibt das einen Stress, aber
mit dem ist man schneller fertig. Nach sechs Wochen sollte das wieder geheilt sein.

[00:00:56.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein wirkliches Trauma bleibt in der Psyche hängen.

[00:01:11.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die erste emotionale Verarbeitung, welche der Mensch mit seinem Gehirn macht,
befindet sich im limbischen System und dort im Hippocampus.

[00:01:20.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Innerhalb von dem Hippocampus werden belastende Sachen gespeichert.

[00:01:28.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden auch andere Sachen gespeichert. Belastende Sachen, die emotional
belastend sind, die werden ganz speziell gespeichert.

[00:01:35.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn daraus eine Belastungsstörung resultiert, dann bleibt das dort gespeichert. Das
heisst, man kann das emotionale Erlebnis nicht an das Grosshirn weitergeben.

[00:01:37.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen haben ein emotionales Gehirn, ein Grosshirn und ein vegetatives Gehirn.

[00:01:55.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Gehirn nimmt alles zuerst auf.

[00:01:58.060] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem emotionalen Hirn ist auch die persönliche Biografie.

[00:02:03.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn etwas zu einer Belastungsstörung wird, dann bleibt die Erinnerung in dem Hirnteil
hängen.

[00:02:14.640] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem das Ereignis, das Erlebnis dort hängen bleibt und nicht weitergegeben wird, gibt
das eine Einschränkung in den emotionalen Erlebnissen, im emotionalen
Erlebnisbereich.

[00:02:25.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn neue Dinge hinzu kommen ist das Gehirn blockiert. Es kostet Energie diese
Erinnerung aufrecht zu erhalten, weil sie noch nicht verarbeitet ist.

[00:02:26.080] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem das Erlebnis nicht abgelegt werden kann, bleibt das emotionale Gehirn vermehrt
beschäftigt und ist nicht genügend bereit um neue, schwierige Dinge zu verarbeiten.

[00:02:43.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht heute sogar davon, dass das Gehirn ein wenig schrumpft, um wenige
Prozente.

[00:03:21.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Psychiater, hat das angeschaut hat und Messungen gemacht.

[00:03:40.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick wo das Gehirn mit Traumatas belastet ist, ist man nicht mehr so
funktionstüchtig. Man ist nicht mehr so anpassungsfähig, nicht mehr so
verarbeitungsfähig. Das ist natürlich ein Problem.

[00:03:55.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann spricht man von einer posttraumatischen Belastungsstörung.

[00:03:59.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die posttraumatische Belastungsstörung bringt mit sich, dass die traumatischen
Ereignisse, es können, körperliche oder psychische sein oder beides.

[00:04:12.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der posttraumatischen Belastungsstörung werden die Erinnerungsbilder, Bilder, die
an das Geschehen erinnern, kommen immer wieder hervor.

[00:04:22.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Bilder werden immer wieder hervor geholt.

[00:04:22.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich zur Verarbeitung hervor geholt.

[00:04:32.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie dann einfach verdrängen und es gibt durchaus Leute, die gut solche
Dinge verdrängen können.

[00:04:39.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Leute können es nicht und dann kommt das dauernd wieder hoch.

[00:04:44.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Wiederkäuer, welcher sein Fressmaterial, also das Heu, wieder hoch stösst, um
nochmals wieder zu kauen.

[00:04:54.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die posttraumatische Belastungsstörung braucht eine Aufarbeitung, um das Gehirn
wieder frei zu machen.

[00:05:10.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gibt es verschiedene Methoden.

[00:05:11.270] – Dr.med. Ursula Davatz

In der letzten Zeit ist die PTBS mehr Mode geworden. Es ist auch schon 20 Jahre her.
Davor gab es die Diagnose posttraumatische Belastungsstörung nicht. Man hat einfach
nur von Trauma gesprochen. Trauma hat auch geheissen: das kommt dann im Traum
wieder.

[00:05:33.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind schwere Dinge, welche einem im Traum wieder kommen.

[00:05:36.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich ist der Traum dazu da, dass man die Dinge löscht, vergisst, dass man nicht
mehr belastet ist. Das ist eine unbewusste Leerung des Gehirns.

[00:05:43.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es eine PTBS ist, dann bleibst das dort sitzen.

[00:05:48.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Prinzip der Traumatherapie gehört zu jeder Therapie, dass man damit umgehen
kann.

[00:06:07.590] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Therapie der posttraumatischen Belastungsstörung gibt es verschiedene
Methoden.

[00:06:24.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Methode ist, dass man mit dem Trauma Opfer über das Ganze Geschehen spricht.
So genau wie möglich.

[00:06:42.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es gerade kurz nach einem Ereignis ist, wollen viele nicht darüber reden.

[00:06:46.990] – Dr.med. Ursula Davatz

Damals, wo Halifax war, wo das Flugzeug abgestürzt ist, sind viele Traumatherapeuten
nach Halifax gereist und wollten dort alle möglichen Leute therapieren und haben dann
eigentlich gar niemanden vorgefunden.

[00:06:59.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die wollten verdrängen, die wollten nicht darüber sprechen. Das muss man auch
akzeptieren.

[00:07:00.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht kommt es dann später.

[00:07:09.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Mensch nicht bereit ist, darüber zu reden, hat es keinen Sinn.

[00:07:12.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Technik ist, man redet darüber, man geht in diese Situation zurück.

[00:07:19.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lässt sich alles möglichst genau schildern. Man stellt Fragen und man ist natürlich
immer dabei.

[00:07:26.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man dabei ist, kann man diese Person ein bisschen beruhigen.

[00:07:32.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt ja: geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freude ist doppelte Freude.

[00:07:38.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Beziehung funktioniert, indem die betroffene Person ihr dramatische Geschichte
erzählen darf.

[00:07:48.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es passiert nichts, man ist da für sie und so kann sie es verarbeiten.

[00:07:54.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das basiert auf dem Prinzip, wenn man emotional stark belastende Sachen in Worte
fast.

[00:08:02.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte sie auch aufschreiben, das wäre auch eine Möglichkeit.

[00:08:05.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie in Worte fasst, dann geht 50% von der Belastung weg.

[00:08:10.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf Englisch sagt man da: If you name it, you tame it.

[00:08:15.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es benennt, wird es schon ein bisschen verarbeitet.

[00:08:19.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Benennen ist eine Methode, um es dann ins Grosshirn ablegen zu können, als
Erinnerung, nicht mehr mit einer riesigen, emotionalen Belastung.

[00:08:29.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Geschichte aufzuarbeiten passiert natürlich nicht in einer Stunde.

[00:08:35.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man beginnt und bearbeitet es immer wieder.

[00:08:36.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Idee dabei ist schon, dass man möglichst genau das Ganze durchgeht.

[00:08:47.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch die Ursache anschauen, was hat zu dem Unfall oder zu der Situation
geführt.

[00:08:54.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es Naturkatastrophen sind, hat man wenig Einfluss drauf gehabt.

[00:08:59.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Menschen dabei involviert sind, dann sucht der Mensch eigentlich immer
nach der Schuld.

[00:09:05.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele suchen dann entweder nach der Fremdschuld, aber auch nach der Eigenschuld.

[00:09:10.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man auch durchgehen.

[00:09:12.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wem gibt man die Schuld an dem Unfall?

[00:09:15.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es dann dem Auto oder dem Mechaniker geben.

[00:09:16.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man auch die Schuldursache mit der Person durchgeht, alle
Schuldursachen.

[00:09:29.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich Menschen für das Trauma selber schuldig fühlen, ist es schwieriger noch,
sich von dem zu befreien.

[00:09:37.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es nach aussen projizieren kann, ist es einfacher.

[00:09:39.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft sind beide Anteile dabei.

[00:09:45.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es nach aussen projiziert wird, wird es so wie eine Person, die involviert war, die
wird dann zum Sündenbock gemacht. Das ist ein bisschen entlastend.

[00:09:57.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es auf sich selber nimmt, dann geht das nicht so gut.

[00:10:02.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre: Desensibilisieren über die Erzählung.

[00:10:08.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt eine weitere Methode und dort gibt es auch mehrere und ich bringe nur eine.
Das ist das EMDR.

[00:10:14.899] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Eye_Movement_Desensitization_and_Reprocessing

[00:10:15.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Eye Movement Desensitization Reprogramming.

[00:10:22.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei dieser Methode tut man Koordinationsübungen machen, quasi zwanghaft.

[00:10:33.680] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Hand hin und her bewegen, dass man mit den Augen den Fingern folgt und den
Kopf ruhig haltet.

[00:10:47.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind drei Koordinationsbewegungen.

[00:10:51.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man so Koordinationsbewegungen macht, kann man nicht mehr ins Gedächtnis
reingehen und man kann die Bilder nicht mehr herausholen.

[00:11:01.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der posttraumatischen Belastungsstörung kommen immer wieder die Bilder hervor
und dann kommt wieder die ganze Aufregung mit psychosomatischen Symptomen, also
Herzklopfen, Angst natürlich, Schweissausbruch, Verzweiflung und so weiter.

[00:11:16.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles starke Stresssymptomen.

[00:11:20.260] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man EMDR macht, kann man die Bilder nicht mehr hervor holen.

[00:11:20.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Reden kann ich noch.

[00:11:25.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nach aussen gerichtete Energie, das geht, aber ich kann in dem Moment nichts
aus meinem Gedächtnis herausholen.

[00:11:34.890] – Dr.med. Ursula Davatz
So probiert man mit dieser motorischen Koordination, den Gedächtnisinhalt zu
blockieren.

[00:11:43.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann den Leuten auch sagen, wenn wieder die Erinnerungen kommen, können sie
diese Übung machen.

[00:11:50.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt noch viele andere, ich bringe diese jetzt nicht. Ich kenne sie auch nicht alle.

[00:11:52.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer Körper bezogen.

[00:11:57.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind immer Koordinationsübungen, sie sind körperbezogen.

[00:12:06.990] – Dr.med. Ursula Davatz
So ist das Hirn geschaltet. Die Koordinationsübungen bringen mit sich, dass man nichts
mehr aus dem Gedächtnis holen kann.

[00:12:18.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn einer auf dem Seil balanciert, kann er nicht denken: oh, ich habe zu Hause die
Katze nicht gefüttert.

[00:12:25.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man nichts denken, da muss man sich voll, voll konzentrieren.

[00:12:31.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss fokussieren und dann kann man eben nichts rausholen, nichts mehr aus
dem Gedächtnis holen.

[00:12:37.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man bei einem Flugzeugabsturz dabei war, kann man nicht zu dem zurück
gehen.

[00:12:43.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Belastung zusammenhängt mit einem Ereignis an einem gewissen Ort, an
einem Unfallort, dann kann man Expositionstherapie machen, dann kann man mit dem
Patienten zusammen dorthin gehen. Indem jemand ruhiges dabei ist, lernt der Patient
sich langsam wieder zu desensibilisieren.

[00:13:17.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte mal einen Autounfall auf dem Glatteis und bin von der Strasse abgerutscht.
Später musste ich jeden Tag an dieser Verzweigung weiterfahren.

[00:13:30.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist niemand mit gekommen, aber am Anfang, wenn ich dort durchgefahren bin, ist
mir natürlich der Unfall immer wieder in den Sinn gekommen.

[00:13:37.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste mir Mühe geben, mich auf das Auto konzentrieren, auf die Strasse
konzentrieren. Mit der Zeit konnte ich problemlos vorbeifahren und es hat mich
überhaupt nicht mehr belastet.

[00:13:38.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich musste mich auch ein bisschen desensibilisieren.

[00:13:49.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch an den Unfallort zurück gehen mit dem Patienten und dann die
Aufregung aushalten, beruhigen. Mit der Zeit gehen die Bilder immer mehr zurück. Man
kann sie normal hervor holen. Sie lösen nichts mehr emotionales aus.

[00:13:53.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben sie "Schuld und Sühne" von Fjodor Dostojewski gelesen?

[00:14:23.720] – Dr.med. Ursula Davatz

https://de.wikipedia.org/wiki/Schuld_und_S%C3%BChne

[00:14:23.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort begeht jemand einen Mord oder einen Diebstahl oder beides. Er geht immer
wieder an seinen Ort zurück. Das sagt man von den Tätern. Ein Täter, der etwas tut, der
nicht akzeptiert ist, das gibt natürlich auch eine Belastung. Das schaut man meistens
nicht an. Das ist ein Versuch, die Tat zu rechtfertigen, zu verarbeiten, etc.

[00:14:48.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Trauma entsteht nicht nur unter Fremdeinfluss. Man kann sich auch selber ein
Trauma zufügen, indem man etwas macht, was überhaupt nicht akzeptiert ist.

[00:15:13.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Traumatas, wenn man Traumas definiert, dann sagt man, es ist ein
Kontrollverlust.

[00:15:23.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Selber hat man einen Kontrollverlust.

[00:15:25.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt eine Einwirkung von aussen. Das kann ein Unfall sein, das kann eine
Wetterkatastrophe sein, das kann Krieg sein.

[00:15:37.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle diejenigen, welche im Krieg waren, haben oft posttraumatische
Belastungsstörungen.

[00:15:44.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Trauma kann auch etwas ganz Banales sein, was vielleicht nicht einmal gesehen
wird.

[00:15:55.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Traumatas, die im normalen Leben passieren können, zum Beispiel der erste Schultag
und man wird von der Lehrerin blossgestellt.

[00:16:08.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt ein Trauma.

[00:16:10.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt immer wieder.

[00:16:11.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne auch Geschichten: am ersten Tag schon eine Ohrfeige bekommen, weil der
Lehrer oder die Lehrerin überfordert ist.

[00:16:20.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen kleinen Jungen, der ist von der Mutter in den Kindergarten gebracht
worden. Er wollte die Mutter nicht nach Hause gehen lassen. Man hat ihn gewaltsam
von der Mutter los gerissen. Er hat sich wahnsinnig dagegen gewehrt. Man hat es
trotzdem gemacht und dann hat man ihn eingesperrt. Er wurde in ein Zimmer
eingesperrt, damit er nicht abhauen kann.

[00:16:47.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Junge hatte eine posttraumatische Belastungsstörung. Der ist nachher dann nicht
mehr in die Schule gegangen.

[00:16:59.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind bei ihm immer noch dran.

[00:17:00.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sein Grossvater geht mit ihm in die Schule. Der muss immer als Bodyguard irgendwo
sichtbar sein.

[00:17:08.060] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir sind jetzt langsam dran, dass er sich wieder angewöhnt an die Schule.

[00:17:12.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat eine traumatische Belastungsstörung gehabt.

[00:17:16.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Sachen zählt man oft nicht auf, sondern man schaut nur die Naturkatastrophen
an.

[00:17:23.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber die sind ganz, ganz wichtig.

[00:17:27.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch innerhalb von der Familie immer blossgestellt worden sein, der
Sündenbock sein, für alles verantwortlich gemacht werden.

[00:17:38.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt auch eine Belastungsstörung.

[00:17:43.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Trauma läuft über längere Zeit, durch wiederholte Beschämungen, Kränkungen,
Verletzungen etc.

[00:17:53.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft spricht man nicht davon.

[00:17:54.020] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Familientherapie und in der Therapie habe ich mehr von den traumatischen
Belastungsstörungen.

[00:18:02.870] – Dr.med. Ursula Davatz

Die kommen oft erst raus, wenn die Persönlichkeit genügend stabilisiert ist.

[00:18:10.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit einem Kind kann man über die Sachen noch nicht reden.

[00:18:14.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind will nicht darüber sprechen, das verdrängt. Das Kind will einfach funktionieren.

[00:18:15.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit einem Jugendlichen kann man auch nicht darüber reden.

[00:18:24.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man da zu viel darüber redet, bewirkt es eher, dass seine
Persönlichkeitsentwicklung gestört wird, also unterbunden wird.

[00:18:33.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Posttraumatische Sachen, Belastungsstörungen, kann man erst bearbeiten, wenn die
Persönlichkeit genügend stabil ist.

[00:18:43.950] – Dr.med. Ursula Davatz
So passiert es dann, dass zum Teil Traumatas aus der Kindheit erst mit 50 Jahren
verarbeitet werden. Anhand von einem Ehekonflikt oder so etwas, kommen dann die
Traumatas hervor. Plötzlich sind sie sehr lebendig. Davor wurde nie davon gesprochen.

[00:19:00.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine sexuelle Vergewaltigung ist auch ein Trauma.

[00:19:13.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele probieren einfach darüber hinweg zu gehen, sich anzupassen, speziell Frauen,
aber auch Männer. Das kommt dann oft erst sehr, sehr viel später heraus. Auch dann
muss das Trauma bearbeitet werden.

[00:19:23.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort gilt wieder das gleiche. Man fragt: was ist gewesen. Wer war darum herum? Wer
ist verantwortlich gewesen.

[00:19:28.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Was für eine Verantwortung hat sich die Person selber gegeben?

[00:19:46.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist das gelaufen?

[00:19:49.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss auch mehrmals bearbeitet werden.

[00:19:53.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sexueller Missbrauch im Kindesalter vor dem verbalem Kindesalter, das kommt erst
raus, wenn man darüber reden kann.

[00:20:08.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach zwei Jahren konnte sie sagen: nein, das ist jetzt weg. Ich weiss zwar noch, was
passiert ist, aber es kommen keine Emotionen mehr auf.

[00:20:21.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Trauma gut bearbeitet ist, dann kann man das erzählen.

[00:20:25.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es nie vergessen, aber man kann es verarbeiten.

[00:20:30.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es erzählen. In der Erinnerung ist es noch. Es ist nicht verdrängt, es ist
verarbeitet.

[00:20:35.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man davon redet, ist das nicht mehr emotional belastet.

[00:20:40.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist der Hippocampus, der Teil vom emotionalen Gehirn ist dann wieder frei, um
neue Dinge zu bearbeiten.

[00:20:46.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Leute, welche Traumatas im ihrem Gehirn speichern, die sind häufig dauernd müde,
immer erschöpft, ertragen nichts, sind schnell gereizt. Die Sicherung brennt schnell
durch. Ihr Gehrin ist immer in Beschlag genommen um das Trauma zu verdrängen,
verstecken, irgendwie weg tun.

[00:21:18.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal kommen die Dinge im Traum hervor.

[00:21:18.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine Frau, die wurde mit 16 Jahren von ihrem KV Chef vergewaltigt. Sie hat
immer wieder davon geträumt.

[00:21:34.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat versucht das Trauma zu bearbeiten.

[00:21:34.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Zeit sind die Träume dann weg gegangen.

[00:21:39.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand der Träume kann man auch sehen, ob es sich beruhigt hat oder ob es noch
nicht verarbeitet ist.

[00:22:04.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn so dramatische Erlebnisse das emotionale Gedächtnis immer wieder belasten,
kann man das Gedächtnis mit neuen Dingen füllen. Neue Erlebnisse. Da kann die
Arbeit sicher helfen.

[00:22:15.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele sagen: ich bin schnell wieder zur Arbeit zurück gegangen. Das hat mir geholfen
mich zu distanzieren von meinem traumatischen Erlebnissen. Das ist auch ok.

[00:22:33.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es tut es wahrscheinlich nicht verarbeiten, aber das sind die Leute wirklich
unterschiedlich.

[00:22:37.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse beherbergen es im Hinterkopf immer noch. Andere können es immer noch
sublimieren und es ist weg.

[00:22:49.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Beschäftigung guten Dingen. Mit Dingen wo man das Gefühl hat, dass man in
Kontrolle der Situation ist. Die helfen einem, dass man die Dinge wieder in den
Hintergrund drängen kann. Bearbeitet ist es nicht.

[00:23:06.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Posttraumatische Belastungsstörungen kommen nicht nur in der Psyche zum
Vorschein. Die treten häufig auch im Körper auf.

[00:23:16.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es Dinge sind, wofür man sich geniert, dann verdrängt man die erfolgreich.
Irgendwo im Körper setzt es sich dann nieder.

[00:23:26.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann muss man wieder von der Psychosomatik zurückgehen zum Geschehen und
schauen: wo könnte es sein? Was könnte es sein? Das braucht ein bisschen Phantasie
und Einfühlungsvermögen.

[00:23:43.900] – Dr.med. Ursula Davatz
In der somatischen Medizin schaut man das meistens nicht an, sondern man spaltet es
ab.

[00:23:48.820] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychosomatik schaut man es eher an.

[00:23:52.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gibt es so Fälle, wo jemand als posttraumatische Belastungsstörung quasi eine
Gesichtslähmung bekommen hat.

[00:24:00.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat der Psychosomatiker geschaut, wann hat es angefangen, was ist da
gewesen. Im Augenblick, wo die Geschichte aufgearbeitet werden konnte, ist die
Lähmung plötzlich weg gewesen.

[00:24:17.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wann lässt die Psyche den Körper sprechen?

[00:24:19.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Körper kann nicht lügen. Das Grosshirn kann lügen.

[00:24:24.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt uns dazu tabuisierte Dinge, oder Dinge, welche Schande über die Familie
bringen, die werden einfach verdrängt.

[00:24:39.200] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist natürlich nicht die typische posttraumatische Belastungsstörung, da werden
auch Traumatas über Generationen hinweg weitergegeben.

[00:24:50.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat auch Sachen angeschaut von den Juden, wo Grosseltern von jüdischen
Kindern im KZ misshandelt worden sind oder umgebracht worden sind. An dem Tag, wo
die Grosseltern umgebracht worden sind, haben die Eltern der Kinder, die man in
Behandlung hat, haben die Symptomen gehabt.

[00:25:15.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so ein bisschen vergleichbar mit dem Mahnmal von Christus, also so etwas
Ähnliches.

[00:25:22.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Traumatische Erlebnisse in einem Familiensystem können auch über Generationen
weiter gegeben werden.

[00:25:31.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird meistens nicht behandelt. Ich als Familientherapeutin, die natürlich immer drei
Generationen anschaut, komme eher an das ran.

[00:25:38.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie das genau läuft, kann ich auch nicht sagen.

[00:25:42.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwie wird von den Kindern wahrgenommen, an dem Tag ist die Person ein
bisschen anders.

[00:25:56.190] – Dr.med. Ursula Davatz
In gewissen Kantonen feiern sie Jahrzehnte. Wenn die Person gestorben ist, dann wird
wieder eine Totenmesse gehalten.

[00:26:04.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Familien tun dann immer irgendwas machen.

[00:26:09.020] – Dr.med. Ursula Davatz
So können traumatische Ereignisse wie ein Tod von einem wichtigen Familienmitglied
weitergegeben werden.

[00:26:17.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Dinge, welche in den Konzentrationslagern gemacht wurden, sind natürlich sehr
dramatische Angelegenheiten gewesen, die über Generationen weitergegeben werden.

[00:26:30.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder von den jüdischen Eltern, die umgebracht worden sind, die vergast worden sind,
die haben oft nicht darüber geredet, über die Geschichte, weil sie es nicht ertragen
haben.

[00:26:43.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Enkelkinder, sagen dann oft: ich finde es schade, ich wollte darüber reden. So
verstehe ich gar nichts.

[00:26:49.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hätten alle eine Behandlung zur posttraumatischen Belastungsstörung erhalten
müssen. Das hat man natürlich nicht gemacht.

[00:27:02.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wären ein paar Gedanken und jetzt möchte ich sie natürlich bitten, mir Fragen zu
stellen, Ergänzungen zu machen, allenfalls einen Fall bringen, damit wir ein bisschen
miteinander diskutieren können.

[00:27:16.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer getraut sich, als erstes eine Frage zu stellen?

[00:27:38.760] – Bemerkung 1
Bei uns ist etwas passiert mit einer Maschine. Jetzt habe ich Mühe mit der Maschine.

[00:28:02.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn an einer Maschine ein Unfall passiert ist, dann wäre eigentlich die
Expositionstherapie, die Desensibilisierungstherapie, wäre: wir gehen miteinander
wieder an die Maschine.

[00:28:17.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zeige dir ganz genau, wie sie funktioniert.

[00:28:20.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zeige dir, was wir nicht tun dürfen machen.

[00:28:23.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann müsste man mit dem den ganzen Vorgang von dieser Maschine durchmachen
und er muss dabei bleiben, er darf nicht wegrennen.

[00:28:34.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Der nächste Schritt wäre: welcher Vorgang bist du bereit, selber zu machen?

[00:28:40.240] – Dr.med. Ursula Davatz
So immer mehr, bis er sie wieder bedienen kann.

[00:28:43.960] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Regel ist natürlich Tendenz: an diese Maschine gehe ich nie mehr.

[00:28:48.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ist für mich so eine Belastung.

[00:28:51.130] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man Traumatherapie machen würde, dann müsste man so vorgehen.

[00:28:58.630] – Bemerkung 1
Kann es denn sein, dass er es ein paar Tage allein macht und es dann plötzlich nicht
mehr alleine machen will? Kann die Angst plötzlich wieder kommen?

[00:29:09.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie mit ihm zusammen alle Vorgänge durch gehen, wie man sie anstellt, – ich bin
kein Maschinist – wie man das alles macht. Er schaut zu. Bei jedem Schritt sagen sie:
siehst du? Verstehst du? Er weiss es vielleicht schon. Und dann: jetzt gehst du ran.
Dann ihn begleiten. Er darf aufhören, wenn Angstbilder kommen. Dann müssen sie
wieder weitermachen. So, bis er wieder den ganzen Vorgang macht.

[00:29:44.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das könnte er so verarbeiten.

[00:29:55.410] – Bemerkung 1
Kann es sein, dass es in einem Jahr wieder kommt?

[00:29:55.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, wenn es bearbeitet wird, nicht. Wenn es sauber bearbeitet worden ist, kommt es
nicht mehr. Das würde ich behaupten. Dann ist es wirklich aus dem emotionalen Hirn
rausgenommen, ins Grosshirn. Dort versorgt. Man erinnert sich noch. Es kommt nicht
mehr als Belastung.

[00:30:20.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Was manchmal passiert: wir hatten mal eine Patientin, die einen Autounfall gemacht
hat. Da sind mehrere Leute verletzt worden.

[00:30:27.890] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie ist nicht so stark verletzt worden, aber doch auch verletzt. Man hat sie aber wegen
den anderen, welche mehr verletzt waren einfach sitzen lassen im Auto und sich nicht
um sie gekümmert.

[00:30:40.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat bei ihr dann eine posttraumatische Belastungsstörung gegeben.

[00:30:45.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort hinten daran war eine Geschichte, dass sie als Kind immer vernachlässigt worden
ist, dass man sie nicht ernst genommen hat, dass man sie allein gelassen hat, etc.

[00:30:57.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das passiert auch noch oft, dass an einen Unfall oder ein Geschehen ein früheres
Trauma, daran gehängt wird.

[00:31:06.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der ist dann das Trauma von früher, von den Eltern, viel schlimmer gewesen.
Beides ist schlimm gewesen, aber es hat nicht gereicht, dass man nur den Unfall
bearbeitet hat.

[00:31:18.280] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Notfallchirurgie hat man sie einfach sitzen lassen. Sie hat nicht geblutet, sie war
unwichtig. Das Emotionale hat man verpasst. Sie hat sich völlig alleine gelassen
gefühlt. Dann hat sie das immer wieder re-inszeniert.

[00:31:34.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist in die Psychiatrie gekommen und wir mussten ewig lange mit ihr arbeiten.

[00:31:37.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht ob wir es erreicht haben. Es war nicht meine Patientin.

[00:31:40.340] – Dr.med. Ursula Davatz

Oft wird ein altes Trauma auch noch daran gehängt.

[00:31:40.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn etwas an einer Maschine geschieht, kann man auch schauen, ob als Kind schon
etwas mit einer Maschine passiert ist.

[00:31:56.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es wirklich bearbeitet ist, kommt es nicht mehr.

[00:32:00.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es wieder kommt, dann hat man es nicht genug bearbeitet. Dann muss man es
nochmals bearbeiten.

[00:32:00.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es immer wieder kommt, muss man sich fragen: ist es stellvertretend für ein
anderes Trauma?

[00:32:18.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Trauma mit einer Maschine ist moralisch einfacher zu bearbeiten als ein seelisches
Trauma.

[00:32:32.490] – Bemerkung 1
Man hat psychisch Angst, weil körperlich etwas passiert ist.

[00:32:36.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat psychische Angst vor dem körperlichen.

[00:32:40.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn noch seelische Traumatas hinten dran sind, dann werden die auf das körperliche
Trauma drauf projiziert.

[00:32:48.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Über das Körperliche kann man gut reden, über das Seelische nicht.

[00:32:53.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das seelische Trauma ist viel beschämender.

[00:33:00.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das trifft man oft an, dass hinter dem körperlichen Trauma ein seelisches versteckt ist.

[00:33:00.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Beispiel bei allen Kriegsverletzten oder bei allen durch den Krieg traumatisierten,
auf eine Art ist ein Kriegstrauma weniger schlimm, weil allen das gleiche passiert, als
persönliche Traumatas innerhalb von der Familie.

[00:33:20.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie dann nur vom Krieg sprechen, muss man immer schauen, ist noch etwas
dahinter, was seelisch noch belastender ist.

[00:33:30.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird oft versteckt. Macht das Sinn, kann man das nachvollziehen?

[00:33:40.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Über das mechanische, über den Krieg, da sind die anderen Schuld. Darüber kann man
sprechen.

[00:33:40.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die eigenen Verwandten möchte man nicht gerne anschwärzen.

[00:34:07.250] – Bemerkung 2

Bei den Kriegsopfern ist die berufliche Integration durch Traumas erschwert. Braucht es
immer einen Therapeut oder kann man denen auch anders helfen? Man findet nicht
immer Therapeuten, welche die andere Sprache sprechen.

[00:34:39.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht nicht immer einen Therapeuten.

[00:34:46.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kriegstraumatisierten, können sie das sogar machen, dass sie genauer fragen,
was passiert ist. Das kann man.

[00:34:59.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können fragen: wem geben sie die Schuld? An welchem Ort hatten sie am meisten
Angst?

[00:35:09.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kriegstraumatas kommt natürlich immer dann noch das Politische rein.

[00:35:17.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier stellt sich die Frage: wer ist Schuld, wer hat was falsch gemacht? Wie stehen sie
jetzt zu den Kriegsparteien?

[00:35:39.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind oftmals noch seelische Engagements, seelische Zugehörigkeiten, die auch
belastend sind und die Arbeitsintegration verhindern.

[00:36:01.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das ein Ganze bisschen bearbeitet und das ganze einordnen kann, fühlt
man sich auch weniger verloren und weniger traumatisiert. Wenn man im Ganzen
keinen Sinn sieht.

[00:36:26.400] – Dr.med. Ursula Davatz

Der Mensch sucht immer nach Sinn.

[00:36:26.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das alles so ein bisschen einordnen kann, dann können sie sagen: die
Arbeitsintegration kann ihnen helfen, ihr Trauma zu überwinden.

[00:36:38.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie immer an dem Trauma hängen, dann werden sie neu traumatisiert, weil sie
nicht integriert werden, weil sie ein Aussenseiter sind, etc.

[00:36:51.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder traumatisierend.

[00:36:56.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, sie können nicht immer einen Traumatherapeut finden.

[00:37:01.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele der Kriegsflüchtlinge, welche aus den Kriegsgegenden kommen, wissen auch gar
nicht was Therapie ist. Die wollen auch gar nicht in die Therapie gehen. Sie dürfen
gerne selber diese paar Dinge tun.

[00:37:18.840] – Bemerkung 2
Ich kann nichts falsches auslösen mit meinen Fragen?

[00:37:19.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, davor hätte ich nicht Angst.

[00:37:19.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand der nicht Therapeut ist und eine Frage stellt, der hört auf, wenn der andere
nicht sprechen möchte.

[00:37:32.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Therapeuten haben eher die Fehler gemacht, dass sie zu stark nach dem Trauma
gefragt haben. Dann wurden die Leute re-traumatisiert.

[00:37:37.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Die betreffende Person hat einen natürlichen Schutz und sagt einfach nein. Nein, ich
möchte jetzt nicht darüber sprechen. Das ist ok.

[00:37:48.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man merkt, dass jemand abwesend ist, dann kann man fragen: was geht dir
durch den Kopf?

[00:37:53.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man es dann erzählen kann, ist das schon wieder eine Verarbeitung.

[00:37:58.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen gar nicht Angst haben. Der Mensch hat hier eine natürliche Abwehr
eingebaut und sagt: ich möchte jetzt nicht darüber sprechen. Dann lässt man es sein.

[00:38:14.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Mensch wieder abwesend ist, kann man sagen: an was hast du gedacht? Ist
dir irgendeine Geschichte in den Sinn gekommen?

[00:38:23.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Geschichte kann man dann sogenannt validieren und sagen: ja, ok, ich verstehe.
Legen wir die Geschichte ab und jetzt arbeiten wir weiter.

[00:38:27.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können über die Arbeitstherapie helfen, dass das wieder in den Hintergrund geht.

[00:38:47.180] – Dr.med. Ursula Davatz

Macht das Sinn für sie und getrauen sie sich?

[00:38:50.030] – Bemerkung 2
Ich überlege mir noch, in welchem Rahmen das bei uns dann möglich ist. Die
Beziehung spielt auch noch eine wichtige Rolle. Wenn das Vertrauen vorhanden ist,
erzählen die Leute gerne von sich selber.

[00:39:00.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können sie auch sagen: ok, ich sehe, das beschäftigt dich immer noch.

[00:39:12.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie gerade in einem wichtigen Arbeitsprozess sind, wo man nicht darüber
sprechen kann, können sie sagen: ich habe es mir notiert, und wir sprechen nochmals
darüber.

[00:39:26.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht ausufern wenn es nicht passt. Dann gibt es Spannungen bei ihnen und bei diesen
Leuten. Man sagt: ich habe es wahrgenommen. Dann und dann sprechen wir.

[00:39:26.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann lohnt es sich für sie, ein bisschen das Gespräch darüber zu führen.

[00:39:43.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: du musst unbedingt einen Traumatherapeuten finden.

[00:39:44.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Erstes gibt es den nicht. Zweitens wissen die gar nicht was Therapie ist und finden das
auch absolut ehrenrührig. Speziell Männer. Ich gehe doch nicht in Therapie. So etwas
sicher nicht.

[00:40:18.370] – Bemerkung 3

Ich habe eine Frau, bei der ist Mobbing ein Thema. Sie eckt auch selber oft an, mit ihrer
speziellen Art und Weise. Sie hat die Diagnose posttraumatische Belastungsstörung
erhalten. Es gehört jetzt wie zu ihrer Identität. Sie ist 17 Jahre alt. Sie hat noch nie
etwas anderes erlebt. Sie ist einfach so. Das gehört jetzt zu ihr. Das Wichtigste ist, dass
man sie jetzt einfach akzeptiert, wie sie ist. Man kommt einfach nicht weiter.

[00:41:04.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das ist nicht gut. Viele machen aus einer Diagnose eine persönliche Identität. Das
ist nicht hilfreich, aber passiert bei allen psychiatrischen Erkrankungen.

[00:41:18.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin jetzt halt, ich bin jetzt Borderline, ich bin jetzt posttraumatisch.

[00:41:22.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hat diese Person die verschiedenen Traumatas erlebt?

[00:41:22.820] – Bemerkung 3
Zum Beispiel bei der Geburt. So sagt sie es. Es wurde von der Mutter so gesagt.

[00:41:41.870] – Dr.med. Ursula Davatz
War es eine schwere Geburt? Mit Zangen?

[00:41:49.490] – Bemerkung 3
Das Kind hatte eine Lungenembolie. Das führt dazu, dass sie heute gewisse Dinge
nicht tun kann wegen dem.

[00:42:05.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das akzeptiere ich nicht. Was ist das nächste Trauma gewesen?

[00:42:11.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Geburt ist ein Trauma. Für die Mutter und das Kind. Das ist ein natürliches
Trauma.

[00:42:20.600] – Bemerkung 3
Die Diagnose kam erst später mit dem Mobbing, das sie in der Schule erlebt hat.

[00:42:24.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist das Mobbing gelaufen?

[00:42:29.700] – Bemerkung 3
Sie wurde sozial ausgegrenzt.

[00:42:31.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat ihr niemand geholfen. Kein Lehrer, keine Lehrerin, die Eltern auch nicht.

[00:42:40.510] – Bemerkung 3
Die Eltern sind auch in der Scheidung gewesen. Dieses Thema kommt auch noch dazu.
Sie ist Einzelkind, hat kein soziales Netz. ASS ist auch noch eine Thematik. Das ist
alles wie noch ein bisschen offen. Anecken ist immer ein Thema.

[00:43:18.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Geburt ist immer ein Trauma, aber wenn man es überlebt hat, hat man es überlebt.
Die Natur ist so gemacht, dass sie das kann. Ich hatte Personen, die haben den
Geburtsdurchgang gemacht mit halten. Es gibt da alle Sorten von Therapien. Das
würde ich mal lassen.

[00:43:44.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind als Säugling gesundheitliche Probleme hat, ist das ein Trauma für die
Mutter. Das Kind hat noch sehr viele Verarbeitungsmöglichkeiten. Man muss aufpassen,
dass man nicht etwas in das Kind hinein projiziert.

[00:43:58.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Mutter wird traumatisiert, sie bekommt wahnsinnig Angst, wenn es dem kleinen
Kind schlecht geht, wenn das eine Krankheit hat.

[00:44:16.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann eine ängstliche Mutter-Kind-Beziehung.

[00:44:19.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben gesagt, dass sie sich komisch benimmt. Sie ist eine erwachsene Person. Da
müsste man sagen: wir sind soziale Wesen, jawohl du bist ausgegrenzt worden in der
Schule, sogenannt gemobbt worden. Das wird auch sehr schnell gesagt heutzutage.
Man validiert, dass das schlimm war. Dann auch anschauen: was trägt sie dazu bei,
dass sie gemobbt wird. Nicht im Sinne von Schuld, sondern im Sinne der Interaktion.
Mit Autisten kann das Umfeld oft nicht gut umgehen.

[00:45:05.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit welchem von deinem Verhalten konnte das Umfeld nicht gut umgehen?

[00:45:10.240] – Dr.med. Ursula Davatz
War das Umfeld überfordert? Es war kein bösartiges: ich behandle dich schlecht. Es ist
aus der Überforderung heraus geschehen. Man geht hin und her und schaut: was
könnte man verändern. Wir sind entwicklungsfähige Wesen, damit das nicht mehr in die
gleiche Kerbe geht.

[00:45:39.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde das Etikettieren nicht akzeptieren: ich bin halt so und das gehört zu mir. Das
ist ungesund. Damit definiert sie sich über die Diagnose.

[00:45:47.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das Problem von allen Diagnosen heutzutage, dass sich Menschen über ihre
Diagnose einen persönlichen Touch geben. Das ist schade.

[00:45:53.580] – Bemerkung 3
Sie hat in ihrem Alter niemand anderes, der ihre eine Identität geben kann, der sagt wer
sie ist. Sie kann sich nur an der Diagnose festhalten.

[00:46:07.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit 17 Jahren ist sie noch sehr jung.

[00:46:16.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ihr würde ich möglichst ehrlich rückmelden. Nicht therapieren. Ehrlich rückmelden.
Jetzt erlebe ich dich so. Das macht mit mir das. Sie soll sich nicht auf dem
Traumatischen fixieren. Sie ist noch in der Persönlichkeitsentwicklung. Sie kann sich am
besten entwickeln, wenn sie ehrlich und authentisch sind und sie auch authentisch
konfrontieren.

[00:46:39.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht reagiert sie dann: sie sind ein ganz böser, schrecklich etc. Dann antworten
sie: ich bin auch nur ein Mensch. Ich möchte dich nicht anlügen. Du würdest es
merken, wenn ich dich anlügen würde. Die authentische Auseinandersetzung ist etwas
ganz wichtiges, nicht die Therapie.

[00:46:47.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Jugendliche therapiert mit allen möglichen Tags, Diagnose gibt, dann
schadet man ihnen, dann wird es in ihre Persönlichkeit eingebaut. Das ist überhaupt
nicht hilfreich.

[00:47:14.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hat sie heute für ein Verhältnis zu Vater und Mutter?

[00:47:37.350] – Bemerkung 3
Zur Mutter ein sehr enges, symbiotisches Verhältnis. Der Vater ist das Feindbild.

[00:47:40.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier kann man spielen: für dich ist der Vater das Feindbild. Werde ich bei dir auch zum
Feindbild? Werden alle Männer zu Feindbildern? Damit können sie spielen.

[00:47:46.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Was machst du, wenn du mal verrückt bist auf die Mutter?

[00:47:59.960] – Bemerkung 3
Meistens ist es einfach Rückzug.

[00:48:03.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann würde ich mit ihr üben: was könnte sie sagen. Zuerst fragen: was hat sie an der
Mutter verrückt gemacht? Anstatt dass man Rückzug macht, was würdest du ihr sagen,
wenn du etwas sagen würdest? Das kann man mit ihr ein wenig üben. Sie muss lernen,
sich zu verbalisieren.

[00:48:12.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie merken, dass sie auf sie verrückt wird, weil sie etwas falsch gemacht haben,
sofort fragen: habe ich jetzt etwas falsch gemacht? Bist du verrückt, wegen dem, wegen
dem, wegen dem? Oder wegen was bist du verrückt? Schnell über die Gefühlswelt
sprechen. Dass sie lernen muss, über ihre Gefühlswelt zu sprechen.

[00:48:38.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können fragen: an was habe ich dich jetzt erinnert? Das geht in Richtung Trauma,
wenn sie etwas tun, das früher andere Schüler gemacht haben. Sehr offen, authentisch
über die Gefühlswelt sprechen

[00:49:06.340] – Bemerkung 3
Wenn Autisten eine weniger gute Wahrnehmung oder einen weniger guten Zugang
haben zu ihren eigenen Emotionen, stelle ich mir das ziemlich schwierig vor.

[00:49:14.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Autismus ist heute auch eine riesige Modediagnose und überall Autismusspektrum
Krankheit.

[00:49:23.280] – Dr.med. Ursula Davatz

Autisten sind an sich einfach scheue Menschen, die sich nicht so schnell getrauen, zu
exponieren, aber die können das lernen. Die können das lernen.

[00:49:34.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele verstecken sich auch immer hinter der Diagnose Autismus Spektrum Krankheit.
Eigentlich sind das alles hoch sensible Menschen, die lernen müssen, ihre Sensibilität
zu handhaben.

[00:49:52.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleich sofort aufgeben.

[00:49:52.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich ermutige sie dazu, sich mit ihr auseinanderzusetzen.

[00:49:59.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine Beziehung spüren, dann dürfen sie sich ehrlich, authentisch mit ihr
auseinandersetzen. Nicht erziehen. Bei sich bleiben. Das muss ich allen Eltern
beibringen, dass sie nicht das Kind beeinflussen wollen und nur sich selber sind und
austauschen.

[00:49:59.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Interagiert sie mit anderen Klienten komisch?

[00:50:32.040] – Bemerkung 3
Sie bringt ihre Dinge sehr schematisch ein. Das ist immer sehr punktuell und danach
zieht sie sich wieder zurück. Manchmal auch komisch. Sie drängt sich auf, sie
übernimmt eine Mutterrolle und sagt: jetzt nimmst du die Tasche, jetzt nimmst du die
Jacke. Damit überfordert sie andere in ihrer Art, wo sie keinen Auftrag hat. Ein gespielte
Empathie, eine übermässige Empathie. Übermässig höflich.

[00:51:23.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat sie das von der Mutter gelernt?

[00:51:32.720] – Bemerkung 3
Vielleicht, ja. Sie interagiert dann nicht weiter.

[00:51:37.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann mit ihr über die Helferrolle sprechen. Das reflektieren. Dann auch sagen: es
ist nett von dir, dass du so hilfreich bist. Man muss sie immer validieren. Dann: ich habe
das Gefühl, dass es der anderen Person fast ein bisschen zu viel ist. Merkst du das?
Oder nicht? Hast du das gemerkt?

[00:51:48.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man Vorgänge zwischen einander ein bisschen benennt. Immer zuerst validieren.
Nicht: oh, das ist falsch. Sonst ist sie ganz weg.

[00:52:42.230] – Bemerkung 3
Das werde ich versuchen.

[00:53:07.200] – Bemerkung 4
Wie erkennt man ein Trauma, das man bearbeiten muss? Ich habe einen Teilnehmer,
der vielleicht ein kindliches Trauma hat. Er ist ein fast 60-jähriger Mann. Er hat ein leben
lang auf dem Bau gearbeitet. Jetzt hat er plötzlich eine diffuse, rheumatische Krankheit
bekommen. Er dachte, dass er sich mit 62 Jahren pensionieren lassen kann. Jetzt geht
das alles nicht. Jetzt hat er die Erkrankung und hat keine Ahnung was er in der Zukunft
machen kann. In unseren Gesprächen kommt das wie eine Gebetsorgel immer wieder.

[00:54:00.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Spricht er dann nur über seine Krankheit?

[00:54:00.550] – Bemerkung 4
Wie ich es ihnen schon gesagt habe, Frau Meier.

[00:54:00.620] – Bemerkung 4

Ich habe ihn damit konfrontiert und gesagt, dass ich es nicht mehr hören mag. Jetzt
haben wir genug darüber gesprochen. Vielleicht ist es ein anderes Trauma. Könnte das
sein?

[00:54:24.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, absolut.

[00:54:24.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viel in der Psycho-Geriatrie und mit Spitex-Krankenschwestern gearbeitet, die
unzufriedene alte Menschen begleitet haben.

[00:54:39.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Rheuma ist eine Entzündung in allen Gelenken. Das ist eine Versteifung in allen
Gelenken. Ich würde ihn fragen: sie jetzt möchte ich sie etwas anderes fragen. Das ist
jetzt psychosomatisch. Ich würde nach dem seelischen Traums suchen. Wie zufrieden
ist er in seinem Beruf gewesen? Wie gut hat er sich in seinem Beruf wert geschätzt
gefühlt, als Bauarbeiter. Von wem am besten. Von wem am besten, vom wen am
schlechtesten? Wie ist die Berufswahl gelaufen? Was hätte er allenfalls anders tun
wollen? Bei ihm ist etwas nicht verarbeitet. Wer hat ihn zu seinem Beruf gedrängt? Was
wäre die Phantasie gewesen, was er eigentlich lieber gemacht hätte? Weshalb musste
er seinen Beruf beibehalten?

[00:55:02.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage alle älteren Leute: was ist ihr Wunschberuf gewesen? Ihr Traumberuf? Den
kann man nicht mehr verwirklichen. Auf welche Art könnte man dem Traum in einem
Hobby ein bisschen nachgehen? Er kann es vielleicht nicht mehr machen oder nur in
kleinem Masse, aber doch etwas in diesem Gebiet.

[00:56:20.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft haben die Leute gesagt: es macht doch keinen Sinn, ich mach ihn nur trauriger
wenn ich ihn danach frage.

[00:56:24.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nein: if you name it you tame it.

[00:56:24.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde ihn nach seinem Traumberuf fragen. Nach seinen Wunschvorstellungen.

[00:56:41.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat er Kinder?

[00:56:41.617] – Bemerkung 4
Eine Tochter, ja.

[00:56:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man dann noch fragen: muss die irgendwas machen, was er nicht machen
konnte?

[00:56:47.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Da steckt etwas dahinter.

[00:56:50.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wehrt nur ab, indem er einfach von seinen Schmerzen klönt.

[00:57:00.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Entzündungsreaktion ist ja eine Überreaktion auf irgendetwas.

[00:57:05.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwo steckt hinten dran ein Graul, eine Wut, ein Frust.

[00:57:12.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde es einleiten: sie Herr so und so, ich habe eine Frage an sie.

[00:57:12.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach fragen, sondern ein bisschen gewichtig einleiten.

[00:57:19.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mir Gedanken gemacht. Ich habe darüber nachgedacht. Daran sieht man,
dass er ihnen wichtig ist. Sie müssen in gewichtig angehen, nicht so nebenbei fragen.

[00:57:27.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Kann es sein dass, ich frage mich und dann all die Fragen: hat er sich wertgeschätzt
gefühlt, wo am besten, wo war es nicht gut? Er hat sich schon auf seine Pension
gefreut. Was wollte er seinen Vorgesetzten noch sagen, bevor er sich verabschiedet?
Womit wollte er sich verabschieden?

[00:57:50.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Seine Krankheit ist ihm in den Weg gekommen.

[00:58:01.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht mehr: ich will das nicht mehr hören. Sondern: ich will etwas anderes hören.

[00:58:21.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gilt wieder: if you name it, you tame it. Auch wenn man nichts mehr ändern kann.

[00:58:22.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Leute am Arbeitsplatz einen Unfall hatten, wird immer durchgedacht. Wer ist
Schuld, was hat der Chef verkehrt gemacht? Wer hat es falsch eingerichtet? Wenn man
das kann, dann würde ich sogar eine Gegenüberstellung machen, also dass er seinem
Chef das sagen darf.

[00:58:42.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht hier wohl nicht mehr.

[00:58:42.220] – Dr.med. Ursula Davatz

Dass man auch eine Trauma Situation rekonstruiert.

[00:58:51.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei dem ist es kein Unfall gewesen sondern es ist einfach ein bisschen schief gelaufen.