Dr.med. Ursula Davatz verwendet den Ausdruck „No Bock, No Future“-Generation, um eine Gruppe von Jugendlichen zu beschreiben, die völlig motivationslos und desinteressiert an ihrer Zukunft erscheinen. Sie betont jedoch, dass diese negative Beschreibung ein Symptom eines tieferliegenden Problems ist.

Dr. Davatz sieht die Entstehung dieser „No Bock, No Future“-Generation als Resultat verschiedener gesellschaftlicher und systemischer Faktoren:

1. Defizite im Bildungssystem:

  • Veraltetes Schulsystem: Dr.med. Ursula Davatz kritisiert das Schweizer Schulsystem als nicht zeitgemäß und unfähig, Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen abzuholen. Sie sieht darin eine der Hauptursachen für das Scheitern vieler Jugendlicher in der Pubertät.
  • Mangelnde individuelle Förderung: Das Schulsystem ist laut Dr. Davatz zu wenig individualisiert und differenziert. Es fehle an natürlicher Autorität und individueller Aufmerksamkeit für die verschiedenen Kinder.
  • Fokus auf Belohnung und Bestrafung: Dr. Davatz kritisiert die Verwendung veralteter Erziehungsmethoden, wie Belohnung und Bestrafung, im Schulsystem. Diese Methoden seien nicht förderlich für die Entwicklung der Jugendlichen und könnten zu Ausschluss und Isolation führen.

2. Negative Einflüsse der Medien:

  • Ablenkung und Suchtpotenzial: Die ständige Verfügbarkeit von Unterhaltung und Ablenkung im Internet, insbesondere durch Spiele und soziale Medien, lenkt Jugendliche von ihrer Persönlichkeitsentwicklung ab und birgt die Gefahr der Sucht.
  • Überforderung durch Reizüberflutung: Die schnellen Reize und die ständige Belohnung in der digitalen Welt führen zu einer Abstumpfung der Reizschwelle und machen es für Jugendliche schwierig, sich auf „langweilige“ Dinge wie Lernen zu konzentrieren.

3. Überbehütung durch Eltern:

  • Verwöhnung und Verweichlichung: Dr.med. Ursula Davatz kritisiert die Überbehütung durch „Helikoptermütter“, die ihren Kindern alles abnehmen und sie vor allen Schwierigkeiten schützen wollen. Dies führe zu Verwöhnung und mangelnder Vorbereitung auf die Arbeitswelt.

4. Defizitorientierte Sichtweise:

  • Fokus auf Defizite statt auf Stärken: Dr. Davatz kritisiert die defizitorientierte Sichtweise im Umgang mit Jugendlichen, insbesondere in der Medizin und Psychiatrie. Statt sich auf die Schwächen zu konzentrieren, sollte man die Stärken und Ressourcen der Jugendlichen in den Blick nehmen.
  • Pathologisierung von Problemen: Die Verwendung von psychiatrischen Diagnosen, wie Depression oder ADHS, kann laut Dr. Davatz dazu führen, dass Jugendliche sich stigmatisiert und in ihrer Entwicklung blockiert fühlen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr. Davatz die „No Bock, No Future“-Generation als Produkt eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Faktoren sieht. Sie betont, dass es wichtig ist, die Ursachen des Problems zu verstehen und Lösungen zu finden, die die individuellen Bedürfnisse der Jugendlichen berücksichtigen.

Dr.med. Ursula Davatz plädiert für ein Umdenken in der Gesellschaft und fordert eine stärkere Fokussierung auf die „Herzensebene“, also die emotionale Ebene, im Umgang mit Jugendlichen. Nur so könne man eine echte Verbindung zu ihnen aufbauen und sie in ihrer Entwicklung zu selbstbestimmten und motivierten Erwachsenen unterstützen.

https://ganglion.ch/pdf/Jugend.m4a.pdf