Die Quellen gehen zwar nicht detailliert auf die spezifischen Herausforderungen von Frauen mit ADHS/ADS im Berufsleben ein, aber sie bieten einige Anhaltspunkte, um die Schwierigkeiten zu verstehen, mit denen betroffene Frauen konfrontiert sein könnten.

  • Gesellschaftliche Erwartungen und Geschlechterrollen: Frauen mit ADHS/ADS müssen sich mit den gleichen gesellschaftlichen Erwartungen und Geschlechterrollen auseinandersetzen wie alle Frauen. Dazu gehört zum Beispiel der Druck, in Beruf und Familie erfolgreich zu sein. Diese Erwartungen können für Frauen mit ADHS/ADS besonders belastend sein, da sie oft mit Schwierigkeiten in der Organisation, Planung und Konzentration zu kämpfen haben.
  • Anpassungsdruck und Erschöpfung: Frauen mit ADHS/ADS haben gelernt, sich anzupassen und ihre Symptome zu verbergen. Diese ständige Anpassungsleistung ist enorm anstrengend und kann zu Erschöpfung, Burnout und Depressionen führen. Ondine Riesen beschreibt diesen Prozess als ein „ständiges Training für die Olympischen Spiele“.
  • Fehlende Anerkennung der Stärken: Die Stärken von Frauen mit ADHS/ADS, wie zum Beispiel Kreativität, Empathie und Spontaneität, werden im Berufsleben oft nicht ausreichend gewürdigt. Stattdessen werden die Defizite in den Vordergrund gestellt, was zu Frustration und Selbstzweifeln führen kann.
  • Schwierigkeiten in strukturierten Arbeitsumgebungen: Viele Frauen mit ADHS/ADS haben Mühe, sich in starren, hierarchischen und stark regulierten Arbeitsumgebungen zurechtzufinden. Sie brauchen Freiraum, Flexibilität und die Möglichkeit, ihre eigenen Ideen einzubringen.
  • Stigmatisierung und Diskriminierung: Auch wenn das Verständnis für ADHS/ADS in den letzten Jahren gewachsen ist, sind betroffene Frauen immer noch mit Stigmatisierung und Diskriminierung konfrontiert. Viele Menschen haben Vorurteile gegenüber ADHS/ADS und sehen es als eine „Modekrankheit“ an. Dies kann dazu führen, dass betroffene Frauen ihre Diagnose verbergen und sich nicht trauen, Unterstützung zu suchen.
  • Medikamentöse Behandlung und Nebenwirkungen: Frauen mit ADHS/ADS, die Medikamente einnehmen, müssen sich mit den möglichen Nebenwirkungen auseinandersetzen. Einige Frauen berichten von negativen Erfahrungen mit Medikamenten, wie zum Beispiel Aggressivität, Appetitlosigkeit oder Identitätskrisen.
  • Hormonelle Schwankungen und der Menstruationszyklus: Die Quellen weisen darauf hin, dass hormonelle Schwankungen im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus die Symptome von ADHS/ADS verstärken können. Dies kann sich auch im Berufsleben negativ auswirken.
  • Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Frauen mit ADHS/ADS, die Kinder haben, stehen vor der Herausforderung, Beruf und Familie zu vereinbaren. Die Organisation des Familienalltags, die Betreuung der Kinder und die Bewältigung der beruflichen Anforderungen können zu einer enormen Belastung führen.

Es ist wichtig zu betonen, dass die Erfahrungen von Frauen mit ADHS/ADS im Berufsleben sehr individuell sind. Nicht alle Frauen sind mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert. Die Quellen zeigen jedoch, dass betroffene Frauen mit spezifischen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, die ihre berufliche Entwicklung und ihr Wohlbefinden beeinträchtigen können. Es ist wichtig, dass diese Herausforderungen erkannt und ernst genommen werden, um Frauen mit ADHS/ADS die bestmögliche Unterstützung zu bieten.

https://ganglion.ch/pdf/Generationen_ADHS_31.5.2024.m4a.pdf