Die Familientherapie, wie sie in den Quellen von Dr.med. Ursula Davatz beschrieben wird, geht über die reine Konfliktlösung hinaus. Sie konzentriert sich darauf, die einzigartigen Perspektiven und Bedürfnisse jedes Familienmitglieds zu verstehen und zu validieren, insbesondere in Familien mit ADHS/ADS und autistischen Kindern.
Wichtige Prinzipien der Familientherapie:
- Beobachtung als Schlüssel zum Verständnis: Das Erlernen von Beobachtung ist entscheidend, um nonverbale Kommunikation und emotionale Spannungen innerhalb der Familie zu erkennen.
- Differenzierung statt Konsensus: Anstatt zu versuchen, Eltern auf eine gemeinsame Linie zu bringen, sollten ihre unterschiedlichen Erziehungsstile und Werte anerkannt und respektiert werden.
- Verständnis der individuellen Hintergründe: Therapeuten sollten die Herkunft, Erziehung und Erfahrungen jedes Elternteils erkunden, um ihre aktuellen Verhaltensweisen und Einstellungen besser zu verstehen.
- Stärkung der Vaterrolle: Väter werden oft in Familientherapie vernachlässigt. Es ist wichtig, ihre Perspektive und ihre Rolle im Familiensystem zu verstehen und zu unterstützen.
- Transparenz und Ehrlichkeit: Offene und ehrliche Kommunikation zwischen allen Familienmitgliedern ist wichtig, um Spannungen abzubauen und ein Klima des Vertrauens zu schaffen.
Besondere Herausforderungen bei Familien mit ADHS/ADS und autistischen Kindern:
- Erhöhte Sensibilität und Wahrnehmungsfähigkeit: Diese Kinder reagieren besonders empfindlich auf emotionale Spannungen, selbst wenn diese unausgesprochen bleiben.
- System Overload: Die ständige Belastung durch Spannungen kann zu Überforderung und Rückzug führen.
- Schwierigkeiten mit verbaler Kommunikation: Die nonverbale Kommunikation spielt eine grosse Rolle und muss von den Erwachsenen bewusst wahrgenommen und gedeutet werden.
Der Therapeut als Vermittler und Unterstützer:
- Neutrale Haltung und aktives Zuhören: Der Therapeut sollte eine neutrale Haltung einnehmen und den Standpunkt jedes Familienmitglieds wertschätzen und validieren, ohne Partei zu ergreifen.
- Widerstehen dem Druck, Partei zu ergreifen: Hochstrittige Eltern versuchen oft, den Therapeuten auf ihre Seite zu ziehen. Es ist wichtig, diesem Druck zu widerstehen und eine neutrale Position zu wahren.
- Ermutigung zur Selbstreflexion: Der Therapeut sollte die Familienmitglieder dazu anregen, ihre eigenen Verhaltensmuster und Einstellungen zu reflektieren und neue Wege der Interaktion zu finden.
- Unterstützung der Eltern in ihren Rollen: Der Therapeut sollte die Eltern in ihren jeweiligen Rollen bestärken und ihnen helfen, die Bedürfnisse ihres Kindes besser zu verstehen.
Ziel der Familientherapie:
Das Ziel der Familientherapie ist nicht, eine perfekte Familie zu schaffen, sondern ein Umfeld zu schaffen, in dem sich jedes Mitglied gehört, verstanden und respektiert fühlt. Es geht darum, die Kommunikation zu verbessern, Spannungen abzubauen und die Familie dabei zu unterstützen, gemeinsam mit den Herausforderungen umzugehen.