Dr.med. Ursula Davatz argumentiert, dass ADHS/ADS-Kinder, anstatt ein Aufmerksamkeitsdefizit zu haben, eine breite Aufmerksamkeit besitzen, die je nach Kontext vorteilhaft sein kann.
Beispiele für Kontexte, in denen breite Aufmerksamkeit vorteilhaft sein kann:
- Im Urwald, im Wald oder auf einem Marktplatz: In diesen Umgebungen ist es wichtig, schnell zu erfassen, wo sich die wichtigsten Ressourcen befinden. Die breite Aufmerksamkeit ermöglicht es, viele Reize gleichzeitig zu verarbeiten und somit schneller zu entscheiden, wo man suchen muss.
- In der Wirtschaft: Menschen mit breiter Aufmerksamkeit können in der Wirtschaft erfolgreich sein, weil sie schnell Chancen und Vorteile erkennen und diese nutzen können, um schnellere und mehr Geschäfte abzuschliessen.
- In evolutionärer Hinsicht: Die breite Aufmerksamkeit war in der Vergangenheit überlebenswichtig, zum Beispiel beim Sammeln von Nahrung. Menschen mit ADHS/ADS konnten in kürzerer Zeit mehr Früchte sammeln, weil sie ihren Blick schweifen liessen und die ertragreichsten Büsche fanden.
- In Teams: Teams, in denen alle Mitglieder gleichberechtigt miteinander kommunizieren und empathisch sind, funktionieren am besten. Hierbei ist die breite Aufmerksamkeit hilfreich, um die Bedürfnisse und Emotionen der anderen Teammitglieder wahrzunehmen und darauf einzugehen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die breite Aufmerksamkeit:
- flexibles Denken und Handeln ermöglicht.
- die schnelle Erfassung von relevanten Informationen in komplexen Situationen erleichtert.
- in dynamischen und schnelllebigen Umgebungen zu schnellen Entscheidungen und effektivem Handeln führt.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Vorteile der breiten Aufmerksamkeit kontextabhängig sind. In Situationen, die Fokus und Konzentration auf eine Aufgabe erfordern, kann sie jedoch hinderlich sein.