Sozialkompetenz, im Englischen oft als „Social Skills“ bezeichnet, spielt eine zentrale Rolle im Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz. Sie betont, dass der Mensch von Natur aus ein soziales Wesen ist, so wie andere Säugetiere auch. Soziale Gene sind tief in uns verwurzelt und ermöglichen uns kooperatives Verhalten. Davatz veranschaulicht dies mit Beispielen aus der Tierwelt: Delfine retten Menschen in Not, ohne moralische Werte gelernt zu haben, und Affen arbeiten in inter-spezies Gruppen zusammen.

Sozialkompetenz im Schulsystem

Im heutigen Schulsystem werden „Social Skills“ oft bewertet und als Lernziel definiert. Davatz kritisiert jedoch, dass die Vermittlung von Sozialkompetenz im Schulalltag oft zu kurz kommt und hinter anderen Lernzielen zurücksteht. Sie plädiert dafür, die natürliche soziale Veranlagung des Menschen stärker zu fördern und die Bedeutung von Kooperation und menschlicher Begegnung im Lernprozess hervorzuheben.

Einflussfaktoren auf die Sozialkompetenz

Die Entwicklung von Sozialkompetenz kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden:

  • Negative Erlebnisse: Traumatische Erlebnisse können die sozialen Gene „stören“ oder „überlagern“ und die Entwicklung von Sozialkompetenz beeinträchtigen.
  • Dysfunktionale Familien: Kinder aus dysfunktionalen Familien übernehmen oft früh Verantwortung für ihre Eltern und haben weniger Raum für die Entwicklung ihrer eigenen Sozialkompetenz.
  • Schulsystem: Ein Schulsystem, das stark auf Gehorsam und Kontrolle ausgerichtet ist, kann die Entwicklung von authentischem Sozialverhalten behindern. Statt auf Bestrafung und Belohnung zu setzen, sollte die Schule auf beziehungsorientierte Pädagogik und die Förderung von Kooperation fokussieren.
  • Mangelnde Vorbilder: Populistische und emotionale Trendsetter in den Medien vermitteln oft Werte, die im Widerspruch zu den Werten stehen, die in der Schule vermittelt werden sollen. Dies kann die Entwicklung von ethisch-moralischem Verhalten und somit auch von Sozialkompetenz beeinträchtigen.

Förderung von Sozialkompetenz

Zur Förderung von Sozialkompetenz sind folgende Ansätze wichtig:

  • Beziehungsorientierte Pädagogik: Die Lehrperson sollte eine positive Beziehung zu ihren Schülern aufbauen, die auf Vertrauen und Respekt basiert.
  • Kooperation statt Kontrolle: Statt auf Kontrolle und Bestrafung zu setzen, sollte die Lehrperson auf Kooperation und gemeinsame Zielsetzung mit dem Kind fokussieren.
  • Stärkung des Selbstwertgefühls: Ein gesundes Selbstwertgefühl ist die Grundlage für ein sicheres und kompetentes Auftreten in sozialen Situationen.
  • Konfliktlösungskompetenz: Die Schule sollte den Schülern beibringen, wie sie Konflikte konstruktiv lösen können.
  • Empathie fördern: Die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und ihre Gefühle zu verstehen, ist eine wichtige Voraussetzung für gelingende soziale Interaktion.
  • Interkulturelle Kompetenz: In einer immer vielfältiger werdenden Gesellschaft ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche lernen, mit Menschen aus anderen Kulturen respektvoll umzugehen.

Bedeutung von Sozialkompetenz

Sozialkompetenz ist eine Schlüsselqualifikation für ein erfolgreiches und zufriedenes Leben. Sie ermöglicht es uns,

  • Beziehungen aufzubauen und zu pflegen: Sozial kompetente Menschen können leichter Kontakte knüpfen und stabile Beziehungen aufbauen.
  • Konflikte konstruktiv zu lösen: Sie können in Konfliktsituationen besonnen reagieren und gemeinsam mit den Beteiligten nach Lösungen suchen.
  • im Team zu arbeiten: Sie können sich in ein Team integrieren, ihre eigenen Fähigkeiten einbringen und gemeinsam mit anderen an einem Ziel arbeiten.
  • sich in der Gesellschaft zurechtzufinden: Sie verstehen die Regeln und Normen des Zusammenlebens und können sich angemessen verhalten.
  • ein erfülltes Leben zu führen: Menschen mit hoher Sozialkompetenz sind oft zufriedener und glücklicher, da sie gute Beziehungen pflegen und sich in der Gesellschaft integriert fühlen.

https://ganglion.ch/pdf/Schulabsentismus.m4a.pdf