Dr. med. Ursula Davatz, eine Fachperson für ADHS/ADS, hat in ihrem Vortrag und ihren Studien einen möglichen Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und Schizophrenie untersucht.
Erste Beobachtungen:
- Bereits vor 50 Jahren bemerkte Dr. Davatz während ihrer Weiterbildung zur Assistenzärztin Ähnlichkeiten zwischen den charakteristischen Merkmalen des frühkindlichen POS (Psychoorganisches Syndrom) und der Schizophrenie.
- Insbesondere fiel ihr die hohe Sensitivität auf, die bei beiden Erscheinungsbildern eine wichtige Rolle spielt.
- Diese Beobachtung liess sie nicht los und sie begann, die Anamnesen ihrer Schizophreniepatienten und deren Familien unter diesem Blickwinkel zu analysieren.
Studie und Ergebnisse:
- Dr. Davatz untersuchte 75 Familien mit einem schizophrenen erwachsenen Kind.
- Mithilfe von Fragebögen suchte sie retrospektiv nach ADHS/ADS-Symptomen in der Kindheit der Patienten und verglich die Ergebnisse mit Kontrollfamilien.
- Die Studie zeigte, dass in den Familien mit schizophrenen Kindern signifikant mehr ADHS/ADS-Symptome auftraten als in den Kontrollfamilien.
- Diese Ergebnisse bestätigten ihre Hypothese eines Zusammenhangs zwischen ADHS/ADS und Schizophrenie.
Eugen Bleulers Beobachtungen:
- Dr. Davatz fand weitere Hinweise auf einen Zusammenhang in den Beschreibungen von Schizophrenie-Patienten durch Eugen Bleuler, den Begründer des Begriffs der Schizophrenie.
- Bleuler beschrieb, dass Schizophrenie-Patienten viele Details in ihrer Umgebung wahrnehmen, die „normale“ Menschen nicht bemerken.
- Dieses Phänomen, das auch bei Menschen mit ADHS/ADS auftritt, wird als Aufmerksamkeitsstörung bezeichnet.
- Menschen mit ADHS/ADS lassen sich leicht von „unwichtigen“ Reizen ablenken, was Dr. Davatz als breite, wenig fokussierte Aufmerksamkeit beschreibt.
Genetische Zusammenhänge:
- Genom-Studien haben gezeigt, dass ADHS/ADS nicht nur mit Schizophrenie, sondern auch mit Depressionen, bipolaren Störungen und Autismus-Spektrum-Störungen genetische Zusammenhänge aufweist.
- Dr. Davatz vermutet, dass die gemeinsame genetische Grundlage die hohe Sensitivität und Impulsivität sein könnte, die bei all diesen Krankheitsbildern vorkommt.
- Diese Eigenschaften können zu Konflikten im sozialen Umfeld führen, was wiederum psychischen Stress erzeugt und die Entwicklung weiterer psychischer Erkrankungen begünstigen kann.
Fazit:
Obwohl ADHS/ADS selbst keine psychiatrische Krankheit ist, sondern ein genetisch veränderter Neurotyp, deuten die Forschungsergebnisse von Dr.med. Ursula Davatz und die Erkenntnisse aus Genom-Studien auf einen signifikanten Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und Schizophrenie hin. Die erhöhte Sensitivität und Impulsivität, die für beide Erscheinungsbilder charakteristisch sind, könnten die gemeinsame genetische Grundlage darstellen.
https://ganglion.ch/pdf/Zeitungsartikel_ADHS_ADS_8.4.2023.m4a.pdf