Die Bedeutung der Adoleszenz für die Entstehung der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr.med. Ursula Davatz, heben die entscheidende Rolle der Adoleszenz bei der Entstehung der Borderline-Persönlichkeitsstörung hervor.

  • Dr.med. Ursula Davatz betont, dass alle Personen mit einer Borderline-Diagnose in ihrer Entwicklungsphase während der Pubertät „gestört“ wurden.
  • Diese Störungen führten dazu, dass sie sich nicht richtig von ihren Eltern ablösen konnten, was zu einer „Ablösungsstörung“ führte.

Ursachen für die gestörte Ablösung:

Dr.med. Ursula Davatz nennt zwei Hauptgründe für die gestörte Ablösung:

  • Einbezug ins Familiensystem und Übernahme von unangemessenen Funktionen: Die Jugendlichen wurden möglicherweise in die familiären Probleme eingebunden und mussten Aufgaben übernehmen, die nicht altersgerecht waren. Dies hinderte sie daran, ihre eigene Identität zu entwickeln und sich als eigenständige Persönlichkeiten zu etablieren.
  • Übermässige Einschränkung durch familiäre Probleme: Die Jugendlichen waren möglicherweise stark von den Problemen ihrer Eltern (z. B. Konflikte, psychische Erkrankungen) betroffen. Die ständige Belastung durch diese Probleme verhinderte eine unbeschwerte Pubertät und die notwendige emotionale Distanzierung von den Eltern.

Fehlende Akzeptanz als zentrale Ursache:

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass eine gelungene Ablösung nur in einer ruhigen und akzeptierenden Beziehung möglich ist.

  • Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung haben oft die Erfahrung gemacht, von ihren Eltern, insbesondere von der Mutter, nicht vollständig akzeptiert zu werden.
  • Dies führt zu einem ständigen Kampf um Anerkennung, der sich auch im Erwachsenenalter fortsetzt.
  • Die Betroffenen suchen ständig nach Bestätigung und reagieren überempfindlich auf Kritik, weil sie diese als erneute Ablehnung interpretieren.

Die Adoleszenz als prägende Phase:

Die Adoleszenz ist eine Phase tiefgreifender Veränderungen, in der sich die Persönlichkeit und die Identität herausbilden.

  • Wenn diese Phase durch ungünstige familiäre Umstände und fehlende emotionale Unterstützung gestört wird, kann dies die Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit beeinträchtigen.
  • Die Betroffenen bleiben in gewisser Weise emotional auf dem Stand eines Teenagers stehen.
  • Sie erleben die typischen Stimmungsschwankungen und die Impulsivität der Pubertät, allerdings mit der Intensität und den Handlungsmöglichkeiten eines Erwachsenen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Adoleszenz eine kritische Phase für die Entstehung der Borderline-Persönlichkeitsstörung darstellt. Traumatische Erlebnisse, familiäre Probleme und fehlende Akzeptanz durch die Eltern können die Ablösung von den Eltern behindern und die Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit beeinträchtigen. Die Betroffenen tragen die emotionalen Wunden und die ungelösten Konflikte aus dieser Zeit mit ins Erwachsenenalter und reagieren mit übermässiger Sensibilität, Impulsivität und Beziehungsproblemen auf die Herausforderungen des Lebens.

https://ganglion.ch/pdf/Borderline.pdf