Die Rolle digitaler Medien

Dr.med. Ursula Davatz betrachtet digitale Medien als eine starke, aber negative Kraft, die die Entwicklung von Jugendlichen stark beeinflusst und mit dem Bildungssystem und der Entwicklung sozialer Kompetenzen konkurriert.

Negative Aspekte:

  • Ablenkung von der Persönlichkeitsbildung: Digitale Medien lenken Jugendliche von der Auseinandersetzung mit sich selbst ab und hindern sie daran, ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Die ständige Verfügbarkeit von Unterhaltung und die schnellen Belohnungssysteme der digitalen Welt führen dazu, dass Jugendliche sich weniger mit ihrer inneren Welt beschäftigen.
  • Suchtgefahr: Dr. Davatz warnt vor der Suchtgefahr, die von digitalen Medien, insbesondere von Online-Spielen, ausgeht. Sie vergleicht diese Sucht mit der Drogensucht und betont, dass die schnelle Verfügbarkeit und die Reizüberflutung Jugendliche leicht in ihren Bann ziehen können.
  • Verwöhnung und Verweichlichung: Die Nutzung digitaler Medien führt laut Dr. Davatz zu einer Verwöhnung und Verweichlichung von Jugendlichen. Sie werden passiv, lassen sich „füttern“ und entwickeln keine Frustrationstoleranz, was sie schlecht auf die Herausforderungen des Lebens vorbereitet.
  • Abstumpfung gegenüber Sensationen: Die ständige Konfrontation mit sensationellen Inhalten im Internet führt zu einer Abstumpfung gegenüber realen Erlebnissen. Jugendliche brauchen immer stärkere Reize, um noch angesprochen zu werden.
  • Oberflächlichkeit und Konsumorientierung: Dr. Davatz kritisiert die starke Kommerzialisierung des Internets. Jugendliche werden ständig mit Werbung konfrontiert und zum Konsum animiert, was eine oberflächliche Denkweise und materialistische Werte fördert.
  • Mangelnde Sozialkompetenz: Die exzessive Nutzung digitaler Medien behindert die Entwicklung von Sozialkompetenz. Jugendliche lernen nicht, wie man in der realen Welt mit anderen Menschen interagiert, Konflikte löst oder Beziehungen aufbaut.

Herausforderungen und Chancen:

Dr.med. Ursula Davatz räumt ein, dass digitale Medien auch positive Aspekte haben können, konzentriert sich in ihren Ausführungen aber auf die negativen Auswirkungen. Sie stellt die Frage, wie man Jugendliche in einer Welt voller digitaler Verlockungen für die Entwicklung menschlicher Fähigkeiten und sozialer Kompetenzen begeistern kann.

Dr.med. Ursula Davatz‘ Lösungsansätze:

  • Fokus auf menschliche Interaktion und soziale Kompetenzen: Sie plädiert für eine Stärkung menschlicher Interaktion und die Förderung von Sozialkompetenz, um den negativen Auswirkungen digitaler Medien entgegenzuwirken.
  • Entwicklungsorientierte statt defizitorientierte Herangehensweise: Anstatt die Defizite von Jugendlichen zu betonen, sollten ihre Stärken und Potenziale gefördert werden.
  • Bedürfnisorientierte Kommunikation und Begegnung auf Augenhöhe: Erwachsene sollten Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen, ihre Bedürfnisse ernst nehmen und ihnen zuhören.
  • Authentizität und Empathie: Erwachsene sollten Jugendlichen gegenüber authentisch und empathisch sein und ihnen ein Vorbild in Sachen Sozialkompetenz sein.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr.med. Ursula Davatz digitale Medien als eine ernstzunehmende Herausforderung für die Entwicklung von Jugendlichen betrachtet. Sie appelliert an Erwachsene, den Fokus auf die Förderung menschlicher Fähigkeiten und sozialer Kompetenzen zu legen, um den negativen Einflüssen der digitalen Welt entgegenzuwirken.

https://ganglion.ch/pdf/Jugend.m4a.pdf