Autismus Spektrum Störung

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Dr.med. Ursula Davatz

26.11.2024

Autismus-Spektrum-Störung (ASS)

Audio

[00:00:00.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich begrüsse alle zu der heutigen Weiterbildung.

[00:00:13.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Vierteljahrhundert habe ich zusammen mit dem Wendepunkt gearbeitet.

[00:00:18.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe versucht mein Wissen weiterzugeben. Das versuche ich heute noch ein letztes
Mal.

[00:00:26.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können mich auch gerne zum Thema Jugend einladen.

[00:00:27.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde es toll, dass sie ihren Fokus auf die Jugend legen wollen.

[00:00:27.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Was bringt es, wenn man wartet, bis alles schief gelaufen ist und dann kommt man
wieder mit Verbesserungsmethoden rein.

[00:00:41.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann das nur unterstützen.

[00:00:45.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Adoleszentenpsychiatrie war mir immer ein grosses Anliegen, auch wenn ich ein
Psychiater für Erwachsene bin.

[00:00:49.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mit vielen Adoleszenten gearbeitet und viele Familien durch die
Pubertätskrisen begleitet.

[00:00:57.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heutige Thema ist Autismus Spektrum Krankheit, ASS.

[00:01:01.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wo die Ärzte nicht genau abgrenzen können, in der Psychiatrie kann man das
ohnehin nicht so gut, spricht man von der "Spektrum Krankheit". Das ist eine elegante
Methode, möglichst viel reinzupacken.

[00:01:24.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist abgeleitet vom Begriff Autismus. Früher hat man auch gesagt Asperger.

[00:01:29.198] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Asperger

[00:01:29.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Hans Asperger war ein österreichischer Kinderarzt im letzten Jahrhundert.

[00:01:29.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Er wollte die intelligenten Kinder vor der Vernichtung durch Adolf Hitler schützen.

[00:01:36.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die autistischen Kinder hat er gesagt: die sind ganz speziell intelligent.

[00:01:54.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es stimmt nicht, dass alle autistischen Kinder sehr intelligent sind.

[00:02:00.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Eine ist das Verhalten und das Andere ist die Intelligenz.

[00:02:00.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt hochintelligente autistische Kinder, Erwachsene.

[00:02:11.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Was zeichnet die autistischen Menschen aus? Was für ein Verhalten zeichnet die
autistischen Menschen aus?

[00:02:17.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind sozial zurückgezogen, man kommt nicht gut an sie ran.

[00:02:21.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Im extremen Zustand ist dann die Kommunikation mit ihnen abgebrochen.

[00:02:29.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ursprünglich hat man den Begriff Autismus und autistisches Verhalten eigentlich für die
Schizophrenen verwendet.

[00:02:39.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort hat man auch die Erfahrung gemacht, dass die dann sehr zurückgezogen sind.

[00:02:44.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Extremzustand bei den Schizophrenen, der extreme autistische Zustand ist eine
Katatonie, wo sie alles noch wahrnehmen, aber völlig handlungsunfähig sind, sich nicht
bewegen können, nichts mehr möglich ist.

[00:03:03.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die vier Reflexe sind: Fight/Kampf, Flight/Flucht, Freeze/Totstellreflex, das wäre der
Totstellreflex und der vierte Reflex: Tease.

[00:03:18.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Teasing ist Spielverhalten oder Provokationsverhalten, welches sehr stark im
Pubertätsalter auftritt.

[00:03:18.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Pubertierendes Necken – was sich liebt, das neckt sich – ist ein Annäherungsverhalten.

[00:03:22.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Autist kann das nicht mehr.

[00:03:31.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Gegenüber den Autisten neckt, zieht sich dieser noch mehr zurück.

[00:03:48.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Der vierte Reflex ist ein spezieller Reflex und tritt bei den Autisten nicht auf.

[00:04:13.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein gutes Verhältnis mit dem Autisten hat, dann könnte man es auch
anwenden aber nur innerhalb von einer Beziehung.

[00:04:26.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beschäftige mich mit der Genetik. Genetik ist wichtig in der Medizin.

[00:04:41.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die GWAS, Studien, welche die ganze Gensequenz analysieren.

[00:04:42.100] – Dr.med. Ursula Davatz
h t t p s : / / d e . w i k i p e d i a . o r g / w i k i /
Genomweite_Assoziationsstudie#:~:text=Eine%20genomweite%20Assoziationsstudie%
20(GWAS%2C%20engl,Allelen)%20zu%20assoziieren.

[00:04:55.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat versucht die Gensequenz mit psychiatrischen Krankheiten zu korrelieren.

[00:05:01.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist dabei herausgekommen?

[00:05:04.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schizophrenie, die bipolare Störung (manisch-depressiv), der Autismus, die
schwere Depression und ADHS/ADS hatten den gleichen veränderten Genlocus.

[00:05:17.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Daraus schliesse ich: die sind alle miteinander verwandt.

[00:05:21.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die genetische Konstellation ist das ADHS/ADS.

[00:05:28.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ob ADHS/ADS genetisch unterschiedlich sind, kann ich nicht sagen.

[00:05:37.510] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind bei sehr sensitiv. Der ADHSler reagiert nach aussen (hyperaktiv,
aggressiv) und der ADSler reagiert nach innen (Nachdenken).

[00:05:46.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das viele Nachdenken haben die Autisten auch. Sie leisten sehr viel Hirnarbeit und
verknüpfen sehr viele Dinge miteinander. Sie kommen nicht so schnell zu einem
Schluss.

[00:05:46.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Autisten sind alle sehr sensibel, hypersensibel. Daraus wird eine neue Diagnose
gemacht.

[00:06:39.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist das alles das Gleiche.

[00:06:46.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten können auch eine Störung im Spracherwerb haben.

[00:06:54.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten sind nicht so gut im Formulieren.

[00:07:01.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein hat erst im Alter von 5 Jahren sprechen gelernt. Er konnte denken und
hören; sprechen konnte er nicht.

[00:07:07.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann mir vorstellen, wenn man gewisse Mühe im Spracherwerb hat, dann
kommuniziert man nicht, weil man nicht weiss, ob man es richtig sagen kann.

[00:07:11.720] – Dr.med. Ursula Davatz
So können die anderen Personen ringsum die Kommunikation übernehmen.

[00:07:12.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Autistische Personen haben in ihrem Umfeld oft eine hyperverbale Bezugsperson.

[00:07:34.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann die Mutter sein, es kann der Vater sein, es kann ein Geschwister sein.

[00:07:40.790] – Dr.med. Ursula Davatz

Je mehr man für sie spricht, desto weniger sprechen sie selber. Das gibt einen
Aufschaukelungsprozess.

[00:08:02.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Je weniger der Autist redet, desto mehr versucht das Umfeld für ihn zu sprechen, desto
mehr deckt man den Autisten zu mit seinem reden.

[00:08:17.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann verzweifeln. Menschen sind gewohnt zu kommunizieren, wir wollen ein
Feedback vom Gegenüber, wir werden ganz verzweifelt und verrückt, wenn jemand
nicht antwortet.

[00:08:31.150] – Dr.med. Ursula Davatz
In Königsfelden wurde ein Film gedreht, wo Pfleger ausgerastet sind, weil die Patienten
nicht gesprochen haben. Die Patienten wurden misshandelt.

[00:08:40.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir kommen in einen Notstand rein, wenn jemand nicht mit uns kommuniziert. Das ist
ganz schwierig zum aushalten.

[00:08:51.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten können auch eine Agnosie haben.

[00:08:58.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Autisten sagt man oft: sie haben keine Empathie.

[00:08:58.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt nicht.

[00:09:05.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können die Mimik nicht erkennen, sie können ihr Gegenüber nicht lesen.

[00:09:21.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft sind sie so scheu, dass sie einem gar nicht anschauen.

[00:09:21.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man jemanden nicht anschaut, kann man auch nicht sein Gesicht lesen.

[00:09:25.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann die Scheuheit sein, es kann die Agnosie sein, dass einem der Autist nicht
erkennt.

[00:09:26.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine gewisse Fehlerhaftigkeit in der Bilderkennung.

[00:09:37.910] – Dr.med. Ursula Davatz
https://tu-dresden.de/med/der-bereich/news/neue-erkenntnisse-ueber-die-visuelle-wahrnehmung-bei-autismus-unterschiede-in-einer-pfefferkorngrossen-gehirnstruktur

[00:09:41.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Schizophrenen sollte man nicht in die Augen schauen. In die Augen zu schauen
kann schon eine Bedrohung sein.

[00:10:11.120] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule gibt es Spiele: wer kann dem Anderen länger in die Augen schauen? Wer
kann länger dem anderen in die Augen schauen? Wer muss dann wegschauen?

[00:10:18.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Hunden in die Augen schaut, fühlen sie sich auch bedroht. Sie beginnen
zu bellen.

[00:10:33.080] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man einem Weissbüscheläffchen direkt in die Augen geschaut hat, hat es
begonnen sich zu kratzen.

[00:10:34.928] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.news.uzh.ch/de/articles/media/2024/Weissbueschelaffen.html

[00:10:35.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen nesten in den Haaren, wenn wir unsicher werden.

[00:10:44.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten fühlen sich durch den Blickkontakt oft bedroht. Das direkte Anschauen ist eine
Bedrohung für Autisten.

[00:11:03.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil sie so sensibel sind, empfinden sie den Blickkontakt schon als Bedrohung.

[00:11:12.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man auf Autisten zu stark einredet, dann zieht sich dieser immer mehr zurück.

[00:11:16.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind eine aktive Gesellschaft, wir wollen im Rendite, Effizienz, usw.

[00:11:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier laufen die Autisten schnell in eine schwierige Situation rein.

[00:11:32.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Man drängt sie immer mehr in einen Rückzug.

[00:11:33.070] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie lernt man: never pursue a distancer.

[00:11:39.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand der sich distanziert, den darf man nicht verfolgen.

[00:11:56.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die fühlen sich dann wirklich verfolgt.

[00:12:06.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schwierig. Wir sind es gewohnt, dass es immer schnell gehen muss, immer
effizient gehen muss.

[00:12:12.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn nichts zurückkommt, beginnen wir damit, dem hinterher zu rennen.

[00:12:12.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt natürlich nichts.

[00:12:25.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einen Fall, wo ein Autist nicht geschwatzt und nicht geschrieben hat. Diesem
Jungen gab man Ritalin und dann hat er plötzlich mit Schreiben begonnen. Das ist
interessant.

[00:12:53.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier sieht man den Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und Autismus.

[00:13:08.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein ganzheitliches Organ. Da kommt immer alles zusammen. Man kann
es von verschiedenen Seiten her angehen.

[00:13:12.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Zur Zeit wird die Autismus-Spektrum Diagnose viel mehr gestellt.

[00:13:18.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt es mehr davon? Haben sich diese Gene vermehrt?

[00:13:25.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich führe alles auf ADHS/ADS zurück.

[00:13:26.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene sind nicht mehr geworden.

[00:13:44.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Umgang mit diesen Leuten ist ungünstiger geworden.

[00:13:52.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir durchlaufen eine Beschleunigung.

[00:13:57.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der KI laufen viele schnelle Veränderungen ab.

[00:14:22.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld hat nicht mehr genügend Zeit für die Autisten. Das Umfeld kann sich nicht
sorgfältig genug mit den Autisten auseinandersetzen. Man will sie nur vorwärts bringen.

[00:14:32.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr man sie drängt, desto schlechter funktionieren sie.

[00:14:38.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gilt das was ich für ADHS/ADS sage: sie müssen intrinsisch motiviert sein.

[00:14:48.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Extrinsische Motivation funktioniert gar nicht für ADHS/ADS.

[00:14:55.930] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler brauchen klare Strukturen. Am Tisch wollen sie immer am gleichen Ort
sitzen.

[00:15:01.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ihnen Kaffee serviert, muss der Kaffeelöffel immer gleich liegen.

[00:15:14.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lassen sich so leicht verunsichern. Sie haben eine gewisse Zwanghaftigkeit.

[00:15:19.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten sind ausgerastet, wenn die Mutter etwas anders hingelegt hat, wenn der
Bruder etwas verlegt hat.

[00:15:25.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie brauchen eine fixe Struktur, die ihnen Sicherheit gibt.

[00:15:43.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie machen die zum Teil selber. Wenn sie noch Kinder sind, muss das Umfeld die
Struktur für sie machen.

[00:15:47.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann ihre Struktur zerstört, werden sie völlig verunsichert und kommen in
eine Kampfreaktion. Dann gibt es ein grosses Theater.

[00:15:57.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann denkt man: was ist los, wieso reagiert der/die so schlimm?

[00:16:02.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist weil sie die Sicherheit verlieren.

[00:16:09.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt häufig, dass sie keine Empathie haben.

[00:16:32.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Henry Markam hat einen autistischen Sohn und wollte in Lausanne den Autismus mit KI
erforschen.

[00:16:37.030] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Markram

[00:16:53.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Henry Markam sagt: ja, die Autisten haben Empathie.

[00:16:53.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie System Overload machen, funktionieren sie nicht mehr.

[00:16:53.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir überlastet sind, können wir in unserem Umfeld nichts mehr wahrnehmen.

[00:17:14.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil die so sensibel sind, ist ihnen alles schnell zu viel. Dann können sie ihr Umfeld
nicht mehr wahrnehmen.

[00:17:25.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer beruhigen, runter fahren. Erst dann können die Autisten wieder
wahrnehmen.

[00:17:31.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich ihnen anpassen.

[00:17:51.260] – Dr.med. Ursula Davatz

Es gibt sehr erfolgreiche Autisten.

[00:17:51.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein ist ein erfolgreicher Autist. Aus der ersten Ehe hatte er einen
schizophrenen Sohn. Das ist die Genverwandschaft.

[00:17:56.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Seine Frau musste ihm sagen wann er schlafen, essen, trinken, auf die Toilette gehen
muss. Sie musste sich um ihn sorgen.

[00:18:20.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Autisten ihren Focus finden, einen wissenschaftlichen Focus, können sie eine
hohe Leistung erbringen. Sie analysieren alles sehr genau und finden dadurch neue
Dinge heraus.

[00:18:24.530] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler können besser grenzüberschreitend denken. Somit können sie gut neue
Dinge erfinden.

[00:18:24.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sicher erfolgreiche Autisten, Künstlerinnen, Dichterinnen, Malerinnen. Die
Männer sind eher in der Wirtschaft erfolgreich.

[00:18:42.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sicher gibt es in vielen Bereichen autistisch veranlagte Menschen, die sehr erfolgreich
sind.

[00:19:08.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld muss sie schützen und die Aufgaben, welche sie nicht können, für sie
übernehmen.

[00:19:15.420] – Dr.med. Ursula Davatz

In der gewöhnlichen Arbeit brauchen Autisten/ADSler länger um eine Entscheidung zu
treffen.

[00:19:26.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehen zuerst alle Bifurkationen durch, bis sie sich für einen Weg entscheiden
können.

[00:19:38.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich in der täglichen Arbeit nicht sehr hilfreich. Dort sind sie stark
verlangsamt.

[00:19:39.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie brauchen länger für eine Arbeit, länger für einen Text. In der Schule brauchen sie
zusätzliche Zeit.

[00:19:48.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie geht man mit Autisten um?

[00:19:48.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich verwende einen Begriff, den man kennt aus der Tierforschung, aus der
Soziobiologie kennt.

[00:20:17.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von der teilnehmenden Beobachtung.

[00:20:24.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können die Autisten nicht hinter einem Glasfenster beobachten, denn dann fühlt er
sich nicht wahrgenommen.

[00:20:32.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen in eine Beziehung treten, ohne dass sie die Autistin, den Autisten
überrennen, überfordern.

[00:20:43.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das nennt man teilnehmende Beobachtung.

[00:20:47.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Primatenforscher, wie Jane Goodall, die hat Gorillas im Feld beobachtet, hat mit
ihnen interagiert hat mit ihnen kommuniziert.

[00:21:00.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Jörg Hess, ein Schweizer Forscher, hat 50 Begriffe von den Gorillas gelernt.

[00:21:00.361] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.spektrum.de/magazin/menschenaffen-mutter-und-kind/824693

[00:21:07.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Affen können nicht schwatzen, sie können nur Laute machen.

[00:21:19.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können ihren Kehlkopf nicht so anpassen, wie wir das können, weil sie nicht so
verschaltet sind.

[00:21:25.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Tiere kommunizieren trotzdem miteinander.

[00:21:27.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat ungefähr 50 Begriffe gelernt.

[00:21:31.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Tiere kommunizieren sicher auch mit der Mimik.

[00:21:37.110] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss beobachten: was meint er jetzt, was stört ihn jetzt, was will er jetzt?

[00:21:37.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Frans de Waal war ein Primatologe.

[00:21:37.246] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Frans_de_Waal

[00:21:42.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines seiner Bücher heisst: der Affe in uns.

[00:21:42.678] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.amazon.de/Affe-uns-Warum-wir-sind/dp/3423345594

[00:22:00.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich bei den Menschen nicht weiterkam, bin ich zu den Tieren gegangen und habe
dort beobachtet. Dort kann ich besser objektiv sein.

[00:22:01.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Menschen habe ich natürlich meine Vorurteile und meine Moral.

[00:22:06.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Tiere beobachtet kann man neutraler sein.

[00:22:14.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Marte Meo Methode eignet sich sehr gut im Umgang mit Autisten.

[00:22:20.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die HOTA hat ihren Mitarbeitern die Methode beigebracht. Selber habe ich die Methode
nicht gelernt.

[00:22:38.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man interagiert miteinander, man verlangsamt alles und man sagt dann: bin ich richtig in
dieser Annahmen.

[00:22:47.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man füttert dem Gegenüber die eigene Wahrnehmung zurück und dann kann dieser
korrigieren: nein ich habe eher das gemeint.

[00:22:56.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Verlangsamung der Beobachtung.

[00:23:03.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe für Ivan Boszormenyi-Nagy von Deutsch auf Englisch und Englisch auf
Deutsch übersetzt.

[00:23:11.040] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Iv%C3%A1n_B%C3%B6sz%C3%B6rm%C3%A9nyi-Nagy

[00:23:11.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Beobachtungen hat man zweimal gesagt.

[00:23:20.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat eine Intensivierung und eine Präzisierung, eine Differenzierung der
Wahrnehmung mit sich gebracht.

[00:23:28.380] – Dr.med. Ursula Davatz
So läuft es bei der Marte Meo Methode. Man validiert immer das Gegenüber.

[00:23:28.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man versucht zu spüren: habe ich es jetzt richtig verstanden?

[00:23:38.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich selber einbringt, die Interaktion und Beziehung läuft über etwas
einbringen.

[00:23:45.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf sich einbringen, ohne dass man etwas will.

[00:23:50.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das klingt komisch.

[00:23:58.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Definition der Kommunikation ist, dass man beim anderen immer etwas erreichen
möchte.

[00:24:05.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Autisten darf man nichts erreichen wollen. Man kann es ihm nur zur Verfügung
stellen.

[00:24:08.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nur etwas Verfügung stellen.

[00:24:10.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen: ich sehe es so.

[00:24:10.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann er es nehmen oder auch nicht nehmen.

[00:24:14.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas vom allerschwierigsten in unserem Helferberuf.

[00:24:18.290] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie sind nicht direkt in einem Helferberuf aber sie haben helfende Rollen.

[00:24:23.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Allen Müttern, welche in der Pubertät Schwierigkeiten mit ihren Kindern haben, sage
ich: sie dürfen ihre Meinung sagen. Sie dürfen nichts wollen.

[00:24:40.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich selber prüfen, ob man das einfach so in den Raum zur Verfügung
stellen kann oder nicht.

[00:24:44.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll das Gegenüber nicht zu irgendetwas drängen wollen.

[00:24:48.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man die Autisten drängen möchte, gibt es Widerstand und dann geht gar nichts
mehr.

[00:24:57.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Für uns aktive Menschen ist das etwas vom Allerschwierigsten.

[00:25:03.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit den Worten nicht durch kommt, wenn sie noch Mühe haben im
Spracherwerb, sehr kritisch sind mit sich selber, könnte man auch noch anders
kommunizieren.

[00:25:08.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann über Musik kommunizieren, über Zeichnen kommunizieren.

[00:25:23.680] – Dr.med. Ursula Davatz
An einer psychiatrischen Tagung konnte man für Familien Instrumente auswählen um
zusammen eine Band zu machen.

[00:25:28.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann mit allem Musik machen, z.B. Pfannendeckel oder Schwingbesen.

[00:25:28.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nicht per Wort kommuniziert, kann man über andere Methoden
kommunizieren. Dann ist der Autist nicht mehr so im Nachteil.

[00:26:06.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie mit einem Autisten kommunizieren, müssen sie immer im Low Arousal State
sein.

[00:26:28.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen ruhiger sein, als ihr Gegenüber.

[00:26:34.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie übererregt, nervös und ungeduldig sind, dann geht gar nicht.

[00:26:40.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich vom Autist wieder zum Schizophrenen gehe: der akute psychotische Zustand
ist an sich ein Zustand von High Arousal; also emotional sehr stark erregt.

[00:26:57.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe das Buch geschrieben über die emotionale Monsterwelle, AD(H)S und
Schizophrenie.

[00:27:00.962] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/

[00:27:01.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Der stark erregte Gemütszustand (High Arousal) macht dann, dass alles
zusammenbricht.

[00:27:13.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Lieber gar nicht kommunizieren, wenn sie selber erregt sind, warten bis sie runter
kommen, erst dann ruhig kommunizieren.

[00:27:17.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man jeder Mutter sagen, welche ein hoch emotionales, impulsives Kind hat.

[00:27:29.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja nicht Impulsivität mit Impulsivität bekämpfen wollen.

[00:27:32.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Autist ganz zurückgezogen ist und man treibt ihn in die Ecke, kann er auch
einen Raptus haben, hochaggressiv werden und dann geht gar nichts mehr.

[00:27:44.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sich immer zuerst selber runter holen, nicht aufgeregt sein, erst kommunizieren wenn
man die Ruhe hat.

[00:27:50.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Keinen Befehl geben: mach jetzt das.

[00:27:59.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Sondern: könntest du mir vielleicht dabei helfen?

[00:28:00.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Was können wir zusammen machen; also eher zur Kooperation auffordern als zur
Gehorsamkeit auffordern.

[00:28:14.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt für ADHS/ADS.

[00:28:22.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind hoch sensibel, sie nehmen alles sehr gut war.

[00:28:35.250] – Dr.med. Ursula Davatz
C'est le ton qui fait la Musique.

[00:28:35.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können gar nichts vortäuschen.

[00:28:41.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen absolut authentisch sein.

[00:28:43.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sauer sind, dürfen sie das zeigen.

[00:28:52.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es darf nicht verwendet werden, um das Gegenüber zu irgendetwas zu bringen.

[00:28:58.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf authentisch sein. Wir sind auch nur Menschen und manchmal ertragen wir es
nicht mehr so gut und dann darf man auch zu sich stehen.

[00:29:06.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass man bei sich bleibt.

[00:29:10.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht sagen: jetzt musst du endlich vorwärts machen, ich halte es nicht mehr aus. Das
geht gar nicht.

[00:29:10.500] – Dr.med. Ursula Davatz

Man kann sie nicht mit den eigenen Emotionen motivieren.

[00:29:15.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten sind eine sehr gute Schule, um mit den eigenen Emotionen ehrlich und ruhig
umzugehen und auch die eigenen Emotionen besser kennenzulernen. Sie sind ein
Feedback.

[00:29:49.640] – Bemerkung 1
Hat selektiver Mutismus mit Autismus etwas zu tun?

[00:29:58.940] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie kann man keine genaue Diagnose stellen.

[00:29:59.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein lernendes Organ, ein Anpassungsorgan, das sich ständig ändert. Je
nach Gegenüber spiegelt das Gehirn etwas anderes.

[00:30:19.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit selektivem Mutismus retten sich die Psychiater.

[00:30:27.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist kein ganzer Autismus, in gewissen Bereichen funktioniert die Person noch sehr
gut in anderen Bereichen nicht.

[00:30:32.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann spricht man vom selektiven Mutismus.

[00:30:33.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist das ein Beschiss.

[00:30:43.190] – Bemerkung 1

Es ist also eher eine Form von Autismus.

[00:30:52.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf jeden Fall.

[00:30:53.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von selektiv spricht, funktioniert die Person gut mit jemandem, die gut mit
Autisten umgehen kann.

[00:30:58.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei anderen Leuten funktioniert sie gar nicht.

[00:31:06.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Autist selektioniert die Leute, mit denen er es kann. Mit denen er es nicht kann,
spricht er gar nicht mehr.

[00:31:28.360] – Bemerkung 1
Er lernt Lastwagenchauffeur und ich bin gespannt wo es selektiv sein wird.

[00:31:28.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand der Selektion können sie sehen, wie gut sie es mit ihm machen.

[00:31:31.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wo er nicht reagiert, ist ein Fehler drinnen.

[00:31:31.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wo es gut läuft, dort pflegt jemand den korrekten Umgang mit ihm.

[00:31:31.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Hund folgt auch nicht jeder Person gleich.

[00:31:50.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist an dieser Stelle nicht anders.

[00:31:50.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der psychiatrischen Diagnose schaut man immer nur die kranke Person an.

[00:31:56.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein Interaktionsorgan.

[00:31:57.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie sich das Gegenüber verhält, hängt immer vom Gesunden ab, wie er mit dem
Autisten umgeht. Das wird immer ausgelassen.

[00:32:12.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können ihre eigene Studie machen.

[00:32:20.160] – Bemerkung 1
Ich bleibe dran.

[00:32:24.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wünsche viel Spass dabei.

[00:32:28.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten sind gute Lehrmeister, weil sie sehr genau sind.

[00:32:57.930] – Bemerkung 2
Ich arbeite in der beruflichen Integration. Der Autist muss in seinem Gebiet arbeiten
können, den Resten muss das Umfeld übernehmen. Wo sind die Arbeitgeber? Wie
gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sie integriert?

[00:33:46.160] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Eingliederung ist eingeschränkt.

[00:33:54.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes muss man rausfinden: wo sind die Talente, Begabungen des Menschen,
bevor man sie irgendwo reindrückt. Was könnte dieser Person entgegen kommen?

[00:34:15.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man sorgfältig suchen gehen.

[00:34:28.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Arbeit ist das eine. Wichtiger sind die Arbeitskollegen im Arbeitsumfeld.

[00:34:29.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten sind sehr abhängig von den Arbeitskollegen.

[00:34:29.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es so verkaufen: anhand von Autisten kann man viel lernen.

[00:34:48.850] – Bemerkung 2
Sie sind auch fähig etwas zu lernen. Ich erinnere mich an die Aussage, dass es keine
Entschuldigung ist, ein Autist zu sein. Auch er kann lernen.

[00:34:49.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine Beziehung herstellen kann, haben sie Vertrauen in einem. Dann kann
man auch mehr fordern.

[00:35:04.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man eine Beziehung hat, kann man fordern.

[00:35:04.780] – Dr.med. Ursula Davatz

Fordert man etwas von einem Autisten, bevor man eine Beziehung zu ihm hat, dann
geht gar nichts.

[00:35:04.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Herausfinden, wo das Talent ist, Beziehung herstellen und dann schauen, wo man die
Person platzieren kann. Es läuft über die Beziehung.

[00:35:12.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Beziehung fühlt sich der Autist sicher.

[00:35:22.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ohne Beziehung sind sie verloren. Dann sind Autisten zwanghaft.

[00:35:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Autisten eine Beziehung haben, werden sie flexibler. Dann können sie auch
lernen.

[00:35:37.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Haltung ist wichtig: wir machen das zusammen. Du kannst das lernen. Kleine
Fortschritte kann man loben, sich daran freuen.

[00:35:51.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn von Autisten ist lernfähig. Sie sind einfach hyper sensibel, dass sie schnell
wieder auf die Flucht gehen, die Flucht nach innen.

[00:36:09.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder machen dann Schulverweigerung.

[00:36:15.140] – Bemerkung 3
Es gab drei Assessments. Beim dritten konnte die Autistin nicht aus dem Auto
aussteigen. Sie möchte in der Chemie Industrie arbeiten. Vor dem Lift ist sie zusammen
gebrochen und musste wieder nach Hause gehen. Es war zuviel neues. Es ist

spannend und herausfordernd. Wo ist die Grenze? Wie kann man die Grenze
erweitern? Alleine das Vorstellungsgespräch kann sehr schwierig sein.

[00:37:02.060] – Bemerkung 3
Einen Autisten ich zur Berufsmesse begleitet. Er ist mir fast in die Hosentasche
gestiegen. Es war gut, um die Arbeitsbeziehung aufzubauen.

[00:37:02.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gut.

[00:37:02.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand vor dem Vorstellungsgespräch nicht hin geht, sind hinten dran Bilder,
Vorstellungen. Ich versage wieder.

[00:37:03.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Umgang mit Fehlern, mit Versagen.

[00:37:03.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganze Fehlerkultur muss man relativieren.

[00:37:25.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es macht nichts, du musst die Stelle nicht bekommen.

[00:37:30.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir üben einfach. Man relativiert.

[00:37:38.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss weiter vorne geschehen.

[00:37:39.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man schon dort ist und sie verweigern, dann geht es nicht mehr.

[00:37:45.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein Pferd in den Pferdetransporter bringen möchte und es einfach nicht rein
geht.

[00:37:48.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht es nicht. Man muss aufhören und am nächtsen Tag wieder weiter machen.

[00:37:55.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil sind mehrere Versuche notwendig.

[00:38:23.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Vorbereitung ist: es darf alles schief gehen.

[00:38:24.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Er muss gar nichts können.

[00:38:29.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich Leute auf das Vorstellungsgespräch vorbereiten sage ich immer: gar nicht
vorbereiten. Einfach sich selber sein. Dann kommt man am besten rüber.

[00:38:38.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Autistische Kinder sind schwierig.

[00:38:56.730] – Bemerkung 3
Es war ein vierstündiges Assessment. Sie hat es beim zweiten Versuch wiederholt und
das Ergebnis war sehr gut.

[00:38:58.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, interessant.

[00:39:02.340] – Bemerkung 4
Eine junge Frau wurde ein Jahr lang begleitet. Wir haben Fortschritte gemacht. Zuvor
war sie zu Hause isoliert. Sie hat sich im Zimmer zurückgezogen und ihre Bücher
gelesen. Sie war einige, wenige Stunden im Arbeitsbereich am arbeiten. Sobald mehr
Druck entstanden ist und mehr Anforderungen gekommen sind, wurde es schwierig.
Sie hat sich komplett verweigert. Sie hat zu Hause nichts mehr gegessen. Sie gehe ich
mit dieser Person um? Braucht die mehr Zeit? Ich habe die Person sehr bemuttert.

[00:40:29.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Autisten machen sehr viel Denkarbeit. Sie machen eine ganze Geschichte darum
herum.

[00:40:41.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand verweigert, dann würde ich immer nach dem Worst Case Szenario
fragen. Wovor hat sie am meisten Angst, das geschehen könnte?

[00:40:47.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man in ihr Gehirn rein geht und fragt: was stellst du dir alles vor?

[00:40:53.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Hinter dem Worst Case Szenario kommt dann hervor: was findet sie schlimm?

[00:41:07.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss in ihre Gedankenwelt reingehen, sie muss ihre Gedankenwelt auf den Tisch
legen dürfen.

[00:41:11.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man ein anderes Szenario hinlegen und sagen. Das ist eigentlich gar nicht
so schlimm.

[00:41:18.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt haben wir probiert, bis hierher sind wir gekommen, immerhin.

[00:41:18.820] – Dr.med. Ursula Davatz
In das Gehirn reingehen, sodass der Autist seine Gedanken äussern muss.

[00:41:22.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man seine Gefühle in Worte fasst, aufschreibt, formuliert, geht der emotionale
Stress um 50% zurück.

[00:41:33.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Autisten nach ihren negativen Gedanken fragen.

[00:41:55.060] – Bemerkung 4
Sie hat sich extem in ihre Fantasy Romane zurück gezogen. Das war ihre Strategie.

[00:42:01.330] – Bemerkung 4
Ein anderer Autist ist ständig nur am Gamen. Das gibt im Struktur.

[00:42:20.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt.

[00:42:31.800] – Bemerkung 4
Ist es zu früh, wenn die mit 16 Jahren in unser Programm kommen? Müssen die nicht
zuerst therapeutisch begleitet werden?

[00:42:35.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein. Therapeuten sind genau so aufgeschmissen mit denen.

[00:42:36.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gegenteil. Bei ihnen haben sie eine Arbeit, eine klare Struktur, anhand deren man
üben kann.

[00:42:52.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Therapeut möchte etwas wissen, was der Patient nicht sagen möchte. Dann gibt es
unangenehme Schweigestunde. Das ist nicht hilfreich.

[00:43:03.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind an einem besseren Ort, weil sie praktisch etwas tun können.

[00:43:06.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Pferd kann man nicht nach dem Worst-Case Szenario fragen wenn es bockt. Den
Menschen kann man fragen.

[00:43:11.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er sagt: nein nichts. Würde ich antworten: das glaube ich nicht. Sie haben sicher
etwas dabei gedacht. Was ist es? Sie müssen es aussprechen können.

[00:43:12.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Worst Case Szenario kann man auch immer vergleichen mit der Vergangenheit.
Wie hat ihr Vater reagiert, wenn sie etwas nicht konnten? Wie die Mutter, wie der ältere
Bruder?

[00:43:47.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommen Muster hervor. Prägungen.

[00:43:53.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie nicht vorwärts kommen, müssen sie immer fragen gehen.

[00:44:04.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie "Warum?" fragen!

[00:44:04.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Warum-Frage ist zu eng.

[00:44:04.720] – Bemerkung 4
Sie haben Schwierigkeiten sich einzuordnen, sich selber wahrzunehmen.

[00:44:04.810] – Bemerkung 4
Damit man das selber formulieren kann, muss man auf sehr hohem Niveau sein. Wenn
ich solche Fragen stelle, wie gehe ich damit um?

[00:44:26.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss nicht genau, ob sie Mühe haben, sich wahrzunehmen. Wir sagen das. Stimmt
es wirklich?

[00:44:36.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben Angst, ihre Blösse zu zeigen.

[00:44:39.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man abwägen: ist es eher das oder das?

[00:44:40.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Situation kennt, dann hat man vielleicht eine Idee. Da kann man eine
Auswahl geben.

[00:44:49.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Mehr so oder mehr so? Nein, eher so. Ok.

[00:44:51.880] – Dr.med. Ursula Davatz
So können sie weitersuchen gehen.

[00:44:59.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Geniert sie sich mehr vor ihnen oder vor sich selber. Dann kann man in die Geschichte
zurück gehen. Wie wurde reagiert, wenn sie etwas nicht konnten?

[00:45:03.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie blossgestellt worden sind vor jemanden, ist das ein Tabu. Das ist ganz
schlimm.

[00:45:18.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen sie: was ist in der Vergangenheit geschehen? Sind sie blossgestellt worden, in
welcher Situation?

[00:45:33.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat wieder einen therapeutischen Wert. Sie haben damit einen Vorteil im Vergleich
zum reinen Psychotherapeut.

[00:45:43.980] – Bemerkung 4
Kann es Sinn machen, wenn man die Person aus seinem Umfeld rausnimmt, wenn zu
Hause die Mutter, der Vater zuviel für den Autisten spricht?

[00:46:14.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem wäre das sinnvoll. Man muss heraus spüren ob die schon dazu bereit sind,
zum weg gehen? Wenn noch eine grosse Abhängigkeit besteht, geht es wieder nicht.

[00:46:45.170] – Bemerkung 5
Hier ist unser Handeln begrenzt.

[00:46:45.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so.

[00:46:50.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Aufgabe als Familientherapeutin ist es dann die Mutter ein wenig zurück zu
halten und zu sagen: weniger sprechen.

[00:46:56.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute habe ich einer Mutter gesagt: ihr Kind ist hochsensibel.

[00:46:59.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter dann X Dinge anbietet, für ihn spricht, gibt es nur noch einen
Ausbruch.

[00:47:07.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Weniger ist mehr.

[00:47:12.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern zur Mitarbeit bereit sind, geht es.

[00:47:12.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist jedoch nicht ihr Auftrag.

[00:47:16.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können die Autistin fragen: ist sie bereit auszuziehen, in ein betreutes Wohnen?

[00:47:42.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort muss die Betreuer wieder instruieren, damit sie nicht für diese Personen spricht.

[00:47:42.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Teilnehmende Beobachtung.

[00:47:42.940] – Bemerkung 6
Gibt es noch wichtige Fragen?

[00:47:43.100] – Bemerkung 6
Jetzt würden wir sie noch gerne wertschätzen, Frau Dr.med. Ursula Davatz.

[00:48:37.890] – Bemerkung 6
Ich habe 20 von diesen 25 Jahren mit ihnen erleben dürfen.

[00:48:38.790] – Bemerkung 6
1999 hat Hans Peter Scheuzger sie kennen gelernt.

[00:48:40.920] – Bemerkung 6
Sie haben uns die Treue gehalten im Bereich wohnen, bei unserem Beratungsteam,
Sozialdienst, Beratung und Integration.

[00:48:56.070] – Bemerkung 6
Es war uns wichtig, dass wir in diesem Mix zusammen arbeiten konnten.

[00:48:56.070] – Bemerkung 6
Dafür möchte ich ihnen herzlich danken!

[00:49:14.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gern geschehen!

[00:49:15.630] – Bemerkung 6
25 Jahre wirklich Fachkompetenz zu jedem Thema.

[00:49:19.620] – Bemerkung 6
Man spürt, es ist viel Schaffen da, viel Studieren. Auch viel Herz.

[00:49:34.620] – Bemerkung 6
Über ihren wachen Geist habe ich immer gestaunt. Ihre Brillanz.

[00:49:45.480] – Bemerkung 6
Zum Teil sind sie gekommen: was ist das Thema heute?

[00:49:47.340] – Bemerkung 6
Ihr Ärmel scheint unerschöpflich. Ist einfach Klasse.

[00:49:57.020] – Bemerkung 6
Sie leben darin.

[00:50:01.430] – Bemerkung 6
Sie können gut auf die quälenden Fragen eingehen.

[00:50:05.990] – Bemerkung 6
Ein Jahr ist lange.

[00:50:08.210] – Bemerkung 6
Man hat Erwartungen.

[00:50:09.140] – Bemerkung 6
Sie sagen immer: genau so darf man nicht denken.

[00:50:12.530] – Bemerkung 6
Mir bleibt, ich habe immer das Gleiche gehört. Das meine ich positiv.

[00:50:12.830] – Bemerkung 6
Man sieht den Menschen, nicht die Diagnose, nicht die Medikation oder
Krankheitsbilder.

[00:50:21.680] – Bemerkung 6
Man geht mit dem Menschen in eine Beziehung. Sie haben das Wort nach fünf Minuten
erwähnt.

[00:50:49.550] – Bemerkung 6
Sie haben uns immer wieder den Kopf zurecht gerückt. Dran bleiben.

[00:50:58.480] – Bemerkung 6
Danke, dass sie unsere kritischen Rückfragen ausgehalten haben.

[00:51:26.110] – Bemerkung 6
Sie haben nicht nur doziert, sie leben es auch.

[00:51:38.800] – Bemerkung 6
Wir hatten einen gemeinsamen Klienten, den wir abgeben wollten.

[00:51:38.980] – Bemerkung 6
Sie haben damals sehr darauf plädiert, dass wir sie nicht so Angst haben sollen.

[00:51:54.870] – Bemerkung 6
Gute Tipps in der Supervision.

[00:51:55.200] – Bemerkung 6
Der Mann wurde Buschauffeur.

[00:52:05.730] – Bemerkung 6
Er hat immer geschimpft über sie, über uns.

[00:52:05.820] – Bemerkung 6
Sie sind dran geblieben. Er ist dran geblieben.

[00:52:05.910] – Bemerkung 6
Er hat als Buschauffeur Menschen mit Beeinträchtigung herum chauffiert.

[00:52:29.280] – Bemerkung 6
Ganz herzlichen Dank für alles was sie uns gegeben haben.

[00:52:41.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gern geschehen. Danke!