Dr. med. Ursula Davatz betont die zentrale Rolle von Emotionen im Lernprozess an verschiedenen Stellen im Transkript.
Emotionen sind eng mit der Aufmerksamkeit verbunden. Bei ADHS/ADS-Kindern ist das emotionale Gehirn stärker mit dem gesamten Gehirn vernetzt, was zu einer breiteren Aufmerksamkeit führt und die Verarbeitung komplexer macht. Ritalin, ein Amphetamin, wirkt, indem es das Gehirn in einen gestressten Zustand versetzt, was die Fokussierung verbessert, aber gleichzeitig die emotionale Regulation stören kann. Dr. Davatz argumentiert, dass es wichtiger ist, ADHS/ADS-Kindern zu helfen, mit ihren Emotionen umzugehen, anstatt sie chemisch zu unterdrücken. Wenn Emotionen eingeschränkt werden, kann dies zu Angst und anderen Reaktionen führen.
Der Lernprozess wird stark von Beziehungen und emotionalen Erfahrungen beeinflusst. Eine Beziehung entsteht durch Kontakt, und dieser Kontakt ist oft emotional. Kinder lernen mit und auch für den Lehrer, was die Bedeutung der emotionalen Verbindung unterstreicht. Das limbische System, unser Beziehungshirn, schafft Beziehungen und funktioniert über Gefühle. Wird diese emotionale Basis vernachlässigt, kann dies negative Auswirkungen haben.
Entscheidungen sind immer emotional. Damit ein Entscheid Bestand hat, muss er emotional verknüpft sein.
Im Hinblick auf Konfliktbewältigung betont Dr. Davatz, dass es wichtig ist, die Verletzung zu sehen, die der Aggression vorausgeht. Eine sorgfältige Auseinandersetzung mit den eigenen Emotionen und denen anderer ist entscheidend für das Finden von Lösungen. Das Konzept des Dezentrierens nach Jean Piaget, das in der Pubertät gelernt werden kann, beinhaltet, sich von emotionalen Bindungen zu lösen, um Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Emotionen können diesen Prozess jedoch blockieren.
Soziales Lernen, das heute oft zu kurz kommt, ist stark mit Emotionen verbunden. Kinder müssen lernen, wie man mit Ungleichheiten umgeht, die stören, und das ist ein emotionaler Prozess. Mobbing beispielsweise ist ein Gruppenprozess, bei dem emotionale Dynamiken eine grosse Rolle spielen.
Dr. Davatz betont auch die Bedeutung der emotionalen Intelligenz und der Fähigkeit, andere fein wahrzunehmen, damit sie sich validiert fühlen. Validierung ist besonders wichtig im Umgang mit Jugendlichen und in Konfliktsituationen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Emotionen einen fundamentalen Einfluss auf den Lernprozess haben. Sie beeinflussen die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis, die Motivation, die Entscheidungsfindung, das soziale Verhalten und die Fähigkeit zur Konfliktbewältigung. Ein guter Umgang mit Emotionen und die Förderung der emotionalen Intelligenz sind entscheidend für eine positive Entwicklung und erfolgreiches Lernen. Die Vernachlässigung der emotionalen Aspekte im Lernprozess, beispielsweise durch rein leistungsbezogene Bewertung oder das Unterdrücken von Emotionen durch Medikamente ohne begleitende Auseinandersetzung, kann negative Folgen haben. Stattdessen plädiert Dr. Davatz für eine wachsame Begleitung, die das emotionale Erleben der Lernenden berücksichtigt und ihnen hilft, ihre Emotionen zu verstehen und zu regulieren.
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/immer-mehr-Psychiatrie-29.3.2025.m4a.pdf
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.