Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, beleuchten die komplexe Beziehung zwischen ADHS und Emotionen. Menschen mit ADHS erleben Emotionen oft intensiver und impulsiver als Menschen ohne ADHS.

Zentrale Punkte:

  • Erhöhte Sensitivität: ADHS ist eng verbunden mit einer erhöhten Sensibilität, die sich sowohl auf die Wahrnehmung der Umwelt als auch auf die Emotionen auswirkt.
  • Breite Wahrnehmung: Dr. Davatz spricht von einer „breiten Wahrnehmung“ und einem „interessierten Sucherinstinkt“ bei ADHS. Diese ständige Aufnahme von Reizen kann zu emotionaler Überreizung führen.
  • Schnelle emotionale Reaktionen: Die hohe Sensitivität führt dazu, dass Menschen mit ADHS schneller und intensiver auf emotionale Reize reagieren. Das kann sich in Impulsivität, Ungeduld und starken emotionalen Ausbrüchen äussern.
  • Schwierigkeiten mit der emotionalen Regulation: Menschen mit ADHS haben oft Schwierigkeiten, ihre Emotionen zu regulieren und angemessen auszudrücken. Das liegt zum Teil daran, dass sie ihre eigenen Emotionen oft gar nicht richtig wahrnehmen, da sie so schnell von einem Reiz zum nächsten springen.
  • Aggression als Selbstverteidigung: Dr. Davatz betont, dass aggressives Verhalten bei ADHS oft eine Form der Selbstverteidigung ist, die aus der hohen Sensitivität und Verletzlichkeit resultiert. Wenn ADHSler sich verletzt oder gekränkt fühlen, reagieren sie oft impulsiv mit Aggression, um sich zu schützen.
  • Emotionale Dysbalance durch Fokus auf das Umfeld: Die starke Empathie von ADHSlern führt oft dazu, dass sie sich übermässig in ihr Umfeld investieren und ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigen. Diese emotionale Dysbalance kann zu Frustration, innerer Leere und schliesslich zu Depressionen führen.

Der Umgang mit Emotionen bei ADHS:

Dr. Davatz betont die Wichtigkeit eines achtsamen Umgangs mit Emotionen bei ADHS.

Strategien:

  • Verlangsamen und Innehalten: Um die eigenen Emotionen besser wahrzunehmen und zu verstehen, ist es wichtig, aus dem ständigen „Suchmodus“ auszusteigen und bewusst zu verlangsamen.
  • Auf den Körper hören: ADHSler sollten lernen, auf die Signale ihres Körpers zu achten und frühzeitig Stresssymptome zu erkennen. Das ermöglicht ihnen, rechtzeitig zu reagieren und emotionale Überreaktionen zu vermeiden.
  • Gefühle benennen: Indem ADHSler ihre Gefühle in Worte fassen, können sie diese besser verstehen und verarbeiten. Dr. Davatz betont, dass das Ausdrücken von Gefühlen Stress reduziert und emotionale Ausbrüche verhindern kann.
  • „Consulter votre Coeur“: Dr. Davatz ermutigt Menschen mit ADHS, ihr Herz zu konsultieren und sich zu fragen, was sie wirklich wollen und was sie glücklich macht. Dieser Prozess der Selbstfindung ist essentiell, um ein emotionales Gleichgewicht zu finden.
  • Selbstfürsorge: Um emotionale Überlastung zu vermeiden, ist Selbstfürsorge für ADHSler unerlässlich. Dazu gehören ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung, Bewegung und regelmässige Auszeiten, um sich zu erholen und neue Energie zu tanken.

Die Rolle des Umfelds:

Dr. Davatz betont, dass das Umfeld eine wichtige Rolle im Umgang mit Emotionen bei ADHS spielt.

  • Verständnis und Geduld: Angehörige und Lehrer sollten Verständnis für die emotionale Intensität und Impulsivität von ADHSlern aufbringen und geduldig mit ihnen umgehen.
  • Klare Grenzen und Strukturen: Ein strukturiertes Umfeld mit klaren Regeln und Grenzen gibt ADHSlern Halt und Orientierung, was ihnen hilft, ihre Emotionen besser zu regulieren.
  • Ermutigung zur Selbstregulation: Anstatt ADHSler zu bestrafen oder zu kontrollieren, sollten Angehörige und Lehrer sie ermutigen, ihre Emotionen selbst zu regulieren und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.

Zusammenfassend:

Der Umgang mit Emotionen ist für Menschen mit ADHS eine besondere Herausforderung. Die erhöhte Sensitivität und Impulsivität führen oft zu starken emotionalen Reaktionen, die schwer zu kontrollieren sind. Durch das Erlernen von Strategien zur emotionalen Regulation, Selbstfürsorge und die Unterstützung eines verständnisvollen Umfelds können ADHSler jedoch lernen, ihre Emotionen besser zu verstehen und mit ihnen umzugehen.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS%20%E2%80%93%20Schwierigkeiten%20bei%20Kindern%20und%20Jugendlichen.pdf