ADHS-Lehre: Herausforderungen und Empfehlungen

Die Quellen, insbesondere die Ausführungen von Dr.med. Ursula Davatz, bieten wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Empfehlungen für die Lehre im Kontext von ADHS. Es wird deutlich, dass ein tiefes Verständnis von Neurodiversität und ein individualisierter Ansatz entscheidend sind, um ein inklusives und effektives Lernumfeld für Studierende mit ADHS zu schaffen.

Herausforderungen:

  • Unterschiedliche Lernstile: Studierende mit ADHS lernen auf unterschiedliche Weisen. Was für den einen hilfreich ist, kann für den anderen kontraproduktiv sein. Die Herausforderung besteht darin, den individuellen Lernmodus jedes Studierenden zu erkennen und zu berücksichtigen.
  • Ablenkbarkeit und Konzentrationsschwierigkeiten: Die breite Aufmerksamkeit von ADHS-lern führt zu leichter Ablenkbarkeit, besonders bei längeren, monotonen Vorträgen. Dozierende müssen daher ihre Lehrmethoden anpassen, um die Aufmerksamkeit der Studierenden zu halten.
  • Impulsivität und emotionale Sensibilität: Impulsives Verhalten, wie z.B. Unterbrechen oder Schwierigkeiten beim Abwarten, kann zu Konflikten im Lernumfeld führen. Gleichzeitig sind ADHS-ler oft sehr sensibel und reagieren empfindlich auf Kritik.
  • Prokrastination: Das Aufschieben von Aufgaben ist ein häufiges Problem bei ADHS. Studierende benötigen Unterstützung bei der Strukturierung und Priorisierung ihrer Aufgaben.
  • Negative Erfahrungen im Schulsystem: Viele Studierende mit ADHS haben negative Erfahrungen im Schulsystem gemacht, was zu Verunsicherung und Lernblockaden führen kann.

Empfehlungen für Dozierende:

  • Neurodiversität verstehen und akzeptieren: ADHS als eine Variante des menschlichen Gehirns betrachten, anstatt als Krankheit. Die Stärken und Herausforderungen von ADHS-lern anerkennen und wertschätzen.
  • Individuelle Lernbedürfnisse berücksichtigen: Studierende aktiv in die Gestaltung des Lernprozesses einbeziehen und ihnen die Möglichkeit geben, ihren Lernmodus mitzubestimmen.
  • Abwechslungsreiche und interaktive Lehrmethoden einsetzen: Lange Monologe vermeiden und stattdessen kurze, prägnante Inputs mit interaktiven Elementen, Diskussionen und Gruppenarbeiten kombinieren.
  • Klare Strukturen und Regeln schaffen: Studierenden mit ADHS geben klare Strukturen und Regeln Orientierung und Sicherheit. Gleichzeitig sollte Raum für Flexibilität und individuelle Anpassungen bleiben.
  • Positive Lernatmosphäre schaffen: Eine positive und wertschätzende Lernatmosphäre, in der Fehler als Lernchance gesehen werden, ist besonders wichtig für Studierende mit ADHS.
  • Offene Kommunikation fördern: Studierende ermutigen, ihre Bedürfnisse und Herausforderungen offen zu kommunizieren.
  • Zusammenarbeit mit anderen Fachpersonen: Bei Bedarf mit Therapeuten, Schulpsychologen oder anderen Fachpersonen zusammenarbeiten, um den Studierenden optimale Unterstützung zu bieten.
  • Eigenverantwortung der Studierenden fördern: Studierende unterstützen, ihre Eigenverantwortung für den Lernprozess zu übernehmen.

Dr. Davatz betont, dass es keine allgemeingültige Lösung für den Umgang mit ADHS in der Lehre gibt. Jeder Student ist ein Individuum mit seinen eigenen Bedürfnissen und Stärken. Der Schlüssel liegt darin, diese Individualität zu erkennen und zu respektieren.

https://ganglion.ch/pdf/fachhochschule_ost.pdf

Empfehlungen für Menschen mit ADHS/ADS im Berufsleben

Dr.med. Ursula Davatz gibt im Interview verschiedene Ratschläge für Menschen mit ADHS/ADS im Berufsleben. Ihre Empfehlungen lassen sich in zwei Hauptbereiche unterteilen: Umgang mit der Diagnose und Strategien für den Arbeitsalltag.

Umgang mit der ADHS/ADS-Diagnose am Arbeitsplatz

Dr.med. Ursula Davatz rät generell davon ab, die Diagnose ADHS/ADS am Arbeitsplatz offenzulegen, insbesondere bei der Einstellung oder in der Anfangsphase. Dies begründet sie mit der Unsicherheit über die Reaktion des Arbeitgebers und möglichen negativen Folgen wie Diskriminierung.

Statt die Diagnose zu nennen, empfiehlt sie, konkrete Bedürfnisse zu kommunizieren. Man könnte beispielsweise sagen: „Ich kann nicht gut arbeiten, wenn ich unter Druck stehe“ oder „Ich brauche klare Anweisungen“. So können Schwierigkeiten, die durch ADHS/ADS entstehen, thematisiert werden, ohne die Person auf die Diagnose zu reduzieren.

Offenheit über die Diagnose kann laut Dr.med. Ursula Davatz erst dann sinnvoll sein, wenn ein Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber besteht. In diesem Fall kann die Diagnose helfen, gemeinsam Lösungen für Herausforderungen im Arbeitsalltag zu finden.

Strategien für den Arbeitsalltag

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass Menschen mit ADHS/ADS lernen müssen, mit ihren spezifischen Eigenschaften umzugehen. Sie nennt folgende Strategien, die im Berufsleben hilfreich sein können:

  • Verlangsamen: ADHS/ADSler sind oft ungeduldig und wollen alles schnell erledigen. Dr.med. Ursula Davatz rät ihnen, sich bewusst zu verlangsamen, um bessere Entscheidungen zu treffen und ihre Arbeit genauer auszuführen.
  • Ausszeiten: Die ständige Reizüberflutung im Berufsleben kann für ADHS/ADSler besonders anstrengend sein. Daher ist es wichtig, sich regelmässig aus dem Trubel zurückzuziehen und Zeit zum Entspannen einzuplanen.
  • Fokus finden: Medikamente können helfen, sich auf bestimmte Aufgaben zu fokussieren, aber sie ersetzen nicht die Fähigkeit, den eigenen Fokus zu finden. Dr. Davatz ermutigt Menschen mit ADHS/ADS, ihre Interessen und Stärken zu entdecken und sich auf Aufgaben zu konzentrieren, die sie motivieren.
  • Kreative Problemlösung: ADHS/ADSler haben oft unkonventionelle Denkweisen und sind gut im Finden von kreativen Lösungen. Diese Fähigkeiten sollten im Berufsleben gezielt eingesetzt werden.

Dr.med. Ursula Davatz weist auch darauf hin, dass das Arbeitsumfeld einen grossen Einfluss auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Menschen mit ADHS/ADS hat. Ein tolerantes und akzeptierendes Umfeld, in dem individuelle Bedürfnisse berücksichtigt werden, kann helfen, Probleme zu vermeiden und die Stärken der ADHS/ADSler zu fördern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr.med. Ursula Davatz Menschen mit ADHS/ADS im Berufsleben empfiehlt, offen mit ihren Bedürfnissen umzugehen, Strategien für den Umgang mit ihren spezifischen Eigenschaften zu entwickeln und ein unterstützendes Arbeitsumfeld zu suchen.