Dr.med. Ursula Davatz gibt im Interview verschiedene Ratschläge für Menschen mit ADHS/ADS im Berufsleben. Ihre Empfehlungen lassen sich in zwei Hauptbereiche unterteilen: Umgang mit der Diagnose und Strategien für den Arbeitsalltag.

Umgang mit der ADHS/ADS-Diagnose am Arbeitsplatz

Dr.med. Ursula Davatz rät generell davon ab, die Diagnose ADHS/ADS am Arbeitsplatz offenzulegen, insbesondere bei der Einstellung oder in der Anfangsphase. Dies begründet sie mit der Unsicherheit über die Reaktion des Arbeitgebers und möglichen negativen Folgen wie Diskriminierung.

Statt die Diagnose zu nennen, empfiehlt sie, konkrete Bedürfnisse zu kommunizieren. Man könnte beispielsweise sagen: „Ich kann nicht gut arbeiten, wenn ich unter Druck stehe“ oder „Ich brauche klare Anweisungen“. So können Schwierigkeiten, die durch ADHS/ADS entstehen, thematisiert werden, ohne die Person auf die Diagnose zu reduzieren.

Offenheit über die Diagnose kann laut Dr.med. Ursula Davatz erst dann sinnvoll sein, wenn ein Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber besteht. In diesem Fall kann die Diagnose helfen, gemeinsam Lösungen für Herausforderungen im Arbeitsalltag zu finden.

Strategien für den Arbeitsalltag

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass Menschen mit ADHS/ADS lernen müssen, mit ihren spezifischen Eigenschaften umzugehen. Sie nennt folgende Strategien, die im Berufsleben hilfreich sein können:

  • Verlangsamen: ADHS/ADSler sind oft ungeduldig und wollen alles schnell erledigen. Dr.med. Ursula Davatz rät ihnen, sich bewusst zu verlangsamen, um bessere Entscheidungen zu treffen und ihre Arbeit genauer auszuführen.
  • Ausszeiten: Die ständige Reizüberflutung im Berufsleben kann für ADHS/ADSler besonders anstrengend sein. Daher ist es wichtig, sich regelmässig aus dem Trubel zurückzuziehen und Zeit zum Entspannen einzuplanen.
  • Fokus finden: Medikamente können helfen, sich auf bestimmte Aufgaben zu fokussieren, aber sie ersetzen nicht die Fähigkeit, den eigenen Fokus zu finden. Dr. Davatz ermutigt Menschen mit ADHS/ADS, ihre Interessen und Stärken zu entdecken und sich auf Aufgaben zu konzentrieren, die sie motivieren.
  • Kreative Problemlösung: ADHS/ADSler haben oft unkonventionelle Denkweisen und sind gut im Finden von kreativen Lösungen. Diese Fähigkeiten sollten im Berufsleben gezielt eingesetzt werden.

Dr.med. Ursula Davatz weist auch darauf hin, dass das Arbeitsumfeld einen grossen Einfluss auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Menschen mit ADHS/ADS hat. Ein tolerantes und akzeptierendes Umfeld, in dem individuelle Bedürfnisse berücksichtigt werden, kann helfen, Probleme zu vermeiden und die Stärken der ADHS/ADSler zu fördern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr.med. Ursula Davatz Menschen mit ADHS/ADS im Berufsleben empfiehlt, offen mit ihren Bedürfnissen umzugehen, Strategien für den Umgang mit ihren spezifischen Eigenschaften zu entwickeln und ein unterstützendes Arbeitsumfeld zu suchen.