Dr.med. Ursula Davatz empfiehlt eine bedürfnisorientierte und entwicklungsorientierte Herangehensweise im Umgang mit Jugendlichen, die auf Empathie, Authentizität und Begegnung auf Augenhöhe basiert. Sie betont die Wichtigkeit, von vorgefertigten Lösungen Abstand zu nehmen und stattdessen die Jugendlichen aktiv in den Prozess der Problemlösung einzubeziehen.
Zentrale Punkte ihrer Herangehensweise:
- Wahrnehmung und Verstehen: Anstatt vorschnell zu urteilen oder Lösungen zu präsentieren, sollten Erwachsene versuchen, den Jugendlichen in seiner Persönlichkeit, seinem Umfeld und seiner Herkunft wahrzunehmen und zu verstehen.
- Dazu gehört auch, die prägenden Einflüsse auf den Jugendlichen zu erkennen und zu berücksichtigen.
- Bedürfnisorientierte Kommunikation: Jugendliche sollten ermutigt werden, ihre Bedürfnisse zu äußern, und Erwachsene sollten diese Bedürfnisse ernst nehmen.
- Dies kann Jugendlichen helfen, ihre Emotionen zu regulieren und Stress abzubauen.
- Authentizität und Offenheit: Erwachsene sollten Jugendlichen gegenüber authentisch und offen sein, auch in Bezug auf eigene Schwierigkeiten oder Unsicherheiten.
- Vorgetäuschte Kompetenz oder Perfektion wird von Jugendlichen schnell durchschaut und führt zu Misstrauen.
- Begegnung auf Augenhöhe: Der Umgang mit Jugendlichen sollte auf Augenhöhe stattfinden, ohne Druck oder übertriebenen Ehrgeiz seitens der Erwachsenen.
- Jugendliche wollen sich ernst genommen und respektiert fühlen.
- Kooperation statt Gehorsam: Anstatt auf Gehorsam zu pochen, sollten Jugendliche in Kooperationsprozesse eingebunden werden.
- Befehle und Druck führen oft zu Widerstand und Rebellion, während eine kooperative Herangehensweise die Motivation und Eigeninitiative der Jugendlichen fördert.
- Geduld und Zeit: Es ist wichtig, sich Zeit zu nehmen, um den Jugendlichen kennenzulernen und eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen.
- Schnellschüsse und vorgefertigte Lösungen sind oft kontraproduktiv.
- Stärkung der Selbstmotivation: Jugendliche sollten dabei unterstützt werden, ihre eigene Motivation zu finden und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.
- Anstatt die Jugendlichen zu stoßen oder zu ziehen, sollten Erwachsene ihnen den Raum und die Unterstützung geben, die sie brauchen, um sich selbst zu entwickeln.
- Fokus auf Fortschritte: Kleine Fortschritte sollten anerkannt und gewürdigt werden, anstatt sich auf Misserfolge oder Fehler zu konzentrieren.
- Positive Verstärkung ist motivierender als Kritik oder Bestrafung.
- Suche nach Interaktionsfehlern: Bei Problemen oder Konflikten sollten Erwachsene versuchen, die Ursachen in der Interaktion zwischen dem Jugendlichen und seinem Umfeld zu finden.
- Anstatt die Schuld beim Jugendlichen zu suchen, sollten alle Beteiligten in die Reflexion und Lösungssuche einbezogen werden.
Besondere Herausforderungen im Umgang mit der heutigen Jugend:
- Einfluss der digitalen Medien: Die Allgegenwärtigkeit digitaler Medien und die damit verbundenen Verlockungen (schnelle Belohnungen, Reizüberflutung, Oberflächlichkeit) stellen eine besondere Herausforderung im Umgang mit Jugendlichen dar.
- Defizite des Bildungssystems: Das veraltete Schulsystem mit seiner Fokussierung auf Leistung und Konformität wird den Bedürfnissen vieler Jugendlicher nicht gerecht und trägt zu Motivationsproblemen und Schulversagen bei.
- Mangelnde Sozialkompetenz: Dr. Davatz beobachtet einen generellen Mangel an Sozialkompetenz in der Gesellschaft, der sich auch bei Erwachsenen (Lehrern, Politikern) zeigt. Dies erschwert es, Jugendlichen positive Vorbilder und angemessene Unterstützung im Bereich der sozialen Interaktion zu bieten.
Zusammenfassend plädiert Dr.med. Ursula Davatz für eine grundlegend andere Herangehensweise an Jugendliche, die auf Verständnis, Respekt, Authentizität und Kooperation basiert. Nur so können Jugendliche ihre Potenziale entfalten und zu verantwortungsvollen und selbstbestimmten Erwachsenen heranwachsen.
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